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 PfWB Auge (Bd. 1, Sp. 418)   PfWB Augen-haar (Bd. 1, Sp. 427) 
   Auge n.:
1. 'Sehorgan des Menschen und des Tieres'.
a. Aussehen des Auges. Augen wie Kohle [allg.], wie Kersche [NPf], wie Schwarzkersche [SOPf], Moldroffsaa 'Maulwurfsaugen' (kleine Augen), Bocksaa (dicke Augen) [ Gal]. Der hat Aue wie e Ochs [WPf], wie e Luchs [verbr.], wie e Habch 'Habicht' [verbr.], wie e Stoßhabch [NPf]. —
b. Fehler des Auges. Der guckt met vier Aue, scherzh. vom Brillenträger [WPf, allg.]. Der guckt mim rechtse Aag ins linkse Hossesäckelche, vom Schielenden [verbr.], mit em Aag ins Erbsfeld un mim annere ins Linsefeld, dass. [Kaislt]; mit em Ääch ins Bruschtsäckel un mim annere ins Gerschtefeld, dass. [ PS-Erfw]. Er hot e Wegschisser 'ein Gerstenkorn' am Au [KL-Reichb, verbr.], hot ingebännelte 'rotumrandete' Aue [Rockhs], hot Mätzcher 'Schleim' in de Auwe [ KU-Bedb]. »Wehe Augen, besonders Flecken an Menschen und Vieh werden geheilt mit einer Augenblume« [Schandein Bav. IV, 2, S. 404]. Der Mogel 'Mogul', der die Kinder schreckt, spauzt Feier un hot Brotwerscht 'Bratwürste' in de Auwe [ KU-Bedb]. Volksgl.: Im März schneid mer die Trauweranke; sell Wasser is gut fer wehe Age [Fogel Beliefs Penns 1276]. Wasser vun Karfreidagsschnee is gut for wehe Age [ebd. 1518]. Wammer wehe Age hot un sehnt epper 'jemand', as mer schun lang nimmi gesehne hot, kjurts 'heilt es' sie [ebd. 1545]. —
c. Von der Gefährdung des Auges: die Ache boliere 'einem ins Gesicht schlagen' [ KL-Ottbg], ... ausbutze, dass. [ KB-Boland]. ... treffe, dass. [ PS-Glashtt]; Feier aus de A. schlaa(che), dass. [verbr.]; die Aue vor de Kopp schlaa, dass. [Kaislt]; em ins Gesicht schlaa(che), daß em die A. Wasser gewwen

[Bd. 1, Sp. 419]
[verbr.]; die A. auskratze [allg.]; e Dorn im A., wie schd. [allg.]. Der will de Leit Sand en d' Ääche strää (streuen) 'über Fehler und Mängel hinwegtäuschen' [ LA-Herxh, allg.], will de Leit die Aue zuschmeere, dass. [WD-Niedkch, verbr.]. Do is de Baure in die Aache gschisse, bei einem Betrug [ NW-Gimmdg]; die Hoor aus de A. mache 'aufklären', auch 'die Meinung sagen' [verbr.]; d'r Kuh (Katz) ins A. schlache 'einen beleidigen' [ NW-Gimmdg GH-Schwegh Zeisk]. Dem kannschte in die Aa spauze 'speien' un er saat: 's reent, von einem, der sich alles gefallen läßt [ Gal Buch]. Du hoscht nächscht äim die Aue ausgetret 'beinahe in einen Kothaufen getreten' [ KU-Schmittw/O]. Do hockt's un macht Auwe, wenn jemand auf etwas Unmögliches aus ist [ KU-Blaub]. Der gäb en Ääch her, wann de anner kenns hätt [BZ-Albw, verbr.]. Die gunnen em nets 's Weiße in de Aue [ KL-Erfb]. SprW.: E Rab hackt (pickt) der anner net die Aa aus [ Gal Buch Don]. —
d. Das Auge als Werkzeug des Sehens; nore (numme) uf em A. siehe [allg.]. Der guckt sich die Aue vor de Kopp, spöttisch von einem, der neugierig Ausschau hält [ ZW-Bechhf]. Mer määnt, der wär in d' Aage gschisse, wenn einer vor etwas steht und es nicht sieht [ PS-Erfw]. Der macht d' Ääche noch uf 'wird noch zur Vernunft kommen' [ LA-Herxh]. Ich guck mit meine Ääche 'verlasse mich nur auf meine eigene Beobachtung' [ GH-Zeisk]. Was mei Ääge sehnen, glääbt mei Herz, dass. [ GH-Kand Kaislt]. Was dem sei Aa siehn, machen sei Hänn, von einem Geschickten [verbr. Gal]. Soviel as mer im Aag leire 'leiden' kann, wenn man etwas gerade noch wahrnehmen kann [ NW-Kallstdt]. Vor meine Aue un vor meim Oongesicht 'in meiner Gegenwart' [ KU-Schmittw/O]. Ich han 'n net met kaam Au se siehn kriet [KU-Kaulb, verbr.]. SprW.: Aus de A., aus'm Sinn [allg.]. Besser die A. ufmache als (as) de Geldbeidel [verbr.]. Zwee Aage sehne meh as eens [Fogel Prov. 7]. —
e. Die Augen als Spiegel körperlicher u. seelischer Zustände.
α. Körperliches. Dem guckt de Hunger zu de A. raus [allg.]. Do kammer sich die Aue vor de Kopp dricke, bei großer körperlicher Anstrengung [ KU-Kaulb, entspr. KB-Kriegsf]. Die A. stehn 'm voll Wasser [allg.]. Er macht klene Ääelcher, der Betrunkene, auch wer übernächtig ist [ KB-Gauh]. De Wein laft'm (dem Trinker) zu de Aage raus [Wilde 263]. E paar Aage mache, daß mer se mit de Knobbgawwel butze könnt, hervorquellende Augen haben [Kühn Palz 142]; Aage mache wie e schääler Gansert, wann 'r in de zwette Schtock guckt, von verdrehten Augen [ebd. 142]. Er hot kaan Aue 'Er schläft noch' [ KU-Kaulb Kreimb Kaislt]. —
β. Seelisches. RA.: Wann de Alt mol die A. zumacht, dann macht der se uf 'Wenn der Vater stirbt,

[Bd. 1, Sp. 420]
kommt der Sohn zur Vernunft' [verbr.]. Mit de Ohre gucke un mit de Aache horche, Ausdruck gespanntester Aufmerksamkeit [ GH-Zeisk]. Guck emol, wie er Ääglich 'verliebte Augen' macht! [ GH-Zeisk, allg.]. Sein Aue sein greßer wie sei Maa 'Seine Eßgier ist größer als sein Hunger' [nördl. WPf, allg.]. Er macht Age wie e Gansert, wann's blitzt, von einem Erschreckten [Hebel 14]. Dem guckt de Deiwel aus de A. raus [verbr.]. SprW.: Der Krank muß aach mit de Aa esse 'Der Anblick der Speisen muß den Appetit des Kranken anregen' [ Gal-Dornf]. —
f. Volksgl.: Wenn dem Toten die Augen nicht geschlossen bleiben, so zieht er ein anderes aus dem Hause nach [WD-Niedkch RO-Semb GH-Kand u. Umg.]. KR.: Stab aus, 'm Winder gehn die Aage aus usw. [ FR-Battbg NW-Deidh]. —
2. 'Kind mit kleinen Augen'. Das is e Äälche 'Äugelchen' [ RO-Alsbr]. —
3. 'Angesicht'. Er is seim Vatter aus de Aae geschnett [ FR-Bockh]. —
4. augenähnliche Dinge.
a. 'Stiefmütterchen', Ächelche [1923 PS-Ruppw (1960 nicht mehr gebräuchlich)]. —
b. 'Keime an der Kartoffel' [allg.]. —
c. 'Knospe'. Die Aue (der Reben) stecken vor dem Aufbrechen in de Woll [Wilde 201]. Die Rut uf zwää (drei, vier) Aage schneire, im Weinbau [ LU-Alsh, allg.]. —
d. 'Fettauge'. Supp ohne Ää, Uzname für Gaugrehweiler. 's gucke mehn Aue enin wie eraus, von einer mageren Suppe [ KL-Trippstdt Kaislt Gal-Neud]. Vun siwwe Suppe e Aa, Kennzeichnung einer sehr weitläufigen Verwandtschaft [ FR-Bockh]. —
e. 'Punkte auf dem Spielwürfel'; die A. zähle [allg.]. Es hot käi Au im Blinne gelee 'Es lagen lauter Karten da, die keinen Zählwert haben' [ KU-Schmittw/O]. —
f. Vgl. auch PfWB Atzel-, PfWB Hühner-, PfWB Krähenauge. —
g. 'Loch im Stock des Ankers, zur Aufnahme des Bolzens' [verbr.], s. Abb. bei Anker.
h. 'halbrundes aufklappbares Fenster auf dem Dach' [ KB-Kriegsf]. —
i. 'farbiger Klicker', Auelche [ FR-Battbg]; vgl. PfWB Achat. —
j. Bezeichnung für etwas Kleines, Geringes, RA.: Um ee Aa war die Kuh scheel 'Beinahe wäre die Sache schief gegangen' [NPf SOPf]. — Zs.: Adler-, PfWB Atzel-, PfWB Pfau(en)-, PfWB Pfetz-, Pimperniß-, Plärr-, PfWB Blinzel-, PfWB Bocks-, PfWB Boll-, Chinesen-, PfWB Däber-, PfWB Trief-, Fett-, PfWB Fläcker-, Gäns-, PfWB Glas-, PfWB Glotz-, PfWB Gold-, Gras-, PfWB Grundbirnen-, PfWB Guck-, PfWB Habichts-, Hinauf-, Hinunter-, PfWB Horn-, PfWB Hühner-, Hunds-, Kaffee-, PfWB Kalbs-, Kater-, PfWB Katzen-, Kirschen-, Klicker-, Klotz-, PfWB Krähen-, PfWB Krebs-, Krotten-, PfWB Kuh-, Leber-, PfWB Luchs-, PfWB Matzer-, Milch-, PfWB Neun-, PfWB Ochsen-, Reh-, PfWB Rot-, PfWB Rotz-, PfWB Sau-, Schell-, Schießklicker-, Schilchs-, Schlerr-, PfWB Schlitz-, PfWB Schweins-, Stuhlgang-, PfWB Zementauge. — F. (s. K. 19): au Pl. auə, āu Pl. āuə, auw, āuw Pl. auwe, āuwə,

[Bd. 1, Sp. 421]

[Bd. 1, Sp. 423]

[Bd. 1, Sp. 425]
āw Pl. āwə, ǟ  Pl. ǟə ə, ā  Pl. āə ə, āg g Pl. āgə gə, u. āöə, āx x Pl. āxə xə, ǟχ χ Pl. ǟχə χə, ǟj Pl. ǟjə, āj Pl. ājə; vgl. Bertram 91/92, 122. NWPf urspr. wohl allg. āwə. Unter Einfluß von südwestpf. auə entsteht āuwə (auwə) u. āuə (auə); āwə behauptet sich um KU-Wolfst, sonst als Reliktform. Dim.: auəlχə [WPf], gəlχə [NPf], əlχə [nördl. VPf], gl [Raum Lu'haf], χl u. χəlχə, ęiχəlχə [südl. VPf]. — RhWB Rhein. I 308 ff.; LothWB Lothr. 15; ElsWB Els. I 21; Bad. I 88/89.

 

  Augen-haar n.:
1. 'Haare am oberen Rand der Augenhöhle' [KU-Wolfst u. Umg. südl. WPf, s. Karte 20]. Wie Augenbrauhaar ist das Wort in den letzten 20 Jahren durch Augenbraue stark zurückgedrängt worden, s. Karte 21. —
2. 'Wimper' sporadisch in der ganzen Pfalz. — F.: meist auəhōr, seltener ā-, āgəhōr usw. Beide Bestandteile zeigen im ganzen Gebiet die Lautform der Simplicia (s. PfWB Auge u. PfWB Haar). Das Wort, das nach DWA I »Augenbraue« auch in der Grenzzone vom benachbarten Lothringen verbreitet ist, dürfte durch Weglassung des mittleren Gliedes aus Augenbrauhaar hervorgegangen sein (wie z. B. Achsennagel aus Achsenbettnagel, Guthaus 'Haus für Aussätzige' aus Gutleuthaus).