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 PfWB Auge (Bd. 1, Sp. 418)   PfWB Guck-auge (Bd. 3, Sp. 495)   PfWB Guck-mich-an (Bd. 3, Sp. 499) 
   Auge n.:
1. 'Sehorgan des Menschen und des Tieres'.
a. Aussehen des Auges. Augen wie Kohle [allg.], wie Kersche [NPf], wie Schwarzkersche [SOPf], Moldroffsaa 'Maulwurfsaugen' (kleine Augen), Bocksaa (dicke Augen) [ Gal]. Der hat Aue wie e Ochs [WPf], wie e Luchs [verbr.], wie e Habch 'Habicht' [verbr.], wie e Stoßhabch [NPf]. —
b. Fehler des Auges. Der guckt met vier Aue, scherzh. vom Brillenträger [WPf, allg.]. Der guckt mim rechtse Aag ins linkse Hossesäckelche, vom Schielenden [verbr.], mit em Aag ins Erbsfeld un mim annere ins Linsefeld, dass. [Kaislt]; mit em Ääch ins Bruschtsäckel un mim annere ins Gerschtefeld, dass. [ PS-Erfw]. Er hot e Wegschisser 'ein Gerstenkorn' am Au [KL-Reichb, verbr.], hot ingebännelte 'rotumrandete' Aue [Rockhs], hot Mätzcher 'Schleim' in de Auwe [ KU-Bedb]. »Wehe Augen, besonders Flecken an Menschen und Vieh werden geheilt mit einer Augenblume« [Schandein Bav. IV, 2, S. 404]. Der Mogel 'Mogul', der die Kinder schreckt, spauzt Feier un hot Brotwerscht 'Bratwürste' in de Auwe [ KU-Bedb]. Volksgl.: Im März schneid mer die Trauweranke; sell Wasser is gut fer wehe Age [Fogel Beliefs Penns 1276]. Wasser vun Karfreidagsschnee is gut for wehe Age [ebd. 1518]. Wammer wehe Age hot un sehnt epper 'jemand', as mer schun lang nimmi gesehne hot, kjurts 'heilt es' sie [ebd. 1545]. —
c. Von der Gefährdung des Auges: die Ache boliere 'einem ins Gesicht schlagen' [ KL-Ottbg], ... ausbutze, dass. [ KB-Boland]. ... treffe, dass. [ PS-Glashtt]; Feier aus de A. schlaa(che), dass. [verbr.]; die Aue vor de Kopp schlaa, dass. [Kaislt]; em ins Gesicht schlaa(che), daß em die A. Wasser gewwen

[Bd. 1, Sp. 419]
[verbr.]; die A. auskratze [allg.]; e Dorn im A., wie schd. [allg.]. Der will de Leit Sand en d' Ääche strää (streuen) 'über Fehler und Mängel hinwegtäuschen' [ LA-Herxh, allg.], will de Leit die Aue zuschmeere, dass. [WD-Niedkch, verbr.]. Do is de Baure in die Aache gschisse, bei einem Betrug [ NW-Gimmdg]; die Hoor aus de A. mache 'aufklären', auch 'die Meinung sagen' [verbr.]; d'r Kuh (Katz) ins A. schlache 'einen beleidigen' [ NW-Gimmdg GH-Schwegh Zeisk]. Dem kannschte in die Aa spauze 'speien' un er saat: 's reent, von einem, der sich alles gefallen läßt [ Gal Buch]. Du hoscht nächscht äim die Aue ausgetret 'beinahe in einen Kothaufen getreten' [ KU-Schmittw/O]. Do hockt's un macht Auwe, wenn jemand auf etwas Unmögliches aus ist [ KU-Blaub]. Der gäb en Ääch her, wann de anner kenns hätt [BZ-Albw, verbr.]. Die gunnen em nets 's Weiße in de Aue [ KL-Erfb]. SprW.: E Rab hackt (pickt) der anner net die Aa aus [ Gal Buch Don]. —
d. Das Auge als Werkzeug des Sehens; nore (numme) uf em A. siehe [allg.]. Der guckt sich die Aue vor de Kopp, spöttisch von einem, der neugierig Ausschau hält [ ZW-Bechhf]. Mer määnt, der wär in d' Aage gschisse, wenn einer vor etwas steht und es nicht sieht [ PS-Erfw]. Der macht d' Ääche noch uf 'wird noch zur Vernunft kommen' [ LA-Herxh]. Ich guck mit meine Ääche 'verlasse mich nur auf meine eigene Beobachtung' [ GH-Zeisk]. Was mei Ääge sehnen, glääbt mei Herz, dass. [ GH-Kand Kaislt]. Was dem sei Aa siehn, machen sei Hänn, von einem Geschickten [verbr. Gal]. Soviel as mer im Aag leire 'leiden' kann, wenn man etwas gerade noch wahrnehmen kann [ NW-Kallstdt]. Vor meine Aue un vor meim Oongesicht 'in meiner Gegenwart' [ KU-Schmittw/O]. Ich han 'n net met kaam Au se siehn kriet [KU-Kaulb, verbr.]. SprW.: Aus de A., aus'm Sinn [allg.]. Besser die A. ufmache als (as) de Geldbeidel [verbr.]. Zwee Aage sehne meh as eens [Fogel Prov. 7]. —
e. Die Augen als Spiegel körperlicher u. seelischer Zustände.
α. Körperliches. Dem guckt de Hunger zu de A. raus [allg.]. Do kammer sich die Aue vor de Kopp dricke, bei großer körperlicher Anstrengung [ KU-Kaulb, entspr. KB-Kriegsf]. Die A. stehn 'm voll Wasser [allg.]. Er macht klene Ääelcher, der Betrunkene, auch wer übernächtig ist [ KB-Gauh]. De Wein laft'm (dem Trinker) zu de Aage raus [Wilde 263]. E paar Aage mache, daß mer se mit de Knobbgawwel butze könnt, hervorquellende Augen haben [Kühn Palz 142]; Aage mache wie e schääler Gansert, wann 'r in de zwette Schtock guckt, von verdrehten Augen [ebd. 142]. Er hot kaan Aue 'Er schläft noch' [ KU-Kaulb Kreimb Kaislt]. —
β. Seelisches. RA.: Wann de Alt mol die A. zumacht, dann macht der se uf 'Wenn der Vater stirbt,

[Bd. 1, Sp. 420]
kommt der Sohn zur Vernunft' [verbr.]. Mit de Ohre gucke un mit de Aache horche, Ausdruck gespanntester Aufmerksamkeit [ GH-Zeisk]. Guck emol, wie er Ääglich 'verliebte Augen' macht! [ GH-Zeisk, allg.]. Sein Aue sein greßer wie sei Maa 'Seine Eßgier ist größer als sein Hunger' [nördl. WPf, allg.]. Er macht Age wie e Gansert, wann's blitzt, von einem Erschreckten [Hebel 14]. Dem guckt de Deiwel aus de A. raus [verbr.]. SprW.: Der Krank muß aach mit de Aa esse 'Der Anblick der Speisen muß den Appetit des Kranken anregen' [ Gal-Dornf]. —
f. Volksgl.: Wenn dem Toten die Augen nicht geschlossen bleiben, so zieht er ein anderes aus dem Hause nach [WD-Niedkch RO-Semb GH-Kand u. Umg.]. KR.: Stab aus, 'm Winder gehn die Aage aus usw. [ FR-Battbg NW-Deidh]. —
2. 'Kind mit kleinen Augen'. Das is e Äälche 'Äugelchen' [ RO-Alsbr]. —
3. 'Angesicht'. Er is seim Vatter aus de Aae geschnett [ FR-Bockh]. —
4. augenähnliche Dinge.
a. 'Stiefmütterchen', Ächelche [1923 PS-Ruppw (1960 nicht mehr gebräuchlich)]. —
b. 'Keime an der Kartoffel' [allg.]. —
c. 'Knospe'. Die Aue (der Reben) stecken vor dem Aufbrechen in de Woll [Wilde 201]. Die Rut uf zwää (drei, vier) Aage schneire, im Weinbau [ LU-Alsh, allg.]. —
d. 'Fettauge'. Supp ohne Ää, Uzname für Gaugrehweiler. 's gucke mehn Aue enin wie eraus, von einer mageren Suppe [ KL-Trippstdt Kaislt Gal-Neud]. Vun siwwe Suppe e Aa, Kennzeichnung einer sehr weitläufigen Verwandtschaft [ FR-Bockh]. —
e. 'Punkte auf dem Spielwürfel'; die A. zähle [allg.]. Es hot käi Au im Blinne gelee 'Es lagen lauter Karten da, die keinen Zählwert haben' [ KU-Schmittw/O]. —
f. Vgl. auch PfWB Atzel-, PfWB Hühner-, PfWB Krähenauge. —
g. 'Loch im Stock des Ankers, zur Aufnahme des Bolzens' [verbr.], s. Abb. bei Anker.
h. 'halbrundes aufklappbares Fenster auf dem Dach' [ KB-Kriegsf]. —
i. 'farbiger Klicker', Auelche [ FR-Battbg]; vgl. PfWB Achat. —
j. Bezeichnung für etwas Kleines, Geringes, RA.: Um ee Aa war die Kuh scheel 'Beinahe wäre die Sache schief gegangen' [NPf SOPf]. — Zs.: Adler-, PfWB Atzel-, PfWB Pfau(en)-, PfWB Pfetz-, Pimperniß-, Plärr-, PfWB Blinzel-, PfWB Bocks-, PfWB Boll-, Chinesen-, PfWB Däber-, PfWB Trief-, Fett-, PfWB Fläcker-, Gäns-, PfWB Glas-, PfWB Glotz-, PfWB Gold-, Gras-, PfWB Grundbirnen-, PfWB Guck-, PfWB Habichts-, Hinauf-, Hinunter-, PfWB Horn-, PfWB Hühner-, Hunds-, Kaffee-, PfWB Kalbs-, Kater-, PfWB Katzen-, Kirschen-, Klicker-, Klotz-, PfWB Krähen-, PfWB Krebs-, Krotten-, PfWB Kuh-, Leber-, PfWB Luchs-, PfWB Matzer-, Milch-, PfWB Neun-, PfWB Ochsen-, Reh-, PfWB Rot-, PfWB Rotz-, PfWB Sau-, Schell-, Schießklicker-, Schilchs-, Schlerr-, PfWB Schlitz-, PfWB Schweins-, Stuhlgang-, PfWB Zementauge. — F. (s. K. 19): au Pl. auə, āu Pl. āuə, auw, āuw Pl. auwe, āuwə,

[Bd. 1, Sp. 421]

[Bd. 1, Sp. 423]

[Bd. 1, Sp. 425]
āw Pl. āwə, ǟ  Pl. ǟə ə, ā  Pl. āə ə, āg g Pl. āgə gə, u. āöə, āx x Pl. āxə xə, ǟχ χ Pl. ǟχə χə, ǟj Pl. ǟjə, āj Pl. ājə; vgl. Bertram 91/92, 122. NWPf urspr. wohl allg. āwə. Unter Einfluß von südwestpf. auə entsteht āuwə (auwə) u. āuə (auə); āwə behauptet sich um KU-Wolfst, sonst als Reliktform. Dim.: auəlχə [WPf], gəlχə [NPf], əlχə [nördl. VPf], gl [Raum Lu'haf], χl u. χəlχə, ęiχəlχə [südl. VPf]. — RhWB Rhein. I 308 ff.; LothWB Lothr. 15; ElsWB Els. I 21; Bad. I 88/89.

 

   Guck-auge n.: 'Auge', Kinderspr., Guckächelcher [A. Becker, Die Pestjungfer 121], Guckaichlich (Dim. Pl.) [ GH-Zeisk]; vgl. PfWB Guckelchen. Südhess. II 1506; RhWB Rhein. II 1481.

 

   Guck-mich-an n.: = PfWB Guckelchen 2, Guckmichan [ KL-Mölschb]. Syn. s. PfWB Stiefmütterchen.