Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB Bart (Bd. 1, Sp. 584)   PfWB Lappen (Bd. 4, Sp. 778)   PfWB Rotz-lappen (Bd. 5, Sp. 616) 
   Bart m.:
1. beim Menschen.
a. 'Haarwuchs um Mund und auf den Wangen'; sich de Bart stehe losse [allg.]. Form und Beschaffenheit des Bartes: korzer, langer, dichter, schitterer B.; e B. wie e Owwerferschder 'Oberförster', e Bart wie e Gääß 'Geiß' u. ä. Ein kurzer B. wird meist rtche (Bärtl) genannt. Zur näheren Bezeichnung des Bartes dienen (oder dienten) Zs.: PfWB Backen-, PfWB Franzosen-, PfWB Freischärler-, PfWB Geißen-, Haber-, Hambacher-, PfWB Hecker-, PfWB Juden-, Kaiser- Wilhelm-, PfWB Kellner-, PfWB Kinn-, Knaster-, PfWB Knebel-, PfWB Knottel-, PfWB Kotelett-, PfWB Männer-, PfWB Milch-, PfWB Mucker-, PfWB Napoleons-, PfWB Räuber-, PfWB Schnauz-, PfWB Schneider-, PfWB Schnurr-, PfWB Spitz-, PfWB Stoppel-, PfWB Streusel-, PfWB Stumpf-, PfWB Stutzer-, PfWB Umherum-, PfWB Voll-, Vollmonds-, PfWB Zottelbart; in Uznamen: Knoblauchs-, Sacktuch-, Schwarz-, Weißbart. RA.: Denne kann die Katz ablecke, von schwachem Bartwuchs [allg.]. Wart emool, bische e B. hascht, dann kannsche heirade [ ZW-Bechhf]. Er kriet 'n am B. 'haut ihn' [KL-Alsbn, verbr.]. Um Kaisers B. streire 'um lächerliche Dinge streiten' [ FR-Bockh, allg.]. SprW.: E Mann ohne Bart hot kee(n) Art [Hebel 46]. —
b. 'Kinn'. Er esch uf de Bart gefall [ ZW-L'wied, allg.]. Der hot zwee Bärt, e doppelter B., e dicker B., e Keitche 'Grübchen' im B. [allg.]; e dreidoppelter B. [ LU-Alsh]. Zs.: PfWB Doppel-, PfWB Grieben-, PfWB Ober-, PfWB Schnäpper-, PfWB Unterbart. RA.: An de B. stouße 'verhauen' [SP-Harths, verbr.]; um de B. gehe 'umschmeicheln' [allg.]; ääm unner de B. greife 'einem helfen' [SP-Harths, verbr.]; de B. stelle 'sich in die Brust werfen' [PS-Burgalb, verbr.]. Der kann noch net iwwer de Bart spaue 'spucken', wer für eine Sache noch zu jung ist [Fogel Prov. Penns Nr. 90]. KR.: Sternche (Stirn) ruck, Ägelche zuck, Näsche schnapp, Bäckelche rot, Mäulche eßt Brot, Bärtche (Kinn) zopp, zopp, zopp [Thedor Zink, Pfälzische Kinderreime. Kaiserslautern 1911]. —
2. bei Tieren und Pflanzen. Die herabhängenden Hautlappen am Kopf von Hahn und Huhn [allg.]; der Federbart am

[Bd. 1, Sp. 585]
Unterschnabel des Huhns [ KL-Lind]; der Bart der Ziege u. ä. Rätsel: 's kummt e Mann vun Ricke-Racke, der hot e Rock vun lauter Placke un e rode Bart (Hahn) [verbr. Gal Buch]. — Bartähnliche Pflanzen: Bocks-, Wiesen-, Wiesenbocksbart.
3. von Gegenständen.
a. der Bart am Schlüssel. Zs.: PfWB Schlüsselbart. RA.: Do es de B. ab [allg.]. Rätsel: Om Schlissel is 's, aach hot's de Mann, un on de Gäiß mer's sihn kann [ KU-Schmittw/O]. —
b. B. am Hammer, am Keil u. ä. 'das breitgeschlagene Ende' [allg.]. —
c. das bärtige Ende der Treibschnur [ KL-Fischb]. —
d. 'Drehpunkt am Hebeisen' [ KU-Diedk]. —
e. Die Bienen bilden rt am Ausflugbrettchen [ ZW-L'wied BZ-Klingmst]. —
f. Haarbüschelchen an Getreidekörnern [ FR-Bockh]. —
g. 'stehengebliebener Grasstreifen bei unsauberem Mähen' [ KL-Alsbn]. — F.: rd, bāÄrd, bād, brd, bÄd, bd. Mittlere bis helle Qualität des Vokals herrscht vor; die dunkle Qualität findet sich vornehmlich in NWPf, NPf und mittl. sowie südl. VPf; r ist meist geschwunden. Die Auslandspfälzer in Penns Don Gal und Buch sprechen fast allg. brd. Dim.: brdχə, bÄdχə [WPf nördl. VPf], bęÄdl [mittl. u. südl. VPf]. — RhWB Rhein. I 474 ff.; Saarbr. 17/18; LothWB Lothr. 25; ElsWB Els. II 92; Bad. I 121.

 

   Lappen m.:
1.
a. 'Stück Tuch, Tuchrest', Lappe (labə, lḁbə) [allg., Christmann Kaulb 61 Heeger Südostpf. 25 Höh 46, 81 Mang 79 Müller Dietschw 46 Lambert Penns 97 Don Krämer Gal 138]; Pl. wie Sg.; Dim.: Läppche, Läpp(e)l, Läpp(e)lche, Pl.: Läppche, Läppcher, Läppercher, Läpp(e)lcher, Läpple, Läpplich; vgl. K. 27. RA.: E gurer L. Dischduch! scherzh. Wend. im Sinne von 'Guten Appetit!' [ WD-Niedkch, Saal KU-Diedk]. Volksmed.: E leine Läppche mit Schmalz beschmeert un in Branntwein gedunkt, häält alles [ ZW-Bechhf]. Im AR.: ... kummt se mid'm Stecke / geh ich zum Babbe / schlacht er mich mi'm L. [ BZ-Billh]. —
b. 'alte Kleidung, Fetzen', verächtl. [mancherorts]. Sie hun em nägscht (fast) die L. erunner geress [ KU-Schmittw/O]. RA.: am L. kriee 'an den Kleidern festhalten' [ KU-Hundh]; jemanden jagen, hauen, daß er die L. verleert [ KU-Kaulb, mancherorts], daß die L. gefloo sein [ KU-Schmittw/O]. Rätsel: 10 schwarze Rappe ziehn e schwarze L. an Bärzlers Haus die Berg enaus. Auflösung: ein Schornsteinfeger, der seine Notdurft verrichtet hat und seine Hose hochzieht; schwarze Rappen 'Finger', schwarzer Lappen 'Hose', Bärzlers Haus 'Bürzel, Hintern' [ KU-Bedb]. —
c. 'Lappen zu verschiedenen Zwekken'; Zs.: PfWB Abstaub-, PfWB Brust-, PfWB Putz-, PfWB Tafel-, PfWB Flick-, PfWB Fuß-, PfWB Geifer-, PfWB Kredit-, PfWB Mumen-, PfWB Pussier- 2, PfWB Rock-, PfWB Rotz-, Sabber-, PfWB Schau-, PfWB Scheu-, PfWB Schlabber-, PfWB Schmacht-, PfWB Schmalz-, PfWB Schuh-, PfWB Seiber-, PfWB Seifer-, PfWB Staub-, Wasch-, PfWB Wams-, PfWB Wischlappen. Im einzelnen:
α. 'Lappen zum Abwischen der Schultafel' [verbr.]. —
β. 'Staublappen'

[Bd. 4, Sp. 779]
[ KU-O'alb KL-Niedkch]. —
γ. 'Waschlappen' [ HB-Mimb Walsh]. —
δ. 'Fußlappen'. RA.: Mach dich uf die Lappe! 'Mach dich auf den Weg, verschwinde!' [Müller Luscht un Lewe 103, 11]. Mach dich uf die L., so schnell wie e Hund gauzt [PfMus. 1920 178]. —
ε. 'Schöße des Rocks, Fracks' [vereinzelt NOPf]. —
ζ. 'Schuhlasche', Lappe, Läppl [vereinzelt VPf]. Syn. s. PfWB Lasche 1. —
η. 'angenähte Schlinge am Schuh zum Anziehen' [ LU-Muttstdt]. —
θ. urspr. 'Lappenabsperrung für das Wild bei Jagden', heute nur in der RA.: dorch die L. gehn 'entwischen' [ KU-Hundh, mancherorts]. —
2. übertr.
a. 'Geldschein' [vereinzelt, Hartmann Teemaschin 92 Kieffer Bilderb. 44]. Mach's gut, - wann's mich aa(ch) koscht e L. [Siebenlist 28]. —
b. 'Stück Land, Landparzelle' [mancherorts]; vgl. PfWB Placken 4, PfWB Item 1 b; Zs.: PfWB Scheiß-, Wiesenlappen; e Läppelche Land [Rockhs]. Der mit seine paar Läppelcher! [ KU-Diedk, mancherorts]. Er versauft sei paar Lappe Wingert [PfRSch. v. 13. 1. 1927]. Vun dene drei Läpplcher Feld kann mer sich net ernähre [ LU-Friesh]. Emol e äge (eigenes) Läppel Land, / Wu ich emol als alter Mann, / So wie ich will, drin blänzle kann [Räder 19]. a. 1560: von drei lepgen auß dem Geglers gut [KSchArch. Zweibr (Gültbuch des Klosters Offenbach/Glan 4r)]. —
c. 'Menge' [ LU-Friesh Don-Gertianosch]; e ganze L. 'eine ganze Menge' [ LU-Friesh]; e Läppche 'eine kleine Menge' [ Don-Gertianosch] —
d. eine Art Kuchen [ KU-Adb]; vgl. PfWB Schneiderlappen. —
e. 'Eisenbeschlag am hinteren Teil der Deichsel' [KL-Frankst Klein Wag. 104]. —
f. 'lappenartige Teile am menschlichen oder tierischen Körper'.
α. 'das Ohrläppchen', meist Dim. Läppche, Läppl, s. 1 a [mancherorts]. Zs.: PfWB Ohrlappen, -läppchen. —
β. 'weibliche Brust' [vereinzelt VPf]. —
γ. vgl. PfWB Fettlappen 1 b. —
δ. 'Wamme des Rindviehs' [mancherorts]; Zs.: PfWB Brust- 2 a, PfWB Fett- 1 a, PfWB Hals-, PfWB Kuhlappen.
ε. Pl. 'die Weichen der Kuh', Läppe [ RO-Obd]. —
ζ. 'herabhängende Hautlappen am unteren Teil des Kopfes von Hahn und Huhn' [vereinzelt]; vgl. PfWB Bart 2. —
η. 'Unterlippe bei Tieren' [ KB-Gauh]. —
θ. ' Teil des geschlachteten Schweins' [vereinzelt]. Zs.: PfWB Bauchlappen, -läppchen, PfWB Schmalz-, PfWB Schweinelappen. Wie duhn die Lappe aus'm Salz / so appetitlich winke! [Woll 23]. —
g. vgl. PfWB Huf-, Sau-, PfWB Wamslappen, PfWB Vielläppchen. —
3. persönl.
a. 'Feigling' [mancherorts]; Zs.: PfWB Feig-, PfWB Fürchte-, PfWB Schmier-, Waschlappen; Syn. s. PfWB Feigling. —
b. 'schlaffer, weichlicher Mensch' [ KU-Schmittw/O]; Zs.: PfWB Jammerlappen. —
c. 'Eckensteher, Bummler', Musikantenspr. [Bei uns daheim 19. 5. 1926]. —
d. 'Handwerksbursche', Musikantenspr. [Schneider 79 Pfälzer Abendzeitung 2/1951 Nr. 4]. —
e. vgl. PfWB Panz-,

[Bd. 4, Sp. 780]
PfWB Pech-, PfWB Pussier- 1, PfWB Dreck-, PfWB Fett- 2, PfWB Feucht-, PfWB Freß-, Sau-, PfWB Schand-, PfWB Schmacht-, PfWB Schmuslappen. Südhess. IV 133 ff.; RhWB Rhein. V 120 ff.; LothWB Lothr. 329; ElsWB Els. I 600/01.

 

  -lappen m. :
1. 'Taschentuch', -labbe [Kaislt, vereinzelt]; vgl. PfWB Rotzfahnen. —
2.
a. 'frecher, ungezogener Knabe', -labbe [ HB-Kirrbg]. —
b. 'abscheulicher Mensch' [ NW-Hardbg]. — Südhess. IV 1485; RhWB Rhein. VII 542. —