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| GWB griesgrämig (Bd. 4, Sp. 473) | DWB grämlich (Bd. 8, Sp. 1790) | |||||||||||||||||||
Syn griesgram(sd)
| als bildung ursprünglich zu gram, adj. (s. dazu unt. A), später auch, und vielleicht vorwiegend, zu gram, m. (s. dazu unt. B). vom 15. bis zur mitte des 18. jhs. ist das wort wenig bekannt, jedenfalls nicht mehr als seine konkurrenzbildungen grämig, grämisch, auch gramhaftig (s. überall dort), die es in jüngerem gebrauch indessen fast ganz verdrängt. das konkurrenzverhältnis der genannten wörter spiegelt sich in den wörterbüchern von Stieler bis Campe wider; es erscheinen gleichgeordnet und gleichbedeutend gramhaft, grämlich (1691) 704; grämig, grämlich, gramhafft 1 (1700) 555b (ebda als eigenes lemma [Bd. 8, Sp. 1791] grämisch mit der gleichen umschreibung cruccioso, dazu aber rammaricato cioè segretamente infenso); grämlich, grämisch, gramhafft (1716) 804; gramhaft, grämlich (1783) 1, 783a; grämisch, grämlich (1779) 539; schon bei versuch 2 (1775) 769, nach ihm bei 2 (1808) 439b erscheinen grämlich als übergeordnet, grämig und gramhaft (unzutreffend) als obd. formen, grämisch als 'niederer sprechart' angehörig. die lexikalisch für grämlich und diese seine verwandten vorgenommene verweisung in niedere sprachschichten trifft mindestens für grämlich seit der zweiten hälfte des 18. jhs. nicht mehr zu. — mhd. gremlich erscheint nicht sehr gefestigt, da es namentlich in den hss. des Nibelungenliedes und der klage, oft im austausch mit grimmiclich, grimm(e)lich, auch griwlich, grazlich u. ä. steht, vgl. dazu in: heldenbuch 1, 266, anm. zu Biterolf 6413; s. auch mhd. wb. 1, 575a; 1, 1077 f. A. 'feindselig, zornig, grimmig', vom adj. gram her, mhd. häufig und älternhd. noch nachklingend; in verschiedenen nuancen, die aber im einzelfall leicht verflieszen; vgl. im gleichen bedeutungsbereich mnl. gramlijc, adv. gramlike 2, 2103. noch Stieler umschreibt grämlich mit invisus, exosus, invidiosus, stomachosus, iracundus stammb. (1691) 704 s. v. gramhaft, was mehr nach A als nach B weist. 1) 'feindselig', auf gesinnung und verhalten bezogen: den vîanden was er (der kaiser) gremelich, dar nach wirt im widersait Machabeus der prufte dasz 2) vor allem 'zornig, wütend, grimmig', besonders als bezeichnung eines affektiven zustands: in ist daz ellen tiure, den schilt vil balde zucte, daz tor er ûf swief: dô was Wolfhart sô grämlîch, 3) daneben seltener in durativem sinne, 'grimm, grimmig' als wesens- und charaktermerkmal: der dritte der gesellen (des Siegfried) der ist sô gremlîch, ein dier vil spehe, si ersprancten mit ir schalle ein tier gremelich, [Bd. 8, Sp. 1792] 4) objektiviert in der beziehung auf sachbegriffe, vorgänge und handlungen, soviel wie 'schrecklich, hart, grausam, brutal': iu widerseit Liudegast unde Liudgêr, si tâten an den liuten diu gremelîchen leit: wie rehte gremlîche vil swerte drinne erklanc! ... ein schöne fraw ein röszlein roht, B. im gesamten jüngeren gebrauch des wortes mit dem doppelten bedeutungskern 'unfreundlich' und 'unfroh' und um diesen kern herum reich nuanciert. das wort behauptet hier insofern eine mittelstellung, als es mit dem moment 'unfreundlich, mürrisch' als milderung von A erscheint und auf das adj. gram zurückweist, als 'unfroh, miszmutig' aber eine ins kleinliche gezogene, abschätzig gemeinte bedeutungsvariante des subst. gram in dessen jüngerer bedeutung 'kummer' darstellt und oft wohl von da her empfunden wird. unsichere anfänge der neuen bedeutungsrichtung liegen im 17. jh. (s. u. 1 a α; 3 a), erst nach der mitte des 18. jhs. tritt sie eindeutig auf, verdrängt aber schon um 1800 grämisch (s. d. 2) in seinem bereits im 16., 17. und frühen 18. jh. deutlich entwickelten gleichsinnigen gebrauch. 1) in unmittelbarer persönlicher anwendung als bezeichnung einer wesenseigenschaft oder eines momentanen gemütszustandes. a) als grundeigenschaft des charakters oder temperaments 'unfreundlich, mürrisch, unzugänglich, ungesellig, unzufrieden, engherzig, kleinlich, schwunglos' u. ä. α) allgemein. der erste, zeitlich weit voraufliegende beleg nur hierher statt zu A, wenn er als tautologisches wortspiel aufgefaszt werden darf, s. dazu s. v. gämlich 2 d γ 'mürrisch': gemlich gremlich oder: die gemlichen sind die gremlichen d. Teutschen weiszh. (1605) Ff 2a. attributiv: man murrt über ihn, nennt ihn einen zankischen und grämlichen mann pred. f. landvolk (1776) 1, 97; ihr grämliches stubenmädchen s. w. (1784) 5, 120; da muszte unser bester schauspieler ... ohne gnade zur landwehrübung fort, weil der grämliche oberst Stubenfrau lust hatte uns einen possen zu spielen tutti-frutti (1834) 4, 71. substantiviert: nur grämlichen wirds ewig nirgends wohl sonst so grimmig und so grämlich [Bd. 8, Sp. 1793] grammelich, grämmelich, gremmelich von kindern, denen nichts recht ist, die bald dies, bald das begehren schwäb. 3, 787. der beisinn 'unfroh, trübselig' wird durch typische gegenüberstellung mit gegenteiligen begriffen unterstrichen: weil du so grämlich bist und einsam schmollst, weszwegen sind wir, ob auch grämlich sonst, β) in der zuordnung zu bestimmten personen und besonderen berufen, hier vor allem mit dem beisinn 'pedantisch, engherzig, kleinlich': allein Ismene (als hexe auf dem Blocksberg) lachte nur und wenn dann der grämliche präcepter b) als ein dauernder seelischer zustand und wesenszug, der aber nicht angeboren, sondern als ergebnis einer entwicklung erworben ist bzw. einer bestimmten lebensstufe charakteristisch zugehört; in ähnlicher nuancierung wie unter a. α) formelhaft grämlich werden: überhaupt fühl ichs täglich, wie ich grämlicher, fühlloser, einsamer werde (1777) an Bürger in: br. 2, 20 Strodtmann; dasz er (Vosz) dabei zu zeiten erkrankte und litt, dasz er grämlich, schwer zu handhaben ... ward, hat ihm nur der ein recht übel zu nehmen, der im gleichen falle, bei gleichen verdiensten gefaszter blieb gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 62. als beiwort für einen typus wie unter a β: sonst wäre ich gewisz der grämlichste philister geworden briefw. u. tageb. (1873) 1, 119; hierdurch ... war der meister ein etwas grämlicher formalist geworden, der, streng gegen seine gesellen, mit frau und kindern auch nicht freundlich that ges. w. (1889) 2, 127. β) in typischer beziehung auf die lebensstufe des alters.-als grämlich werden wie unter α: man wird grämlich, wenn man alt wird, oder wenn liebe, oder auch oft, wenn freundschaft alt wird verm. schr. (1844) 1, 198; und zuletzt war der alte Fritz sehr alt geworden und grämlich ruhe (1852) 1, 115. auch sonst formelhaftem gebrauch nahe: diese letzte stelle musz ganz in dem charakter eines grämlichen alten gesetzt werden w. (1811) 1, 325; die alte frau, der alte grämliche mann w. 2, 421 Dietze. als typisierendes beiwort für vertreter der älteren generation: aus der aufsicht einer grämlichen tante, in die arme ihres wunderthäters reise i. d. mittern. prov. v. Frankr. (1791) 5, 352; dasz der wolf als grämlicher alter oheim, der fuchs als junger neffe auftritt Jac. Grimm Reinhart fuchs vorr. XXVI. ähnlich in der kennzeichnung für den ungeselligen hagestolz: die groszmutter regel geht ihm immer zur seite und der alte grämliche junggesell, anstand genannt schr. f. u. an s. lb. Dtsch. (1845) 2, 353; der geheime obertribunalrath war ein grämlicher hagestolz ges. w. (1872) 2, 144. [Bd. 8, Sp. 1794] c) als ein augenblicklicher gemütszustand, eine vorübergehende gestimmtheit im sinne von 'miszmutig, verdrieszlich, verdrossen, übellaunig'. die feinere nuancierung der bedeutung wird durch synonyme oder gegensinnige begriffe angedeutet: Goethe ist jetzt ziemlich wohl, nur sehr krittlich und grämlich Goethejahrb. (1880) 4, 330; noch am folgenden morgen aber war sie recht grämlich, bissig und unliebenswürdig schüdderump (1870) 1, 158. vom tier: das (säuge-)tier ist ... lustig oder grämlich (hat die fähigkeit zu beidem) tierl. 1, 21 P.-L. mundartlich grammelig 'nörgelnd, verdrieszlich' rhein. wb. 2, 1345; ähnlich gramlig steir. 302a. mit stärkerem affektgehalt 'ärgerlich, böse', auf einen bestimmten auslösenden anlasz bezogen: am grämlichsten ward Rousseau, wenn man ihn um seine zeit brachte schr. (1779) 1, 135; ich habe keine zeit — der alte ist grämlich, dasz wir noch nicht fort sind dram. w. (1798) 3, 7. hier vereinzelt grämlich gegen jemd.: war doch je sie (die groszmutter) grämlich 2) von der persönlichen anwendung aus in gleicher bedeutung auf abstrakte begriffe, geistige äuszerungen, seelische gegebenheiten und verhaltensweisen übertragen, attributiv und adverbial. a) als beiwort neben gemüt, charakter u. ä. deutlich im sinne von 1 a: aber daran ist nicht mein grämlicher charakter ... schuld schr. (1765) 4, 222; mit frau Hedwig von Brandenburg, ... einer polnischen prinzessin von grämlichem gemüte s. w. I 3, 73 Klemm. auch charakterisierend für die sphäre des verstandes und der vernünftigkeit gegenüber derjenigen der emotionalen kräfte: aber es ist soviel gelebtes, sovieles sattes und grämlich hypochondrisches in dieser vernünftigkeit (bei Knebel) (1787) br. 1, 381 Jonas; der Tiecksche verstand ist ein honetter, nüchterner spieszbürger, der dem nützlichkeitssystem huldigt ... ich kann nicht umhin, zu bemerken, dass der Tiecksche verstand in seinen jüngsten novellen noch grämlicher geworden s. w. 5, 289 Elster. b) grämliches nachsinnen, grämlicher gedanke u. ä. in doppeltem sinne. 'einer grämlichen gemütsverfassung entspringend': glückliche bewohner dieses bezirks! ... euer froher sinn, eure genügsamkeit ... bewahrten selbst die bewohner des schlosses vor dem miszbehagen, dem miszmuth, dem grämlichen nachsinnen, nicht selten dem einzigen gewinn des verfeinerten theils der bewohner der erde w. (1809) 8, 7; sollte es auch vielleicht ein grämlicher gedanke Wilkens gewesen sein ('er hat das buch nun auch lange genug gehabt'), so musz man dergleichen seinen beständigen gichtschmerzen zu gute halten (1835) an Jacob Grimm in: briefw. 2, 656 Leitzmann. daneben inhaltlich bestimmend im sinne von 'trübselig': wer wollte wohl solche grämlichen einbildungen beherbergen s. w. 299b Bohtz. vereinzelt auch hier, wie oben unter 1 c ende, ohne den beisinn des kleinlichen: mit so grämlichen gedanken, und so bittrer traurigkeit c) in blosz verstärkender beziehung auf ein substantiv gleicher bedeutung: nachdem der grämliche verdrusz über die ungewöhnliche störung (die unterbrechung eines hinrichtungsaktes) einmal überwunden war G. Keller ges. w. [Bd. 8, Sp. 1795] (1889) 5, 245; Grillparzers ansichten über literatur, wenn auch manchmal von grämlichem miszmuth ... eingegeben, sind zumeist tief dringend und fein jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 5, 332. oder neben negativ betonten wörtern verwandter bedeutung: muthvoll biete ich nun allen niederschlagenden grämlichen sorgen die spitze s. w. (1810) 4, 73; frau Bernhard Fuld sprach jedoch holdseligst mit dem baron, ohne sich im mindesten von der grämlichen kritik des schwagers stören zu lassen zauberer v. Rom (1858) 3, 338. neben einem stark affekthaltigen begriff im psychologischen miszverhältnis und darum selten: sie ... lag ... im bann einer ... grämlichen entrüstung ges. schr. (1893) 5, 72. d) in mehr sachlich-gegenständlicher beziehung. persönlichen bezug voraussetzend, besonders entsprechend 1 c: auch der beste fürst kann einen grämlichen augenblick haben s. w. (1842) 3, 124; der grämliche, übrigens wol nur aus momentaner stimmung hervorgegangene empfang, den sie meiner nachricht von der vollendung 'des heiligen' zu theil werden lieszen (1879) an Haessel in: br. 2, 85. gemäsz 1 b β: von einer düsteren jugend in ein grämliches alter jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 3, 98. neben personifiziert gedachtem sachbegriff in bildlichem gebrauch: der alte grämliche winter sasz melancholisch mit seiner spitzen schneehaube auf den gipfel des gebirges s. w. (1864) 2, 334. selten in reiner sachbeziehung: die grämliche december-witterung (1869) an Karl Wolff in: dt. dichtung 11, 102b; wehe der grämlichen religion, die auf diesem (hier abgebildeten) gesichte ausgedrückt ist physiogn. fragm. (1775) 2, 282. geradezu im sinne von 'verdrusz bringend': da ... das arbeiten (wegen des hohen abgabezolls) grämlich war, so lieszen die leute dreschflegel und windmühle am liebsten liegen und stehen und gingen ins wirthshaus schr. (1895) I 7, 64; vgl. mundartlich: es ist ihm grämlich gegangen er hat unglück gehabt schwäb. 3, 787. auch sonst mundartlich auf ein sachobjekt bezogen, im objektiven sinne von 'jämmerlich, erbärmlich': ën gràmlik wder, ën gràmlik tŷchnës (zeugnis) Wiedingharde 167; ähnlich adverbial hê sàch man gràmlik (kläglich) yt ebda. 3) grämlich, mit gleichem bedeutungsgehalt wie unter 1 und 2, erscheint vielfach als ein am menschen sinnlich wahrnehmbares, an seinem aussehen oder verhalten greifbares, vornehmlich neben sachlichem substantiv oder in prädikativer oder adverbialer beziehung auf verben. a) grämlich aussehen in fester formel. auffallend mit der nuance 'häszlich' in einem der beiden einzigen belege des 17. jhs.: Socrates, das licht der weisen, die muse sasz und spielte b) den gesichtsausdruck kennzeichnend, in geläufigen verbindungen; auch hier auf andauernde oder vorübergehende erscheinungen bezogen: harm und grämliches gesicht [Bd. 8, Sp. 1796] und warum empfangen die hirten die frohe botschaft mit so grämlichem gesicht (auf einem bilde)? gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 233; was soll zu ihr die gedrückte, grämliche mine, als ob die zu bibel und theologie, wie der bettelsack zum betteln gehöre? 10, 278 S.; Melander lachte nicht, sondern seine miene wurde immer saurer und grämlicher d. grosze krieg (1920) 3, 419; ein grämlicher zug überflog sein gesicht ges. w. (1890) 3, 171; trotzdem hatte der Rotholzer eine schlaffe, kellerfarbene gesichtshaut mit vielen grämlichen falten unruhe (1948) 22. von hier aus bildlich: es ist nämlich ein kleines verschobenes gebäude mit grämlich verzogenen fenstern ges. schr. (1875) 8, 163. in übertragenem zusammenhang: wir möchten dem humor gegenüber, dem seltensten kinde der deutschen literatur, nicht gern ein grämliches gesicht aufstecken ges. aufsätze (1903) 111. selten in der beziehung auf die gestalt eines menschen: er ... starrte gedankenlos in den winkel, wo die grämliche gestalt seines meisters ... hantierte s. w. (1899) 3, 21. c) grämlich etwas tun, sich grämlich verhalten: ein solches publikum ist durch keinen berühmten namen und keine ästhetische recension dahin zu bringen, ... dasz es grämlich und vornehm unzufrieden thue, wo es sich im grunde des herzens ergötzt reiseerinn. (1823) 2, 218; vor dem ladentisch steht der alte commis ... er sieht mich etwas grämlich an s. w. (1899) 1, 177. besonders neben verben des sagens, und hier auch vom akustischen aus: und ich bin auch nicht im stande, stimmte ich ihm grämlich bei, einen besuch anzunehmen s. w. (1842) 2, 240; der atheist brummt grämlich und verwirrt: ein kutscher mit besetztem rock d) gelegentlich neben persönlichem beziehungswort, wie unter 1, wobei aber grämlich nicht eigentlich die innere eigenschaft selbst meint, sondern ihre sichtbare auswirkung auf die äuszere erscheinung ihres trägers: ein langer, dürrer, grämlicher herr im grünen flauschrock s. w. (1864) 3, 40; der vorderste, etwas ernster und grämlicher, scheint eher dialektischen sinn zu haben (auf Mantegnas triumphzug die gruppe der gelehrten) I 49, 268 W. hierher: seh ich die furien fliehn? den neid mit zerbissener lippe, ...
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