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 PfWB blind (Bd. 1, Sp. 1016)   PfWB schinden (Bd. 5, Sp. 979) 
   blind Adj.:
1. 'nicht sehend', gegenst. und übertr., von Mensch und Tier, blinn, blind, blenn, s. F. [allg.]. Am äremschde is doch e Blinner [ KL-Reichb]. Mer määnt, du besch blinn! von einem, der mit offenen Augen nicht sieht, auch bei unüberlegtem Handeln [ LA-Mörzh, allg.]. Das sieht jo e Blinder! Zurechtweisung für einen, der etwas nicht sieht [ LU-Limbghf, allg.]. Das sieht jo e blinni Kuh! dass. [ GH-Kand]. Der Viehhändler schwört: Do will ich blind sein! Er greift bei diesen Worten in ein Knopfloch am Wams, was für ihn selbst bedeutet, daß er an dieser Stelle blind sein soll, wenn er seinem Handelspartner gegenüber die Unwahrheit gesagt haben sollte [ KU-Schmittw/O]. So blind as en Speckmaus 'Fledermaus' [Fogel Prov. Penns Nr. 151]. Von jungen Vögeln heißt es: blott un blinn [VPf]. Die Pflanze Reseda heißt De Blinne Agetrost, s. PfWB Augentrost. RA.: Du blinner Hess! sagt man zu einem, der nicht merkt, was um ihn vorgeht [verbr.]. Ein bekanntes Kinderspiel ist Blinne Kuh [verbr.]. Er hot e Auemooß wie e blindi Kuh [ Gal-Sap]. Er schlaat druff wie e Blinner in die Niß (Nüsse) [KU-Herschw/Petth, verbr.]. Du hoscht's getroff wie der Blinn uf's Door [verbr. Don Gal Buch]. Er redd devun wie e Blinder vun de Farb [ LU-Opp]. Der Blind hot g'saat, mer wolle sehe, wie der Lahm danzt [Fogel Prov. Penns Nr. 148]. SprW.: Rechter daab (taub) wie blinn [ KL-Reichb]. Was helft's, daß die Sunn scheint, wann mer blind is? [ Don-Banat]. Die Lieb macht blinn 'Verliebte sehen aneinander manches nicht' [ LA-Gommh, allg.]. Ähnliches mit einer Fortsetzung: Die Lieb is blind, freßt Rotz un Grind [ Don-Ulmb]. E blinn Hinkel find a als emol e Kernche [ZW-Gr'bundb, verbr.]. E blinni Kuh hot aa schun e Erbeer (Erdbeere) g'funn [ Don-Schowe]. E blinni Sau find aach e Äächel (Eichel) [Wilde 47, HB-Kirrbg Don-Gottlob]. Unner de Blinne es der Scheel Keenig [ RO-Dielkch BZ-Dernb]. KR.: Eine in den zahlreichen Varianten von Quackliedern vorkommende Stelle heißt: Steih (steige) die hohe Bääm enaus, heb die junge Vöchel aus, die blotte wie die blinne, der Quack der soll se schinne; vgl. PfWB Pfingstenquack 1. —
2. 'ohne »Augen« (Knospen)'. Die Rewe sin noch blott un blinn 'zeigen noch keine Knospen' [ BZ-Albw]. BR.: Sin am Jerchedaach (Georgentag, 23. April) die Rewe noch blott un blinn, so sich freie (freuen) Mann, Weib un Kinn [ SP-Mechth NW-Kallstdt]. Von einem spärlich blühenden Traubenstock, der nur vereinzelte Beeren hervorbringt,

[Bd. 1, Sp. 1017]
sagt man: Des iss'n blinner Stock [ GH-Minf]. Blinne Rewe nennt der Winzer die vom Rebstock mit einem Stück alten Holzes abgeschnittenen Reben, die in den Boden eingelegt werden, damit sie Wurzeln bilden und sich zu neuen Rebstöcken entwickeln [ NW-Kallstdt Meckh LU-Assh Alsh Schauh LA-Wey]. —
3. 'einer wesentlichen Eigenschaft ermangelnd'.
a. von Sachen.
α. blinni Scheib 'undurchsichtige Scheibe', blinner Spichel 'trüber Spiegel' [mittl. VPf, allg.]. —
β. im Kartenspiel die nicht ausgeteilten, auf dem Tisch bleibenden Karten, die vom Spielinhaber aufgenommen werden, de Blinne [KU-Bedb RO-Dielkch Land LA-Wollmh], de Blinn [ ZW-Battw NW-Geinsh Frankeck]; de Blinne ufhewe [ NW-Kallstdt]. Im Blinne war nix drin [NW-Freinsh, verbr.]. Die Aß war im Blinne [LA-Gommh, verbr.]. RA.: Das leit noch im Blinne 'Das ist noch unbekannt, unbestimmt' [Kaislt]. —
γ. von Speisen; blinner Saumache 'Füllsel nicht im Saumagen gekocht' [ LA-Ilbh]; blinne Soß 'Soße ohne Fleisch' [ BZ-Albw]; blinne Grumbeere 'nicht im Saumagen oder Därmen, sondern in einem Topf gekochtes Ragout aus Kartoffeln und Fleisch' [ KU-Bedb]; vgl. PfWB Grundbirnenwurst. —
δ. von Schwindel und Betrug; blinne Newel vormache 'schwindeln, lügen' [PS-Lembg SOPf]; blinne Manöwer (Batallje) treiwe, dass. [SOPf]. —
b. vom Menschen, blinner Passaschier (Passascheer) 'wer ohne Entrichtung des Fahrpreises mitfährt' [verbr.]. — F.: blind in KU-Kaulb Dietschw Brück RO-Als KL-Kindsb Kaislt LU-Oggh Neustdt Land BZ-Dierb Lambert Penns 30; blinn weithin herrschend, auch Don Gal Buch; blęnn in LA-Maik Mart Edh Venn Wey Ilbh, vgl. Bertram 47/48. — Südhess. I 940/41; RhWB Rhein. I 780/81; Bad. I 263/ 64.

 

   schinden st.:
1.
a. 'die Haut abziehen'. Die Judde schinne die Gäns (wegen des Gänsefetts) [ LU-Opp]. Quackverse s. PfWB blind 1, PfWB Quack 1 a. —
b. sich sch. 'sich (die Haut) abschürfen, verletzen', schinne [verbr., Christmann Kaulb 19, 84 Mang 10 Müller Dietschw 64 Schneckenburger 46 Lambert Penns 133 Krämer Gal 185], Part. Perf. g'schunne [VPf], geschunn [WPf NPf]; Zs.: PfWB abschinden 1, PfWB verschinden. Ich hun mich geschunn [ RO-Als]. Der sieht aus wie e

[Bd. 5, Sp. 980]
geschunnener Fuchs [ KL-Hirschhn]. —
2.
a. 'quälen, plagen, hetzen', schinne [NW-Kallstdt, verbr., Otterstetter 207], schenne [ IB-Rohrb RO-Lohnsf]; Zs.: PfWB abschinden 2; Syn. s. PfWB quälen 1 a; die Leit ('s Vieh) sch. [verbr.]; schinne bis uf's Blut [ NW-Hardbg]. Er hat mich geschunn un geploot [ PS-Rodalb]. Die han uns geschunne un gestriezt [Krieger 19]. Er schindt se wie e Hund [ KB-Kriegsf]. Er hot sich sei Lebdag g'schunne un geplogt [ LU-Limbghf]. Die Bauere misse sich sch. un ploge [ LU-Opp]. —
b. trans. 'beim Kartenspiel die höchsten Trümpfe zurückhalten' [PS-Erfw, verbr.]. Den du ich uf de Zehner sch. [Krieger 44]. In de Mitt (beim Kartenspiel) schinnt mer nit [ NW-Hardbg]. —
c. 'herumzerren, schwingen, sich balgen'. 's King (Kind) will g'schunge sein [ GH-Neubg]. —
3. s. die Zs. PfWB ausschinden. — Südhess. V 302/03; RhWB Rhein. VII 1134/35; LothWB Lothr. 442; ElsWB Els. II 419/20.