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 PfWB ab-reißen (Bd. 1, Sp. 68)   PfWB reißen (Bd. 5, Sp. 486)   PfWB Balken-risser (Bd. 1, Sp. 538) 
   ab-reißen st.:
1. trans.
a. etwas a. 'mit Gewalt vom Ganzen oder einem größeren Teil, von seiner Unterlage trennen'; de Zettel abreiße, 's Gerischt 'Gerüst', 's Haus a. 'abbrechen' [verbr.]; vgl. PfWB abbrechen I 1, PfWB -schlagen I 1 a β;

[Bd. 1, Sp. 69]
en Ascht a. [ PS-Erfw]; vgl. PfWB abbrechen I 1. a. 1354: soll er ein wid ... abreiszen und kein schneiden [Grimm Weist. V 687 (ZW-Hornb)]. Die Kuh hot sich 's Horn abgerisse [ LU-Alsh]; vgl. PfWB abstoßen I 1 c β. Wammer sich määrgets aduut un's reißt en Knopp ab, bedeit 's en Unglick [Fogel Beliefs Penns Nr. 416]. RA.: Dem Gaul die Hufeise abreiße 'das Pferd (auch einen Menschen) außer Dienst stellen' [ RO-Obd]; die Hufeise a. 'die letzte Ölung geben' [Schandein Sprachsch.]; e Haus waarm a. 'anzünden' [WPf]. Mer kennt sich de Kopp a.!, Ausdruck der Verzweiflung [allg.]. Em ene abreiße 'einen rügen' [ KU-Hundh]. —
b. das Wasser a. 'durch Ableiten entreißen'. Er reißt seim Nochber des Wasser ab [ ZW-Bechhf Gr'bundb]; vgl. PfWB abgraben 1. —
c. die Wingertreihe a. 'mit Schlichtern (Stäben) abstecken' [ FR-Albsh]; vgl. PfWB abschlichten. Zu PfWB reißen 'zeichnen'. —
2. intrans.
a. gegenst. 'durch Reißen (Brechen) sich abtrennen'. Die Kett reißt ab (an dem Punkt, an dem sie befestigt ist) [allg.]. De Nascht 'Ast' reißt ab (an der Stelle, wo er aus dem Stamm hervorkommt) [verbr.]; vgl. PfWB abbrechen. —
b. übertr.
α. 'ein Ende haben'. Die Aarwet (Äärwet) reißt net (nit) ab [allg.]. —
β. RA.: Ich kennt grad a. 'in Wut geraten' [ LU-Opp]. —
3. Der kummt abgeriss(e) doher 'in zerschlissener schadhafter Kleidung' [verbr.]. — RhWB Rhein. VII 335/36; Bad. I 14.

 

   reißen st.:
1. trans.
a. 'trennen, zerstückeln (und dadurch zerstören)', reiße (raisə) [verbr. (außer lothr. SWPf), verbr. Auslandspfälzer, Christmann Kaulb 87, 90 Mang 121 Schnekkenburger 45 Müller Dietschw 56], risse (risə) [verbr. lothr. SWPf (Keiper Nachl.)]; Part. Perf. gerisse [VPf O-PS], geresse [Heeger Südostpf. 9], geriß [mancherorts WPf NPf, Schneckenburger 45, Don-Schowe Torscha Krämer Gal 174], gereß [verbr. WPf NPf, Mang 98, 195]; Zs.: PfWB ab- 1 a, PfWB an- 1 PfWB u. 2, PfWB durch- 1, PfWB ver- 2, PfWB voneinander-, PfWB herunter- 1a, PfWB hinein- 1, PfWB los-, PfWB zusammenreißen. SprW.: Mit anner Leit Lerrer is gut Rieme reiße [Schandein Notizen]; Var. s. PfWB Leder 1 a. —
b. 'durch Ziehen aus der Verankerung entfernen'; Zs.: PfWB aus- 1, heraus-?+-? 1, PfWB um- 1; e Zahn r. (r. losse) [LU-Opp, verbr.]; Hanf (Flachs) r. 'aus dem Boden rupfen' [ Gal-Dornf]. De Hund horrem die Lumbe vum

[Bd. 5, Sp. 487]
Leib gereß [ RO-Rehborn]. RA.: eem eppes aus de Zähn r. 'einem etwas mit Gewalt wegnehmen' [ FR-Bockh]. Der reißt Bääm raus 'ist sehr stark' [ KU-Schmittw/O]. —
c. '(Saatfurchen für Bohnen) mit der Hand ziehen' [ KU-Wahnwg]. —
d. 'durch Abtragen, Mitreißen entstehen lassen' Zs.: PfWB abreißen 1 b. 's Reenwasser hot Klame geriß, bei Wolkenbruch [Zweibr]. 's hot Grawe gereß, dass. [ RO-Als]. RA.: Alleweil hot's e Grawe gereß, gesagt, wenn jemand kräftig rülpst [ KU-Blaub]. RA.: Die reißt Barchent 'Sie schnarcht' [ FR-Mörsch LU-Dannstdt Opp NW-Weish/S], reißt Duch, dass. [ RO-Lohnsf]. —
e.
α. 'spalten'; Holz r., Stumbe r. [PS-Erfw, verbr.]; vgl. PfWB Reißaxt, -zeug 2. a. 1560 (Kopie 16. Jh.): soll auch in Nechsten thal niemandts khein aichenholtz reissen [PfWeist. 561 (NW-Freinsh)]. a. 1771: Ein Wildzaun von gerißenem und geschrothenem Holtz [nach: PfMus. 36 (NW-Hardbg)]. —
β. 'durch Spalten herstellen'; Balke r. 'Eichenstämme mit der Axt der Faser nach zu Balken spalten' [Wilde 199]; Pähl r. 'Pfähle aus dickerem Holz herstellen' [ RO-Schiersf]. —
f. s. die Zs.: PfWB ab- 1 c, PfWB an- 2 u. 3, PfWB auf- I, PfWB durch- 2 a, heraus-?+-? 2a, PfWB herunter- 1 b PfWB u. 2, PfWB hinein- 2 a, PfWB über-, PfWB um-, PfWB zusammenreißen. —
2. refl.
a. 'sich mit Gewalt befreien'. Er hot sich aus ehrem Orem (Arm) gereß [ KU-Schmittw/O]; vgl. die (intrans.) Zs.: PfWB aus- 2 b, PfWB durchreißen 2 b. —
b. 'sich verletzen'. Er hot sich an den Dorn geresse [BZ-Dernb, LA-Impfl]. —
c. 'sich (um jemanden oder etwas) heftig bemühen'. Er hot sich drum geresse [ LA-Venn]; Abl.: PfWB Geriß 1. Sie reißen sich um das reich Mädel [ BZ-Dernb]. —
d. s. die Zs.: PfWB heraus- 2 b, PfWB herum- 2, PfWB hineinreißen 2 b. —
3. intrans.
a. 'entzweigehen, sich spalten, aufspringen'; Abl.: PfWB Geriß 2; Zs.: PfWB ab- 2 a, PfWB auf- II, PfWB aus- 2 a, PfWB ver- 1, geherumreißen 1; e geresse Haut (Maul), geressene Lippe (Hänn) [RO-Rehborn, verbr.]. 's Holz reißt [ NW-Geinsh]. Die Niß reißen 'die äußere Nußschale öffnet sich' [Wilde 182]. RA.: wann alle Sträng reiße 'wenn alle Versuche fehlschlagen' [Bergz (Kamm 96), mancherorts, PfMus. 1926 175]. SprW.: Doppelt reißt net [ Gal-Obersdorf]. —
b. 'prickeln', vom Geschmack des gärenden Mostes. Er reißt schun [ GH-Kand, mancherorts]; vgl. PfWB bitzeln 2. —
c. 'schmerzen'. De Zahnnerv reißt [ KL-Siegb]. Es reißt im Darm [ LU-Opp]. Die Därem reiße [ KB-Kriegsf]. WR.: Wann's en en de Fieß reißt, gebbt's am annere Dag Räin [ WD-Niedkch]. 18. Jh.: der reißende Stein 'Schmerzen verursachender Gallenstein' [LU-Assh (alte Akten)]. —
d.
α. 'prahlen', reiße [KU-Einöll IB-Ommh ZW-Riedbg KL-Mackb Spesb Steinwd Weilb PS-Heltbg Schmalbg Steinalb Winz Höh 144 Otterstetter 222], risse [ IB-Ensh]; Sprich r. [Kaislt, mancherorts]. Er reißt [ KU-Quirnb]. —
β. in der Wend.: Reime r. 'dich-

[Bd. 5, Sp. 488]
ten', auch mit dem scherzh. Zusatz: un 's Himb (Hemd) verscheiße [ BZ-Dernb, vereinzelt]; vgl. PfWB Reimereißer. —
γ. in der Wend.: Witz r. 'Witze zum besten geben' [KU-Brück, verbr.]. Der kann se r., dass. [Lu'haf], hot se wirrer gerisse, dass. [ LU-Opp]. —
e. s. die Zs.: PfWB abreißen 2 b u. 3. — Südhess. IV 1347 ff.; RhWB Rhein. VII 332 ff.; LothWB Lothr. 415; ElsWB Els. II 287.

 

  Balken-risser m.: 'Handwerker, der die Eichenstämme in PfWB Balken reißt, d. h. mit der Axt der Faser nach spaltet' (s. PfWB reißen), Balgerisser [Wilde 199].