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 PfWB Birne (Bd. 1, Sp. 934)   PfWB trinken (Bd. 2, Sp. 518) 
   Birne f.:
1.
a. 'die Frucht des Birnbaums', Beer, Bier, s. F. [allg.]. Die B. is sieß (wie Zucker, wie Honich) [ KL-Kindsb, allg.], is sauer (wie Gift), zieht em 's Maul zamme [ KU-Wolfst., allg.], drickt em 's Herz ab [Kaislt, allg.]. Bezeichnungen für 'saure, herbe B.' s. unter Kröpfer. Die B. is deegich 'edelfaul' [ KL-Enkb]; vgl. PfWB morsch. Mer essen heit derre Beere 'getrocknete Birnen' [»Alsenztal« (Wilde 19)]; vgl. PfWB Hutzel. Zs.: PfWB Bankrutzers-, PfWB Pastoren-, PfWB Beste-, PfWB Pfund-, PfWB Plotz-, PfWB Poß-, PfWB Butter-, PfWB Teig-, PfWB Dorn-, PfWB Drück-, Einschäl-, Einschneide-, PfWB Essig-, PfWB Feld-, PfWB Flaschen-, PfWB Früh-, PfWB Glitsch-, PfWB Glocken-, PfWB Gülden-, PfWB Hafer-, PfWB Holz-, PfWB Honig-, Hunds-, PfWB Hutzel-, PfWB Jakobs-, Johannes-, PfWB Kaiser-, PfWB Kelter-, PfWB Klumpen-, PfWB Knüppel-, PfWB Kongreß-, PfWB Kröpf-, PfWB Kugel-, Lorenz-, PfWB Magdalenen-, PfWB Mai-, PfWB Margareten-, Napoleonsbutter-, Nikolausjohannes-, PfWB Olig-, PfWB Rot-, Sattler-, PfWB Sau-, PfWB Schlangen-, PfWB Schmalz-, PfWB Schmiel-, PfWB Schnaps-, Schusters-, PfWB Schwaben-, PfWB Seiters-, PfWB Spelzen-, Wärgel-, PfWB Wasser-, PfWB Wein-, PfWB Wild-, PfWB Winter-, PfWB Wolfs-, PfWB Zitronen-, PfWB Zuckerbirne. RA.: Er nemmt's vun seine Beere ab 'Er beurteilt andere nach seiner Denkweise' [Spey, verbr., in Gal unbekannt]. Mit der (dir) han ich ah 'n Beer se schäle 'ein Hühnchen zu rupfen' [Schandein Sprachsch.]. Awer dem sahn ich's, was die Beere gelle 'Dem werde ich die Meinung sagen' [LA-Offb (Wilde 22)]. Selli Beere sein noch net gekocht 'In dieser Angelegenheit ist das letzte Wort noch nicht gesprochen' [WPf]. Die Beer is schun

[Bd. 1, Sp. 935]
geschält (geß) 'Das ist erledigt, darüber ist nichts mehr zu sagen' [Kaislt, verbr.]. Der ißt kää Beer, wann se net zwämol geschält is 'Der ist in allem peinlich genau' [NW-Frankeck, verbr.]. Die beste Beere bin geschält 'Die besten Jahre sind dahin' [Schandein Sprachsch]. VR.: Witt e Beer, stoß de Kopp widder die Deer; witt e Appel, geh Steg nuff und bappel; witt e Nuß, lang 'm Kälwel an die Schnuß [verbr. (Wilde 23)]. Rore (rote) Äppel, geele Beere; Schatz, wann ich nor bei der wäre [NPf (ebd.)]. Wer schmeißt dann do mit Beere? Des is es Franz-Sepps Pere (Peter), zum Schnellsprechen [ PS-Burgalb]. Äppel sin kee Beere, Beere sin kee Äppel; die Worscht hot zwee Zeppel (Zipfel), zwee Zeppel hot die Worscht; der Bauer hot Dorscht, Dorscht hot der Bauer; 's Lewe werd ehm sauer, sauer werd ehm 's Lewe; der Weinstock traat Rewe, Rewe trat der Weinstock; zwee Herner hot der Ziegenbock, der Ziegenbock hot zwee Herner; im Wald wachsen Derner (Dornen), Derner wachsen im Wald; im Winder is es kalt, kalt is es im Winder, verfrieren alle Schinder [ Gal-Dornf]. Peter un Paul, die Äppel sin faul, die Biere sin sieß, die Krotte laafe uff vier Fieß [verbr. Don]. Backe, backe Kuche, mei Lebdaag nimmi fluche; backe, backe Beere, mei Lebdaag nimmi schwere (schwören) [ KU-Kaulb]; der gleiche Reim auch mit dem Anfang: Batsche, batsche Kuche. Schornsteefecher kreireweiß, freß geback'ne Beere; freß, was dei Hundl scheißt, kannscht dei Maul mit schmeere [ LA-Nußd]. Mer esse Beere, mer dringe (trinken) Beere (Birnenmost), mer han aa Beere for ufs Brot se schmeere (Birnenmus), als Neckreim gegenüber birnenreichen Orten gebraucht [KU-Bedb, verbr. auch Gal-Schönthal Bagbg]. So schickt der Bauer der Jockel naus, die Biere nunner schittle; awwer Jockel will net Biere schittle, un Biere welle net falle [Horne Penns 112]; der ganze Reim bei Jockel. Weihnachtsspruch aus GH-Kuhdt: Christkindlein, komm zart heran, auf dich hab ich schon längst gewaart. Was willst du mir bescheren? Hasselniß und Beeren, Zucker, Kaffee malterweis; lobe Gott, in Ehren preis! 's is mer niemand liewer wie mei Fritz, er freßt mer all mei Beere, die ich schnitz; geschnitzte Beere freßt er gern un sei Mädche kißt er gern; 's is mer niemand liewer wie mei Fritz [Feierowend 1950, Nr. 8, S. 5]. Einen weiteren Reim s. bei PfWB hoch. Ein Kinderspiel, in dem man sich für eine der mit Apfel bzw. Birne bezeichneten Parteien entscheiden muß, ist im Artikel Apfel (Spalten 305/06) beschrieben. a. 1464: Item, neme einer eime oppel, bieren oder anders desgleichen [Grimm Weist. V 698 (HB-Höch)]. a. 1477: nüss oder Biere abeschlagen die in den Wegk fielen [Seel, Chronik von Deidesheim, S. 87] a. 1532: auß biren vnnd Mandeln erlöst [GgHospR]. a. 1717: so jemand ... unter des andern seinen obstbäumen bieren abthäte [PfWeist. I 2 (KU-Adb)].

[Bd. 1, Sp. 936]

b. andere Früchte in den Zs. Apotheker-, PfWB Grundbirne. —
2. übertr.
a. 'Kopf des Menschen', Birn, scherzh. in mittl. u. gehobenen Schichten, vgl. Otterstetter 235; Syn. s. PfWB Kopf. —
b. 'Nase des Trinkers' in der Zs. PfWB Glühbirne. —
c. 'Glühbirne', Birn [allg.]. —
d. 'minderwertige Habseligkeiten' in der Verb. gebackene Beere [ RO-O'mosch KB-Kriegsf Gal-Königsbg]; dafür häufiger PfWB Backenbirnen; Syn. s. PfWB Lumpenzeug. — F.: r, bēÄr, bēÄ WPf (außer SWPf) nördl. u. mittl. VPf; r, bīÄr SWPf; br bei Heeger Südostpf. 9; Gal bēr. Pl.: bērə, brə, bīrə. Südhess. I 867 ff.; RhWB Rhein. I 710 ff.; Saarbr. 27; ElsWB Els. II 79; Bad. I 235/36.

 


Aus den Nachträgen

 

   trinken st.: wie schd., trinke, trenke, s. F. [allg.]; langsam (begierich) t. [ KB-Kriegsf, allg.]; aus'm Glas (aus de Flasch, aus de hohle Hand) t. [ KU-Schmittw/O]; merreme (mit einem) Stroh-

[Bd. 2, Sp. 519]
hälmche t. [ebd.]. Loß mich e Maulvoll t.! [ LA-Herxh]. Der trinkt e Bauchbitt voll [ PS-Geisbg]. Er dut allegebott t. 'Er trinkt oft' [ RO-Obd]. Er dut 'm Becherche selieb (zuliebe) t. [ KU-Schmittw/O]. Er hot in de leere Mache (Magen) getrunke [ LA-Gommh]. Kaffee getrunk?, scherzh. Grußformel beim Vorübergehen an Arbeitenden zur Nachmittagszeit [ RO-Steinb]. RA.: Er hot Gall getrunke, vom Griesgrämigen [ LU-Opp]. Er macht e G'sicht, wie wann er Essig getrunk hätt [ PS-Gersb]. Er hot net 's Wasser verdient, wu er getrunke hot [ LU-Muttstdt]. Gell, du hoscht noch kään Kannelwasser getrunke? Androhung von Schlägen [ NW-Weish/S]. Er hot Plauderwasser getrunk, von einem Geschwätzigen [ Gal-Brotschk]. Der muß heit barfießig schlofe gehe un kalt Wasser trinke, scherzh. Trost für ein Kind, wenn ihm jemand wehgetan hat [ KL-Trippstdt Kaislt KU-Kaulb, ähnl. Don Gal Buch]. Wammer dich net hätt un de Leffel, mißt mer die Supp trinke [NW-Wachh, verbr., auch Don Gal Buch]. SprW.: Abwarte un Tee trinke! [KU-Kaulb Krieger 41] Volksmed.: Bei Dorchmarsch (Durchfall) trenkt mer kalt Wasser, bei Vergiftunge warem Wasser un Butter dren [ WD-Niedkch]. Volksgl.: Fer's Heemweh soll mer Kaffee darich der Spiellumpe seihe un drinke, dann vergeht em 's Heemweh [PennsDeitschEck 27. 2. 1954]; Var. s. bei PfWB Schlückser. Einen VR. s. bei PfWB Birne 1 a (Bd. I 935 Z. 31). — Im bes.
1.
a. 'alkoholische Getränke trinken'. Zs. PfWB ab-, PfWB an-, PfWB aus-, PfWB er-, PfWB herum-, PfWB mit-, PfWB nach-, PfWB ver-, PfWB voll-, vor-, weg-, PfWB zutrinken. Syn.: PfWB abbeißen 1, PfWB abheben I 2 f, PfWB abschießen 1 c, PfWB abtrinken 3 b, PfWB abziehen I 1 a δ, PfWB anfeuchten 2, PfWB anrauchen 2, PfWB ausblasen 2, PfWB ausbürsten 2, PfWB auspitschen, PfWB ausschwenken, PfWB ausstauben 3, PfWB ausstülpen, PfWB bamscheln, PfWB bamschen, PfWB bechern, PfWB perlen1 1, PfWB pfetzen 6, PfWB pitschen1, PfWB plämpern, PfWB blasen 3, PfWB prösteln, PfWB prosten, PfWB prostern, PfWB büffeln2, PfWB büffen2, PfWB pülvern 2, PfWB pumpen 1 b, PfWB bumpsen 3, PfWB bürsten 2, PfWB darangießen, -schütten 2, PfWB daraufmachen 2 a, -setzen 2 b, PfWB tanken 2, PfWB tätschern, PfWB dawiderschütten, PfWB tönen 2, PfWB torschen, PfWB tränken 1 c, PfWB trudeln, PfWB dudeln, PfWB tulpen, PfWB tuten, PfWB genehmigen, PfWB genießen, PfWB gießen (hinter die Binde, auf die Pfanne), gluckern, heben, hinunterbürsten, -drehen, -gießen, -jagen, -leeren, -schütten, -stürzen, kaufen, kippen, kneipen, knorksen, läppern, latzen, ledern, leeren, leisten, logeln, löschen (den Brand), lotteln, lumpen, lüpfen, mahlen, mitnehmen, nehmen, nippen, rupfen, saufen, schaskenen, schlachten, schlenkern, schlucken, schlurfen, schmettern, schmieren, schnäpseln, schnapsen, schnärren, schnellern, schöpfen, schöppeln, schütten (hinter die Krawatte), schwächen,

[Bd. 2, Sp. 520]
PfWB schwefeln, PfWB schwenken, PfWB stauben, PfWB stechen, PfWB stemmen, PfWB stoßen, PfWB stülpen, PfWB stürzen, PfWB suckeln, PfWB süffeln, suffen, süffern, PfWB umstoßen, PfWB verdrücken, PfWB verhaften, PfWB verlöten, PfWB wamschen, PfWB wegmachen, PfWB weichen, PfWB zechen, PfWB zerren, PfWB zulegen, PfWB zupfen, PfWB zwitschern. Vgl. auch die Syn. zu PfWB betrinken. —
α. intrans. RA.: uf pälzisch t. 'alle Gläser leeren bis auf den letzten Tropfen' [Wilde 263]. Aufforderung zum Trinken: Trink, awwer aus käm leere (Glas)! [ GH-Kand, PS-Erfw]. Trink, daß de was werscht! [ NW-Freinsh]. Trink emol, bischt eh kän Stiefkind! [ PS-Erfw]. Vadder, trink, mer sein Brirer! [Hebel 32]. E Veglche hot immer nore geß un geß un nie getrunk, un so is es verreckt (Aufmunterung zum Trinken) [Don (Steinmetz)]. Mer redt immer bloß vum viele Trinke, an de Dorscht denkt känner [Pirmas]. Zuruf an den Trinkenden: Trink g'sund! [verbr. Gal]. Zum ersten: Trink un steh! Darnach: Trink un geh! Trinkst du ferner und setzt dich nieder, ei, so such auch Geld herwieder [PfW. 1909 S. 88 (alter Weinspruch von 1669 aus KL-Fischb)]. Scherzw. des Trinkenden: Ich trink for eich all (wie der katholische Pfarrer beim heiligen Abendmahl) [ KU-Schmittw/O]. Er trinkt se all unner de Disch 'Er verträgt mehr als alle anderen' [ KL-Fischb, allg.]. Er trinkt for e Kreizer un stellt sich besoff for e Sechser [verbr. Gal]. Er raacht net, trinkt net, schnuppt net, un lebt ganz wie e Sau [ RO-O'mosch]; vgl. die Var. bei rauchen u. Sau. SprW.: Esse un Trinke halt Leib un Seel zamme [NW-Kallstdt, verbr., auch Don Gal Buch Rußl]; dass.: Gut Esse un Trenke ... [ HB-Kirrbg], Gut gesse un getrunke ... [ LU-Friesh, KB-Kriegsf]. —
β. trans. de Korze (den Kurzen 'Schnaps') t. [KU-Kaulb, verbr.]; e Schoppe t. [allg.]; e Halbschoppe t. [ GH-Kand]; e Stehschoppe t. 'vor dem Weggehen noch im Stehen t.' [ KU-Bedb RO-Obd]; vgl. PfWB Trollschoppen; enner (enne, en, ens usw., s. PfWB ein) t. [allg.]. Trinke mer noch ääns? [ KL-Fischb]. Vinzenz, trink ens! [ LA-Hainf]. Den kann mer trinke, bis eem die Finger gleichgewachse sin 'bis in Ewigkeit' [ KB-Zell]. Er hot en soviel (einen zuviel) getrunke [ LA-Gommh]. Er hot iwwer de Dorscht getrunk [ KU-Schmittw/O]. De Hofjäb hot de Korze e bißche arig gere gedronk [PfId. 187]. Der kann nix trinke, er sauft alles [ KB-Kerzh]. Beschääd t. 'trinken, wenn einem das Glas angeboten wird' [LA-Venn, verbr.]; Bruderschaft t. [allg.]; Winkuf t. 'beim Abschluß eines Kaufhandels die Beteiligten und Freunde freihalten', vgl. PfWB Weinkauf [Kirchhbol]. SprW.: Wer lang Wein trinkt, werd alt [Wilde 262]. Wer's glaabt, werd selig; wer Wein trinkt, werd fröhlich [ LU-Friesh]. Volksgl.: 'me Kind därf mer nix Stärkeres zu drinke gewwe, ebs (ehe er) en Johr alt is, 's wachst nimmi [Fogel Beliefs Penns Nr. 77]. Trinklied: Trink mer

[Bd. 2, Sp. 521]
noch e Treppche usw., s. PfWB Tropfen 2 a. a. 1534: ein pfennig werdt Brots vnd ein Mosz wein zu essen vnd drincken [SSp., Weistum von LU-Neuhf]. —
b. 'regelmäßig und zuviel Alkohol t., der Trunksucht verfallen sein', vgl. PfWB Trinker, PfWB betrinken. Er trinkt, hot aangfang se t., hot sich 's Trinke aangewähnt [ NW-Kallstdt, allg.]. Er kann 's Trinke net losse [ KU-Schmittw/O]. —
c. in älterer Zeit: Tabak t., s. PfWB Tabak 1 b. —
2. an der Mutterbrust t. 's Kind trinkt, kriet se trinke [ BZ-Dierb, allg.]; 'm Kind se trinke genn 'die Brust geben' [ KU-Bedb]. Sie loßt 's Kind noch t. [ LA-Gommh]. 's Kind dut Ditz t. [verbr. Don Gal Buch]. Ein Rätsel s. bei PfWB Faß. — F.: fast allg. driŋgə; dreŋgə in KU-Frohnf WD-Niedkch RO-Lohnsf: dręŋgə in HB-Kirrbg IB-Rohrb LU-Böhl. Part. Perf. gədruŋg fast allg. WPf, gedruŋgə fast allg. VPf (vgl. Linie gebroch/gebroche auf K. 1); gədroŋg u. gədroŋgə zum Inf. dreŋgə, dręŋgə. Präsensformen wie bei bringen. Südhess. I 1733 ff.; RhWB Rhein. VIII 1367 ff.; LothWB Lothr. 104; ElsWB Els. II 760/61; Bad. I 560/61.