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| PfWB brauchen (Bd. 1, Sp. 1167) | PfWB Schuß-blater (Bd. 5, Sp. 1511) | |||||||||||||||||||||||||||
1. a. 'benutzen, verwenden', brauche, brouche, bruche, s. F. [allg.]; vgl. PfWB gebrauchen. Dene kammer iwweraal brauche, von einem Tüchtigen [ PS-Saalstdt, allg.]. Der braucht sei Maul, wer unerschrocken seine Meinung sagt, sich mit Worten zu verteidigen weiß [KU-Kaulb, verbr.]. a. 1480: vnschedlich holtz ... ihn den eigen wäldchin zu hauen vnd ... zu brauchen [PfWeist. I 446 (KL-Erlb)]. 16. Jh.: und sollen sie und die von Heiligenstein den weidgangk bruchen, als von alter herkomen ist [PfWeist. I 97 (SP-Berghs)]. a. 1590: Item es soll auch ein Jeder, der Inn dieser Statt hanthiren will, kein maß, wag, Eln oder Gewicht breuchen, Es sei ihm zuvor ... mit der Statt zeichen gebrandt [ZweibrUrkb. 164]. — b. e Weibsmensch b. 'beschlafen' [verbr.]. — c. 'mit Sympathiemitteln (Zaubersprüchen, Einreibungen, Blasen, Bestreichen) heilen'. Die kann brauche [verbr. noch um 1900, heute selten]. Sie hot dem Kind drei Dag gebraucht, weil's angewachse war; jetzt esch's wirrer g'sund [ BZ-Dernb]. Brauchspruch gegen Mumps: Ohreklamm, Ohreklamm, ich brauche der met de Feierzang [ KU-Kaulb]. Warze kammer vertreiwe mit Brauche. Mer sagt drei Owed hen'dran: Neimuund, was ich anguck, nemm zu, was ich streich, nemm ab [Fogel Beliefs Penns Nr. 1728]. Mit Karfreidagsaier kammer gut brauche [ebd. Nr. 862]. Weitere Beispiele des Brauchens s. bei PfWB Abnehmen 1, PfWB anwachsen 3, PfWB pispern 2a, PfWB Blut 1, PfWB Bräune, PfWB Fieber, PfWB Gelbsucht, PfWB Magenfieber, PfWB Milchfrost, PfWB Mumps, PfWB Rose, PfWB Schmerz, PfWB Schußblater, PfWB Warze, PfWB Wunde, PfWB Zahnweh. Vgl. Becker Vk. 134 ff. und Fogel Beliefs Penns. — 2. = PfWB verbrauchen. Mer hänn [Bd. 1, Sp. 1168] viel Geld verdient, hänn awwer aach viel werrer gebraucht [PfRSch. vom 29. 10. 1933 (FR-Hettleidh)]. SprW.: Hat mer viel, dann brauch mer viel; auch das Gegenteil dazu: Was mer net hat, brauch mer net [Kaislt, verbr.]. — 3. 'bedürfen, nötig haben'. a. positiv. Eß, was der schmackt un hall dich gut, dann brauchschde ke Dokter [ ZW-Battw]. RA.: Die braicht (bräuchte) achtzehn, von einer Liederlichen [ LU-Opp]. Der kinnt (könnte) en Geldschisser brauche [ BZ-Dernb]. Er braucht die ganz Stroß, von einem Betrunkenen [ LU-Muttstdt]. Wann de wieder was brauchscht, ich bin alle Markdag do, als höfliche Ablehnung des Dankes [ LU-Neuhf]. Hitz hot er, sacht er, hätt er; Kiehling (Kühlung) braicht er, mecht er, wett er (wollte er) [ SP-Harths]. Wammer die Wichsberscht braucht, es se net do [ KB-Bennhs]. Es brauch äns es anner [ WD-Niedkch]. Geld esch Dreck, awwer mer braucht's [ BZ-Dernb]. E gut Ding brauch(t) Weil [ Gal]. Der kann alles brauche, was er gelernt hat, von einem Dummen [ KU-Schmittw/O]. — b. negativ. Die bergab fahrende Lokomotive faucht mit Leichtigkeit: Ich brauch dich nit, ich brauch dich nit! [LU-Opp, verbr.]. Er is krank, brauch awwer net se leie [ KU-Bedb, allg.]. RA.: Wann der schloft, braucht er nix se esse [ Gal-Brig Obl]. SprW.: Wer sich wääß se schicke, der braucht sich net se bicke [ GH-Nd'lustdt, Kaislt]. — F.: bruxə lothr. SWPf (südl. der Linie Hus, s. K. 1); brouxə verbr. SWPf wie Hous, s. K. 1; brāuxə KU-Ulm Friedhs HB-Jägbg verbr. Nordteil der südl. VPf (vgl. Heeger Südostpf. § 1 Anm. c und Bertram 84, § 134), bei der jüngeren Gener. 1968 vielfach schon kurzes -a-; bruxə HB-Walshs; übrige Teile der Pfalz allg. brauxə. Ind. Sing. 1. braux (brux, broux, brāux), 2. -x(d), 3. -x(d); Pl. 1.-3. -xə NPf u. WPf westl. der Linie RO-Ebbg — RO-H'stätt — KU-Schmittw/O — RO-Gundw — KL-Kindsb — PS-Horb — PS-Fehrb — PS-Salzwg — PS-Hirschth (die genannten Orte einbegriffen), verbr. Ostteil der NPf, selten VPf; sonst -xən, vgl. PfWB sitzen u. K. 7a in DSA; in Gal-Obl braiχən; Sonderfall für Pl. 2. braiχd, braiχə, braiχən mancherorts Penns, Buffington Penns Var. 224 u. PSA 51. Konj. Prät. Sing. 1. u. 3. braiχd (zu brauxə), brid (zu bruxə), bręiχd (zu brouxə), brāiχd (zu brāuxə); 2. -χ(d); Pl. -χdə u. -χdən. Part. Perf. gəbrauxd (gəbruxd, gəbrouxd, gəbrāuxd), seltener (und dann zumeist in konjunktivischer Verwendung) gəbraiχd (gəbrid, gəbręiχd, gəbrāiχd). — Südhess. I 1078/79; RhWB Rhein. I 926 ff.; Saarbr. 35; LothWB Lothr. 67 bruchen; ElsWB Els. II 179 bruchen; Bad. I 310.
| 1. 'Geschwür am Augenlid', auch: 'Entzündung, rote Flecken auf der Augenhornhaut', Schußbloder [KU-Krottb (Vogelsgesang 38) KL-Trippstdt LU-Friesh Oggh Opp NW-Frankeck Geinsh Kallstdt Weish/S SP-Harths Heiligst Spey NW-Haßl LA-Gommh Mörzh Nd'hochstdt Venn BZ-Albw Dernb, Bergz (PfId. 129) GH-Bellh, Lambert Penns 146 Danner Penns 158 Krämer Gal 194 Don-Schowe Torscha], -blorer [ LA-Siebdg]; Syn. s. PfWB Gerstenkorn 2. Volksgl.: Wammer'n Schußbloder oder'n Wegschisser am Aag hot, muß mer en schmutzicher Deller angucke [Fogel Beliefs Penns Nr. 1583]. Brauchspruch gegen die Sch.: Schußblader, ich dub dich, / Schmutziger Deckel, ich druck dich! [aus LA-Frankw um a. 1800 (Heeger Vhk. 51)]; Var. s. PfWB raumen 1. Weiterer Brauchspruch: Der Daumen wird auf die Augen gelegt und gesprochen: [Bd. 5, Sp. 1512] Hernbloder, Schußbloder, Erbsebloder, Sondbloder, Blutbloder; / für alle böse Blodere / streich ich mit meim rechte Daumen / daß du sollst das Auge saumen. / Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Beim Nennen der 3 höchsten Namen wird jedesmal über die wunde Stelle geblasen [ ZW-Gr'steinhs]. Andere Praktiken: Mit dem Daumen wurde dreimal ums Auge gefahren und beim Sprechen der drei höchsten Namen hineingeblasen. Das Brauchen konnte eine Frau von einem Mann erlernen und umgekehrt [ LU-Friesh]. Sch. is en gaschdich Ding, / Die reibt mer mit 'me Hochzichring. / En anner Middel is bekannt, / Mer streicht se mit 're dode Hand [Birmelin Penns Gezw. 65]. — 2. 'mit geronnenem Blut gefüllte Hautblase, die sich nach einer Quetschung bildet' -blorrer [ WD-Niedkch]; vgl. PfWB Blater, PfWB Blutblase, PfWB Blutblater. — Südhess. V 837; RhWB Rhein. VII 1937; ElsWB Els. II 171. —
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