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| PfWB backen (Bd. 1, Sp. 511) | PfWB fressen (Bd. 2, Sp. 1589) | |||||||||||||||||||||||||||
1. Brot und andere Speisen b. a. die Gesamtheit der Backtätigkeiten vom Anrühren der Backmasse bis zum Herausnehmen des Gebackenen. Brotbacken in ländlichen Orten um 1900: Das Brotmehl wurde am Vorabend in die Backmulde gesiebt und mit Sauerteig versetzt (s. PfWB meren). Nach etwa 7-8 Stunden gab man vorgewärmtes Wasser und eine bestimmte Menge Salz zu und vermengte das Ganze zu Teig, den man in der Nähe des warmen Ofens gehen ließ. Danach wurden die Laibe geformt, in Backkörbchen getan und ins Backhaus gebracht, wo man sie im Schwung [Bd. 1, Sp. 512] auf die Backschieße setzte und in den entsprechend angeheizten Ofen beförderte. War das Brot nahezu ausgebacken, so holte man es wieder mit der Schieße (dem Schießer) hervor und überstrich es leicht mit Wasser, worauf es zum Bräunen abermals in den Ofen kam. Das gebackene Brot lagerte man daheim auf dem Brothang oder Brotrahmen. (Vgl. Feierowend Jg. 9, 1957, Nr. 7, S. 1/2). Heit backe(n) mer, auch: Heit backe(n) mer Brot, Kuche usw. [allg.]. RA.: Dun er backe?, Anredeformel beim Eintritt in ein Haus, in dem gebacken wird [ PS-Erfw]. Wer net will, der hot gehatt, morje backen mer widder [verbr. Gal Buch]. Wammer backen, kriegsch e Werschdl, iron. Abweisung [GH-Kand, verbr.]. Aus dem Mehl werd kee Brot geback! dass. [verbr. Gal]. Morje backe mer, dass. [Zweibr, allg.]. Wammer backe, därfschde die Schieß lecke, iron., weil auf der Schieße nur Mehl hängen bleibt [ WD-Niedkch]. 's Chrischkind backt Lebkuche (Zuckerdings u. ä.), sagen die Kinder, wenn vor Weihnachten abends der Himmel rot ist [ZW-Hornb, verbr., auch Gal]. Hase backe Knepp 'Knödel', wenn Dunst aus dem Wald aufsteigt [ NW-Frankeck] (Schwäb. I 566). Er hot 's Backe un Bauche (s. PfWB bauchen) beisamme, wenn sich nach einem Fehlschlag gleich ein anderer einstellt [LA-Impfl, verbr. VPf]. SprW.: Vun me schene Gesicht kann mer net b. [ LU-Opp]. — b. 'durch Hitze langsam fest und hart machen, fest und hart werden' (Endstufe von a). De Kuche backt schun, de Kuche is scheen gebacke [nördl. VPf, allg.]. 's Backäiwel 'Backöfchen' backt gut [ LA-Edh, allg.]. Gebackene Ajer 'Rührei mit Schinken', gebackener Appel 'Bratapfel', gebackene Grumbeere 'Bratkartoffeln', (dafür auch gereeschde Gr., s. PfWB rösten) gebackene Knepp 'Knödel', gebackene Nunneferz 'Gebäck aus geschlagenem Eiweiß mit eingerührtem Zucker, bei schwacher Hitze gebacken' [Kaislt]. Für 'Habseligkeiten, Siebensachen': gebackene Bere [ RO-O'mosch KB-Kriegsf NW-Kallstdt Frankeck LU-Oggh LA-Nd'hochstdt Gal-Königsbg]; vgl. PfWB Backenbirnen. Auf die Frage, was sie backe, antwortet die Hausfrau im Scherz oder Unwillen: Gebackene Rawunzle un Schneckeschwänz [ Gal-Schönth], oder Gebackene Hundsfotze [ LA-Nd'hochstdt]. RA.: Die backt aach ehr Kichelcher liewer in annere Leit ehrem Fett, von einer ausnützerischen Frau [verbr. Don Gal Buch]. Du kriegscht e Extrawerschdl gebacke [VPf, verbr.]. Du kriescht die Ajer geback 'bekommst Schläge' [IB-Herbh, KU-O'staufb KL-Wörsb]; 's Pännche voll backe 'verhauen' [ PS-Windsbg]; enni b. 'eine Ohrfeige geben' [BZ-Wernbg, verbr.]; vgl. PfWB kleben. Das war e Gebackeni, 'eine kräftige Ohrfeige' [ GH-Zeisk]. Scherzhafte Antwort auf die Frage, wie spät es sei: Dreivertel uf Quetschekuche, wann er gebacke [Bd. 1, Sp. 513] isch, derfscht 'n aa versuche [ PS-Erfw RO-Als LU-Opp LA-Mörzh]. Von Orten, in denen nur auf der einen Seite der Straße Häuser stehen, heißt es scherzhaft: Do werren die Pannekuche nor uf ääner Seit gebacke. [VPf, allg., auch Auslandspfälzer]. VR.: Hohnappel die Hohn, die Faßnacht, die is on, die Kichelcher sein geback, eraus mit, mer stecke se in de Sack [ KU-Reiffb]. Schornschdefecher, greireweis, freß gebackne Beere, freß, was dein Hundl scheißt, kannscht dein Maul mid schmeere [ LA-Nußd]. Backe, backe, Kuche, de Bäcker hat gerufe, wer will gure Kuche backe, der muß hawwe siewe Sache, Eier un Salz, Budder un Schmalz, Millich un Mehl, Safran macht de Kuche gäl [NW-Frankeck, verbr.]. Ich winsch eich e goldner Disch, an jedem Eck e gebackner Fisch, in de Mitt e Fläschche Wein, sollner mitnanner frehlich sei, Neujahrswunsch [Gal-Brotschk, verbr. Gal]. Schätzel, back mer Aajer mit Zelleriesalat, dann derfscht mich aach liewe, die Mutter hot's gesaat [ LU-Opp, WD-Niedkch]. Volksgl.: »Wenn das Feuer im Backofen brannte, so warf die Hausfrau gewöhnlich eine Handvoll Mehl oder etwas Teig in dasselbe, damit kein böser Geist in das Haus eindringe; so wurden die Hausgötter befriedigt« [Schandein Bav. IV 2 S. 414]. Der Dag, as mer backt, derf mer net im Gaarde schaffe, oders Sach werd mildaich 'meltauig' [Fogel Beliefs Penns Nr. 911]. a. 1590: so offt nit brodts genug gebachen [ZweibrUrkb. 130]; des Backens ... gebrauchen - des Bachens zuvor müssig stehen [ebd. 129]. — 2. 'leicht gefrieren'. Heit nacht hat 's gut geback [ZW-Battw, verbr.], ... gebackt [ KU-mittl. Gl]; vergl. gefrieren. — 3. von starkem Sonnenschein Heit backt's awwer! [verbr.]. — 4. 'kleben'; die Mark uf de Brief b. [ KU-m. Gl. Rothsbg]; vgl. PfWB pappen. Mit Vertauschung des Objekts: de gebackene Strich im Bullspiel (s. PfWB Bull). Strich mit Setzklickern, die von der Anschurgel aus anvisiert werden; der gestoßene Klicker soll gewissermaßen an dem gesetzten kleben bleiben [ LU-Neuhf]. — 5. Part. Perf. 'in gutem Zustand, wohl bereitet'; e gebackenes Mädel [ LA-Mörzh]. Das Märe hat viel Aanträch ghatt, 's war em awwer noch kääner geback 'kein Freier war ihr recht' [ ZW-Battw]. Dem is nix geback 'nichts recht' [Zweibr, allg.]. Iron.: Er is gebacke, von einem, der im Klickerspiel verloren hat [ FR-N'lein]. RA.: Is der 's ball geback? 'Bist du endlich zufrieden?' [ PS-Gersb Erfw KU-Trahw ZW-Battw LU-Friesh Opp Don-Andreas]. 's is 'm net geback un net gebrot, dass. [Pirmas]. — Zs.: PfWB alt(ge)backen, PfWB an-, PfWB aus-, PfWB durch-, PfWB verbacken; PfWB Gebackenes, Holz-, Luft-, Nuß-, Rahm-, PfWB Spritz-, PfWB Stritzgebackenes. — F.: bagə bḁgə bǫgə; a fast allg. WPf, NPf u. nördl. sowie mittl. VPf, ḁ u. ǫ allg. südl. VPf (vgl. Heeger Südostpf. 32), ḁ mancherorts in [Bd. 1, Sp. 514] der mittl. VPf (vgl. Bertram 14/15) u. WPf, z. B. IB-Walshs, KL-Lind (Höh 46). Die schwache Konjugation (gəbagd) wurde 1930 für KU-Bedb KL-Gimsb u. Umg. IB-Alschb, 1959 für Gal-Otths mitgeteilt. — RhWB Rhein. I 367 ff.; Bad. I 105/06.
| 1. vom Vieh 'Nahrung aufnehmen', fresse (fręsə) [fast allg.], frasse [ RO-Rehborn PS-Schönau Hirschth Bundth Bruchw BZ-Rechtb]; Konjugation s. F. Die Gail fressen Hawwer [ RO-Hochst, allg.]. Die Stare hun desjohr unser ganze Kersche gefreß [ KB-Bischh]. Den dreckiche Kerl fressen noch die Lais [NW-Kallstdt, verbr.]. RA.: E Kuh frißt 'n Kiwwel voll, von einem Vielfraß [ LU-Friesh]. SprW.: Wu der Hund se fresse kriet, dort laaft er hin [ Gal-Obl]. Volksgl.: Wammer die Kih 's eerschtmol in die Weed dut, sagt m'r: »Freß net wie en Wolf!«, noh werre sie net dick [Fogel Beliefs Penns Nr. 841]. Scherzh. Fragespiel: Was frißt de Gaul? Hää (Heu), Hawwre, Wicke, kannscht mich jo nit zwicke (gezwickt wird, wenn die Antwort nicht sofort kommt) [ BZ-Billh]; Ähnliches s. PfWB Gans 1 a. VR. s. PfWB ausleeren, PfWB popeia, PfWB bumbeija, PfWB Rübe. — 2. vom Menschen 'unmäßig, gierig und unschön essen', derb vom Essen überhaupt. Uf so're Kerb (Kirbe) werd gefreß un gesoff [KB-Kriegsf, verbr.]. Heit freß ich nix, Unmutsäußerung bei einer Magenverstimmung [ LU-Oggh]. Dort kriet mer net satt se f. [ KU-Schmittw/O]. Ich hab Hunger, daß ich en Ochs f. kennt [ FR-Mörsch]. Wann de net willt, dann hoschde gefreß, zu einem Kind, das nicht essen mag [ KU-Kaulb]. Vergleiche und RA.: Er frißt wie e Bär 'ißt viel' [ BZ-Sarnst], wie e gepändt Perd, dass. [Hebel 18], wie e Sau [ KU-Dunzw NW-Kallstdt BZ-Dernb], wie e Stick Vieh [ KB-Kerzh, KU-Schmittw/O], wie e Brunnebutzer [ KU-Diedk], wie e Drescher [RO-Dielkch, verbr., auch Don Gal Buch Rußl], wie e Holzhacker [LU-Opp Hebel 18 Rußl-Sulz]. Er freßt for zwää [ LA-Gleisw], for drei [RO-Callb, verbr.]. Er frißt en Kiwwel voll [Land], en Karch voll [ NW-Geinsh]. Er freßt, bis'm de Odem ausgeht [ KU-Diedk]. Er hat gefreß, daß er nimmi »bapp« saan kann [ebd.]; vgl. (sich) dick-, fett-, vollfressen. Er frißt wie e Spatz 'ißt wenig' [ PS-Nothw GH-Freisb]. Ich freß wie en Stork (Storch): ich schling's ganz nunner [ KB-Rüssing]. Der freßt alles met Dreck un Speck [KL-Reichb, verbr.], mit Haut un Hoor [NW-Elmst, verbr.]. Der freßt kää Beer, wann se net dreimol geschält is [Kaislt, verbr.]. Es fresse zwää (die in Streit leben) net aus enner Schissel, auch: [Bd. 2, Sp. 1590] kää Kersche metnanner [ KL-Wörsb]. Der frißt m'r aus de Hand [ BZ-Klingmst]. Ich freß e Besem un die Butzfraa dezu! scherzh. Beteuerung [Kaislt]. Mein Buwe fresse m'r noch 's Dach vum Haus [ PS-Gersb LU-Opp], die Hoor vum Kopp [KU-Trahw, verbr.]. Der mänt, er hätt de gescheite Dreck allään gefreß, vom Eingebildeten [ KL-Weilb], er hätt die Weisheit (die Gescheitheit) met de Leffel gefreß [KU-Trahw, verbr.]. Du frescht mer noch mei Lewe [Gal-Ugartsbg, verbr. Don Gal Buch]. Die will alles f. 'alles allein haben' [NW-Freinsh, verbr.]. Er werd dich net f. [KU-Kaulb, verbr.]. Ich kennt dich grad f., so gern han ich dich [ ZW-Battw]. Du fresch se! Androhung von Hieben [ GH-Berg]. Er hot's gefreß 'hat es begriffen', auch 'glaubt es' [ RO-Dielkch, KU-Bedb IB-Biesing BZ-Steinf]. SprW.: Was de Bauer net kennt, freßt er nit [PS-Geisbg, verbr.]. 's gibt viel Narre, awwer käin, die nix f. [ KU-Schmittw/O]. Wie ooner freßt, so schafft er aa [RO-Sippf, LU-Maud Oggh Gal-Slawitz]. VR. s. PfWB allein 1, PfWB backen (I 513 Z. 8 ff.), Beeden, Pfingstenlümmel 2, PfWB Daumerling, PfWB David, PfWB Thron 1, PfWB drunten, PfWB Hecke, PfWB Messerstiel, PfWB Revisor. a. 1568: daß vielfeltig fressen und sauffen so hernochmals so viel als unnötig abgestellt und vermiten werden [Küchler 26]. Zs. PfWB ab-, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB dick-, PfWB durch-, PfWB ein-, PfWB ver-, PfWB fett-, PfWB voll-, PfWB heraus-, PfWB her-, PfWB herum-, PfWB herunter-, PfWB hinunter-, hinweg-, PfWB mit-, PfWB satt-, steif-, PfWB über-, PfWB weg-, PfWB zusammenfressen. — 3. von Sachen. Der Owe freßt viel Brand 'Brennmaterial' [ KU-Kaulb]. De Roscht freßt am Eise [Kaislt]. 's Geschwär frißt um sich [ KU-Schmittw/O]. Er freßt, un 's Elend freßt ehn [Gal-Brotschk, verbr. Don Gal Buch]. Den frißt der Neid [BZ-Kap/Drusw, verbr.]. De Kummer frißt m'r am Herz [ ZW-Battw]. SprW.: Ää unverrechter Cent freßt zwee gerechte [Penns]. — F.: Zu den Präsensformen vgl. PfWB essen. Grenze für g(e)freß! g(e)fresse ähnl. gebroch/gebroche (s. K. 1); ge- fast allg. WPf NPf selten VPf, g- fast allg. VPf selten WPf NPf. — Südhess. II 945 ff.; RhWB Rhein. II 781 ff.; LothWB Lothr. 173; ElsWB Els. I 183/84; Bad. II 227/ 28.
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