| Netz-Navigator | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| PfWB Pfingst(en)-blume (Bd. 1, Sp. 837) | PfWB Pfingsten-lümmel (Bd. 1, Sp. 838) | PfWB Pfingsten-lämmer (Bd. 1, Sp. 838) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 1. a. 'ein in Stroh gehüllter größerer Bube oder junger Bursche, der wie ein wildes Tier an einem Strick im Ort umhergeführt oder auf einem Wagen gefahren wurde', Pingschtlemmel [ KU-Kaulb vor 1890]. Der P. suchte durch grimmige Laute und Gesten die Kinder zu schrecken, mußte sich aber dabei von den Größeren manche Plackerei gefallen lassen. Zu guter Letzt wurde ihm die Strohhülle vom Leibe gerissen. »In älterer Zeit muß aber neben dem Strohmann noch ein in blühende Ginster gehüllter Quack auch in Kaulbach aufgetreten sein; wie sollte sonst diese Pflanze gerade hier zu ihrem Namen Pingschtquack kommen, wenn nicht von ihrer Verwendung bei dieser Vermummung her?«, E. Christmann in HV 1930, S. 247; vgl. PfWB Pfingstenquack 3. — b. 'eine künstlich hergestellte, mit Ginster geschmückte Männergestalt, die am Pfingstmontag [Bd. 1, Sp. 839] durchs Dorf getragen wurde' [ KU-Rothsbg]. — c. 'ein mit Pfingstrosen geschmückter Ochse, der am Donnerstag vor Pfingsten durch den Ort getrieben und nachher zum Fest geschlachtet wurde [ KL-H'spey Frankst]. — 2. 'Hütejunge, der am Pfingstmorgen als letzter mit seinem Vieh auf die Hutweide kam', wohl die urspr. Bed. des Wortes, Pingschdelemmer [ Gal-Dornf Brig Bagbg Obl Waldd], -lemmel [ Gal-Josbg Schönth Brunnd]. Der Zuspätgekommene wurde mit dem Vers verspottet: Pingschdelemmer owwenaus, hebt die blotte Spatze aus; hot die kalde Erbse g'freß un die Kuh im Stall vergeß [ Gal-Dornf]. Die beiden letzten Zeilen des Spottverses wurden auch abgewandelt: alle Spatze sein schun draus, Pingschdelemmel owwenaus! [ Gal-Schönth]. Eine dritte Variante lautete: Pingschdelemmer, Erbsefresser, hoscht zu lang geschlof, hoscht die Kuh im Stall vergesse, werscht for das gestroft [ Gal-Waldd]. In Gal-Dornf Brig Reichenb veranstalteten bis 1939 die Weidejungen am Morgen des Pfingstsonntags vom Pfingstenloch aus das Pfingstreiten: Unter Führung ihres »Hauptmannes« ritten sie, in Zweiergruppen geordnet, der P. mit dem Pfingstenkranz in ihrer Mitte, liedersingend durch das Dorf. An den Umritt schloß sich ein Wettreiten an. Von anderer Art war der Brauch des Pingschtlämmels in NW-Haßl u. Umg.: Hier ritten am Pfingstmontag die jungen Burschen in aller Frühe mit ihren Pferden in den nahen Wald, schmückten dort die Pferde mit Ginster und grünen Zweigen und vergnügten sich mit Speis und Trank bis zum Mittag. — 3. 'Kind, das am Pfingstsonntagmorgen als letztes aus dem Bett aufsteht', Pingschtlimmel [ KU-Kaulb], -lämmel [ RO-Semb], -lämmer [ Gal-Obl]; vgl. PfWB Pfingstenknuttel, PfWB -knüppel. In KU-Kaulb wurden bis etwa 1910 dem P. von den Geschwistern heimlich Ginsterzweige ans Bett gesteckt. In Gal-Obl erhielt der Langschläfer Brennesseln unter die Decke. — 4. a. 'Pfingststrauß, der am Pfingstsonntag dem Langschläfer in der Familie an das Bett oder an die Tür gesteckt wurde', Pingschdelämmel [FR-Hettleidh Tiefth Kühn Hamet 127 Heeger Tiere I 20]; daher auch die RA.: einem einen P. anstecken. — b. α. 'blühender Besenginster', Pingschtlemmel [ KU-Wolfst RO-Höring], -lämmerl [KU-Aschb KL-Enkb u. Umg.]; vgl. PfWB Pfingstlümmelblume, PfWB Pfingstenquack 3. — β. 'Flieder (Syringa vulgaris)', Pingschdelämmer [verbr. Buch]; vgl. PfWB Pfingstenblume. Syn. s. PfWB Nägelchen. — F.: Die Belege für die Pfalz verzeichnen nur -lęm(ə)l, die für Gal und Buch -lęməl und -lęmər. Beide Formen können von Lümmel 'Faulpelz' hergeleitet werden. Oder sollte -lęmər auf mhd. lampen 'welk niederhängen', schweizerisch lampen 'langsam, träge, [Bd. 1, Sp. 840] nachlässig gehen und arbeiten' (Schweiz. III 1274) zurückzuführen sein? Vgl. Christmann in HV 1930, S. 257. — RhWB Rhein. VI 753; Bad. I 202; Schwäb. I 1046; Hess.-Nass. II 610.
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| © 2010 by Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||