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 PfWB an-stoßen (Bd. 1, Sp. 285)   PfWB stoßen (Bd. 6, Sp. 648) 
   an-stoßen st.:
1. 'durch Stoßen in Bewegung setzen'; de(n) Bermedickel 'Perpendikel' aanstoße (-dōsə) [allg.]. —
2. 'an etwas anstoßen'; sich aanstoße, sich de(n) Kopp aanstoße, auch: mit'm Kopp, mit'm Jurreknechelche 'empfindliche Stelle am Ellbogen' a. [verbr.], vgl. PfWB anbumpen; mit de Zung aanstoße 'lispeln', auch

[Bd. 1, Sp. 286]
absolut: Er stoßt aan [allg.]; mit dem Glas aanstoße, beim Zutrinken oder absol.: Woll'n mer mol aanstoße? [allg.]. RA.: Sie stoßt mit de Knie aan, von einer Vollbusigen [ LU-Friesh]. —
3. etwas a. 'vorbringen, in Erinnerung bringen' [ ZW-Battw]. —
4. jemand a. Stoß'n net oon! 'Laß ihn in Ruhe!' [ Gal-Dornf]. —
5. 'angrenzen'. Sei Acker stoßt an meine aan [verbr.]; vgl. PfWB Anstößer 1. —
6. 'durch schlechtes Benehmen Anstoß erregen, Widerspruch finden'. Der stoßt iwweral aan [verbr.]. Du werrscht mit deim Dickkopp schun aanstoße [ RO-Obd BZ-Dernb]; vgl. PfWB anrennen 2. —
7. Die Wisse stoße schun aan 'beginnen grün zu werden' [ ZW-L'wied]. — ElsWB Els. II 617; Bad. I 63.

 

   stoßen st. (schw.):
1.
a. 'schnell, heftig an etwas anprallen, anstoßen', stoße (dōsə) [allg., Christmann Kaulb 18 Mang 123 Müller Dietschw 63 Schneckenburger 26 Lambert Penns 144 Krämer Gal 208], stouße (dousə) [mancherorts südl. VPf, Höh 56], stoiße (doisə) [ PS-Bruchw/Bärb], stauße (dausə) [LA-Frankw Herxh Herxhwey BZ-Bindb GH-Hay Leimh Hussong Kirkel 147], stuße (dūsə) [ HB-Webh RO-Duchr/O'hs Rehbn]; Part. Perf. gestoß (gədōs) [verbr. WPf], g(e)stoße (gədōsə, gdōsə) [verbr. VPf], gestouße (gədousə) [LA-Impfl], gestoßt (gədōsd) [ KU-Quirnb]; vgl. PfWB stumpen 1, PfWB stumpieren 1, PfWB stupfeln2 1, PfWB stupfen 1 a; Zs.: PfWB ab-, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB darauf-, davon-, PfWB durch-, PfWB ein-, PfWB ver-, PfWB vor-, PfWB herab-, PfWB heraus-, PfWB herüber-, PfWB herum-, PfWB herunter-, PfWB hinaus-, PfWB hinein-, PfWB hin-, PfWB hinüber-, PfWB hinunter-, PfWB rein-, PfWB um-, PfWB weg-, PfWB wider-, PfWB zusammenstoßen; sich st. 'sich durch Anstoßen wehtun' [mancherorts]; in die Rippe st. [ NW-Kallstdt]; sich wirrer's Jurreknechelche 'Ellenbogenknochen' st. [ NW-Frankeck]. Baß doch uf, du kannscht mer jo ins Au st.! [ KL-Reichb, mancherorts]. Du hascht dich geheerich gestoß, mach glei kalt Wasser druf! [ KL-Reichb]. Der hott derlescht die Krenk mit Stoße, / Ke Mensch im Dorf getraut em meh [Firmenich III 244]. RA.: sich an ebbes st. 'sich

[Bd. 6, Sp. 649]
an etwas stören, Anstoß daran nehmen' [vereinzelt]. An noch aam hann eich mich gestoß: / mr spricht so aardlich dart [Christmann Grummet 34]. Mer wollen uns net lang st. 'Wir wollen rasch aufbrechen' [ LU-Friesh]. Der hot sich gestoße, do, wu's de Jud net leire kann 'am Ellenbogenknochen' [ BZ-Dernb]. Do der (täte) ich mer liewer 's Maul uf e Stän stoße als wie so veel Geld ausgewwe [ KU-A'glan]. Der Wind stoßt (steßt) sich 'Der Wind fängt sich an einem Hindernis, hört plötzlich auf' [vereinzelt ges. Pf]. Die Gewitter stoße sich [ KU-Diedk]. Der Wei hat sich g'stoße 'ist trüb geworden' [LA-Nußd, RO-Feilbg KB-Boland FR-Albsh Quirnh LA-Frankw Impfl BZ-Albw Heuchh]. VR.: Witt en Appel? Stouß dein Kopp werrer d'Staffel! / Witt e Beer? Stouß dein Kopp werrer d'Deer! [LA-Essing, Wilde 23]; Fortsetzung s. PfWB Birne 1 a. —
b. 'mit den Hörnern stoßen', von Rindvieh, Ziegen, Böcken [mancherorts]; vgl. PfWB bumpen 2 c. Sie stoßt gäärn [ ZW-Gr'bundb]. RA.: Er stoßt wie en Ochs [ BZ-Hermbghf]. Es steßt sich selte e Bock (Ochs) elän 'Zum Streiten gehören zwei' [KU-A'glan, Hussong Kirkel 147]. Bleib deheem, dann steeßt dich ach kee Bock, Ermahnung an junge Mädchen [Land]. Den hat der Bock g'stoße 'hat einen Bierrausch' [ BZ-Dernb]. Rätsel vom Sägebock: Eich hun e Bock, der stoßt net un schmeißt net un scheißt net [ KU-Reiffb]. —
c. 'jemandem einen gezielten Hieb versetzen' [vereinzelt]; vgl. PfWB bumpen 2 c; Syn. s. PfWB ohrfeigen, PfWB verhauen 1. Er hot's Vieh gestoßt 'mit Schlägen gepeinigt' [ KU-Quirnb]. RA.: jemand vor de Kopp st. 'jemanden enttäuschen, erzürnen' [verbr.]. Ich hanem ans Unnermaul g'stoß 'Kinnhaken gegeben' [ KL-Fischb], an de Bart [ KB-Zell FR-Mörsch]. Ich hunsem emol unner die Nas gestoß 'es ihm deutlich gemacht' [RO-Sippf]. Mer määnt, der wollt ääm st., von einem Menschen mit stark gewölbter Stirne [ KU-Herschw/Petth]. Der macht e Kopp, mer mant, er wullt am stuße [ RO-Rehborn]. Stoß einem Ochs vor's Horn! 'Alles ist umsonst' [ BZ-Klingmst]. a. 1568: Der Jakob Ransweiler hat oberhalb der Scherbrück einen Hecht gestoßen, wofür er in den Bock gespannt und noch drei Tage in den Turm gesperrt worden ist [Küchler 23]. —
d. 'holpernd und stoßend fahren'. De Wage stoußt im unebene Glääs 'Gleis' [ BZ-Dernb]. —
2.
a. 'die Haut durchwachsen', vom Barthaar [ KL-Fischb]. Die Bursche sin stolz, wann de Bort stoßt [ KL-Fischb]. —
b. 'stoßartig hervorkommen'. Das Blut steßt [ KB-Kriegsf]. —
c. 'Atem ausstoßen, blasen', nur in der RA.: ens Horn st. 'das Horn (Trompete) blasen' [vereinzelt]; ens selwe Horn st. 'derselben Meinung sein' [vereinzelt]. Ach, wann ich 's nor erreiche kennt: / Emol ins Hernche stoße! [Ranssweiler 18]. BR.: April trucke un warem - macht de Bauer an Hoffnung arem; wann de April stoßt in sein Horn, steht es gut um Hei un Korn [ FR-Bockh]. —
d. 'aufbrechen', von Knospen [ BZ-Schweig]. —
e. 'mit der Schnauze aus der Erde kommen', vom Maulwurf [ PS-Geisbg]. De Molltruff (Mauerwulf) steßt

[Bd. 6, Sp. 650]
[ KU-Schmittw/O, KU-Kaulb WD-Niedkch ZW-Battw RO-Als KB-Rams LU-Friesh LA-Maik]. BR.: Wenn der Maulwurf frisch stößt, gibt es Regen [ PS-Geisbg]. Volksgl.: Dem stoßt de Wühler auch schon unter de Bettlad, lang macht der nimmi mit 'Er wird auch bald sterben' [Sunndag 14. 9. 1958]. —
f. 'ausschwärmen, ausfliegen', vom Bienenvolk [ZW-A'hornb LA-Impfl Mörzh Venn BZ-Klingmst Bergz, Heeger Tiere II 15 PfId. 137]. Der Imm stoßt [ BZ-Klingmst]. —
g. 'im Sturzflug ein Beutetier schlagen', vom Greifvogel [ KU-A'glan]; vgl. PfWB Stößer 1. —
3. rasch wiederholtes Stoßen.
a. 'mit einem Stößer Rahm buttern', Budder st. im Budderfaß [verbr., PfId. 28 Gal-Bagbg]; vgl. PfWB leiern 1 c. Ich hab Budder g'stoße [ LU-Alsh]. Will man Butter stoßen, so leert mär de Rähm ins Budderfaß, duut der Stäißer nei unn setzt 's Kiwwelche druf; noot fangt mär an se st. [ GH-Nd'lustdt]. VR.: Die Motter stoßt Butter, / de Vatter macht Käs, / der Bruder un die Schweschter / sin mitsamme bees [ Gal-Bagbg]. —
b. 'zerkleinern, zerhacken, zerquetschen' [vereinzelt]; vgl. PfWB Stoßeisen 1 und 2; Grumbiere st. [Pirmas]; gestouße Futter [ NW-Geinsh]; gestoßner Zucker [LU-Opp NW-Wachh Land]. —
c. 'stochern', in der RA.: (mit em Stecke) in e Weschbenescht st. 'sich mit einer gefährlichen Angelegenheit befassen' [vereinzelt, Gal-Bagbg]. —
d. 'Pfähle in den Boden rammen', Winzerspr. a. 1471: Item 1 lib. 10½ ß d die froner verzert als sie die wingarten gericht gesolt gestossen auch den myst darin getragen hant [KSchArch. Guttenberger Landschreibereirechnung Bl. 18]. —
4. 'aneinandergrenzen', von Feldern [vereinzelt]. Er steßt uf de annere Acker [ KU-Kaulb]. Mein Acker stoßt uf die Wiß [ PS-Erfw]. a. 1552/57: 2½ morgen stoßet vff den graßweg ann dem Dakkenheimer wege [LeinSb. Bl. 152v (FR-Kl'karlb)]. —
5. übertr.
a. 'übereifrig lernen' [RO-Sippf Kaislt PS-Th'eischw KB-Bubh Gauh Kriegsf Spey]; Syn. s. PfWB ochsen. —
b. 'sich irren, Fehler machen', sich st. [PS-Erfw LU-Muttstdt, SOPf (Heeger Nachlaß) »allg.« (PfId. 137)]. Der hot sich a g'stoße [ LU-Muttstdt]. Ich hab mich g'stoße 'im Rechnen Fehler gemacht' [ PS-Erfw]. Mer hän uns in de Rechling g'stoße 'in der Rechnung geirrt' [ BZ-Dernb]. —
c. 'Anstoß nehmen, einer Speise überdrüssig werden', sich (dra) st. [ KU-Schellw Wahnwg]; hot sich dra gestoß [ KU-Schellw]. —
d. 'tüchtig einen trinken', ene (ens) st. [RO-Obd Rockhs PS-Winz Pirmas LA-Birkw Otterstetter 203]; Syn. s. PfWB betrinken, PfWB trinken 1 a. Er hat sich g'stoße 'ist betrunken' [ KU-Bedb]. —
e. 'rauchen' [ LU-Muttstdt]. — RhWB Rhein. VIII 756 ff.; LothWB Lothr. 502; ElsWB Els. II 616/17.