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 PfWB Blut (Bd. 1, Sp. 1039)   PfWB Bauern-blut (Bd. 1, Sp. 619) 
   Blut1 n.:
1. 'Blut des Menschen und des Tieres', Blut, selten Blutt, Blur, s. F.
a. rot wie B. [allg.]; e Gesicht wie Milch un B., von frischen, roten Wangen [ NW-Frankeck, allg.]. Er hat sieß B., wer vom Ungeziefer geplagt wird [allg.]. Ich bin so verschrocke, wann mich äns g'stoche hätt, härrich (hätte ich) kän Troppe B. gewwe [ PS-Erfw]. Sie verschlaan (hauen) sich, daß's B. spritzt [ KU-Diedk, allg.]. RA.: Ich verschlaa dich, daß die Hunn 's B. lecke [ Don-Schowe, RO-Dielkch]. — Das B. stille, wie schd. [ WD-Niedkch, allg.]. Starke Blutungen stillt man vielfach mit heißen Umschlägen; früher legte man Spinngewebe auf die Wunde [ ZW-Battw Pirmas KU-Brück LA-Wollmh] oder ließ sich brauchen. Ein Brauchspruch aus KB-Kriegsf: Dreierlei Kreitche, häl mer mei Heitche, still mer mei Blut, wie 's der Herr Jesus tut. Vater, Sohn und heiliger Geist; man fährt dreimal gegen die Wunde und sagt den Spruch. Das Blut stillte man auch dadurch, daß man ein Beil oder eine Axt unter die Bettstatt legte, dies vor allem bei Gebärenden. Der Gebärenden wurde auch von einer alten Frau mit dem Beil über den bloßen Leib gestrichen unter Nennung der drei höchsten Namen und Hersagen des Spruches: Wüst Blut, geh fort, Herzgeblüt, an deinen Ort [Schandein Bav. IV/2, 346]. Andere Brauchsprüche s. PfWB bluten, PfWB Jesus, PfWB stillen, PfWB Wunde; Stillung von Nasenbluten s. PfWB Nase. — Mit Übertreibung: Blut schwitze, vor Angst, vor Anstrengung [ KL-Reichb]; vgl. hierzu den VR bei Austerlitz.Dem is 's Blut aangang, bei Blutsturz, auch von Blutungen bei Frühgeburten [KB-Kriegsf, verbr.]. Blut in der Bed. 'Menstruation' s. PfWB Geblüt. — Der Tbc-Kranke spauzt (spuckt) Blut [ KL-Reichb, allg.]. Es geht B. vunem (von ihm), im Stuhlgang, beim Urinieren [ LU-Opp, allg.]. — Häufig sind Wendungen mit bis ufs Blut 'bis zum äußersten': ene pärze (s. PfWB pferdsen) bis ufs B. [ KU-Bedb], peiniche ... [ LU-Oggh LA-Nd'hochstdt], schinne ... [Land], därre (dörren) ... [ KU-Kaulb]. Wie

[Bd. 1, Sp. 1040]
uns die Kerl an Leib und Gut han ausgesuckelt bis ufs Blut [Münch Weltgesch. 55]. — Im Blut wird die Quelle des Lebens, aber auch verschiedener Krankheiten gesehen. Das Blut isch 's Lewe [ PS-Erfw]. Er hot sich 's Blut vefror, bei Erkältung [ PS-Geisbg]. Von einem Anfälligen heißt es: Er hot krankes Blut [BZ-Albw, verbr. (1925)], schlechtes B., bei Seitenstechen [ LU-Fußgh]. 's geht ins B. (iwwer), bei einer Blutvergiftung [Land]. Er hot sich 's Blutt verkalt, auch: hot Schärf (Unreines) im B., bei Hexenschuß [ WD-Niedkch]. Bei starkem Fieber ist das B. verbrennt oder verhitzt, vgl. Heeger Vhk. 6. Bei Ohnmachtsanfällen stockt oder stellt sich 's B. [ebd.]. Vom Zittern heißt es: Er hot dick B.; Heilung geschieht durch Aderlassen [KU-O'staufb]. Die Gall isch bei'm ins B. iwwergange, bei Gelbsucht [ LA-Gommh]. — Nach der Meinung des Volkes kann man das Blut verbessern: Rotwein macht B. [LU-Opp, verbr.]. Rotriewe esse macht rot B. [Fogel Beliefs Penns Nr. 1418]. —
b.
α. Blut der Tiere, bes. in verschiedenen Wendungen, die bei Schlachtungen gebraucht werden: Blut uffange (rihre), damit es nicht gerinnt. Zs. PfWB Sau-, PfWB Schweineblut. Das B. des Jagdtieres in der Jägerspr. allg. Schweiß, s. d. —
β. Pferderasse in den Zs. PfWB Halb-, PfWB Vollblut. —
2. Blut und Seele.
a. Blut und Gemütslage. Ruhich Blut! als Aufforderung [allg.]. Kalt Blut un warm angezoh! dass. [ RO-O'mosch]. Kalt B. un warme Unnerhosse! dass. [Kus]. Das macht beeses B. 'verursacht Unfrieden' [ BZ-Albw, allg.]. Das kann ich im Blut net leire 'ganz und gar nicht leiden', z. B. von üblen Gewohnheiten anderer Menschen [NW-Frankeck, verbr. (1930)]. —
b. Blut und Charakter. Der zum Zorn neigende Mensch hat dinn (auch: hääß) B. in sich [verbr.]. Sein B. wallt gleich [ KL-Kottw/Schwand]. Der hot dick B., von einem, der sich nicht aufregt [ LU-Opp]. Der Griesgrämige hat sauer B. [ LU-Oggh], hot die Gall im B. [ebd.]. Des leit dem im B., von einem, der immer wieder die alten Fehler oder Straftaten begeht [ ZW-Battw, allg.]. Zs. PfWB Fisch-, Frosch-, PfWB Wanderblut. —
3.
a. Blut und Verwandtschaft. RA.: Er is halt unser B., als Ausdruck des Stolzes, wenn ein Verwandter sich ausgezeichnet hat [ NW-Freinsh]. Er is geje soin eije (gegen sein eigenes) Flääsch un B., von einem, der seine Kinder verstößt [ LU-Opp]. SprW.: Verwandt Blut dut net gut 'Verwandtenehen taugen nichts' [ KL-Reichb]. —
b. Blut und Volksart, bes. in den Zs. PfWB Hessen-, PfWB Bauern-, Maurerblut. SprW.: Hessisch Blut is Buttermilch, bayrisch Blut werd net all [ RO-Wintbn]. Bolisch Blut dut keem Deitsche gut, Warnung vor Ehen mit Fremdvölkischen [verbr. Don Gal Buch Rußl-Odessa]. Zweerlaai Blut dut uf eem Kisse net gut, dass. [ Gal-Sap]. Blut is dicker wie Wasser [Fogel Prov. Penns Nr. 163]. Blut is

[Bd. 1, Sp. 1041]
kää Buttermilch [Pirmas]; vgl. PfWB Pfälzer 2. —
4. Blut und Mensch in der RA.: Des isch noch e jung Blut, von einer jungen Frau [ LA-Gommh]. —
5. Blut überirdischer Wesen in den Zs. PfWB Teufels-, PfWB Engelsblut; Pflanzennamen in PfWB Jesu-, PfWB Johannis-, PfWB Muttergottesblut. —
6. Pflanzensaft in PfWB Rebenblut; vgl. auch PfWB bluten. — F.: blūd fast allg., blūr (!) 1930 in KU-Konk, blud WD-Niedkch. — Südhess. I 963 ff.; RhWB Rhein. I 806/ 07; Saarbr. 31; LothWB Lothr. 53; ElsWB Els. II 172; Bad. I 272/73.

 

  -blut n.: Er hot Bauereblut in sich 'ist von bäuerischer Abstammung' [ KU-Kaulb, allg.]. —