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 PfWB brauchen (Bd. 1, Sp. 1167)   PfWB Segen (Bd. 6, Sp. 14)   PfWB Maien-segen (Bd. 4, Sp. 1131) 
   brauchen schw.:
1.
a. 'benutzen, verwenden', brauche, brouche, bruche, s. F. [allg.]; vgl. PfWB gebrauchen. Dene kammer iwweraal brauche, von einem Tüchtigen [ PS-Saalstdt, allg.]. Der braucht sei Maul, wer unerschrocken seine Meinung sagt, sich mit Worten zu verteidigen weiß [KU-Kaulb, verbr.]. a. 1480: vnschedlich holtz ... ihn den eigen wäldchin zu hauen vnd ... zu brauchen [PfWeist. I 446 (KL-Erlb)]. 16. Jh.: und sollen sie und die von Heiligenstein den weidgangk bruchen, als von alter herkomen ist [PfWeist. I 97 (SP-Berghs)]. a. 1590: Item es soll auch ein Jeder, der Inn dieser Statt hanthiren will, kein maß, wag, Eln oder Gewicht breuchen, Es sei ihm zuvor ... mit der Statt zeichen gebrandt [ZweibrUrkb. 164]. —
b. e Weibsmensch b. 'beschlafen' [verbr.]. —
c. 'mit Sympathiemitteln (Zaubersprüchen, Einreibungen, Blasen, Bestreichen) heilen'. Die kann brauche [verbr. noch um 1900, heute selten]. Sie hot dem Kind drei Dag gebraucht, weil's angewachse war; jetzt esch's wirrer g'sund [ BZ-Dernb]. Brauchspruch gegen Mumps: Ohreklamm, Ohreklamm, ich brauche der met de Feierzang [ KU-Kaulb]. Warze kammer vertreiwe mit Brauche. Mer sagt drei Owed hen'dran: Neimuund, was ich anguck, nemm zu, was ich streich, nemm ab [Fogel Beliefs Penns Nr. 1728]. Mit Karfreidagsaier kammer gut brauche [ebd. Nr. 862]. Weitere Beispiele des Brauchens s. bei PfWB Abnehmen 1, PfWB anwachsen 3, PfWB pispern 2a, PfWB Blut 1, PfWB Bräune, PfWB Fieber, PfWB Gelbsucht, PfWB Magenfieber, PfWB Milchfrost, PfWB Mumps, PfWB Rose, PfWB Schmerz, PfWB Schußblater, PfWB Warze, PfWB Wunde, PfWB Zahnweh. Vgl. Becker Vk. 134 ff. und Fogel Beliefs Penns. —
2. = PfWB verbrauchen. Mer hänn

[Bd. 1, Sp. 1168]
viel Geld verdient, hänn awwer aach viel werrer gebraucht [PfRSch. vom 29. 10. 1933 (FR-Hettleidh)]. SprW.: Hat mer viel, dann brauch mer viel; auch das Gegenteil dazu: Was mer net hat, brauch mer net [Kaislt, verbr.]. —
3. 'bedürfen, nötig haben'.
a. positiv. Eß, was der schmackt un hall dich gut, dann brauchschde ke Dokter [ ZW-Battw]. RA.: Die braicht (bräuchte) achtzehn, von einer Liederlichen [ LU-Opp]. Der kinnt (könnte) en Geldschisser brauche [ BZ-Dernb]. Er braucht die ganz Stroß, von einem Betrunkenen [ LU-Muttstdt]. Wann de wieder was brauchscht, ich bin alle Markdag do, als höfliche Ablehnung des Dankes [ LU-Neuhf]. Hitz hot er, sacht er, hätt er; Kiehling (Kühlung) braicht er, mecht er, wett er (wollte er) [ SP-Harths]. Wammer die Wichsberscht braucht, es se net do [ KB-Bennhs]. Es brauch äns es anner [ WD-Niedkch]. Geld esch Dreck, awwer mer braucht's [ BZ-Dernb]. E gut Ding brauch(t) Weil [ Gal]. Der kann alles brauche, was er gelernt hat, von einem Dummen [ KU-Schmittw/O]. —
b. negativ. Die bergab fahrende Lokomotive faucht mit Leichtigkeit: Ich brauch dich nit, ich brauch dich nit! [LU-Opp, verbr.]. Er is krank, brauch awwer net se leie [ KU-Bedb, allg.]. RA.: Wann der schloft, braucht er nix se esse [ Gal-Brig Obl]. SprW.: Wer sich wääß se schicke, der braucht sich net se bicke [ GH-Nd'lustdt, Kaislt]. — F.: bruxə lothr. SWPf (südl. der Linie Hus, s. K. 1); brouxə verbr. SWPf wie Hous, s. K. 1; brāuxə KU-Ulm Friedhs HB-Jägbg verbr. Nordteil der südl. VPf (vgl. Heeger Südostpf. § 1 Anm. c und Bertram 84, § 134), bei der jüngeren Gener. 1968 vielfach schon kurzes -a-; bruxə HB-Walshs; übrige Teile der Pfalz allg. brauxə. Ind. Sing. 1. braux (brux, broux, brāux), 2. -x(d), 3. -x(d); Pl. 1.-3. -xə NPf u. WPf westl. der Linie RO-Ebbg — RO-H'stätt — KU-Schmittw/O — RO-Gundw — KL-Kindsb — PS-Horb — PS-Fehrb — PS-Salzwg — PS-Hirschth (die genannten Orte einbegriffen), verbr. Ostteil der NPf, selten VPf; sonst -xən, vgl. PfWB sitzen u. K. 7a in DSA; in Gal-Obl braiχən; Sonderfall für Pl. 2. braiχd, braiχə, braiχən mancherorts Penns, Buffington Penns Var. 224 u. PSA 51. Konj. Prät. Sing. 1. u. 3. braiχd (zu brauxə), brid (zu bruxə), bręiχd (zu brouxə), brāiχd (zu brāuxə); 2. -χ(d); Pl. -χdə u. -χdən. Part. Perf. gəbrauxd (gəbruxd, gəbrouxd, gəbrāuxd), seltener (und dann zumeist in konjunktivischer Verwendung) gəbraiχd (gəbrid, gəbręiχd, gəbrāiχd). Südhess. I 1078/79; RhWB Rhein. I 926 ff.; Saarbr. 35; LothWB Lothr. 67 bruchen; ElsWB Els. II 179 bruchen; Bad. I 310.

 

   Segen m.: 'Spruch, der Heil bringen soll; Wohltat, Heil, unerwartete Gunst', Sääche, Seche (sχə, sęχə)

[Bd. 6, Sp. 15]
[verbr. mittl. u. südl. VPf], Sääge, Segge (sgə, sυə, sęυə) [mancherorts mittl. VPf NOPf vereinzelt übrige Pf], Seje [PS-Erfw KB-Kriegsf NW-Frankeck Lambert Penns 149], Saaje (sjə) [ PS-Bundth Fischb Petbch], Saache (sχə) [ PS-Erfw], Sääe, Se'e (sə, sęə, seə) [NPf WPf], Sää (s) [ PS-Lu'wink], Sēh [Schandein Ged. 249], Säische [ HB-Breitft], Sään [IB-Ensh (Glass 92)]; Zs.: PfWB Abend-, PfWB Blasius-, PfWB Brautkranz-, PfWB Primiz-, PfWB Grundbirnen-, PfWB Maien-, Morgen-, PfWB Wundsegen; de S. ussdääle 'den Segen spenden' [IB-Ensh (Glass 92)]. Es isch e wahrer Seeche [PS-Rodalb (Bernhard 170)]. De Parre spricht de S. [ LU-Opp]. De Herr Parre dut s'letscht de S. spreche [ LU-Friesh]. RA.: Moin S. hoschde 'Mein Einverständnis hast du' [NW-Freinsh, verbr.]. Der muß noch sen S. dezu gewwe [ LA-Gommh]. Der muß zu allem soine S. gewwe 'Der muß in alles hineinreden' [ LU-Opp]. SprW.: Wem de Herrgott de S. (Kindersegen) gebt, der soll ne behalle (und kein Kind abtreiben) [Krämer Gal 196]. BR.: Hat der Januar viel Reje, bringt's de Frucht wenich S. [ NW-Frankeck, PS-Fehrb]. Mairege bringt viel Sege [ ZW-Hornb]. Maiefrescht - nixnutze Gäscht. Maierege, des bringt Sege [Zeitw. Gal 1959]. Volksgl.: Wer beim Segen bei der Trauung die Hand oben hat, regiert in der Ehe [ RO-Nd'mosch]. Regen am Hochzeitstag bringt Segen [ KU-Rutsw/G]. Beim Brotbacken erhielten die Hausarmen einen kleinen Laib, denn sonst sei kein Segen im Haus [Schandein Bav. IV,2 414]. Zu Heil-, Schutz-, Feuersegen, Segensbeschwörungen u. ä. s. PfWB brauchen 1 c und Becker Vk. 132 ff. VR. (scherzhafter Heilsegen, bei dem man einem Kind über die schmerzende Stelle streicht): Haale (Heile), haale S. / drei Dag Reeche, / drei Dag Schnäi, / Wehweh dut nimmeh wäi [ LU-Altr]; Var. s. PfWB drei 3, PfWB heilen 1, PfWB Hünkelsdreck, PfWB Kälbchensdreck, PfWB Katzendreck 2, PfWB Meise 1 a. Südhess. V 951 ff.; RhWB Rhein. VIII 13/14; LothWB Lothr. 475; ElsWB Els. II 336.

 

   Maien-segen m.: wie schd., in der BR.: Aprilerääche bringt Maiesääche [ GH-Leimh]; vgl. PfWB Mairegen. —