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 LothWB Häb-holz (Bd. 1, Sp. 222a)   DWB gehaben (Bd. 5, Sp. 2309) 
  Häb-holz n. Pü. gekrümmtes Holz zum Aufhängen der geschlachteten Schweine. — vgl. hd. Hab Halt, Anhalt  DWB Gr. Wtb. 42, 42;  ElsWB els. 1, 294 hebe halten.

 

 gehaben , verstärktes haben, ahd. gihabên, mhd. gehaben, mnd. gehebben; goth. gahaban, ags. gehabban. eine nebenform geheben, mit praet. gehub, s. 3, c.
1) einfaches gehaben tritt für haben zumeist ein
a) nach den sog. hilfszeitwörtern (s. unter ge- sp. 1614): daʒ wir hie nehein stætigeʒ wesen niht gehaben mugen. fundgr. 1, 87, 40;

jane mohten si der sinnevor jâmer niht gehaben. Nib. 963, 3;

essen allerlei gte frücht, so sy gehaben mögen. Frank weltb. 146b;

o gelt, das mich am höchsten frait,
in dir sch ich mein säligkeit.
wann wer dein mag gehaben vil,
bekumpt ümb dich was er nun (nur) will.
Schwarzenberg 145a;

mag ich kein andern raht .. von dir gehaben .. buch d. liebe 235d; der allerschönsten roten rosen .. so er sie gehaben mochte. 242c; dasz er sie zum weib gehaben möcht. 312c; wo mans an den doppelsöldnern und schützen gehaben mag. Fronsp. kriegsb. 1, 53b; es keichet der mensch davon und mag den adem mit not gehaben. Ortlof arzn. 25a u. ö.; ich weisz aber wol, das man solche sachen nicht in allen orten gehaben kan. Würtz wundarzn. 115;

ain weib sasz bei der thüren nah,
damit sie luft gehaben künt.
Fischart flöhh. 1223 (2, 35 Kz.);

[Bd. 5, Sp. 2310]

was unterweiln der teufel kan
zu hof anrichten, wo er solch leut
gehaben kan auf seiner seit.
Chrysäus hofteufel B ij;

augenblicklich verschwand der nix und konnte ihr nichts mehr an- noch ab-gehaben. br. Grimm d. sagen (1816) 1, 83, aus Prätorius weltbeschr. ähnlich nach nie, ie, wie mhd., s. u. 3, a. jenes noch z. b. schweiz. er mags ghâ, kann zufrieden sein Tobler 251b (vgl. unter gehäbig 3).
b) zuweilen für behaben, d. i. behaupten: und mag (er) die gewonheit mit den leuten gehaben, so seint sy also gut als geschribne recht. Scherz 108 aus einem Schwabensp., d. i. mit lebender kundschaft gerichtlich als gewohnheitsrecht beweisen; es ist mhd., z. b.:

wan eʒ ist gar diu wârheit ..
daʒ wil ich wol mit iu gehaben. Iw. 1965;

ân iuch daʒ velt niht wol gehaben mohter. Lohengr. 6260,

wobei doch auch überall das mag, wil, mohte mitwirkend sein wird, wie solche in den meisten im mhd. wb. angeführten stellen mit im spiele sind. s. auch DWB behaben für gehaben unter 2.
c) auch sonst mhd. als kräftigeres haben, besonders in der (eigentlichen) bedeutung halten, ahd. für cohibere, retinere u. ä.; auch als scheinbares intr., mit dem rosse halten (eigentlich das ross anhalten), z. b.:

daʒ si gar verlurn ir kraft
und gehabten vor im zagehaft. Iw. 5422.

ganz ausnahmsweise spät nhd.: ich gehabe nichts dagegen. Hippel 14, 335. s. auch gehabig, gehäbig.
2) in sich gehaben dagegen hat es sich aus dem mhd. bis jetzt behauptet, auch hier mit nebenform sich behaben, mhd. und noch bei Göthe (s. auch unter dem n. gehaben); s. auch sich haben IV2, 53 fg. ähnlich lat. se habere, sich verhalten.
a) es bedeutet eigentlich sich so und so halten, gebaren (haben ist eigentlich halten), ursprünglich sowol thätig als in ruhe, z. b. jenes ahd.: kehabê dih comelîcho, viriliter age. Notker 26, 14, wie Jesus die zagenden jünger auf dem see ermutigt gihabêt iuih baldo (mutig) Otfr. III, 8, 30, alts. gibâriad baldlîko Hel. 2930, wie in einer ermahnung vor dem kampfe:

gehabet iuch frumeclîche. Rol. 263, 4.

nhd.: sich eerlich gehaben, zucht und eer behalten. Maaler 163b; Türkei und Ungern, bei gott ich weisz nicht wie sie sich gehaben werden. Fischart groszm. 132 (Sch. 651), Rabelais comment ils se porteront, d. i. wie sie sich im kommenden jahre verhalten werden, ob ruhig oder nicht; wie würde sich ein betrübtes herz gehaben, wann es der prediger würde anschnauben und .. von sich weisen? Scriver seel. 2, 396. auch von dingen und ihrer erscheinung, ihrem 'verhältnis': es ist nicht genug, dasz einer reimen schreibet, sondern sie müssen sich gehaben wie ein köstlicher garten. Mühlpfort 18. mit rückgreifen auf alte rede (vgl. DWB behaben 2):

gehabe du dich mit verstand,
wie dir eben der tag zur hand.
Göthe 47, 247 (3, 268 Hemp.).

doch lebt es auch noch im hausdeutsch, z. b. in Sachsen gehabe (oder habe) dich doch nicht so, wie gehabst du dich denn? bei ungewöhnlichem gebaren, wie thu doch nicht so, wie thust du denn, wie im 16. jh. ähnlich: was gehabst du dich? was gebrist dir, quid clamitas? Maaler 163b, jetzt schweiz. sich ghâ sich beklagen, jammern Rütte 30, z. b. er ghed si im chopf, klagt über kopfweh Tobler 220a.
b) besonders sich wol oder übel gehaben, eigentlich sich so geberden, d. h. hauptsächlich froh oder unfroh, wie mhd. auch wol oder übel gebâren (sp. 1636), dann hauptsächlich sich wol oder übel befinden, leben. daher z. b. als höfliche nachfrage an den boten der von einem andern herren kommt:

wie gehabet sich Etzel,sô vrâgte der degen dô,
und Kriemhilt mîn swester? mit dem bescheid,
daʒ sich noch nie gehabtendeheine liute baʒ,
dan si sich gehabent beide. Nib. 1381, 2 ff. u. ö.

sich übel gehaben, mhd. auch noch von den geberden der trauer:

diu clage ist gar ze bitter,
die man iuch, frouwe, trîben siht,
gehabet iuch sus übele niht.
Konr. troj. kr. 22678 K.

nhd.: warum gehabt sich dein herz so ubel? 1 Sam. 1, 8; ich greme mich und gehabe mich ubel. Jer. 8, 21; sich klagen und übel gehaben, lamentari, auch sich jämerlich gehaben Maaler 163b; ach mich jammert herzlich .. ich gräme mich und gehab mich übel. Schuppius 212; so viel weisz ich, dasz sich meine mutter sehr übel darum gehabt. Engel der edelknabe

[Bd. 5, Sp. 2311]
24. bei Adelung er gehabt sich übel, stellt sich ungeberdig, als veraltet oder oberdeutsch. s. weiter unter 3, c ff.
c) auch sich wol gehaben bis jetzt. mhd. z. b. als ermutigender zuspruch, als trostwort u. ä.:

gehabe dich wol, wis unverzaget,
dir geschiht daʒ dir geschehen sol. Iw. 6566;

gehabt iuch baʒ denne iu sî! feldbauer 461, Germ. 1, 352a,

zugleich zu mir ist wol, baʒ: laszt eurem unmut nicht freien lauf, findet euch hinein, es ist nicht so schlimm u. ä.; auch als einleitung einer freudenbotschaft:

er sprach: sô gehabt iuch wol,
wand ich iu vreude künden sol .. Greg. 3737.

nhd.: wo wir auf deudsch sagen es gehet im wol, er gehabt sich wol, es stehet wol umb in. Luther 3, 296; die gesunden werden sich besser gehaben dann die kranken. Fischart groszm. 140 (Sch. 659), Rabelais se porteront mieux, als prophezeiung auf das kommende jahr;

wer sein haus sich selbst verwüstet,
nie kann der sich wohl gehaben.
Tieck 10, 255.

anfangs auch noch als ermutigendes, tröstendes wort, wie mhd. vorhin: der sprach zu dem keiser: herr, gehabt euch wol, ich will euch mit sant Ambrosio wol versnen. heiligenleben 1472 2a; gehabt euch wol und sind frölich. Bolz Terenz 80b; er aber sprach, gehabt euch wol, fürcht euch nicht. 1 Mos. 43, 23, in der schweiz. übers. sind zefriden, in der nd. weset gudes modes (Heynatz ant. 2, 16); der schultheisz liesz sich gütlich finden und sprach, er solt sich wol gehaben. Kirchhof wend. 254a, sich über den verlust zufrieden geben; gehab dich wol! buch d. liebe 301a, mache dir keine sorge, nach richt. 19, 20, wo bei Luther friede sei mit dir;

eur gnad sich wol gehaben solt (nicht so zaghaft sein),
gott wird wol mittel versehen u. s. w.
Ayrer 604, 19.


d) daher auch beim abschiede als wunsch, wie lebe wol, ich wünsche wol zu leben u. ä. (mhd. s. unter DWB gehaben n.): im abscheiden sagen wir gehabt euch wol, habt gute nacht, laszts euch wol gehen. Luther 3, 296; gehabt euch wol. ap. gesch. 15, 29, ἔρρωσθε, als schlusz eines briefes; gehab dich wol. 23, 30, ἔρρωσο, ebenso; ewer veterliche güte, die ich hoch und werd achte, gehab sich wol in Christo. Luther 1, 123a, am schlusse eines briefes an card. Cajetan;

gehabe dich itzt wohl, du grenzstadt der Nagaien.
Fleming 100;

gehabt euch wohl mit ihm, und bleibet von mir .. ewig gesegnet. A. Gryphius 1, 819, schlusz eines abschiedbriefes an eine untreue geliebte; auch schon an gegenstände, was zuerst doch mehr scherzhaft geklungen haben musz:

ihr bücher, meine lust, gehabt euch jetzund wol. 2, 178;

gehabe dich wol, du ehrlicher calendermacher. Schuppius 597; nun gehab dich wohl, mein alter freund! der adler schwebt! Klopstock 8, 109, abschied vor der schlacht; gehab dich wohl, jüngling oder mann, und geh an dein werk. 12, 157, zugleich ermutigender zuspruch;

freund, gehabe dich wohl!
Stolberg 1, 159.

auch ironisch, wenn man einem 'den abschied gibt' oder ihn fort wünscht: überhaupt wünschen wir, dasz leute, die hier noch mehr deutlichkeit brauchen, lieber unter den Altfranken leben und sich dort wohl gehaben möchten. Klopst. 12, 254;

o gehabt euch allzumal wohl, ihr triumph' und erobrer!
und ihr (heidnischen) götter! ...
gott der götter, sei du mit mir und leite mich ferner. Mess. 17, 630 ff.

Adelung kannte gehabt euch wohl nur noch als 'veraltete schluszformel in briefen', es ist aber, etwa nach Klopstocks vorgang, wieder aufgenommen worden, auch ins leben; doch haftet ihm etwas altfränkisches an, obschon innig und wolklingend. s. auch DWB hab dich wol IV2, 54.
3) zur form ist aber noch zu bemerken
a) praet. gehatte, jetzt unmöglich, weil sich haben und gehaben doch nicht mehr so nahe stehen oder zusammenfallen:

die unfruchtberigen selig sint,
die do gehatten nie kein kint. Alsfelder pass. 5555;

(Christus lebte) von siner geburt an ... in so groszer bitterkeit, so alle menschen nie gehatten. Keisersb. bilg. 61d, das ge- von nie herbeigezogen, s. sp. 1622; ebenso bei ie:

der het daʒ aller schœnste wîp,
daʒ ie gehâte (hs. gehatte) mannes lîp. sieben meister 169, 18.

[Bd. 5, Sp. 2312]

b) gehan, wie hân, mhd. gehân, noch im 16. jh.:

möcht man am volch iezdan gehan,
das (d. i. das's) lieszind iren übermuot,
so trüw ich gott, die sach würd guot.
Ruff etter Heini 2467,

in der andern hs. so vil ghan, d. i. ihm das abgewinnen, es dazu bringen, eigentlich an, von ihm erhalten, obtinere (s. DWB anhaben 2); diesz eigentlich zu 1, a. noch schweiz. ghâ das., auch 2, a a. e.
c) bedeutsamer sich geheben für sich gehaben (s. DWB heben II, 1 gleich haben): des geheben sich die andern hausfrawen seer übel und gedunkt sich ein iede unselig. Frank weltb. 86b; also besorgten die andern diener, so das der alt herr erfaren, er würde sich ganz übel geheben oder villeicht seins tods auch ain ursach sein. Zimm. chron. III, 303, 15; die geheben sich am aller ubelsten und bedörfens am allerwenigsten. Fischart bien. 113b (122b); dʒ der mehr theil .. sich ubel geheben. 141a (154a), krank sind; fieng ... die gut schwanger fraw an zukrachen und sich underst ubel zugeheben. Garg. 102b (Sch. 181); begunt sie zu seufzen, zu echzen .. und sich ubel genug zugeheben. 103b (183);

dieselben flugs zur mutter lifen
und konnten ubel sich geheben. flöhhatz 1649 (821 Sch.).

selten eigner weise mit wol (vergl. 3, e): und der herr waint mitsampt in (bei der erzwungnen trennung) und sprach zu in: liebeu chint, gehebt eu wol, wir hoffen zu got, wir chömen schier mit fräuden herwider. deutsche chron. II, 374, 39, seid gutes muts, s. 2, c;

hör, armer man, und gheb dich wol,
der tod dich bald erlösen sol.
N. Manuel 16 (todtentanz 72).

noch schwäb. sich gheben (auch bheben) sich beklagen Schmid 267 (s. 2, a a. e.). s. auch gehebig, enthaltsam, gehebe festhaltend.
d) dazu praet. gehebte, part. gehebt:

daʒ er sich wol gehebete (: lebete).
Stricker Dan. 2201 u. ö. (
Lexer 1, 785);

sie hat sich umb den (todten) brueder ganz übel gehept und in ain ganzes jar clagt. Zimm. chr. IV, 111, 20; und nun die geburtsstund kommen ware, dasz sie sich wegen der schmerzen sehr kläglich gehebte. Zinkgref (1653) 2, 95. s.hebte, gehebt IV2, 722, schon mhd., auch schon ahd. hebita, gihebita, habui, tenui, s. Graff 4, 726. 728 fg.
e) gewöhnlich aber gehub praet., mhd. gehuop, alem. 14. jh.:

wie aber sich der fürste rîch
von Brûneswîc gehüebe (fragt ihr)?
sîn ougen wurden trüebe u. s. w. Reinfr. v. Br. 15387;

wie diu minneclîche
in herzen sich gehüebe? 1927;

do das die keiserin vernam ..
si gehb sich übel und rouft sich.
Bühel Diocl. 3951;

het ich dorinnen (im kloster) ainen sun,
den schaut ich, wie sich der gehb,
wann ich besorgt, er wer in trb.
Beheim Wiener 202, 9,

besuchte ihn, um zu sehen wie er sich befände; als der publican im evangelio nicht sein augen thurst aufheben, der gehübe sich übel und nider böget sich zur erden. Luther 1, 27b (24a); begriff ir den fsz mit dem dorn (den sie sich eingestochen), darvon sich die tochter ein wenig übel gehbe. Wickram rollw. 36, 25, etwas leidend war; si gehb sich übel darvon. 113, 15 (als praes. hat er gehaben 15, 22); tröstet sy, als sy sich übel gehben. Frank weltb. 218b; alles, was sie (die Türken) fanden, muszte von ihnen zerstöret werden ... die armen bawren gehuben sich ubel. b. d. liebe 11d; die jungfraw gehub sich sehr ubel. 16c; schrei und weinte sehr, gehub sich ubel 206a u. ö.; gehub mich übel, dasz ich also verloszen wer. F. Platter 143; den vollen doctor, der das trunken ellend wainte und sich übel gehuebe. Zimm. chron. IV, 179, 18 u. o. (s. 609b). noch im 18. jh.: ich gehub mich so übel, als ein verzweifelnder mensch. Pierot 3, 16, offenbar auch noch vom gebaren, geberden.
4) fraglich: alles das do ist, gevellet und gehabet got wol. Luther bei Dietz 2, 41a, es musz wol behaget gemeint sein, oder gehaget (s. gehagen).