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 LothWB ver-dämmern (Bd. 1, Sp. 139b)   GWB dämmern (Bd. 2, Sp. 1053) 
  ver-dämmern tr. v. Bo. D. Si. zerstampfen, zertreten. — schwäb. 2, 1092 verdammere;  ElsWB els. 2, 682 verdëmmere; henneb. verdämmeln From. 7, 162; hess. 69 verdemmeln. vgl. hd. dämmern schlagen, kopfen  DWB Gr. Wtb. 2, 710; mhd.  Lexer temern.

 

  dämmernetwa die Hälfte der 73 Belege in der Frühzeit, bevorzugter Gebrauch in den 70er Jahren als komplexer, ambivalenter Ausdruck, der Landschafts- u Seelenstimmungen in Wechselwirkung reflektiert
1 atmosphärisch
a für den Vorgang od Zustand der Morgen- od Abenddämmerung, mehrf in erweiterter symbol Bed, bes in der Frühzeit emotional bestimmter Gebrauch, wobei den Vorgängen vom Heraufkommen des Tageslichts, dem Hellwerden bzw dem Untergehen der Sonne, dem Dunkelwerden öfter ahnungsvolle Empfindungen noch ungeklärter Möglichkeiten assoziiert sind, auch iS der Empfindsamkeit positiv erfahrene Gefühle von Trauer, Einsamkeit u Tod[Apostrophe des Wandrers an den Säugling:] Voller Keim blüh’ auf, | Lieblich d-den Frühlingstags [< Lenzes] Schmuck [Des glänzenden Frühlings | Herrlicher Schmuck 2,174 späte Var] 2,339 Der Wandrer 100[Metzler kündigt die Ermordung der gefangenen Ritter an:] Sonne komm, Sonne komm! Wenn dein erster gebrochner Stral roht dämmert und sich mit dem fürchterlichen Schein der Flamme vereinigt 39,149,19 Götz1 VEin schöner Abend .. das ist immer eine Sympatie für meine seele wenn die Sonne lang hinunter ist und die Nacht von Morgen herauf nach Nord und Süd umsich gegriffen hat, und nur noch ein d-der Kreis vom abend heraufleuchtet B2,49,1 Kestner [25.12.72]Es wurde dunkler .. Nur die grossen Massen waren uns sichtbar, die Sterne gingen .. auf .. Vor ihm [Montblanc] sahen wir eine Reihe von Schneegebürgen, d-der auf den Rüken von schwarzen Fichtenbergen liegen B4,129,4 ChStein 4.11.79 ~ 19,247,9 BrSchweiz II[üb einen Stich nach Claude Lorrain ‘The allegorical Evening of the Roman Empire’] herabgestiegen ist die Sonne .. sinkt in Nebel, und dämmert über Ruinen in weiter Gegend. Nacht wird zur Seite hier der Felsenwald .. Zusammengestürzt bist du Reich .. und über deiner öden Grabstätte dämmert Nebel im sinkenden Sonnenglanz 38,376,37 u 377, 43 FGA EnglKupferstwenn’s denn um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und Himmel ganz in meiner Seele ruht AA5,30 Werth1 IAA24,4 Werth1 I52,45 Wohlerleuchtet 4 Var metaphor u bildlNun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle, | Sie selbst erscheint in milder Sonnenhelle 3,23 TrilogLeid Eleg 71[üb Herders ‘Älteste Urkunde des Menschengeschlechts’] Er ist in die Tiefen seiner Empfindung hinabgestiegen, hat drinne all die hohe heilige Krafft der simpeln Natur aufgewühlt und führt sie nun in d-dem, wetterleuchtendem hier und da morgendfreundlichlächlendem, Orphischem Gesang von Aufgang herauf über die Weite Welt B2,173,10 Schönborn 8.6.[74] iSv vergehen, erlöschen?1)Ach, wie so geschwinde | Dämmert und blicket | Und schwindet die Lust 11,321 ErwElm2 731
b für die Erscheinungsweise der dunstverschleierten FerneIch sah das Gebürge vor mir liegen .. konnte .. mich hinüber sehnen .. mich in denen Wäldern, denen Thälern verliehren, die sich meinen Augen so freundlich d-d [freundlichdämmernd Werth2] darstellten AA87,22 Werth1 IImehrf im VerglO es ist mit der Ferne wie mit der Zukunft! Ein grosses d-des Ganze ruht vor unserer Seele, unsere Empfindung verschwimmt sich darinne, wie unser Auge AA30,26 Werth1 IB6,314,4 Kayser 24.6.8422,315,20 Lj VI
2 PartPräs: schattenhaft, undeutlich[Ossian-Übs] Oft im sinkenden Mond seh ich die Geister meiner Kinder, halb d-d [viewless; halbdämmernd Werth2], wandeln sie zusammen in trauriger Eintracht AA144,13 Werth1 II Ossian [vglHalb unsichtbaar AAJw3,66,33 GesängeSelma]  metaphorAch, du warst in abgelebten Zeiten | Meine Schwester oder meine Frau. | .. ein Erinnern | .. Und wir scheinen uns nur halb beseelet, | D-d ist um uns der hellste Tag 4,98 Warum gabst du uns 50N11,48,19 EinwirkgNeuPhilos halbdunkel, schwach erhellt, vereinzelt subst u Kompin der d-den kleinen Stube 37,64,12 FragmRomanin dem d-den Gewölbe des Tempels 18,272,20 Märchen20,271,23 Wv II 6N1,3,19 FlD 9N2,237,1 FlP 529 metaphor vom Früh- u Hochmittelalterjene dunkle, d-de, bisher wenig beachtete Zeit N52,245,14 FlH Plp
3 von Lichtquellen: schwach od trübe leuchten
a vom Mondlicht als Stimmungsträger[Stella:] Fülle der Nacht, umgib mich! .. Wo du, heiliger Mond, auf den Wipfeln meiner Bäume dämmerst 11,182,12 Stella VAA100,8 Werth1 II
b von Lampen-, Fackel- u Kerzenlicht; mehrf in der Kennzeichnung magisch-ungewisser Lichterscheinungen, auch als Widerspiegelung einer düsteren Seelenstimmung[Faust:] Wie .. der Schein des ew’gen Lämpchens flämmert | Und schwach und schwächer seitwärts dämmert, | Und Finsterniß drängt ringsum bei! | So sieht’s in meinem Busen nächtig Faust I 3652 ~ Urfaust 1400[Furcht:] Dunstige Fackeln, Lampen, Lichter, | D. durch’s

[Bd. 2, Sp. 1054]
verworrne Fest 151,1 Faust II 5408151,1 Faust II Regiebem vor 637752,348 Das Tagebuch 10224,318,7 Wj II 5im Bild für das unsichere Licht der den Lebensweg erhellenden Fackel des Eros[mBez auf die Flucht vor Lili] ich bin ein Thor, Allein drum bin ich’s doch — und warum soll man auch das Lämpgen auslöschen, das einem so artig auf dem Weege des Lebens vorleuchtet und dämmert B2,266,23 Fahlmer [5.6.75]Umgib mit Wintergrün, | .. Die feuchten Haare, | O Liebe, deines Dichters! | Mit der d-den Fackel | Leuchtest du ihm | Durch die Furten bei Nacht, | Über grundlose Wege 2,63 Harzreise iWinter 66
4 (bes in den 70er Jahren) als positiver emotionaler Ausdruck einer träumerisch-ahnungsvollen, zugleich wehmütig dunklen u warmen liebeerfüllten Empfindung, auch für einen halbbewußten, dem Gefühl hingegebenen Zustand; öfter mBez auf eine lustvoll gefühlte Todesnähe unter dem Einfluß des ossianischen ‘joy of grief’ / ‘Wonne der Wehmut’Die düstre Stadt .. der Still leuchtende Horizont .. Ich .. zeichnete .. das ganze Bild so d-d warm als es in meiner Seele stand B2,49,12 Kestner [25.12.72][Stella vor dem Porträt Fernandos:] So groß! so schmeichelnd! — Der Blick war’s, der mich in’s Verderben riß! — — Ich hasse dich! .. — So d-d! so lieb! 11,184,3 Stella V[Stella:] Stätte meines Grabes! .. wo umher alle Wehmuth, alle Wonne meines Lebens dämmert 11,182,19 Stella V[Werthers Abschiedsbrief] und doch kommt’s dem d-den Traume am nächsten, zu sich zu sagen: das ist der lezte Morgen .. Sieh wir träumen, wenn wir vom Tode reden AA146,23 Werth1 IIbis sie beide zuletzt in d-den Augenblicken des Taumels sich in den Freuden der Liebe verloren 51,66,4 ThS I 1712,57,8 u 58,1 Lila II40,301,18 Rez:Hebel,Gederweitert auf die ästhet Wirkung iVbdg mit dem kunsttechn Term ‘Haltung’ (die bes durch Licht u Schatten best malerische Darstellungsweise)drey Apostel .. nach .. Caravaggio .. solch eine Seelenruhe durch eine d-de Haltung drüber gehaucht. Es ist das empfundenste Kunstwerk 38,348,7 FGA Kupferst
5 sich in einem Zustand schläfriger od träger Untätigkeit befinden
a im Halbschlaf ruhenIm Sessel gedämmert Tgb 12.11.23
b als Ausdruck der Studentenspr: energielos u in sich gekehrt verharren2); wohl daran anknüpfend in allgemeinerer Verwendung: ziellos, unkonzentriert dahinlebenStudenten Comment .. D. | bey sich verweilen 422,516,12 Zur Studentenspr Plp[eigenh in einem Notizbuch der ersten ital Reise, nach 32,454 aber “offenbar in viel späterer Zeit” eingetragen] Noch andere gute Räthe möcht ich dir .. geben. Finde selbst das Beste. Nur dämmere nicht B24,112,4 August 18.1.14daß ich mich von dem Setzer hetzen lasse und recht merkwürdig wie man sich zusammen nehmen kann wenn man muß. Ich habe in meinem Leben viel zu viel gedämmert B28,129,11 Boisserée 18.6.17
GWB aufdämmern GWB eindämmern GWB herandämmern GWB heraufdämmern GWB hindämmern GWB hinabdämmern um- vor-vgl zu 1 nachten tagen zu 5 hinbrüten GWB brüten
1) Dagegen Fischer: “halbklar heraufkommen”; DWb2 stellt es zu der Bed “halbhelles, gedämpftes licht verbreiten, schimmern” u deutet ‘blicken’ iSv ‘glänzen’ (dagegen GWb s v ‘blicken’, GWB Sp 783,36: “vom (letzten) Aufflackern einer Empfindung”)
2) Wahrscheinl durch August in die G-sche Familienspr eingeführt; vgl Christiane an August nach ihrem Besuch in Heidelberg, 30.10.08: “Das Wort Dämmern hat hier sehr viel Beifall gefunden.” (GJb10,24, weitere Heidelberger Belege S82). Der Goethesche Wortgebrauch entspricht nicht der in DWb2 belegten Bed ‘flanieren, schlendern’.

Horst Umbach