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 PfWB platt (Bd. 1, Sp. 981)   PfWB blutt (Bd. 1, Sp. 1051)   ElsWB blutt (Bd. 2, Sp. 171b) 
   platt Adj.:
1. 'flach, eben'.
a. platte Fieß [KB-Albish, verbr.]; vgl. PfWB Plattfuß; e platti Nans [ FR-Bockh Frankth]; vgl. PfWB Plattnase; e platti Stern (Stirne) [ RO-Lohnsf]; e platter Kopp (wie mit de Mischtplätsch drufgeschlaan) [ KU-A'glan]; vgl. PfWB Plattkopf. —
b. Ich han platt 'keine Luft im Fahrradschlauch' [ KU-Einöll]; scherzh.: Ich han hinne kää Luft un vorne platt [Kaislt]. —
2. übertr.
a. Ich bin p. 'Das Geld ist mir ausgegangen' [ IB-Reinh Erfw/Ehling]. Den hämmer p. gemacht 'Dem haben wir im Spiel alle Klicker abgenommen' [ BZ-Sarnst KU-Diedk]; vgl. PfWB blutt. —
b. 'erstaunt, verblüfft'. Do bischde p.! [Zweibr, verbr.]. Er war ääfach p. [Kaislt]; platt wie dorchs Worschthernche gedreht [Schandein Sprachsch.]. —
c. p. sprechen 'Mundart sprechen'. Mer redden bei uns dehääm nor p. [Kaislt, verbr.]. —
d. platt eraus saa 'ohne Umschweife, gerade heraus sagen' [Schandein Sprachsch.]. — F.: blḁd vorn. NWPf u. SOPf, sonst fast allg. blad. Südhess. I 911/12; Hess.-Nass. II 650; RhWB Rhein. VI 947 ff.; Bad. I 241.

 

[Bd. 1, Sp. 1051]
   blutt Adj.:
1. 'nackt, bloß'.
a. 'unbekleidet, nackt', mit Übertreibung von unzureichender Bekleidung, blott, blutt, s. F. [verbr.]; vgl. PfWB bloß 1 a. Das Kind laaft so blott do aus erum [ KU-Bechb]; em de blotte Aarsch haue [KU-Kaulb, verbr.]. Der hätt sich besser mit dem blotte Hinnere in d' Sengelnessle gsetzt, von einem, der einen unüberlegten Streich mit üblen Folgen ausgeführt hat [ PS-Erfw]. Die Verbindung blott un bloß s. bei PfWB bloß 1 a. —
b. 'ohne schützende Decke', z. B. vom unbezogenen Kissen, vom nackten Boden. Du muscht de Kopp uf e blott Kisse leje, scherzh. Empfehlung als Mittel gegen Zahnschmerzen [ KL-Fischb]. Wenn die Erd bei großer Kält so blott vum Schnee is, das is net gut, dann erfriert leicht der Same [ ZW-Gr'bundb]. —
2. 'kahl'.
a.
α. 'unbehaart', auch vom kurzgeschorenen Kopf; e blotter Kopp [KU-A'glan, verbr.]. Das is e Blotter [ PS-Rodalb]. Wer hot dich dann sou blott g'schore? [ GH-Zeisk]. Neckreim: Blott geschor, die Hoor verlor [ ZW-Bechhf]. Blott geschor met siewe Hoor [KU-Obw/Tiefb Schmittw/O Wilde 284]; auch als Schimpfwort. Rätsel: »Krummer, Schepper, wo laafschde hin?« »Plottgeschorne, was frähschde (fragst du) denoh?« »Ich war noch net so deck plottgeschor, als der de Hinnere zugefror«. (Wiese und Bach im Winter) [Hebel 122]; Var. hierzu s. bei PfWB Bluttkopf 1, PfWB Schorenkopf. Volksgl.: Wann em en Speckmaus in die Hoor kummt, werd mer blott [Fogel Beliefs Penns Nr. 1830]. —
β. 'bartlos', auch vom spärlichen Bartwuchs. Des is noch e blotter Bu [ ZW-Bechhf], e blotter Lausbub [KL-Gimsb u. Umg.]. Der is noch so blott im Gesicht wie e Aff am Aarsch [NW-Elmst, verbr.]. So blott as me Bobbl sei Arsch [Fogel Prov. Penns Nr. 1939]. Er is so blott wie e Gääß am Knie [Hebel 13]. —
b. 'unbefiedert', von jungen Vögeln, mit Vorliebe in der Verbindung blott un blinn, vgl. PfWB blind. Die klääne Spätzcher sin noch ganz blott [mittl. WPf, verbr.]. BR.: Sin die Rawe an Jerjelsdaach (23. April) blott un blinn, kenne sich frääe Mann, Weib un Kinn [FR-Albsh, verbr.]; Var. hierzu mit Rewe statt Rawe s. PfWB blind 2. VR.: Quack, Quack, unne nause; Quack, Quack, owwe nause; heb die blotte Vechel aus; die blotte wie die blinne; de Quack der muß se finne [ZW-Stamb]; dazu zahlreiche Varianten, vgl. PfWB Pfingstenlümmel 2, -quack 1, PfWB blind 1, PfWB Quack. Auch vom frisch gerupften Geflügel: Die Gäns derf mer net so blott roppe, besonders zur kalten Jahreszeit [ KU-Schmittw/O]. —
c.
α. 'unbelaubt'. Die Bääm sin schun ganz blott [nördl. VPf, verbr.]. WR.: Wann's dunnert iwwer 's blotte Holz (Wald), werren die alde Loose stolz [ NW-Kallstdt]. Dunner iwwer der blotte Waldkalt; Dunner iwwer der griene Waldwarm [Fogel Beliefs Penns Nr. 1204]. —
β. 'baumlos', von einem Waldstück. Mer haaen

[Bd. 1, Sp. 1052]
blott erunner, für Kahlschlag [ KB-Kriegsf]. Den Wald kann mer blott mache [BZ-Silz Sarnstall]. —
d. 'graslos, unbewachsen'; e blotter Placke [ ZW-Gr'bundb]; dass. auch von ringförmigen Stellen, die von Kleeseide befallen sind [ NW-Weish/S]. Die Wiese sein noch so blott, daß mer drinn klickere kennt [ HB-Höch]. Er hot die Wisse blott gemäht [ Gal-Josbg, PS-Burgalb]. WR.: Wann sich die Gäns uf em blotte Borem purlen (s. PfWB pudeln), gebt's Reje [ FR-Tiefth]. —
3. 'leer'. Die Scheuer is blott [ SP-Harths]. Noh finf Minutte ungefähr, do war die Fischplatt blott un leer [Münch Weltgesch. 136]. Einen VR s. bei PfWB Bekanntschaft. —
4. 'unverheiratet'. Er isch noch blott [ BZ-Wind]. —
5. 'ohne Zutat, rein, nichts als'. Er eßt die Worscht blott, er trinkt de Wein b. (ohne Wasser) [Pirmas]. Ball denoh do bringt die Motter noch e dicke Grumbeerbrei. 's es awer kan so blotter: Krachelcher (in Fett gebratene Brotkrümel) sein dodebei [Kühn Schnitze I, 205]. —
6. 'aller Mittel entblößt, bankrott'. Er is blott 'Das Geld ist ihm ausgegangen', 'Er hat im Spiel sein ganzes Geld (alle Klicker) verloren' [KU-Haschb, verbr., vorn. WPf einschl. NPf, seltener VPf]. Er isch de blott Schneirer, dass. [ BZ-Queichhmb]. Ich bin blott wie e Kerchemaus [Schandein Sprachsch.]. Nach Otterstetter 278 in Pirmas bes. in den unteren Berufsgruppen gebräuchlich. Syn.: PfWB bet 2, PfWB blank 2, PfWB platt 2, PfWB blau 4j, PfWB pleite 2, PfWB bloß 1 d, PfWB blunz, PfWB fertig, PfWB flügge, PfWB futsch, PfWB kahl, PfWB kapores, PfWB kaputt, PfWB machulle, PfWB malad, PfWB matt, PfWB schibes.
7. 'dünn', von Webstoffen [o. O.]; auch von einer Hautstelle, die durch Reiben wund geworden ist [ NW-Frankeck]; vgl. PfWB blöde 1 c. —
8. 'feucht', vom Acker- und Gartenland, wenn es im Frühjahr noch nicht bestellt werden kann: 's is noch se blott [RO-O'hs Messbhf PfId. 23 Hebel 5]; von Bekleidungsstücken: Die Hosse sin blott [ KU-Bechb RO-Feilbg]. —
9. adv. 'einzig und allein'. Ich han die Aß blott, keine andere Karte von derselben Farbe [verbr.]. — F.: blǫd fast allg., blud belegt für IB-Bierb ZW-Mittb NW-Wachh, blod (?) für GH-Freckf. — Das Wort wird etymol. von bloß geschieden und in unmittelbare Nähe von blöde gerückt, vgl. DWB DWb. II 195, Schwäb. I 1236, Schweiz. V 215/16. — Südhess. I 971; RhWB Rhein. I 813/14; Saarbr. 30; LothWB Lothr. 52; ElsWB Els. II 171; Bad. I 274.

 

  blutt [plùt O. U. W.] Adj. 1. nackt, bloß. Abweisung: Du bis oüʰ b. uf d Wëlt kummeⁿ, wi ich! Ruf. Deck dich, wo de b. bis! sagt man zu kleinen Kindern Steinbr. Deck, deck, was b. is! Kinderspiel, bei dem man die Hände nicht sehen lassen darf, sonst wird man auf die Finger geklopft Illk. s is mⁱr tutt (einerlei), im Hemd oder b.! Liebsd. Von prozeßsüchtigen Leuten sagt man: Dëʳ, wo gwinnt, chunnt im Hemle drvoⁿ, un dëʳ, wo verliert, blutt Liebsd. ‘So unser gans mit blutter hüt, Mit nacktem lib, in herter bß, Uf kalter erden schlafen mß’ Murner Narrenbeschw. 64 (Goedeke). Subst. dr Blutt der Hintere, Podex Illk. U. ‘wurd en impôt vun fünfezwanzig .. Süü (nit Brejel uff de Bludde) uff jede Theilnehmer an unserm Fest g'schlaue’ Str. Wochenbl. 1883, Nr. 61. Oft in Verbindung mit bloß od. blößliʰ (s. o.): ‘I erinner’ mi noch blutt un bloß od. blößli ganz dunkel, kaum noch’ St. ‘der sein rw allein blutt vnd bloß hat gesetzt in disen felsen’ Geiler Häsl. b VI. ‘ob joch der rich si blutt und bloz’ Brant Narr. 99, 124. ‘das denselben der beutel also blutt a blauß wurd ass a nackites mouysle’ Mosch. ‘Hia ligt blutt a bloß Frippon a Frantzoß’ Mosch. II 238. ‘wegen

[Bd. 2, Sp. 172a]
der blutten vnd blossen Reputation’ ebd. 505. ‘Es het bludd un bleeßli nix im Kopf aß ludder Narredeye’ Pfm. I 7. Blutt un blößli steʰn Z. JB. VII 190. 2. kahl, insbes. feder- oder haarlos. ‘Blutti Vejele’ St. B. un blind Wolfganzen. D Kätzle sin am Aⁿfang b. un blind Mütt. s. auch blind. Er schnatert (vor Kälte) wi e blutti Gans Illk. Er is so b. im Gsicht wi e Aff am Arsch hat keinen Bart Obhergh. Aus einem Scherzspruch: Vorneⁿ ist er gschoreⁿ, Un hindeⁿ ist er blutt Rapp. JB. VII 169. D Rëweⁿ sin noch b. treiben noch nicht Ruf. s Fëld is b. im Winter, wenn der Schnee liegt Ingw. Baumlos: Dr blutt Bërri Kaysersb., dr Blutteⁿbërri Mark. volkstüml. Benennung des Haycot beim Brézouard (s. Brüschbuckel). ‘blutte Berg, die kein bäum noch wäld tragen’ Dasyp. Wetterregel: Wënn's in's blutte Holz (in den kahlen Wald) dundert, schneit's in's grüene früher Donner, später Sommer Banzenh. Var.: Wenn's dunnert ins blutte Holz, se schneit's ins volle Hi. JB. VI 151 Nr. 177. B. schëreⁿ die Haare kurz scheeren Ndrröd. E Blutter ein Kurzgeschorener Mütt. 3. blank. Mit em blutteⁿ Sawl is er druf los Logelnh. E blutter Küni nur der König von einer Farbe beim Kartenspiel. Uf em blutteⁿ Boddeⁿ schlofeⁿ Hf. 4. arm. Dër stëʰt dato b. ist wirklich arm Osthsn. ‘Er isch blutt an Geld’ St. 5. kalt, in der Wendung: B. wi dr Niderwind Hf. 6. Adv. b. ewëg glatt weg, in Verbindung mit Zahlen. Ich hab 50, b. ewëg gerade 50 Hf. ‘Soll i ’s denn so verliere, so bludd elendigli, myn arms jungs Lewe’ Pfm. IV 5. ‘Bli't eim e Su im Sack, Ze-n-isch es ewwe noch blutt fürr de Schnupftewack’ Brunnegspräch Schk. 319. Zss. bluttarm ganz arm Banzenh., -fueß Seite 151, Bluttkopf Seite 459, –mus, –scheiß. — Schweiz. 5, 210. Schwäb. 78. Bayer. 333.