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 PfWB Blärr-auge (Bd. 1, Sp. 966)   DWB blerr (Bd. 2, Sp. 107) 
   Blärr-auge n.: Er hot e Blerrääg 'blaues Auge, eine Beule am Auge' [ BZ-Billh]; Blärraae 'große Augen' [ NW-Ungst], 'Tränen in den Augen' [ KB-Kriegsf]; vgl. PfWB Blärre. Südhess. I 894; DWB DWb. VII 1898.

 

 blerr, n. morbus oculi, it. barlume, franz. berlue (Diez wb. 565), falsches oder doppeltes sehen:

der man sprach, fraw, was treuget dich?
ersichstu für ein pfaffen mich,
so hastu wol das plerr vorn augen.
Folz bei
Haupt 8, 525;

[Bd. 2, Sp. 108]

wie gfelt dir unser gnediger herr,
ich mein, er hab gehabt das blerr,
das er des hirten tochter hab gnummen.
H. Sachs I, 123d;

ach liebe fraw, wie möcht irs jehen,
hab euch mein tag vor nie gesehen,
ich mein, ir habt vorn augen das pler. II. 2, 27b;

redst im schlaf oder bist du vol?
oder hast das bler vor den augen? III. 3, 13a;

vielleicht habt ir das bler. III. 3, 39d;

'mein nachbewrin, was ist das plerr?'
'mein nachbawr Heinz, wer früh aufsteht,
und vor der morgenröt ausgeht,
dem uberzeucht der nebl sein augen,
dasz sie scharf zu sehen nicht taugen,
sonder dasz sie im zwifach wern (werden),
was er ansicht nahent und fern,
das dünket in alles zwei sein.'
'so ist warlich in augen mein
heut früe gewesen auch das plerr.' IV. 3, 13a.b.

der hier von H. Sachs gedichtete schwank über das doppeltsehen ist schon in einem mhd. gedicht (GA. 2, 265), wo nur die ursache in den genusz des krauts kerle (kerbel) gesetzt, die krankheit aber nicht bei namen genannt wird. dieser geschichte mit dem kerbel denkt auch Fischart Garg. 148a. Was nun das wort blerr oder plerr, plärr angeht, so stimmt dazu nd. blarroged, bleeroged (woneben auch flerroged, flirroged), brem. wb. 1, 95. 99 und engl. bleareyed triefäugig, blear triefäugig machen. schottisch ist blear something that obscures the sight, to blear ones ee, eines auge blenden, to blind by flattery (Jamieson 120b. suppl. 103a), der pl. bleiris, something that prevents distinctness of vision (das. 121b). schw. blira, blirra, plira, auch bliga, blänga mit den augen blinzen, verwundert schauen, dän. blire. man könnte zwar ans folgende blerren, weinen denken, weil thränende augen triefen und undeutlich sehn und Stald. 1, 378. 384 hat auch flartschen, flärtschen, flirzen von triefenden augen, doch bedeutet blerren mehr den laut; wahrscheinlicher ist ein zusammenhang mit dem ahd. plehanougi lippus, prehanougi, glaucomate laborans (Graff 1, 123), wovon auch jenes barlume und berlue ausgegangen sein mögen. für das blerr hört man heute auch die blerr: ich kriege die blerr, die augen stehn mir vor erstaunen starr, und als verwünschung: krieg die blerr! er hat die blerre, il a la berlue, blinzelt. Frisch 1, 104a. Schm. 1, 337.