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 PfWB Blase (Bd. 1, Sp. 968)   PfWB Farze (Bd. 2, Sp. 1046)   PfWB Häppe (Bd. 3, Sp. 664) 
   Blase f.:
I. gegenst.
1. 'Blasinstrument'.
a. 'das von Kindern aus Weidenrinde, aus Roggenhalmen u. dgl. gemachte Blasinstrument', Blos (tiefklingend), zumeist Dim. Bleesje [WPf NPf nördl. VPf], Bleesi [ KU-Schmittw/O], Bleesel [mittl. u. südl. VPf], Bleselcher (Pl.) [Wilde 148]. Vgl. PfWB Pfeife, Farzer, PfWB Hupe, PfWB Schalmei. —
b. 'das von der Industrie hergestellte Blasinstrument der Kinder', auch 'Kindertrompete' [verbr.]. —
c. 'Blechblasinstrument des Musikanten' [verbr., mit Ausnahme des Musikantenlandes der WPf, wo zwischen den verschiedenen Blasinstrumenten genau unterschieden wird]. SprW.: Jeder muß sei Blos trache [ LA-Gommh]. —
d. 'Fabriksirene'. Mer heert die Lambrechter Blos (bei Westwind), ein Anzeichen für Regen [ NW-Gimmdg]. —
2. 'Harnblase',
a. des Menschen. Er hot's an de Blos 'er ist blasenkrank' [VPf, allg.]. RA.: Weje der loß ich mer net mei Blos verspringe [ KU-Schmittw/O]. Er kann mer die Blos im Arsch verdricke 'Der kann mir nichts anhaben' [verbr. Gal]. —
b. des Schlachttieres, bes. des Schweines [allg.]. Zs. Kuh-, PfWB Sau-, PfWB Schweinsblase. Die Schweineblase diente in entsprechend präparierter Form als Hülle für ausgelassenes Schmalz [ LA-Mörzh], für das Schwartenmagenfüllsel [verbr.], als Trommelgerät der Fastnachtsnarren [ KB-Kriegsf]. Speisewirtschaften auf dem Lande zeigten das Schlachtfest durch Aushängen einer aufgeblasenen Schweinsblase an. Getrocknete Blasen verwendete man früher als Tabaksbeutel sowie zur Aufbewahrung von Geldmünzen. Sprw.: Wer käi Geld hot, braucht käi Blos [ KU-Schmittw/O]. —
3. 'Schwimmblase des Fisches' [ LU-Altr Oggh Friesh]. Zs. PfWB Fischblase. —
4. 'die durch Verbrennen, Drücken, Fieber hervorgerufene Hautblase' [allg.]; vgl. PfWB Blater. Zs.: PfWB Blut-, PfWB Brand-, PfWB Eiter-, PfWB Hitz-, PfWB Zungenblase. Der hot vun laurer (lauter)

[Bd. 1, Sp. 969]
Schaffe Blose an de Hänn [ KU-Schmittw/O]. Heit brennt ääm (einem) die Sonn Blose [ WD-Niedkch]. Was hosche (hast du) dann fer Bläsjer am Maul? [ KL-Fischb]. —
5. 'Blase auf einer Flüssigkeit' [allg.]. WR.: Wann 's Wasser beim Rääne (Regnen) Blose schlaat, räänt's noch meh [ PS-H'einöd]. Wenn's Blose rächent, rächent's drei Tag [ GH-Kuhdt]. Die Engel im Himmel wisse nit, wann's ufheert (zu regnen), wenn sich beim Regnen Blasen auf dem Wasser bilden [ SP-Schiffstdt]. Zs. PfWB Luftblase. —
II. übertr., verächtlich von einer bestimmten Gruppe von Menschen.
1. 'Verwandtschaft', die ganz Blos [allg., auch Rußl-Spey (Gal nicht!)], die ganz bucklich Blos [ BZ-Annw]. Die ganz Blos daucht (taugt) nix [ KU-Kaulb]. In Selbstironie: Un vor de Hausdeer sitze mer, ich un mein ganzi Blos [Müller Butterbärwel 19]. —
2. 'Wirtshausgesellschaft' [verbr. wie II 1]. Er hot die ganz Blos freigehall [ KL-Fischb]. —
3. 'Gesindel'. Do hockt so e Blos beienanner! [ KL-Hirschhn]. — Syn. zu II s. PfWB Gesindel. — F.: blōs, blǫus, blōus, bezügl. des Vokals s. PfWB blasen; Pl. ; Dim. blēsχə, -jə WPf NPf nördl. VPf, blēsəl mittl. u. südl. VPf; blēsi KU-Schmittw/O, blēsəlχə LU-Alsh. — Südhess. I 898/99; RhWB Rhein. I 746, 751; Bad. I 246.

 

   Farze f., Farzer(t), Färzer m.:
1. 'tiefklingende Weidenpfeife (ohne Mundstück), Hupe aus abgestreifter Weidenrinde', Farz (fārds, frds) [verbr. nördl. WPf (im Süden bis KU-Langb

[Bd. 2, Sp. 1047]
Gries Kollw KL-Matzb Alsbn) NPf nördl. VPf (im Süden bis NW-Weish/B)], (fds) [Kirchhbol], Forz (frds) [verbr. KU WD-Ostbr RO-Rehbn Duchroth Wintbn Kalkof FR-Albsh BZ-Schwanh], Faazje (Dim.) [ KB-Dreis], rz (fǟrds?) [ FR-A'lein Merth], rzel [ PS-Leim], Farzer (fārdsər, frdsər) [KU-Einöll Reichsth verbr. RO KB-Bennhs Frankth LA-Roschb GH-Neubg], Faazer [ RO-Nd'mosch], rzer (fǟrdsər) [ RO-Gundw N'hemsb KB-Dannfs], Forzer (durchweg frdsər?) [ KU-Schmittw/O Bedb Kus Rathskch HB-Einöd ZW-Hornb Niedhs Wintb Walshs PS-Busbg Erfw KL-Niedkch FR-Heuchh LU-Muttstdt NW-Herxh Erpolzh Gimmdg Mußb Haardt Wachh Speyd LA-Maik GH-Hatzbühl], Pforzer [Wilde 256], Farzert (fārdsərd, frdsərd) [ KU-Kaulb Kreimb Haschb KL-Heilmosch Morb Eulbis Einsdhf KB-Weihf BZ-Dimb], Forzert [ RO-Rehborn KL-Reichb]. Die F. werden wie die Pfeife 1 a gemacht, von der sie sich jedoch durch das Mundstück unterscheiden; bei den F. wird das obere Ende ganz dünn geschabt und zerbissen, so daß sich die Öffnung zusammenklebt. Verkürzte F. heißen Huppe(rt). Syn. PfWB Bandpfeife, PfWB Brammler, PfWB Brummbaß 2, PfWB Brummer 3, PfWB Brummler 3, PfWB Dudel 1 a, PfWB Fagser. SprW.: Wann's kään Peif gebt, gebt's immer noch e Farz [ RO-Schmalfhf]. —
2. 'kleines Blasinstrument aus einem Roggenhalm', Faazer [Wilde 148]; vgl. PfWB Blase I 1 a. —
3. 'Blasinstrument aus dem Stengel des Löwenzahns', Fazer u. Fezer [Wilde 166]. — Zu farzen 'furzen', DWB DWb. III 1335. — Südhess. II 358 Farze, 359 Färze, Farzer, Farzert; RhWB Rhein. II 299 Farze, 925 Furz 2 b; Schweiz. I 1047, Furzen, Furzeren.

 

   Häppe f., Häpper, Happert m.: 'die tief klingende Weidenpfeife', Häpp [ BZ-Schweighf], Häpper [ GH-Wörth], Happert [ BZ-Schwanh]; vgl. PfWB Huppe(rt), PfWB Farze 1. Südhess. III 126 Happe; RhWB Rhein. III 245 Happe; LothWB Lothr. 230 Häpe; ElsWB Els. I 360 Häpe, Hape; Bad. II 559 Häpe.