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 PfWB Bott (Bd. 1, Sp. 1131)   PfWB Kessel (Bd. 4, Sp. 182)   RhWB Winkel II (Bd. 9, Sp. 551) 
   Bott n., m., Botte f., Botten m., n.:
1. Freiplatz

[Bd. 1, Sp. 1132]
beim Fangspiel, das (der, die) Bott (bǫd), der (das) Botte (bǫdə) [WPf NPf Nordteil von NW], de Bolle (bǫlə) [ IB-Hass], das Bord (bǫrd) [ KU-Dunzw KL-Ramst], die Bord [ FR-Carlsbg], das Borde [ NW-Kallstdt]; Näheres zur Verbr. s. K. 63. Zs. Ruhbott. Syn.: PfWB Absatz 4, PfWB Bannschuh, -stock, PfWB Paßstock, PfWB Pfahl 3, PfWB Biet2, PfWB Bietung, PfWB Blöße, PfWB Boa, PfWB Bollix, PfWB Borzel, PfWB Bottel, PfWB Bottenplatz, -stock, PfWB Botter, PfWB Botthaus, PfWB Burg 2 b, PfWB Dole, PfWB Ecke, PfWB Erlaubt, PfWB Freimal, PfWB -platz, PfWB Gartenlatte, PfWB Gebiet, PfWB Gebot, PfWB Gol, PfWB Hag, PfWB Haus, PfWB Höhle, Kasserole, PfWB Kessel, PfWB Kittchen, PfWB Kreis, PfWB Letze, PfWB Mal, PfWB Mod, Ruhbk, -bott, PfWB Ruhe, Ruhhaus, PfWB -platz, -pfosten, -stand, -stock, PfWB Seele, PfWB Stand, PfWB Starre, PfWB Stock, PfWB Umplatz, PfWB Verbot, PfWB Ziel.
2. 'Partie im Spiel', Bott [PfId. 25]; Lexer Lexer I 331. —
3. soviel wie 'mal' in dem Adv. allebott, s. PfWB allegebot. — Zu mhd. bot 'Gebot'. In der Bed. 1 lag urspr. wohl rbǫd vor, das als Reliktform (Verbott) mancherorts noch erhalten ist, s. K; bǫlə zeigt den Wandel von d zu l (wie z. B. in fūlər 'Futter'); bǫldə ist wohl Verunstaltung von bǫdə; bǫrd ist aus bǫdə in Anlehnung an Bord 'Brett' entstanden. — Südhess. I 1046 bot II; RhWB Rhein. I 884/85; Bad. I 301; Schwäb. I 1327.

 

   Kessel m.:
1.
a. 'bauchiges Metallgefäß zum Kochen', Kess(e)l (kesəl, kesl) [weit verbr.]; Pl. -, selten -e (-ə), so z. B. ZW-Battw L'wied KL-Reichb PS-Geisbg; Dim. Kess(e)lche [verbr.], Kess(e)le [mancherorts südl. VPf]. Meist sind (1930) oder waren größere Kessel in Verwendung, so beim Wäschewaschen: Bauch-, Wäschkessel; beim Schlachten: +Brüh-, Fleisch-, Metzel-, Schlacht-, Wurstkessel; beim Latwergkochen: Latwerg-, Latwergschmierkessel; bei der Zubereitung des Viehfutters: Tränke-, +Trink-, Vieh-, Futter-, Grundbirnen-, Saukessel; bei der Bier- und Branntweinherstellung: Bier-, Branntwein-, Brennkessel. Kleinere Kessel: Tee-, Feld-, +Herd-, Kaffee-, Milch-, +Schwenk-, Suppen-, Wasserkessel. Nach dem Metall, aus dem der K. hergestellt ist: Blech-, Email-, Guß-, Kupfer-, Zinkkessel. Es gibt (gab) über der Feuerstelle eingemauerte (ufgemauerde) und über offenem Feuer aufgehängte K. Mer koche e K. wäich 'Wir kochen einen K. voll Kartoffeln weich' [ KU-Schmittw/O]. RA.: Wir müssen de K. ufhenke 'viel kochen, viel herrichten' [ KU-Bedb]. So e Schoppener drei viere gebt Feier unner de K. 'macht einen feuerig' [PfMus. 1887, S. 86 (WPf)]. Auf die Frage Was kochschde heit? antwortet die Hausfrau neckend: Was de K. nit

[Bd. 4, Sp. 183]
freßt! [ Rußl-Katharinental Sulz]. SprW.: Wer sich am e rußige K. reibt, werd schwarz [ KU-Trahw, mancherorts]. —
b. 'kesselförmiges Gefäß überhaupt'.
α. 'der eiserne Kochtopf' [vereinzelt]. —
β. 'kleines Gefäß mit Bügel zum Essentragen', Kesselche [ KU-Herschw/Petth]. Zs. Essenkessel. —
γ. 'Gefäß der Lampe zur Aufnahme des Petroleums', Kessel [ ZW-Battw]. —
δ. Weitere Zs.: PfWB Dampf-, PfWB Ruß-, PfWB Weihwasserkessel. —
2.
a. K. bei Kinderspielen.
α. 'kesselförmige Vertiefung beim Spiel Hurrsau' [ KU-Erdb]. —
β. 'der Platz, auf dem man beim Kinderspiel nicht geschlagen werden darf' [ FR-Flomh]. Syn. s. PfWB Bott 1. —
γ. 'die Mitte des von den spielenden Kindern gebildeten Kreises beim Spiel Kessel-Daler-Ring'. Ein Kind sitzt im K., die anderen gehen im Kreis und sprechen: Kessel, Kessel, Daler, Ring; wer sitzt in diesem K. drinn? Dem Parre sein jüngschtes Döchterlein! Darf mer sie auch sehen? O nein, o nein, das kann nicht sein; die Hand muß abgeschnerren (abgeschnitten) sein! Der Ring der Kinderhände wird dann von einem von außen kommenden Kind getrennt und das im K. sitzende Kind herausgeholt [ BZ-Dernb]; vgl. PfWB Taler 1 a. —
δ. Beim Spiel Kessel-Mittel-Maus spielen die Kinder mit halbierten Bohnen. Fallen beim Hinwerfen einer halbierten Bohne beide Hälften auf die Schnittfläche, dann sind sie Kessel. Fallen sie auf die Außenfläche, dann sind sie Mittel. Fällt eine Hälfte auf die Schnittfläche, die andere auf die Außenfläche, dann ist Maus geworfen. Der Wurf soll vorher erraten werden. Wem das gelingt, der hat gewonnen [ BZ-Dernb]. Ein ähnliches Bohnenspiel ist Kessel-Meisel-Mohrle: Die zwei Hälften einer großen Gaggelbohne (s. Gaggel2 2 a u. b) werden in die Höhe geworfen. Fallen die beiden Hälften auf die Innenseite, so erhält der Werfer den Kessel, fallen sie auf die Rückenseite: das Mohrle, und fällt eine auf die Innen- und eine auf die Rückenseite: das Meisel. Die Reihenfolge des Wurfes wird bei Spielbeginn festgesetzt. Nach einer Weile werden die Gewinne gezählt. Kessel gewinnt 6, Meisel 2 und Mohrle 4 Bohnen. Wer die meisten Bohnen hat, ist Bohnenkönig [Wilde 30 (Frankth NW-Kallstdt)]. —
b.
α. 'Kessel bei der Treibjagd', Jägerspr. [vereinzelt]. —
β. 'Gebiet, in dem im Krieg Truppen eingeschlossen sind', Militärspr. [vereinzelt]. —
γ. s. Zs. PfWB Hexenkessel. —
c. 'tiefe Stelle in einem Gewässer'; de K. [ KU-Rutsw HB-Einöd IB-Bierb RO-Als KL-Nanzdzw LA-Birkw GH-Bellh]; vgl. PfWB Künkel. —
d. 'Mulde im Gelände' [mancherorts], 'abgeschlossenes Waldtal' [ PS-Erfw]. Zs. PfWB Talkessel. FlN: Kessel [ NW-Niedkch PS-Herschbg Lembg], Im K. [ KB-Kriegsf KL-Heilmosch LU-Muttstdt LA-Nußd], Appenhofer K. [ BZ-Ingh]. a. 1673 Wiesen im Keßel [NW-Deidh (StArch.)]; a. 1713

[Bd. 4, Sp. 184]
im Keßel oder Weiberthal [Zweibr I 941 (KL-Heiligmosch)]; vgl. PfWB Kesselberg, PfWB -brunnen, PfWB -delle, PfWB -grund, PfWB -loch, PfWB -lochberg, PfWB -wiese, PfWB -winkel. — Südhess. III 1269/70; RhWB Rhein. IV 434 ff.; LothWB Lothr. 283; ElsWB Els. I 474; Bad. III 114/15.

 

  PfWB  ElsWB  LothWB Winkel II das Wort ist allg., u. zwar Rhfrk, Mosfrk wiŋgəl, –e-, –ø-; sonst -eŋk- [Mörs, Geld auch -e-]; Pl. -ələ(n) [Aach, Selfk, Klevld -əlts], Dimin. -əlχə(n), –əlkə, –əltə, –əltjə m.: 1. wie nhd. a. der geometrische W., von dessen Arten aber nur der rechte W. vom Volk gekannt ist u. kurzweg als wiŋgəl bezeichnet wird, bes. von Bauhandwerkern u. Schreinern; dat steht nit im W. Wände od. Möbel sind nicht rechteckig Rhfrk, Allg.; de Sens steht em W. Westerw; als erste Massnahme wird für den Hausbau an den 4 Ecken der W. geschläh, d. h. der Baugrund wird durch 4 Eckpfählchen u. durch eine diese verbindende Richtschnur bezeichnet Siegld, OBerg. — b. Schreinerwerkzeug aus Eisen Allg. — c. ein Eisenblech in W.form, aufs Holz genagelt, teilweise geschraubt, an den Ecken der Fensterrahmen, um die Fensterschenkel zusammenzuhalten, auch W.gehäng Gummb. — d. Teil des alten Hafergestells Sieg-Fussh. — e. ein W.zeichen als Bergzeichen, Häzeiche im Hauberg Siegld. — f. winkeliger Riss; e W. an (in) der Bocks (Hose) Merz, Saarbg, Trier, Wittl, Ruhr. — 2. Räumlichkeiten. a. verborgen liegender Platz, Ecken, bes. wenn sie mehr od. weniger verdeckt od. im Dunkeln liegen Rhfrk, Allg.; W. in einem Feldstück Allg. RA.: Jegliche W. hät singen Dünkel Köln-Stdt. Änecke, Wer, Wer, Zinkel, gro Katz, Buhnefuchs, Huselochs, nein, aus! Auszählr. Saarbg-Söst. — b. enger W., Raum, Schlupf zwischen zwei Gebäuden Koch, Kobl, May, Rheinb-Stdt. — c. Nebentenne, Verbr. nach Wk. IX, 3 (Wäsche) Saarbr-Lauterb, Saarl, Merz, Saarbg. — d. Werkstätte der Weber Aach, Eup, MGladb, Kref, Kemp, auch Wewerschw. (s. auch Scher-, Musterw.). — e. Werkstätte der Schneider Aach-Stdt. — f. Fabrik, bes. Nadelfabrik ebd. — g. Krämerladen n. Benr.-L., rrhn. n. NBerg, auch Kroəm genannt [W., heute mehr Laden Heinsb-Braunsr Karken; W., aber Ladenthek Langbr; Erk-Pesch

[Bd. 9, Sp. 552]
Lade, Houverath L. u. W.; Immerath Krömche; in Grevbr früher W., heute mehr Laden, (Spezerei) geschäft]; südl. der Benr.-L. noch W. Jül-Broich Hompesch Mersch Rödingen Schleiden Stetternich, Wenkelslade Gereonsweiler (sonst Kram, Laden), Dür-Langerwehe Stdt, Bergh-Balkhsn Berrend Buir Grouven Mödr Quadr Stdt Zieverich (früher W.) Glesch; selten W., wohl noch Winkelswar Heppend, Köln-Esch Flittard Mengenich Wesseling (früher) Worring Stdt, Bo-Berkum Kardorf Hemmerich Ippend Lengsd Sechtem Vilich Walberbg, Rheinb-Heimerzh Kirchh Meckenh Queckenbg Rodert Rupperath Wormersd (früher), Eusk-Antw (früher) Bliesh Borr Elsig Euenh Kommern Kreuzweingarten Langend Lechenich OGartzem OElvenich (früher) Palmersh Rövenich Wissk Zülp, Ahrw-Ringen (früher), Schleid-Kall Weyer (früher) Vlatten Wollseifen Berk (früher, dann Putik, jetzt Geschäf); rrhn. MülhRh-BGladb Katterb Overath Schildgen Urbach (Wenkelslade Heumar), Wippf-Frielingsd Klaswipper Klüppelbg Olpe Thier, Sieg-Altenböding Eschmar Honr Honnef OPleis Sieglar (u. W.laden), Waldbr-Bladersb (früher) Windeck, Gummb-Berghsn Bomig Harschd Wiehl (Spezereiw. Stromb), Altk-Witthecke (früher); dat es en nährächtig Wenkeltje Klevld; ene W. afange; W.kə spelen Kaufladen spielen Allg. RA.: Neje W.s häbbt kenn olde Scholden Rees-Ringenbg. De Hunnder (Hühner) legge all met et Gatt op de W. an man muss alle Eier verkaufen Geld. Māt mer nicks en minge W., eh ich usgestivvelt han! kein voreiliges Urteil Köln-Stdt; drīss mer net en de W., bis dat ech usverkof han! Sieg-ODollend, Sülzt. Wenn me Blage no de W. scheckt, kregt de Verköper et Geld Klevld. — Bennew. Laden im Hause ohne Aushängeschild u. Schaufenster Aach-Stdt 1836. — 3. übertr. a. e Winkelche, e klai W. ein wenig Siegld. — b. eine Gruppe Fabrikarbeiter, in derselben Abteilung arbeitend Aach-Stdt.