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| PfWB ab-machen (Bd. 1, Sp. 55) | PfWB schütteln (Bd. 5, Sp. 1519) | PfWB Daumen (Bd. 2, Sp. 161) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
I. trans. 1. etwas a. a. 'wegmachen, entfernen'; 's Schloß abmache, an de Schuh de Dreck a. [allg.]. RA.: Die Buckse [Bd. 1, Sp. 56] 'Hosen' abmache 'die Notdurft verrichten' [ HB-Rheinh]; dafür andernortes: Die Hosse wenne (s. u. PfWB wenden). Übertr.: eni a. 'eine (Ohrfeige) herunterhauen' [Pirmas, vor allem in den unteren Berufsgruppen der jüngeren Generation, Otterstetter 224]. — b. 'schneidend abtrennen'. α. das Gras einer Wiese, das Getreide eines Ackers a., ehedem 'mit der Sichel abschneiden', jetzt zumeist 'mit der Sense, mit der Mähmaschine abmähen'; vgl. PfWB abgrasen 1, PfWB absicheln. Er macht sein Korn ab [allg.], macht sein Wiß ab [Frankth]. De abgemacht Hawwer muß rooze 'rösten' [WPf]. a. Ende 16. Jh. (Abschr.): bisz dasz heu ab- und ufgemacht werde [Grimm Weist. V 603 (NW-Erph)]. Leute, die mit Abmachen beschäftigt sind, grüßt man: Machen ehr ab? Werd abgemach(t)? Abmache? [ NW-Ellstdt LU-Böhl SP-Heiligst LA-Ilbh]. — β. ein Glied des menschlichen Körpers a. 'amputieren'. Er kriet e Been abgemach [ KU-Herschw/Petth ZW-Battw]; vgl. auch PfWB abnehmen I 3 e. De Grutze (die Gorjel, de Kopp) a. 'die Kehle durchschneiden' [verbr.]; vgl. PfWB abschneiden I 2 b. — c. Obst a. 'die Früchte eines Baumes bis auf den letzten abpflücken' [verbr.]. RA.: Gell, du machscht die Eppl gleich for zwäi Johr ab? Zuruf an einen, der beim Obstabmachen Tragästchen abbricht [ KU-Schmittw/O]. Der stoppelt Äppl, wo noch kää abgemacht sin, scherzhaft, wenn einer beim Obststehlen ertappt wird [VPf]. Der macht widder Quetsche ab, wer in der Nase bohrt [ PS-Zesbg]. — 's Bäämche (Baamche) abmache 'den Christbaum seines Schmuckes entkleiden' [verbr.]; vgl. PfWB abkolten 1 b, PfWB -krönen, PfWB -leeren, PfWB -putzen 3, PfWB -räumen, PfWB -zieren, PfWB schütteln. In manchen Häusern in Kaislt wird einem alten Brauch zufolge nach dem Abmachen das Astwerk des Weihnachtsbaumes mit Ausnahme der Krone abgehackt und der Baum in dieser Gestalt im Keller aufbewahrt. Er wird erst verbrannt, wenn nach den nächsten Weihnachten der Stamm des neuen Weihnachtsbaumes an seine Stelle tritt. Nach einem Volksglauben soll der Stamm des Weihnachtsbaumes Glück bringen. — d. übertr. α. '(eine Sache) gütlich erledigen'. Des machschde mit finf Mark ab[NPf, verbr.]. — β. 'eine Vereinbarung treffen' [allg.]; vgl. PfWB abreden, PfWB -sprechen 1. Wenn eine Vereinbarung, Verabredung getroffen wurde, sagt der eine Beteiligte: Abgemacht! [allg.]. — γ. 'quitt sein'. Mer sin abgemacht [ GH-Freisb]. Syn. s. PfWB quitt — 2. einen a. 'außer Spiel setzen' bes. beim Klickerspiel. Du bisch abgemach(t) [SOPf]. Syn. s. PfWB abgewinnen. — 3. sich a. 'sich entfernen', bes. in der Aufforderung Mach dich ab! [NPf WPf (einschl. PS) LA-Rohrb Siebdgn Kl'fischling Birkw]. Syn. s. PfWB weggehen. RA.: Mach dich ab, kannscht hääße wie de witt, scherzhafte Antwort auf den Ausruf [Bd. 1, Sp. 57] des Verkäufers von gerösteten Kastanien: Heiße Maroni!, doppelsinnig gedeutet als: (ich) heiße Maroni [Kaislt vor 1930]. — II. intrans. 1. persönl. a. 'erschöpft sein'. Er hot abgemach(t) [verbr. bes. VPf]. Bei Wettkämpfen, sportlichen Übungen: Er hot abgemach(t) 'Er hat aufgegeben' (weil seine Kräfte erschöpft waren). — b. 'im Sterben liegen'. Er macht ball ab [ ZW-Battw Rockhs], is am Abmache [ LU-Limbghf], hot abgemacht 'ist gestorben' [ NW-Hardbg]. Syn. s. PfWB sterben. — c. 'Bankerott machen' [ RO-Winnw PS-Claus]. — 2. sachl. 'unbrauchbar werden'. Die Kläärer mache(n) ab 'sind abgetragen' [ KL-Lind]; vgl. PfWB abgehen 2f. — RhWB Rhein. V 675; Saarbr. 135; LothWB Lothr. 2; ElsWB Els. I 642; Bad. I 12. Vgl. auch Wolf [19] (abmecken).
| 1. trans. u. refl. 'in schwankende Bewegung versetzen; sch. und dadurch zu Fall bringen; sch. und dadurch auflockern', schiddele, schittle [mancherorts VPf O-PS vereinzelt WPf Bertram § 226, Lambert Penns 134 Krämer Gal 194 Don-Schowe], schirrele, schirrle [verbr. WPf NWPf mancherorts NPf westl. Rand der mittl. VPf, Christmann Kaulb 22, 79 Mang 112 Müller Dietschw 64 Bertram § 226], (iÄlə) [Höh 59], schil'le, schille [mancherorts VPf O-PS NPf Bliesg (PfId. 123)], schillele [ KU-Bedb], schärrle [ FR-Tiefth]; Zs.: PfWB ab-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB durcheinander-, PfWB vor-, PfWB heraus-, PfWB herunterschütteln; de Baam sch.; Äppel, Quetsche, Niß sch. [LU-Neuhf, verbr.]; 's Haai sch. 'auflckern und wenden' [ KL-Stelzbg]; Quecke sch. 'die Quecken mit der Gabel aus dem Ackerboden herausschütteln' [ LA-Gommh, mancherorts]; 's Korn sch. (mit der Schüttelgabel nach dem Flegeldrusch, damit die restlichen Körner herausfallen) [ GH-Schwegh]. De Hund hot die Ratt g'schillt, bis se dout war [ BZ-Dernb]. Der Gaul schillt sich jedesmol, wann er abg'saddelt werd [ BZ-Dernb]. 's Bett (Die Deck) werd geschillt [ KB-Kriegsf]. Die Leijt han geglotzt un die Köpp geschittelt [Kraus Putscheblum 60]. Uffschteie. 'S Koppekisse schittele [Damm Pälzer 22]. RA.: de Kopp sch. 'nein sagen' [verbr.]. 's is nix (neischt), wammer de Kopp schirrelt [Bd. 5, Sp. 1520] [ KU-A'glan]. Do driwwer kammer nur (muß mer) de Kopp schirrle 'kann man sich nur wundern', von einer unbegreiflichen Sache [ KL-Stelzbg]. Er schiddelt's aus em Handgelenk 'Er macht seine Arbeit leicht und gekonnt' [ BZ-Klingmst]. Das kammer net aus em Handgelenk schirrle 'dieses Problem kann man nur mit Mühe und Umsicht lösen' [ KU-Schmittw/O], nit so aus em Ärmel schittle, dass. [Land]. De Herr Parre hot sein Redd aach net aus em Ärmel geschillt 'hat sie gründlich vorbereitet' [ KU-Schmittw/O]. Er hot alles vun sich g'schillt 'in den Wind geschlagen, sich aus der Affäre gezogen' [ BZ-Dernb]. Er schirrlt sich wie e Ent, dass. [ KU-Schmittw/O], wie en Pudel, dass. [ FR-Bockh]. Du kannscht mich uf de Kopp stelle un schiddele, es fallt nix meh eraus 'Ich habe keinen Pfennig' [Krieger 33]. Er schillt de Staab vun de Fieß 'flüchtet, verläßt seinen Wohnort' [ BZ-Klingmst]. Ich muß mei Hosse schiddele 'die Notdurft verrichten' [ BZ-Stein]. SprW.: Mer kann nix aus em Handgelenk schille 'Man erreicht nichts ohne Mühe' [ KU-Schmittw/O]. 's Geld kammer net aus em Ärmel sch. [ebd.]. Volksgl.: Wann die Fenschtre schittle un 's is net windich, oder der Ofe kracht, oder wann's enichi Zucht im Haus gebt, wu ken Ursach defor is, gebt's en Unglick oder sterbt ebber [Fogel Beliefs Penns Nr. 414]. Der Kärfreidag schiddelt mer die Beem, as net trage wolle [ebd. 1050]. Einen VR. s. PfWB Daumen 1. a. 1540: dennoch so hat ein iglicher gemeinsmann macht und recht ein kubel voll zu holen, und soll sie weder schwingen noch schütteln [Grimm Weist. VI 412 (GH-Leimh)]. a. 1745: Es soll auch keiner dem anderen auff sein eigenguth in feldt obs weder lesen oder schüttlen [PfWeist. 716 (ZW-Gr'bundb)]. — 2. a. '(vom Weihnachtsbaum) den Schmuck entfernen' [RO-Obd Sippf KL-Neukch KB-Bennhs LA-Mörzh]; vgl. PfWB abmachen I1c; 's Bäämche sch. [ RO-Obd]. — b. α. 'sich der Schulden entledigen'. Die hän sich emol geschirrlt 'haben den Vergleich angemeldet' [Kaislt]. — β. 'bankerott machen', sich sch. [ NW-Haardt]. — c. 'frösteln, vor Kälte überlaufen'. 's schiddelt (schirrelt, schirrlt, schillt) mich [verbr., F. wie Bed. 1]; vgl. PfWB schaudern, PfWB schuttern 2. RA.: Do muß mer sich grad schittle (angesichts dieser schauerlichen Geschichte) [ GH-Schwegh]. — d. unpers. 'stark schneien'. 's schiddelt [ BZ-Billh]. — e. unpers. 'sich ekeln'. 's hot mich grad g'schiddelt [SOPf (Heeger Nachl.) GH-Schwegh]. — Südhess. V 847/ 48; RhWB Rhein. VII 1962/63; LothWB Lothr. 444; ElsWB Els. II 445.
| 1. 'erster Finger der Hand', Daume (daumə, daunmə) [fast allg. WPf westl. NPf], (dḁumə) [verbr. VPf], Daame (dmə) [ KL-Siegb Kaislt], (dānmə) [KB-Biedh Gauh NW-Freinsh u. Umg. verbr. mittl. VPf], Doume (dǫumə) [ LU-Rh'gönh Altr SP-W'see Ottstdt], Dumme (dumə) [lothr. SWPf]. Ich han mer uf de Daame gekloppt [Kaislt, allg.]. Des is e Daume braat [FR-Bockh, verbr.]. 's Kind lutscht am Daimche [Bd. 2, Sp. 162] [ NW-Kallstdt, allg.]. Er hot'm merrem (mit dem) Daume in die Rippe gestoß, er is negscht umgefall [ KU-Schmittw/O]. RA.: Der kann jetzt am Daume lutsche, von einem, der sein Vermögen verloren hat [ KU-A'glan]. a. 1792: Er kann den Daumen rühren 'Er hat viel Geld' [Klein Prov. 79]. Der hat finf Daume, von einem Ungeschickten [KU-Bedb, verbr.], hat lauder Daume an de Hänn, dass. [Pirmas]; vgl. PfWB Tappes 1 a. Der wiet (wiegt) immer de Daume met, von einem knapp wiegenden Kaufmann [KL-Reichb, verbr.]. Der rechent (rechnet) finf Finger en de Aarsch un de Daume bleibt haus 'weiß seinen Vorteil wahrzunehmen' [ KB-Bischh]. Leg dein Daume druff, do hoscht de Flääsch, wenn jemand trockenes Brot essen muß [Hebel 28]. Sie hat'n unner'm Daume 'beherrscht ihren Mann' [KL-Trippstdt, verbr.]. Daumenspiel: Man streicht kleinen Kindern mit Mittel- und Zeigefinger über die Nase, steckt den Daumen zwischen die beiden Finger und sagt zu dem Kind: Guck, dein Näsche [BZ-Klingmst, verbr.]. Dieses Durchstecken des Daumens deutet auch den Geschlechtsverkehr an [verbr.], ebenso die Ablehnung der Erfüllung eines Wunsches [ Gal-Dornf]. Volksgl.: de Daume halle 'den Daumen drücken zum guten Gelingen' (verbr.), de D. hewe, dass. [südl. VPf]. Hall mer de Daume, daß mein Grand (im Kartenspiel) dorchgeht [Krieger 44]. Schlaa de D. in (ein), dass. [Pirmas Schandein Bav. IV/2, 327]. VR. (gesprochen beim Fingerspiel der Kinder): Des isch de Daume. Der (der Zeigefinger) eßt gern Praume. Der (Mittelfinger) saacht: Wuher nemme? Der (der Goldfinger) saacht: Stehle! Der (der kleine Finger) saacht: Beleib, beleib! Wann 's Großvädderle kummt, werd mer ufg'hängt [ BZ-Steinf]. Varianten s. bei PfWB beileibe, PfWB Pflaume, PfWB Großvater, PfWB heimtragen, PfWB klein, PfWB Muppes, PfWB Mutter, PfWB Schütz, PfWB Spitzbube, PfWB Struppes, Stumpfernickel. Volksmed.: de Daume rausreiße, dem Epileptiker bei einem Krampfanfall den D. aus der verkrampften Faust herausziehen; wenn das rechtzeitig geschieht, löst sich der Krampf alsbald [ LU-Altr]. (Im Gegensatz hierzu soll beim Besprechen des Herzgeblüts (s. d.) der D. eingelegt werden.) a. 1559: Zum dritten Mal soll man dem maynaidigen Zeugen die zween Finger und den Daumen abhauen, so er den Eydt mit geschworen hat, die die Heylige dreyfaltigkeit bedeuten; den Daumen, was bedeutet Gott, den Vater; der Finger bei dem Daumen, der son Jesus Christus; und der lengste Finger bedeut den Heyligen Geist; zu einem Zeichen, das er unrecht geschworen hat und die Heylige Dreyfaltigkeit verletzt [Knapp 50]. — 2. a. 'Handschuhdaumen' [FR Bockh, Gal-Dornf Obl]. — b. kalder Daume 'Stift mit Kopf zum Pfeifestopfen' [ ZW-Gr'bundb]; vgl. PfWB Pfeifenräumer. — c. Gasthausbezeichnung [Bd. 2, Sp. 163] 'zum Daumen'. a. 1528: Hauß zum Daumen genent, an der Weinprucken gelegen [Gg-HospR]. — F.: In dāmə, dmə ist der Stammvokal nicht unmittelbar aus altem -ū- (mhd. dūme) entstanden, sondern als Rückbildung aus dem Diphthong -au- (daumə) anzusehen. Dieser Vorgang vollzog sich parallel zu dem im annähernd gleichen Gebiet unter schriftsprachlichem Einfluß eingetretenen Wandel von mda. au bzw. ou zu ā, ō, z. B. in Aumed, Oumed (mhd. āmat 'Ohmet, Grummet'), Bauhn, bzw. Bouhn (mhd. bōne 'Bohne') zu mda. Ahmet, Ohmet bzw. Bahn, Bohn; vgl. Bertram 82 ff. — Südhess. I 1432/33; RhWB Rhein. I 1289 ff.; LothWB Lothr. 111; ElsWB Els. II 683; Bad. I 441.
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