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 PfWB ab-machen (Bd. 1, Sp. 55)   PfWB weg-gehen (Bd. 6, Sp. 1136) 
   ab-machen schw. u. st.:
I. trans.
1. etwas a.
a. 'wegmachen, entfernen'; 's Schloß abmache, an de Schuh de Dreck a. [allg.]. RA.: Die Buckse

[Bd. 1, Sp. 56]
'Hosen' abmache 'die Notdurft verrichten' [ HB-Rheinh]; dafür andernortes: Die Hosse wenne (s. u. PfWB wenden). Übertr.: eni a. 'eine (Ohrfeige) herunterhauen' [Pirmas, vor allem in den unteren Berufsgruppen der jüngeren Generation, Otterstetter 224]. —
b. 'schneidend abtrennen'.
α. das Gras einer Wiese, das Getreide eines Ackers a., ehedem 'mit der Sichel abschneiden', jetzt zumeist 'mit der Sense, mit der Mähmaschine abmähen'; vgl. PfWB abgrasen 1, PfWB absicheln. Er macht sein Korn ab [allg.], macht sein Wiß ab [Frankth]. De abgemacht Hawwer muß rooze 'rösten' [WPf]. a. Ende 16. Jh. (Abschr.): bisz dasz heu ab- und ufgemacht werde [Grimm Weist. V 603 (NW-Erph)]. Leute, die mit Abmachen beschäftigt sind, grüßt man: Machen ehr ab? Werd abgemach(t)? Abmache? [ NW-Ellstdt LU-Böhl SP-Heiligst LA-Ilbh]. —
β. ein Glied des menschlichen Körpers a. 'amputieren'. Er kriet e Been abgemach [ KU-Herschw/Petth ZW-Battw]; vgl. auch PfWB abnehmen I 3 e. De Grutze (die Gorjel, de Kopp) a. 'die Kehle durchschneiden' [verbr.]; vgl. PfWB abschneiden I 2 b. —
c. Obst a. 'die Früchte eines Baumes bis auf den letzten abpflücken' [verbr.]. RA.: Gell, du machscht die Eppl gleich for zwäi Johr ab? Zuruf an einen, der beim Obstabmachen Tragästchen abbricht [ KU-Schmittw/O]. Der stoppelt Äppl, wo noch kää abgemacht sin, scherzhaft, wenn einer beim Obststehlen ertappt wird [VPf]. Der macht widder Quetsche ab, wer in der Nase bohrt [ PS-Zesbg]. — 's Bäämche (Baamche) abmache 'den Christbaum seines Schmuckes entkleiden' [verbr.]; vgl. PfWB abkolten 1 b, PfWB -krönen, PfWB -leeren, PfWB -putzen 3, PfWB -räumen, PfWB -zieren, PfWB schütteln. In manchen Häusern in Kaislt wird einem alten Brauch zufolge nach dem Abmachen das Astwerk des Weihnachtsbaumes mit Ausnahme der Krone abgehackt und der Baum in dieser Gestalt im Keller aufbewahrt. Er wird erst verbrannt, wenn nach den nächsten Weihnachten der Stamm des neuen Weihnachtsbaumes an seine Stelle tritt. Nach einem Volksglauben soll der Stamm des Weihnachtsbaumes Glück bringen. —
d. übertr.
α. '(eine Sache) gütlich erledigen'. Des machschde mit finf Mark ab[NPf, verbr.]. —
β. 'eine Vereinbarung treffen' [allg.]; vgl. PfWB abreden, PfWB -sprechen 1. Wenn eine Vereinbarung, Verabredung getroffen wurde, sagt der eine Beteiligte: Abgemacht! [allg.]. —
γ. 'quitt sein'. Mer sin abgemacht [ GH-Freisb]. Syn. s. PfWB quitt
2. einen a. 'außer Spiel setzen' bes. beim Klickerspiel. Du bisch abgemach(t) [SOPf]. Syn. s. PfWB abgewinnen. —
3. sich a. 'sich entfernen', bes. in der Aufforderung Mach dich ab! [NPf WPf (einschl. PS) LA-Rohrb Siebdgn Kl'fischling Birkw]. Syn. s. PfWB weggehen. RA.: Mach dich ab, kannscht hääße wie de witt, scherzhafte Antwort auf den Ausruf

[Bd. 1, Sp. 57]
des Verkäufers von gerösteten Kastanien: Heiße Maroni!, doppelsinnig gedeutet als: (ich) heiße Maroni [Kaislt vor 1930]. —
II. intrans.
1. persönl.
a. 'erschöpft sein'. Er hot abgemach(t) [verbr. bes. VPf]. Bei Wettkämpfen, sportlichen Übungen: Er hot abgemach(t) 'Er hat aufgegeben' (weil seine Kräfte erschöpft waren). —
b. 'im Sterben liegen'. Er macht ball ab [ ZW-Battw Rockhs], is am Abmache [ LU-Limbghf], hot abgemacht 'ist gestorben' [ NW-Hardbg]. Syn. s. PfWB sterben. —
c. 'Bankerott machen' [ RO-Winnw PS-Claus]. —
2. sachl. 'unbrauchbar werden'. Die Kläärer mache(n) ab 'sind abgetragen' [ KL-Lind]; vgl. PfWB abgehen 2f. — RhWB Rhein. V 675; Saarbr. 135; LothWB Lothr. 2; ElsWB Els. I 642; Bad. I 12. Vgl. auch Wolf [19] (abmecken).

 

  -gehen st.: 'fortgehen, sich entfernen, verschwinden', -gehe, -gihn s. PfWB gehen [verbr., Lambert Penns 174]; Syn.: PfWB abfahren I 2 a, PfWB abgehen I 1 a α, PfWB abhauen 2, PfWB abkommen 1, PfWB abkratzen, PfWB abmachen I 3, PfWB abrücken 1, PfWB abschaffen 1 b, PfWB abschieben 1, PfWB abschlagen, PfWB abtigern, PfWB abtreten 2 a, PfWB abziehen II 1 b, PfWB aufpacken 2, PfWB ausfahren I 4 c, PfWB parti, PfWB putzen 5 c, PfWB davonfahren, PfWB davonhakeln, PfWB trossen 1 b βαα, PfWB durchziehen 2 c, PfWB verkratzen 3, PfWB verlaufen 2 b, PfWB verputzen 4, PfWB verrollen, PfWB vertrollen, PfWB verziehen, PfWB Flatter, PfWB flattern 2 a, PfWB fortgehen I 1 a, PfWB fortkommen 2 a, PfWB fortmachen 1 b, PfWB fortpacken, PfWB fortträppeln, PfWB forttrossen, PfWB forttrotteln, PfWB heben I 2 f β, PfWB hinausbrunzen, PfWB hinauslaufen 1, PfWB hinauspurren, PfWB hinausrankeln, PfWB hinausschaffen 2, PfWB hinausschleichen, PfWB hinausschlupfen, PfWB hinaustappen, PfWB hinausturmeln, PfWB losgehen 1 a, PfWB loskommen 2, PfWB losmachen 2, PfWB lospacken 3, PfWB losrennen 2, PfWB losschieben 2, PfWB lostippeln, PfWB losziehen 1, PfWB loszittern, PfWB loszuckeln, PfWB mitgehen, PfWB mithulchen, PfWB mitkommen 1, PfWB mitmachen 2, PfWB mitnehmen 1 b, PfWB sippen. Die Sunn geht eweg 'geht unter, wird von einer Wolke verdeckt' [mancherorts]. RA.: Geh weg! [mancherorts]; Geh wegger! [ KU-Godhs RO-Hochst Ruppeck KL-Drehthhf NW-Weish/S]; Geh wag! [ GH-Wörth]; Gihn awak! [ RO-Rehborn]; Geh (mer) eweg! 'Mach mir Platz! Hör auf damit! Laß mich damit in Ruhe!', auch als Zuruf an ein Tier [mancherorts]. Wärsche eweg gang!, Höflichkeitsformel zur Entschuldigung, wenn man jemanden angestoßen hat [ PS-Geisbg]. 's esch nit eweggange, noot horrer's mitgenumme 'gestohlen' [ BZ-Nd'horb]. Das geht weg wie frische Weck

[Bd. 6, Sp. 1137]
(warme Semmel) 'verkauft sich gut' [ FR-Bockh, auch Gal]. Dem sein Mäle sin eweggange wie die Weck uf'm Lare 'Seine Töchter haben rasch geheiratet' [ BZ-Dernb]. Geh mer eweg mit deim stinkische Gaulsflääsch! (deim häße Kaffee!) [ NW-Freinsh, LU-Friesh]. Gehsche vorne weg, hinnenunner, scherzh. für den Frack mit langen Rockschößen [Kaislt]; vgl. PfWB Gehstduwegdahinten, PfWB Gehwegdahinten. Geh mer eweg, ich brauch dich net!, scherzhafte Deutung des Fauchens einer Lokomotive [Spey]. BR.: Fallt de Schnee in de Dreck, gehrer net so bal eweg [mancherorts]. Volksgl.: Man zieht einem Kind Ohrringe an, damit die wehe Ääche weggehn [ LA-Herxh]. En Waarz reibt mer mit me kleene Stee un schmeißt ihn no iwwer die links Schulder, awwer mer darf nix schwätze, no geht sie weg [Fogel Beliefs Penns Nr. 1682]. Gwächs, druf spautze var dem Esse; / Do geht's eweg, is bal vergesse [Birmelin Penns Gezw. 69]. KR.: Eens, zwee, drei / Hicka, hocka, hei / Zucker uf der Brei / Salz uf der Speck / Hahne geh weg! [Horne Penns 119, Donnersberg Jahrbuch 1981 167]; Var. s. PfWB Schnee 1. Heischelieder: Steht e Mädche an de Wand, har e Säckelche in de Hand, Eier orrer Speck, sunscht geh ich net vor de Deer eweg [KL-Reichb, ZW-Bechhf Krieger 41]; Var. s. PfWB Quack 1 a. Rhein. IX 346 Z. 53.