alle-weil Adv.: 1. 'jetzt, gegenwärtig', mehr im Sinne einer Zeitdauer. Alleweil is alles so daier [allg.]. Mer hot die Kommodofe nimmi alleweil, sie sin abkumme [ NW-Gimmdg]. — 2. 'jetzt, in diesem Augenblick, soeben', oft verstärkt durch vorgesetztes grad. Alleweil (aweil, awei, grad a.) kummt er [allg.]. Allewil krischese 'bekommst du Schläge' [ IB-Reinh]. »Alleweil, eben itzt, ich komme alleweil daher« [Journal 3. Jg. (1786), 7.-12. Stück, S. 235/36]. Das Wort ist Allgemeingut in Land- und Stadtmundarten. Daneben kommen als seltenere Ausdrücke im Moment, jetz(t), jetzert vor, bei sozial Höherstehenden auch ewe (eben), grad ewe; vgl. Otterstetter 193. Dunnerkeil, Mir kummt e Infall alleweil [Münch Weltgesch. 42]. Alleweil läßt mich Monsieur holen, um spazieren zu fahren [Liselotte 155]. RA.: Allweil werd's Dag! 'Es fällt mir etwas ein' [ ZW-Battw]. Awei geht's um die Worscht [ KU-Herschw/Petth]. Alleweil hott se e Mann, von einer Frau, »die gerne geheiratet, aber keine glückliche Wahl getroffen hat« [Kühn Palz 125]. Aweil hoscht de Kuh ins Aach geschlache 'hast du Anstoß erregt' [ NW-Gimmd]. VR.: Mai(n) Schatz is e Fuhrmann, er fahrt mit zwee Geil. Ich hörene knalle, er kummt alleweil [Feierowend 1950 Nr. 5 S. 2]. Frää, kääfener Bessem? Jo, kumm erai! Henner schun zu Middag gesse? Jo, grad alleweil [ BZ-Annw, ähnl. LA-Nußd]. Bei Befehlen = 'sofort'. A. muß awwer de Spekdakl ufheere! [ LU-Opp]. — 3. 'immer'. Er esch alleweil fidel [BZ-Dernb ältere Gener. (1963)]. Bayer. Herkunft? — 4. 'natürlich, freilich'. Des isch alleweil richtig [ PS-Schweix]; so auch LothWB Lothr. 6. — 5. Bindewort 'seitdem'. Ewail mer 's denkt [ GH-Kand]. — F.: Den Hauptton trägt zumeist der zweite Bestandteil, nördl. u. mittl. VPf neigen zur Betonung des ersten Bestandteiles. Otterstetter bezeugt für Pirmas ˈalə̩wail (58). Die verschiedenen lautlichen Formen erscheinen an vielen Orten nebeneinander. Dies gilt im besonderen von aləˈwail, das am häufigsten und in allen Teilen der Pfalz (NPf u. Streifen an der Südgrenze ausgenommen?) vorkommt, und aˈwail, das hauptsächlich für WPf u. mittl. u. südl. VPf sowie für Gal belegt ist. [Bd. 1, Sp. 170] Sonst: aləˈwil [lothr. SW-Ecke], aləˈwai [verbr. WPf RO-Rehborn], ḁəˈwai [ KL-Lind ält. Gener.], ˈalwail [ WD-Niedkch ZW-Battw LA-Freimh], Äwai [ KU-Herschw/Petth], əwai [KL-Lind (1953) KL-Baalbn], Äwail [KU-Schmittw/O Reichsth RO-Münstapp KL-Baalbn BZ-Nd'horb], aw(ə)l [ NW-Gimmdg Deidh Wachh Ruppbg Haßl Lu'haf LU-Maud Böhl Alsh Assh Iggh SP-Schiffstdt Spey]. In flüchtiger Rede oft: wail, wai. — Zur Qualität des Vokals a im ersten Bestandteil des Wortes s. PfWB all; der Diphthong im zweiten Bestandteil gew. ai. Bed. 1-4 aus mhd. alle wīle 'allzeit', Bed. 5 aus konjunktionalem alle die wīle 'so lange, während, indem, da', Lexer Lexer III 887; vgl. auch Schwäb. I 140. — RhWB Rhein. I 117/18; Saarbr. 5; LothWB Lothr. 6; ElsWB Els. II 814; Bad. I 32; Kurhess. 8; Nass. 41; Mainz 13. | | Fuhr-mann (s. S.) Allg. [mit Kürze fo·r.-, Pl. -mę·n. Monsch; vo·r.əmər Sg. u. Pl. (Pl. auch vū·ə.rly) Eup ; furman Klevld] m.: 1. wie nhd. RA.: En ordentlichen F. kann nicks verderwe Bernk-Thalfang. Ene guje F. sörgt erst för sin Perd Mörs-Wallach; dat es ne rechte F., de sing Perd nit versorg! Bo-Witterschlick. E stolzer F. is mer liewer wie drei annere Bernk-Thalfang. De F. het Hawer en de Schwepp (Peitsche) Rees. Wie der F., su et Gescherr Altk-Bachenbg. Schmert de F. gout, dann fehrt en och gout Bernk-Kesten. Fehrt de F. mat Gott, dann es em geholf en jeder Not ebd. Eich sen en alen F. in der Sache ein alter Praktiker Bitb; he dren moss mer en alen F. froge in der Sache hilft der Rat eines Erfahrenen Rip, Allg.; enen alde F. brengt kenen ut et Geleis Geilk-Brachelen; nen ale F. es ene gode Wegwiser Rip, Allg.; mer moss net em alle F. et Fahren bibrengen wellen Gummb. Der F. moss wesse, wo der Weg her geht Dür. Ene F. fehrt et lefste, wenn he fos (fest) sett Heinsb-Myhl; wo et ewe geht, es et got F. sein Neuw-Dierd; wennih fährt der F. et lefste? Wenn e fast sett Nfrk, Allg., — wenn et Rad rongk (rund) geht Grevbr-Elfgen. Dat as de beste F., den ken Gässel (Peitsche) brauch Trier-Mehring; er kann gut fahren, er brauch ken Gäschel [Bd. 2, Sp. 875]
Saarbg-Kreuzw; dar is e schlechter F., der sei Schmeck vergisst Altk-Bachenbg; et is nit jeder en F., der wo en Gäschel en de Hand hät Merz-Lockw. Ne ale F. hürt och noch ger en (met) de Schmeck klatsche Rip, Nfrk, — hort noch ger et Klappe van de Schwepp Klev, Rees, — hirt gere klatsche Kobl; et is ke F. so alt, er klabbert (klöckt, knallt) noch emol gere Alter schützt vor Torheit nicht Simm-Horn, May, Bitb. Ne schlechte F., de en et Dörp fährt un nit ens en de Schmeck schleiht Köln. Ene F. geht et les (letzt) gonz no de Schmeck Heinsb-Myhl. En F. ohne Gäschel kimmt grod wei en Hund ohne Schwanz Bernk-Merschd. Su lang de F. net umgeworfen hot, versteht en et Fahren net Eif. Wenn de F. nit schmöck (die Pfeife raucht). dann es et för de Perd schlemm Rees. De F. es in der Regel satt betrunken Rees-Asperden; ene goə F drenkt sin Dröppkes Heinsb-Myhl; der F. geht an kener Wirtschaft lans, er kann de Schelder gut lesen Mörs-Alpen. Et get kä alde F. er bringt es zu nichts und gibt seinen Beruf auf Birkf-Herrst; en F. get selden reich Bernk-Braunebg; et es no kä F. mit drei Heren (Geistlichen) begraft wor Merz-Lockw, Verbr.; de F. hät ken Botz Daun-Boxbg. Den F. soll mer net ophale Daun-OStadtf. Dem F. en de Weg drisse ein Gerstenkorn am Auge bekommen Sieg-Siegbg. Alles mutt in F.s Wegen bliwen MülhRuhr. F.s Leəve es e schrecklich L. Heinsb-Myll. Ene F. het alle Dag et Dudehemme an Heinsb-Haaren Havert. Wat doch net alles dor de Keəhl geht, sät de F., de hare (hatte er) Kar on Peərd versoəpe Geld-Leuth Kevelaer. Man isst gut, wemmer morgens mat den Dreschern, mettes mat dem Pastur un owends mat em F. esst Bitb-Bickend. — Grob wie e F. Wend, Verbr; so bis (böse) wie en F. Bernk-Wolf; so kollerig (büffelig, plump, stolz) wie en F. Gummb-Stromb; wie en F. gohn mit grossen Schritten Rip, Allg.; he küt doher (heran) wie en aler F. Waldbr-Dreisel, Allg.; he klabastert wie en F. Gummb-Stromb; der geht wie en wacklige F. Gummb-Ründeroth; hei schlockert wie en F. Gummb-NSessmar; de könnt geschloddere wie ene F. Heinsb-Hilfarth; he löpp so stiff (steif) as ene F. Rees; he kann floke wie ene F. Grevbr, Allg.; de bröllt (schreit, kreischt) wie ene F. Allg.; de süff (säuft) wie ene F. Rip, Allg.; den speit (spuckt) wie ene F. Geld, Allg.; de steht of em Won wie en F. May-Allenz; de hät Schohn wie ene F. Grevbr-Gierath, Gummb-Stromb; Oge wie ne F. han Köln-GrKönigsd; en Gesicht wie en F. han breit Goar-Braunshorn, Düss. — Ene ouwe (alter) Jongkgesell es e Peərd oəhne F. Eup. Du bös e F. wie gar kener kannst nichts Altk-Bachenb; [Bd. 2, Sp. 876]
das ir e F. wie de Deiwel e Aposchtel Simm-Schwarzerden; du bös och ene F. Gersch Kref, Grevbr-Elfgen Hochneuk; F. Gersch, fährt alles zewersch! Dür-Derichsw; F. Gersch, Ecksten Oss (Ass)! Neuss-Büderich. — Neckrufe. Hari, hotz. de F driss en de Botz! Sieg, — as neist notz! Prüm-Densborn, Daun, May, — de F. as neist n., den Deissel as ze korz Prüm-Kopp; hi, ha, der F. hat ken Ka(r); hi, ha, hotz, der F. hat ken Botz! Altk-Willr. Tiske, T., F.; die Schmeck, die hät gen Schnor an; Peərd on Kar en dog net, Tiske, F. och net! Kempld. — Rätsel. Vier Komedejande, zwei Proteschtante, e Kumerad un e General? ein Wagen, vier Räder, zwei Pferde, ein F., eine Deichsel; vier rundliche Runzelcher, zwei horige (haarige) Brunzelcher, owedruft hockt e Knallbichs (-büchse) vier Räder, zwei Pferde, F. Meis-Medard; ver Rällcher (Röllcher), ver Stälcher (Stalen, Pfosten), zwei Dippdappmaincher on en Maulaf (Maulaffe) Wittl-Meerf. — Der ewige F. Schreckgespenst Lennep (veralt.). — 2. übertr. a. F.männche(r) Pl. schwere Arbeitsschuhe Neuw-Erpel, MülhRh-Glöbusch, Sol-Burschd, Köln; -mę·n.ər Sieg-Mond. — b. -mę·n.kə verächtl. rote Nase MGladb. |