blitzen1 schw.: 1. wie schd., blitze (blidsə) [allg.]. a. vom Blitzen in der Natur. RA.: Er macht e Gesicht wie e Bock, wann's blitzt 'ist erschrocken, sprachlos' [PS-Gersb, verbr.]; hierzu die Varianten mit: wie e Ochs [KU-O'staufb], wie e Katz [ FR-Kindh], wie e Aff [ BZ-Nd'horb]. Er macht Aage wie e Gansert, wann's blitzt [Hebel 14]. Der verdreht die Auwe wie e Gluck, wann's blitzt [PS-W'fischb, verbr.]. Er macht e Gesicht wie e Maikäwer, wann's blitzt [ ZW-Gr'bundb]; dass. mit der Variante wie e Mott [ RO-Schweisw KL-W'lein]. — b. vom Mündungsfeuer. VR.: Bei Austerlitz do hott's geblitzt, do hunn die Russe Blut geschwitzt [ KU-Schmittw/O]; dazu die Var. aus der VPf: ... do sin die Franzose ins Wasser geritscht. Zs. PfWB aufblitzen. — c. vom Glitzern der Sterne, vgl. PfWB blitzern. — d. vom glänzenden Aufleuchten der Augen. Sei Aa hun geblitzt [NPf, allg.]; Zs. PfWB anblitzen. — 2. übertr. a. 's blitzt bei einer weiblichen Person, deren Unterrock unter dem Rock hervortritt [NW-Neidfels, verbr.]; gebräuchlich auch beim Offenstehen des Hosenschlitzes bei Männern. — b. 's hot geblitzt 'Es hat Hiebe gesetzt' [ LU-Alsh]. De Gaul blitzt mit de Hinnerbään 'schlägt aus' [LA-Impfl, verbr. südl. VPf]. Von einem unehelichen Kind sagt man: Das hat de Essel (Esel) aus de Wand geblitzt [PfL vom 13. 10. 1923]. — [Bd. 1, Sp. 1022] c. 'abweisen' in der Zs. PfWB abblitzen. — d. 'trinken', scherzh., blitze [ Don-Tscherwk]. — Südhess. I 946; RhWB Rhein. I 788; LothWB Lothr. 51; ElsWB Els. II 175; Bad. I 265. | | [Bd. 2, Sp. 133] blitzen, exsilire gaudio, exsultare, zumal von pferden und eseln, die, weil ihnen zu wol ist, mit den füszen ausschlagen, equi ferocitate exsultantes, vor freude aufspringen, auch von menschen. das ags. bliðsian, assimiliert blissian, engl. bliss heiszt laetari, exsultare, ovare, blissiað mid handum, plaudunt manibus, froh mit den händen schlagen, von blîðe laetus, doch mit gekürztem î. ahd. gilt nur plîdên laetari, gaudere (Graff 3, 250), alts. aber blidzean. Hel. 84, 11. dies blissian scheint nun das nhd. blitzen für blidesen oder blidezen; dem vorangehenden blitzen fulgurare liesze sich etwa die bedeutung von einschlagen für ausschlagen, nicht von froh sein entnehmen. disz entpfindt eins wol, das sin selbs war nimpt, wie ein wüten in im ist, gleich als ein ungezemptes pfert, das da blitzt hinden und fornen, das nieman geheben (halten) kan. Keisersb. bilg. 8b; nit blitz hinden und fornen, wie ein bös pferd tht. 80c; aber das pferd blitzt hinden und fornen. 98d; wenn man wol gisset und getrinkt, so msz man darnach frölich sein, da blitzt man, da ist man gaukelecht und narrecht. weltl. lewe 54d; also ist es umb die kellerin in dem haus, ietz so ist sie obnen in dem haus, dann da niden im haus, und blitzet stets von einem ort an das ander. omeis 8b; hüt bist du gesunt, morgen krank, hüt blitzest du die stat aus (springst froh durch die stadt), morn so ligstu daheim an einem bet. 8d; frag das aug was es afterwegen hab gehabt ze blitzen, disz und disz ze sehen. baum der seligk. 33a; ein vogel, den man in ein keffi tht, ist im zm ersten ungewon und schwer, er blitzt (springt) hinder und für und beiszt darein. 36d; er mag nit stil sitzen in dem stl, er blitzt hin und her. weltl. lewe 53d; die unruwigen menschen, das seint die, die nit mögen an einem ort sein, hert blitzen sie von eim ort zu dem andern. omeis 32a; er danzet den morisgen danz und blitzet und gumpet hinten und fornen. post. 26; die caplän dorfen bei den bischöfen und fürsten kein gratias mehr nach dem essen sprechen, aber vor dem herrn neigt sich der caplan tief und blitzet hinten und vornen. 59; der esel leidet es nicht, er blitzet hinten und fornen. 70b; gieng der könig da, so wär ein solches blitzen und bucken, aber vor dem sacrament knien sie kaum mit einem bein. 122; wenn si rwt, so mstu blitzen. Murner geuchmat 1519 t 3; schickten dich auf sanct Lienhart fort, der dir austrieb dein lästerwort, und den narren, der dich besitzt, und also auf dem esel plitzt. Fischart kehrab 448; die bei ihm auf dem stul bleibt sitzen, dasz er nicht thu plitzen. Garg. 69b; darnach wann er erwacht, gumpet, blitzet, strabelt, geilet, rammelt und hammelt er einweil im bett herumb, die leblichkeit der sinn und mütigkeit des geistes und fleisches etwas aufzumuntern und zu erfrischen. 159b; zerrieb ihr mit nesseln den hindern dermaszen, dasz sie blitzet und gumpet, wie ein esel. Simpl. 2, 255. das neben blitzen stehende fro sein, geilen und gumpen entscheidet, gumpen bedeutet, wie blitzen, springen und tanzen (Ben. 1, 526b); nur die aus dem baum der seligk. 33a gegebne stelle könnte zweifel anregen und an das blitzende auge denken lassen, aber der sinn von hüpfen, springen ist hier doch vorzuziehen. dazu kommt, dasz bei Keisersberg fulgurare bliksen lautet und sich von blitzen springen, unterscheidet. nur das vocab. 1482 hat plitzen, gumpen, sonst weder Maaler, Dasypodius noch Henisch, geschweige Stieler. Frisch allein gibt das wort und deutet es richtig. in Schlesien sagt man, mit der thür, mit dem fenster blitzen, schlagen, er hat die thür recht zugeblitzt, zu stark angezogen. ähnliche begriffe sind goth. laikan, nhd. lecken (ausschlagen), spielen (lascivire). |