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 PfWB Bock (Bd. 1, Sp. 1057)   PfWB Kind (Bd. 4, Sp. 200)   PfWB Sorgen-kind (Bd. 6, Sp. 183) 
   Bock m.:
1. männliches Tier.
a. 'Ziegenbock', seltener 'Schafbock', Bock (bǫg) [allg.]. Zs. PfWB Geiß-, Hammel-, Kapitals-, PfWB Regiments-, PfWB Schafbock. a. 1354: einem apt uf den ostermontag zu bringen ein bock und hundert eier [Grimm Weist. V 685 (ZW-Hornb)]. — RA.: Der kann de B. zwische de Herner kisse, von einem Hohlwangigen [LU-Altr, verbr.]. Er sieht aus wie e B. am Michelsdaa, von einem Abgemagerten [ KL-Fischb], vgl. Hebel 13. Er is so steif wie e B., von einem Ungelenkigen [ NW-Freinsh, allg.]. Er stinkt wie e B. [PS-Erfw, verbr.]. Er geht als ins Eckelche un stinkt wie e Beckelche [ Gal-Dornf]. Er springt uf die Arwet wie e Bock ins Messer, von einem Faulen [Hebel 16]. Der laaft (wild) erum wie e g'stochener B. [ NW-Hardbg KL-Fischb]. Der macht Aache wie e g'stochener B., von großen, starren Augen [NW-Niedkch, verbr.]. Er macht Ää wie e B., wo uf'm Schrane 'auf der Schlachtbank' leit, dass. [RO-Als, verbr. NPf Hebel 14]. Der guckt wie e B., wann's blitzt 'Er ist sprachlos, verblüfft' [ KU-Hundh]. Alleweil kimmt's ehm wie 'm B. die Milch, iron. von einem, der etwas schließlich doch begriffen hat [KL-Alsbn, verbr.]. Dem kummt's stoßweis wie 'm B. die Milch, von einem, der zusammenhanglos und mit Unterbrechungen erzählt [ KL-Wörsb, PS-Geisbg NW-Niedkch Frankeck]; de B. zum Gärtner mache, wie schd. [allg.]; de B. bei de Herner fasse 'entschlossen und fest zugreifen' [KU-Schmittw/O, verbr.]. SprW.: Je älder de B., desto härter es Horn 'Je älter der Mensch, desto starrsinniger ist er' [Krieger 19 Fogel Prov. Penns Nr. 166 Don-Bulkes Alexandershs Gal-Sap Buch-Illisch]. Wann's Glick will, gibt de B. Milch [Sunndag 18/1956]. Hot de Deiwel d' Gäß ghoult, so kann er ach de B. houle 'Wenn ein Teil fort ist, kann auch das Ganze zum Teufel gehen' [BZ-Dierb, verbr.]. VR.: Willewillewitt, was macht de Schneider? Willewillewitt, was macht de Bock? Willewillewitt, er hängt am Galje, willewillewitt, er zappelt noch [Feierowend 5/1950]. Katrienche mer'm Zelariekopp (Selleriekopf) geht en de Stall on melkt de Bock; de Bock der schmeißt de Eemer om, Katrienche fallt en de Knorrle rom [ HB-Kirrbg]; Var. hierzu s. PfWB Jakob, Kazuf. — Scherzh. Neujahrswunsch: Proscht Neijohr, ich winsch eich 'n Bock mit Hoor, daß ehr allzeit mit dem Bock uf Landaach (Landau) reit [ LA-Mörlh].

[Bd. 1, Sp. 1058]
Fasnacht, die Pann kracht, schlacht mei Mutter e Bock; un wann mei Mutter kee Bock schlacht, peif ich uf die Fasnacht [ NW-Hardbg]. Weitere VR s. PfWB Kind, PfWB Regenwetter, PfWB Schneider, PfWB strüpfen. Kinderspiel: Ein Kind trommelt mit den Fäusten auf den Rücken des anderen, das sich niedergebeugt hat. Dabei singt das erste: Bumbele, bumbele, Hollerstock, wieviel Herner hot de Bock? Wieviel Finger stiehn? Das zweite muß erraten, wieviel Finger das erste ausgestreckt hat. Errät es die Zahl der ausgestreckten Finger, dann werden die Rollen getauscht. Andernfalls trommelt das erste weiter und singt: Häschde ... Finger gerot, häschde net dei Bumbes kriet [KU-Kaulb, verbr.]. Ein anderes Spiel s. bei PfWB Backofen. Die turnerische Übung De Bock abziehe s. bei PfWB abstrüpfen; vgl. auch PfWB Purzel-, Stutzebock. —
b. von anderen Tieren.
α. wild lebende Tiere in den Zs. PfWB Gabel-, Gems-, PfWB Reh-, PfWB Sechser-, PfWB Spieß-, PfWB Stein-, PfWB Viererbock. —
β. 'verschnittenes Schwein', Beckelche [ RO-Gonb]; vgl. PfWB Barg. —
γ. 'Rassepferd' in der Zs. PfWB Rassebock; 'altes abgetriebenes Pferd', alder Bock [verbr.]. —
δ. 'störrisches Tier', im Scheuchruf auf das Rindvieh: Gehschde fort, du Bock! [KU-Sand RO-Sippf]; vgl. auch die Zs. PfWB Stallbock. —
ε. 'Käfer mit langen Fühlern' [ PS-Geisbg Rockhs KB-Kriegsf]. —
ζ. 'Zecke' in den Zs. PfWB Hecken- PfWB Wald-, PfWB Zeckenbock. —
η. 'Hirschkäfer' in den Zs. PfWB Hirsch-, PfWB Reb-, PfWB Schröterbock. —
θ. 'Made, Larve im Obst' [ KU-Bedb Relsbg]. —
2. vom Menschen.
a. 'alter Junggeselle'; alder B. [ KB-Stett FR-Flomh Gerolsh]. —
b. 'geiler älterer Mann'. Das esch e B. (auch: e alder B.) [LA-Wollmh, verbr.]; vgl. PfWB Bocker. —
c. Spottname für den Schneider [ KB-Kriegsf]; auch in den Zs. PfWB Geiß-, PfWB Schneiders-, PfWB Ziegenbock. —
d. 'Knabe'. Neun Kinner hot erlauter Böck [Müller Butterbärwel 13]. —
e. 'Junge, der fleißig lernt' [ LA-Ilbh]; vgl. PfWB bocken 4. —
f. Uzname für die Bewohner von KL-Mölschb: Melschbacher Beck; dass. für ZW-Riedbg Marthh Buch-A'fratautz. —
g. andere Uz- und Schimpfnamen in den Zs. PfWB Bettel-, Heide-, Hof-, PfWB Hörner-, PfWB Nadel-, PfWB Oster-, PfWB Rassel-, PfWB Rolz-, PfWB Sau-, Sozen-, PfWB Stink-, PfWB Wellen-, Zassel-, PfWB Zottel-, PfWB Zwiebelbock. —
3. von Pflanzen.
a. 'Kiefernzapfen' in der Zs. Kuhnenböcklein. —
b. 'taube Steckzwiebel' [»allg.« (Wilde 280)]. —
4. von Gestellen und Geräten und deren Teilen.
a. jedes Untergestell mit drei oder vier (zumeist gespreizten) Beinen in den Zs. PfWB Tisch-, PfWB Drei-, PfWB Gerüst-, PfWB Reif-, PfWB Schmier-, PfWB Schneid-, Schnitzel-, PfWB Waben-, Wäschebock. —
b. = PfWB Sägebock. Rätsel: Weller B. hat kee Haut? [ ZW-Marthh]. Eich hun e B., der stoßt net un schmeißt net un scheißt net [ KU-Reiffb]. —
c. 'dreifüßiger Stuhl des Schusters'

[Bd. 1, Sp. 1059]
[verbr.]; vgl. PfWB Schemel. Zs. PfWB Schusterbock. —
d. das Turngerät 'Pferd' [verbr.]. Zs. Voltischierbock. —
e. 'altes Fahrrad', spöttisch, alder B. [ NW-Frankeck]. —
f. 'aufrecht stehendes Spinnrad mit Spule über dem Rad', im Gegensatz zur Geiß, Beckl [ NW-Lach/Speyd]; dafür auch Schleifsteinchen. —
g. 'hoher Schlitten mit eisernem Untergestell und rundem Sitz', Beckel [ BZ-Gossw]; 'kurzer Kinderschlitten', Beckelche [ FR-Kirchh]. —
h. 'Heureuter', zum Aufsetzen des Heues im Felde [ KU-Bedb Rockhs KB-Zell LA-Altd]. Zs. PfWB Heubock. —
i. 'Lager für den Schleifstein', manchmal nur zwei Blöcke oder Steine, auf denen die Achse des Schleifsteins ruht, Bock [verbr.], Pl. Beck [ NW-Geinsh], Beckl [ LA-Maik]. Zs. PfWB Schleifsteinbock. —
j. 'der über das Rad vorgewölbte Teil des Schubkarrens' [verbr. VPf RO-Dielkch Sippf Semb]. Zs. PfWB Schubkarchbock. —
k. 'Kutschersitz auf dem Wagen' [allg.]. Zs. PfWB Kutscher-, PfWB Schäsenbock. —
l. am Holzpflug das hintere Verbindungsstück zwischen oberem und unterem Pflugbalken [RO-Lohnsf, verbr. WPf Klein Wag. 117]. Syn. s. PfWB Hintersäule. —
m. das dreibeinige Gestell in dem Spiel Bocksmutter.
n. andere Geräte und Geräteteile in den Zs. PfWB Prell-, Hünkel-, PfWB Sattel-, PfWB Mist-, PfWB Stiefelbock. —
5. oberster Klicker im Klickerspiel Böckelns.
6.
a. 'der letzte, nicht mehr vollständige Kornkasten auf dem Feld' [ZW-Mörsb RO-Als Münstapp]; 'die letzte, nicht mehr volle Garbe', Beckelche [KU-Kaulb Eschau RO-Münstapp Als]; vgl. PfWB Bodemgarbe. Hierzu: Christmann Vk. 45, L. Stoll, Der brauchtümliche Wortschatz, S. 180 f. —
b. im Kornkasten die mittlere Garbe, an die die anderen Garben angelehnt werden [ WD-Niedkch HB-Rohrb]. —
c. 'kleiner, nicht gerodeter Rest des Kartoffelackers [ KU-Jettb]. —
rend=>+7." level="3" value="11059.39"> in den B. spannen, eine Strafart. a. 1568: Wegen unerlaubten Fischfanges wurde ein Jakob Ransweiler in den Bock gespannt und außerdem für drei Tage in den Turm gesperrt. Der Bock stand (ebenso wie das Halseisen) vor dem Rathaus. Der Verurteilte wurde auf den Bock gesetzt und unten mit den Füßen festgebunden [Kaislt (Küchler 23)]. a. 1750: Dem Amt Deidesheim wird durch Erlaß der fürstbischöflichen Regierung zu Bruchsal befohlen, einen Bock anzufertigen. In ihn sollten künftig die Jagdfrevler drei Tage lang gespannt werden [Seel, Chronik von Deidesheim, S. 253]. In Don Gal Buch war das Bockspannen unter Knaben noch um 1920 gebräuchlich; vielerorts, bes. in Gal, nannte man es in de bolische (polnischen) Bock spanne. Dem von den Altersgenossen zu dieser Strafe verurteilten Knaben wurden zunächst die Hände so zusammengebunden, daß die Handflächen aufeinander lagen; dann zwang man das Opfer

[Bd. 1, Sp. 1060]
in die Hockstellung, zog die Arme über die beiden Knie hinunter und steckte unter den Kniekehlen einen Stock durch. —
8. der B. im Brauchtum.
a. der bolisch (polnisch) B., 'Begleiter des Christkindes' [ ZW-Lambsbn]. In KU-Konk ging der polnische B. am Nikolaustag noch um 1900 um; es war dies eine Maske, die aus einer Schüttgabel und einem darübergezogenen Tuch hergestellt war. Die zwei Gabelzinken stellten die Hörner des Bockes dar. Der Träger der Maske hielt sich unter dem Tuch versteckt. Durch seine stoßenden Bewegungen wurde der Anblick des Bockes für die Kinder noch schrecklicher [Vogelsgesang 1/2]. Vgl. L. Stoll, Der brauchtümliche Wortschatz, S. 129. —
b. der B. in der Brechhochzeit, s. d. —
9. RA.: Ich han e B. geschoß, e B. gemach 'einen Fehler begangen, mich geirrt, getäuscht' [ KU-Herschw/Petth]. — Südhess. I 975 ff.; RhWB Rhein. I 820 ff.; Saarbr. 32; LothWB Lothr. 54; ElsWB Els. II 28; Bad. I 276.

 

   Kind n.:
1.
a.
α. 'das Kind im Mutterleib; Mensch von der Geburt bis zur Geschlechtsreife', Kind (kind), Kinn (kin), Kend (kend, kęnd), Kenn (ken, kęn), Keend (knd) [Verbr. in der Pfalz s. K. 234]; Auslandspfälzer: Kind [verbr.], Kend [ Gal-Burczyce]. Pl. u. Dim. s. F. — Sie geht merme K. 'Sie ist schwanger' [KL-Stelzbg, verbr.]. Sie kriet ball e K. [ RO-Dielkch]. Sie kriet kä Kinn 'keine Kinder' [ZW-Battw, verbr.]. Der hot er e K. gemacht 'hat sie geschwängert' [RO-Dielkch Sippf, verbr.]. Die hot sich e K. mache losse, um ihn zur Heirat zu zwingen [ NW-Freinsh]. Bei denne isch e K. (e Kläänes) uf die Welt kumme [LU-Böhl, verbr.]. 's es um e K. kumm 'Die Frau hatte eine Fehlgeburt' [ KB-Kriegsf]. Zur Frage, was man kleinen Kindern zu ihrer Herkunft sagt, s. PfWB Kindchensbrunnen. Umschreibung für Kinderreichtum: Die han e Haus voll Kinn [KU-Bedb, verbr.], e Stall voll Kinner [ BZ-Dierb], de Aasch (Arsch) voll Kinner [ LU-Friesh]; auch: Die han se wie die Orgelpeife, immer äns Kopps klenner wie 's anner [ ZW-Battw]. Am Enn vum Dorf sinn die menschte Kinner, weil dort die armen, kinderreichen

[Bd. 4, Sp. 201]

Taglöhnerfamilien wohnten [ LU-Opp]. Kinder aus zweiter Ehe sind die zwatte Kinner [ KB-Rüssing]. Bezeichnungen für Aussehen und Wesensart des Kindes: Das is e schän K. [KU-Bedb, verbr.], e liewes K. [LU-Opp, verbr.], e herzhaftich K. 'ein Kind, das sich nicht fürchtet' [ LA-Gommh], e verzagtes K. 'schüchternes K.' [ Gal-Dornf]. Ein adoptiertes Kind isch e aangenumme K. [NW-Frankeck, verbr.]. Ein uneheliches Kind gilt als unneerich (unnötiges) K. [ KU-Schmittw/O]. Die stillende Mutter gebt em K. die Bruscht [LU-Opp, verbr.]. Um die Patenschaft bittet man etwa mit den Worten: Willscht du mer das K. hewe? [RO-Dielkch, verbr.]. Aussagen über die Entwicklung des Kindes: Ach, is

[Bd. 4, Sp. 202]
des K. gewachse! [ NW-Freinsh Kallstdt]. Das K. kann schun laafe [ KU-Brück]. 's K. kodert 'stammelt' [NW-Kallstdt, verbr., auch Gal]. Das arem K. hat die englisch Kranket [ KL-Reichb]. Ungehorsame Kinder heere gar net [Rockhs]. Die Eltern klagen: Mer hot doch e Kreiz mit denne Kinner [ LU-Opp]. Die Kinner werre ganz verdätschelt 'werden ganz verwöhnt' [ RO-Semb]. Manche Mutter kennt nix wie ihr Kinn [ ZW-Battw], isch arich närrisch uf ehr Kinner [ LA-Gommh]. Andere Eltern gehen mit dem K. um wie die Sau mirem Beddelsack [ FR-Tiefth]. Kosenamen für ein kleines Kind: Boppelche, Buppes'che, Trutschelche, Engelche, Fischelche, Freschelche, Goldche, Hämmelche,

[Bd. 4, Sp. 203]
Herzche, Herzflattche, Knechtche, Liewes'che, Mais'che, Schäfche, Schätzche, Schauckelche, Zukkerherzche u. a. m. RA.: Das macht de Mäd kän K. 'Das hat weiter keine (schlimmen) Folgen' [ KL-Hirschhn]. Ach Gottche, secht 's Lottche: Siwe Kinner un ken Mann; 's is e Schann! [ LU-Friesh]. Ausdruck des Ärgers: Do kennsche e Kind krie vun Lumbe, wenn etwas nicht klappt [ KB-Bischh]. Scherzhaftes Dankeswort: Vergelt's Gott mit lauter kläne Kinn! [Eid 89]. Von einem schwächlichen Kind heißt es: Des K. is wie e Fischel uf em Baam [Land]. Der Ratlose steht da wie 's K. beim Dreck [ RO-O'mosch]. Einem Gast, der nicht Platz nehmen will, sagt man: Traa dem K. net die Ruh fort! [mancherorts Gal]. Ausspruch des Gastes: Ich traa eire Kinner die Ruh naus, wenn man der Aufforderung, Platz zu nehmen, nicht Folge leisten kann [ FR-Ebertsh]. Der Schmeichler will sich, z. B. beim Herr Parre, lieb K. mache [KU-Kaulb, verbr.]. Ortsneckerei: Wer iwwer de Reiter (Reiterhof) geht un kriet ken Wind, wer dorch Hochste (Hochstein) geht un sieht ken Kind, wer dorch Winnwiller (Winnweiler) geht ohne Spott, der hot e Gnad vun Gott [ RO-Gundw]. SprW.: Veel Kinn, veel Glick [Hebel 46]. Gesunde Kinn sein e Gab Gottes [ KU-Kaulb Kreimb]. Kläine Kinn, kläiner Lascht, große Kinn, großer Lascht [KU-Schmittw/O, Hebel 46]; ... kleene Sorje - große Sorje [verbr. Don Gal Buch]. E K. uhne Stoß (ohne Krankheiten) isch ball groß [ LU-Böhl, mancherorts Don Gal Buch]. Gescheide Kinner werre net alt [Hebel 47]. Kinner sinn Kinner [ KU-Trahw Bechb]. Kleene Kinner treten der Mutter uf de Schoß, große uf's Herz [verbr. Don Gal Buch]. E barmherzichi Mutter erzieht lausiche Kinner [verbr. Gal]. Wammer de Kinner de Wille dut, greinen (heilen) se net [verbr. Don Gal Buch]. Je strengr die Rut, je liewr 's Kind [ Don-Gottlob]. Aus Kinner werre(n) Leit [verbr. Don Gal Buch]. Parres Kinn un Millers Kih, wann's geroot, gibt's gut Vieh [Hebel 46]. Kinner un Narre sagen die Wohret [NW-Lach/Speyd, Frankth Horne Penns 18 verbr. Don Gal Buch]. Wann 's Kind gedaaft es, es gut Perrer (Pate) sei (weil dann die Taufgeschenke wegfallen) [ KB-O'wies]. S. auch PfWB Vater, PfWB Mutter. BR.: Wann die Niß geroden, geroden aach die Kinner [Wilde 183 (verbr.)]. Wann die Kenn kreische, gebt's am annere Dag Räin [ WD-Niedkch]. Wann Leit schene Kinner hawwe wolle, misse sie schene Piktschers (engl. pictures 'Bilder') in der Stub hawwe [Fogel Beliefs Penns Nr. 1891]. Wammer en Wieg zu zwet schockelt, wachst 's Kind an [ebd. Nr. 38]. En K., as mer abgewehnt, wann die Beem blieh, werd glei groo (grau) [ebd. Nr. 107]. 's siwet K. gebt en großer Mann [ebd. Nr. 170]. Ein Kind tröstet man: Heile, heile Seche, drei Dach' Reche, drei Dach' Schnee, jetzt dut meim K. sein Finger

[Bd. 4, Sp. 204]
(Fuß) nimin weh [SOPf]. KR.: Schlof, mei Kindche, schlof, dei Vatter hiet die Schof, dei Mutter hiet die Lämmerche mit de goldne Bännerche [KB-Kriegsf, verbr., auch Don Gal]. Hoppe-loppe-leiche, koch 'm Kindche Breiche! Koch 'n net so dick, daß mein Kindche net verstickt! [ KU-Bedb, mancherorts]. Patsche, Patsche Händelcher, was werd der Vatter kaafe? For mei Kindche Schickelcher. Werd des Kindche laafe! [ Gal-Obl]. S. auch PfWB Aa1, PfWB Brei 1 a, Gakkel 1, PfWB sechs. Kinderspiel: Frääche, willscht dein K. verkaafe? Spielregel: Die Kinder stehen in Kreisform, zu zweien hintereinander; das hintere stellt die Mutter, das vor ihr das ihr gehörige Kind vor. Ein Mädchen fragt irgend eine der »Mütter«, ob sie ihr Kind verkaufen wolle. Mutter und Käuferin laufen nun, in entgegengesetzter Richtung, solange um den Kreis, bis das Verslein gesungen ist: »Lieber will ich betteln laufen, als mein gutes Kind verkaufen, das mit mir schlafen geht, das mit mir aufersteht«. Wer zuerst nach beendigtem Gesang beim Kind ist, dem gehört es [J. Hoffmann Chronik d. rheinpfälz. Dorfes Kriegsfeld, 1897, S. 63]. a. 1311: minen swestern Benzeln von Flanborn, Lutzen von Randecken, iren kinden vnd allen vnsen miderben andersite [OttbgUrkb. 305]. a. 1565: ist Groß armutt vnd viell kleiner kindt do [WerschwSchR]. — Zs.: PfWB Armeleute-, PfWB Bäbä-, PfWB Papa-, PfWB Bettel-, PfWB Pfarr-, Pfarrstunds-, PfWB Bruders-, PfWB Brust-, PfWB Teufels-, PfWB Doktors-, PfWB Dorf-, PfWB Tützen-, PfWB Enkel-, PfWB Extra-, PfWB Findel-, PfWB Findlings-, PfWB Flaschen-, PfWB Gassen-, PfWB Gedeih-, PfWB Glücks-, PfWB Heiden-, PfWB Höllen-, PfWB Honig-, PfWB Huren-, PfWB Jesus-, PfWB Kinds-, Königs-, Mama-, PfWB Menschen-, PfWB Milch-, PfWB Mutter-, Nachbar-, Nachgeschwister-, Nachtmahl-, PfWB Neben-, PfWB Reichmanns-, PfWB Sau-, PfWB Schmerzens-, PfWB Schul-, Schüler-, PfWB Schwesters-, PfWB Siebenmonats-, PfWB Sonnen-, Sonntags-, PfWB Sorgen-, PfWB Spei-, PfWB Stadt-, PfWB Städter-, PfWB Stief-, PfWB Straßen-, PfWB Vaters-, PfWB Waisen-, PfWB Wickel-, PfWB Wiegen-, PfWB Windel-, PfWB Zieh-, PfWB Zigeuner-, PfWB Zuckerkind. —
β. Zs. PfWB Kristkind. —
b. von Erwachsenen.
α. 'Nachkomme allgemein'. Unser Kinner sin schun verheirat [NW-Kallstdt, verbr.]. Zs. PfWB Geschwisterkind. —
β. Eine Dorfschöne is e sauwer K. [ RO-Dielkch]. —
γ. in Ausrufen der Verwunderung. Kinner, wie die Zeit vergeht! [verbr.]. Kind Gottes in der Hutschachtel! [Kaislt]. —
δ. Kinner, Neckname für die Bewohner von IB-Hass. —
2.
a.
α. 'Pupille im Auge', Kinn [ BZ-Dernb GH-Kapswey], Kien [ PS-Bruchw], Kinnche [RO-Feil Sippf Pirmas FR-Bockh], Kienche [ Don-Schowe Torscha], Kinnl [PS-Busbg NW-Geinsh SP-Harths LA-Wey Impfl Ilbh Venn Heeger Südostpf. 23]; vgl. PfWB Augenkind. Syn. s. PfWB Pupille. —
β. 'Augapfel', Kinnel [ NW-Haßl Spey],

[Bd. 4, Sp. 205]
Kinnche [Schandein Sprachsch. 27]. —
b. 'Mohn' im Rätsel: Der Mann (Stößel) aus'm Wald, die Fraa (Schüssel) aus der Stadt, die Kinner (die Mohnkörner) aus'm Gaarde [ Gal-Neudorf]. —
c. Kinncher 'Flachsbündel' [ KU-Bedb]. —
d. Zs. PfWB Pfaffenkind (Pflanze). —
e. 'Pfeife', im scherzh. Ausspruch: 's Kind hot kään Luft, wenn die Pfeife verstopft ist [ KL-Mackb]. — F.: Pl. a. Kinner zu Sing. Kind [verbr.], Kinn [mancherorts lothr. SWPf], Kenn [ SP-Harths]; b. Kinn zu Sing. Kind [verbr. NWPf NW-Freinsh Don-Schowe Torscha Gal-Ranischau]; c. Kenner zu Sing. Kend [ ZW-Maßw LA-Mart Mörzh GH-Wörth Gal-Neu-Burczyce]; d. Kenn zu Sing. Kend [WD-Niedkch Ingb ZW-Schmitshs verbr. mittl. u. südl. VPf], zu Sing. Kenn [mancherorts südl. VPf]. — Dim. s. unter 2aα. — Südhess. III 1290 ff.; RhWB Rhein. IV 470 ff.; Lothr. 285/86; ElsWB Els. I 448; Bad. III 123.

 

  Sorgen-kind n.: wie schd., Sorjekind, Sorche-, Sorge-, s. PfWB Sorge [mancherorts]. Rhein. VIII 231.