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 PfWB pfeifen (Bd. 1, Sp. 807)   RhWB pfeifen (Bd. 6, Sp. 695) 
   pfeifen st.:
1. vom Menschen.
a. 'mit dem Mund einen Pfeifton hervorbringen', peife, pfeife (s. F.) [allg.]. Er peift uf'm Finger, dorch die Finger 'unter Zuhilfenahme des in den Mund gesteckten Fingers, auch zweier und mehrerer Finger' [allg.]. Pfeifen als Zeichen des Rufens: Ich werr (Ich krie) gepeff [KU-Bedb, verbr.]. Der Fuhrmann peift de Gail (damit sie Wasser lassen) [allg.]. Mit Pfeifen lockt man die Tauben an, z. B. mit dem Intervall gˈ aˈgˈ aˈgˈ aˈgˈ (der erste und der letzte Ton werden gezogen, die dazwischen liegenden Töne nur kurz angeschlagen) [ GH-Zeisk]. Pfeifen drückt Geringschätzung aus: Ich peif uf'n, ich peif der was u. ä. [allg.]. Ja, peife, Kättche (Käthchen)! (Dazu wird mit den Fingern geschnalzt) [ KL-Reichb]. Er peift 'm wie 'me Hund [ KU-Schmittw/O]. Der Schlaue pfeift, wenn er etwas verschweigen will: Des hätt er peife kenne, statt sache [südl. VPf]; vgl. aber 1 d. SprW.: Viele Sache sin besser gepiffe als gsaat [Penns]. — Weitere RA. u. SprW.: Das esch de Mais gepiffe, von einer nichtigen Sache [LA-Edk, verbr.]. Mädcher, wo peife, un Hinkl, wo krähe, sell mer de Hals uf de Rick erumdrehe 'Mädchen, die pfeifen, und Hühnern, die krähen, soll man den Hals auf den Rücken herumdrehen' [ KU-Kaulb, allg.]. 'me Parre, der danzt, 'me Määre, das peift, un 'me Hinkel, das kräht, dene geheert de Hals erumgedreht [ KU-Bechb]. Wann die Hinkel krähe un die Weibsleit peife, is es en schlechti Sein (engl. sign = Zeichen) [Fogel Beliefs Penns Nr. 423]. Do hääßt's net nor, 's Maul gespitzt; 's muß aach gepeff sin [RO-Rehbn, verbr.]. VR.: Luschdich is die Fasenacht, wann mei Mutter Kichelcher backt; wann sie awwer keene backt, peif ich uf die Fasenacht [Gal-Dornf, verbr.], s. auch PfWB Krähe. —
b. 'auf einer Pfeife pfeifen', in festen Prägungen 'mit einer Pfeife zum Tanz aufspielen'. 's Peifche will net p. [allg.]. Er peift mit de Dullepeif (Dudelpfeife) [ Gal-Dornf]. — RA.: Er muß danze, wie sie peift 'muß sich nach dem Willen seiner Frau richten' [ GH-Kand, allg.]. Gott sei's getrummelt un gepiffe 'Gott sei gepriesen' [LU-Friesh, verbr.]. Er peift uf'm letschde Loch 'Er stirbt bald' [ RO-Dielkch, allg.], 'steht vor dem Ruin' [Kaislt]. SprW.: Wer gere danzt, dem is gut peife [ Don-Gertianosch]. —
c. 'im Pfeifton atmen'. Sei Ochdem (Atem) peift [allg.]. —
d. 'reden, verlauten lassen'. Do hot se nix devun gepeff [ KU-Kaulb]. —
e. 'cacare', weniger derb als PfWB scheißen. Ich geh p. [ Gal]. RA.: Do peift der Hund nin,

[Bd. 1, Sp. 808]
wegwerfend von einer wertlosen Sache [ebd.]. Hierher gehört wohl auch die RA.: Wann ich net in de Himmel komm, peif ich aa in die Hell 'Wenn ich nicht dieses bekomme, verzichte ich auch auf das andere' [ KL-Siegb]. —
2. von Tieren.
a. vom Singen der Vögel [verbr.]. Über die von der Sonne gebräunten, sehr süßen Beeren haben die Vögel gepiffe [Wilde 246]. Iwwer's Hasebrot hun die Veel gepeff 'Die Reste des ins Feld mitgenommenen Frühstücksbrotes schmecken den Kindern besonders gut, weil man diesen weismacht, die Vögel hätten darüber gepfiffen' [KU-Schmittw/O, verbr.]; vgl. Hasen-, PfWB Vögelchensbrot RA.: Die Spatze peifen's vum Dach 'Es weiß es jedermann' [allg.]. Dem Veelche muß mer e Wermche gewwe, weil's so hibsch peife kann, so sagt man im Scherz zu einem Buben, der eifrig, aber auch oft falsch pfeift [ KU-Schmittw/O]. SprW.: Jeder Voggel peift, wie ihm der Schnawwel gewachse is [Penns]. Veelcher, wu frih peifen, freßt owends die Katz [Kaislt, verbr.]. Des Veeglche, was marjets peift, scheißt ins Nescht, sagt man von einem, der schon am frühen Morgen vergnügt pfeift [ Don-Schowe]. VR.: Margretel, mein Mahd, geh met mer ins Gras, dort peife die Veechel un klappert de Has [KU-Lauteck (Wilde 79)]. —
b. vom Piepsen der Küchlein, Mäuse u. dgl. Die Ajer sin aangepickt, un die Junge peife schun [ ZW-Schmitshs, allg.]. KR.: Hinner de Steg (Stiege), uf de Steg hen die Belleit Hochzeit; peift die Maus, hupst die Laus, is die ganze Hochzeit aus [ NW-Kallstdt]. —
3. Sonstiger Gebrauch.
a. De Wind peift [allg.]. RA.: Peift de Wind (oder: Peift's) aus dem Loch! 'Ist die Sache so gemeint?' [allg.]. Jetzt peift e annrer Wind 'Es sind neue Verhältnisse eingetreten' [allg.]. —
b. Mer heert de Zug (die Alsenzbahn) peife, 's gibt gut Werrer (bei Ostwind) [ KU-Schmittw/O]. —
c. Die Hieb hun gepeff, von heftigen Hieben [ KU-Schmittw/O, allg.]. Er horrem (hat ihm) eni g'stuppt, die hot g'piffe [ NW-Weish/S]. —
4. blau pfeifen s. PfWB blau. — Zs.: PfWB ab-, PfWB aus-, PfWB ver-, PfWB vorpfeifen. — F.: Zur Lautform s. PfWB Pfeife. Part. Perf.: WPf gəpif, selten gəpef, dieses vorn. NWPf; VPf gəpifə, selten gəpefə, dieses vorn. SOPf. — RhWB Rhein. VI 695 ff.; LothWB Lothr. 42; ElsWB Els. II 133; Bad. I 194 ff.; Hess.-Nass. II 589/90.

 

 pfeifen paifə(n), –ęi-, –ei-, –īf-, –i-, –īp- Part. Rhfrk, Mosfrk gəpif, –e- (in der WEif, wo i > a usf. wird, -a-, –ǫ-, –ę-, --); Rip jəpefə; zu nfrk. pīpə jəpīəpə, –ē(ə)-; in der Bed. weicht das Rip, Nfrk vom südl. Geb. ab schw.: 1.a. flöten, mit dem Munde durch Runden u. Spitzen des M., mit Hilfe von in den M. gesteckten Fingern, mit einer Holz- oder Metallpfeife u. auf der Maipfeife; auch die Vögel, Mäuse p.; die Bienenkönigin peift, bevor sie ausschlüpft Rhfrk, Mosfrk (Prüm, NDaun, NMay mehr fleten). RA. aus diesem Geb.: Ess Käs (Reiben ‘Rüben’), da liəhrschte p.! Allg. (de hat de Peisch Strih on die Kässchmer net bezahlt der nicht pf. kann Koch-Laub). E peift wie en Märdel (Amsel), — Kanaljenvigelchen, — en Nachtigällchen, — en Leweckerchen (Lerche) am frihe Morgen Allg., — en Organist Trier-Euren. Der kann net got p., awwer schlecht sengen Westerw. Et hescht (heisst) gepeff oder gesongen derfir kein Widerstand Prüm-Mürlenb 1860. Maulspötzen gölt net, et muss gepaff gün Trier-Mehring, Allg. Wu e gang un gestang hot, do hot e gesong on gepeff wie e Buffönk Trier. Dat elo as ken schwor Arbet, die mache mer mat P. un Sangen Bitb-Dudeld. Wei dei Alen songen, esou p. dei Jongen Saarbg-Faha, Allg. De mouss senge, wei den annern peift Saarbg-Faha. We ger danzt, dem as gut p. Trier-Mehring. En hört de Engeln em Himmel scho p. ist dem Tode nahe Allg. Gäns, wo schleife, Mäd, wo p., Hinkel, wo krehe, de soll mer gleich (bei Zeire) de Häls erumdrehe (de Kopp of de Bockel dr.) Nahe, Allg.; wann e Mädchen peift, kreischt de Muttergottes Bitb, Allg. Wer sich zu helfen weiss, geschickte Kartenkunststücke macht, ka blo p. Prüm-Mürlenb 1860. — Eich p. dir ebbes! tue es nicht, abschl. Antw.; eich p. dir drof! Allg.; p. och! Trier; p., mei Herzche! Saarbr; jo, hoschde gepeff! Birkf; hutsche (hudche, hdche) gepeff! ebd.; ja, hutsche pif! Saarbr-Sulzb; hutt peif! Ottw-Schiffw; piff, ja p.! Saarl-Berus; gepeffe! Siegld; gepiff is nit gesung! Simm-Laub. In de Hänn (Hände) gespauzt on of de Arbet gepeff Mosfrk. — Do hot er awwer necks devong gepeff! verlauten lassen Saarbr-Sulzb.

[Bd. 6, Sp. 696]
Er is wij en Vugel, er singt un peift den ganzen Dag Saarl-Berus. Er kann senge, wie e Rammb (Krähe) peift Birkf. Ich hon e Velche p. gehert etwas munkeln gehört Birkf. De soll doch stöll sein, o wenn all Vigel p.! der hat allen Grund, bescheiden zu schweigen, wenn auch alle andern sprechen Trier-Stdt; wenn all V. p., darfs, dau Lomp, nöt pipsen ebd. Die Vole, die frih p., fresst (hellt, kriet) de Katz von Vorlauten Hunsr, Allg. Et get Ren (Regen), de Dreksvigel p.! wenn die Buben pf. Bitb. Dat p. die Spatze längscht vom Kerchedach Ottw-Wiesb. De hert de Guguck em Frihjohr och nemih p. er wird bald sterben Allg. (s. Kuckuck). — Der hirt de Fleih (Flöhe) p. hört gut Saar, — das Meis-che p. Simm-Heinzenb. — Dat es em Dawe (Tauben) gepeff wenn einer furzt Mosfrk. Et as de Vigele gepaff vergeblich Bitb-NWeis. — de Meis (Mäusen) gepeff Birkf, Kreuzn, — seine M. gepeff gefällt ihm uSaar, Trier; dat wär de Meisen gepaff würde nur seinem Gegner nutzen Bitb; dat (den) as em gepaff, — wör em g. gewest passt ihm so, kommt gelegen Prüm, Malm. Mei Mudder hat (mir) mim Kochleffel (Scheimleffel, Reiweisen, Spillomp; s. d. W.) gepeff zum Essen gerufen. Der peift of dem letzte Loch (der Flöte) ist am Ende seines Könnens, er stirbt bald Allg. — Den Hond peift winselt Merz-Büschf. — Beim Atmen pf., keuchen unter pfeifendem Geräusch; den hot de Not (Nacht) gepeff, mer hüt gemänt, en het e Vilchen op der Broscht; en hät P. of der Br. Saar, Allg. — Flüstern, Geheimnisse im geheimen mitteilen; dat hätscde p. solle Prüm-Mürlenb 1860. — Von Dingen; die Türe, das Rad, der Schwengel (udgl.) peift knarrt, knirscht Allg.; de Wend, de peift änem em de Ohre; so peift awei (jetzt) de W. der Vorgesetzte hat seine Ansicht geändert Nahe, Allg. (Peifwand ‘Sturm’ Prüm-Rommersh); e left (läuft), dat em de Hor (Haare) p. Daun-Steinborn; et es mer su kalt, dat mer de Uhre p. Kobl, Goar. — Et peift es flötet, die Sirene, Signalpfeife, Allg; o Jong, eweil hot et äwer gepeff! es ist Zeit Mos; et peift mer in de Ohre es klingt mir in den Ohren Allg.; es hat gepiff wenn ein Sprengschuss die Vorgabe sitzen lässt u. der Sprengstoff zum Bohrloch hinausgeschleudert worden ist Saargeb.; der Schuss peift Altk, Siegld. — Peifches in Hockstellung Eisbahn schlagen May-Nickenich. — b. n. dieses rhfrk., mosfrk. Geb. kommt p. nur noch vereinzelt vor (in einigen RA. u. Bed. geschlossener). Hermann, schlag Lärm an, lot pipen, lot trommen, de Kaiser well kommen (usf.); wie de Aulen songen, su p. alt de Jongen (auch MGladb); dat p. de Vüəgel om Dak; enem jet p. nicht geben NBerg (also hier geschlossener). Gott sei getrommelt on gefeffe (nhd. Lautung) Dür. Mulspetze notz nicks, et muss gepeffe werde Köln-Stdt. Op em letzte Loch (Gatt) pife (pipe) Rip, Nfrk ziemlich verbr. Du kanns mir

[Bd. 6, Sp. 697]
de Mai pife! ich tue es nicht Bo-KüdinghvStdt. De peif (nhd. Lautung) op der Deuvel ist mutig Köln-Stdt. Pif, Mariännche, höt de Schof (Schafe) op dem Suənesife, kann se net erövverkreie, moss se erövverpife, p., jo p.! Schleid-Reifferschd. Von der Weidenflöte n. Ruhr: zipp, zapp, zere, Flötje wull niet pipe, kom de Hannbrickes met dat scharpe Messke, wull Fl. de Hals afschnen, dor fing Fl. an te p.; pip, p., p., p.! Rees-Haminkeln. Weiterhin in Kemp pīpə pipsen, von Vögeln u. Mäusen; die Lokomotive pippt; de Dür pippt knarrt; dem peppt der Oəm (Atem). Vereinzelt he pift hat Atembeschwerden Sieg, Sol-Leichl Pattschd; he köt nu heragepeffe mühsam, keuchend Dür-Heistern; der Hond pif gibt einen pfeifenden Ton von sich; dat Rad, de Dür pif MülhRh, Siegld-Müsen; der Wengk (Wind) pif; de Kugel peff mer lans de Kopp MüEif; dagegen weiter verbr. de Uhre pife mir klingen mir, man spricht von mir; do kammer bezahle, dat enem de Uhre p. Rip verbr., ebenso Rip et pif mer en de Uhre (auch Berg, Klev, Rees, Dinsl, Ruhr); et pif es stürmt, der Wind geht; dat es dem emol gepeffe geglückt; dat wor mir g. Wasser auf meiner Mühle Ahrw, Rheinb, Sieg, uWupp, Sol (jepepen). Von diesem pīfə, pīpə ist zu scheiden pī:pə, –pə, –psə mit Schärfung ‘zirpen’; ausserdem hat das Rip pīfə noch in Bed. 1 c u. einige Fälle in der übertr. Bed. 2. — c. -īf- behaglich die Tabakpfeife rauchen, aber auch tadelnd gemeint; die setze gemötlech an der Dür on p. sech en (eine); de ös den ganzen Dag am p.; de pif sech jet beiənen; mer welle noch jet p. gohn zum Nachbar zum Plaudern; de Pif p.; Zigare p.; he pif sech de Schwendsoch op et Lif der das Rauchen nicht vertragen kann Rip (auch Prüm-Mürlenb 1860); -īp- Eup, Geilk-Hünshv; Pifnölles einer, der fast den ganzen Tag raucht Dür-Winden. RA.: Mot P. wird mer gruəss Schleid-Hellenth. Dat geht möt P. drus dem ist mit einer Kleinigkeit abgeholfen, gesagt, wenn man auf einen angeblichen Fehler in der Arbeit aufmerksam gemacht wird, der von selbst schwindet wie der Tabakrauch Schleid, Aach. — 2. übertr. a. weinen, heulen; hüle en p. wehklagen Aach-Stdt. — b. schnell laufen, gehen, huschen (hörbar geschwind, ein Pf. verursachend, die Luft durchdringend); en kennt gepoff; he poff last huschte vorbei Prüm. — c. scherzh. Alkohol trinken; die zwen hun de ganzen Owend metənanner gepeff; mer hon ons ane gepöff; losst ons noch ane Schobbe p.! uSaar, Mos. — E hät se gepeffe ist bezecht Dür-Kelz. — d. enge eng p. einem eine pfeifende Ohrfeige geben; ich han em eng gepeffe, die föhlt e! Aach-Stdt Walh, Jül-Tetz; et gepif krige Bo-Stdt. — e. es hat gepiff der Sprengstoff ist zum Bohrloch hinausgeschleudert worden, in der Bergmspr. Saargeb. — f. das Garn auf die Pfeifen des Webstuhls aufspulen Siegld. — Abl.: die Peiferei, dat Gepeif(s).

[Bd. 6, Sp. 698]