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| GWB Greif (Bd. 4, Sp. 455) | DWB greisbart (Bd. 9, Sp. 82) | DWB greif (Bd. 9, Sp. 5) | |||||||||
1 mythol Mischwesen aus Löwe u Adler; meist im Pl a in personaler Vorstellung: als redende u agierende Figur in der Klass Walpurgisnacht, öfter neben anderen Fabelwesen (Sphinxen ua), besonders als ‘Greifender’ (das welt- u besitzergreifende Lebensprinzip verkörpernd), dann als Bewahrer, Wächter von Schätzen [Meph:] Die Sphinxe schamlos, unverschämt die G-e, | Und was nicht alles, lockig und beflügelt, | Von vorn und hinten sich im Auge spiegelt... 151,1 Faust II 7083 (Mephistopheles .. ) Glückzu! den schönen Fraun, den klugen Greisen. (G. schnarrend.) Nicht Greisen! G-en! .. (Mephistopheles.) .. doch .. | Gefällt das Grei im Ehrentitel Greifen. (G. ..) Natürlich! die Verwandtschaft ist erprobt, | Zwar oft gescholten, mehr jedoch gelobt; | Man greife nun nach Mädchen, Kronen, Gold, | Dem Greifenden ist meist Fortuna hold 151,1 Faust II 7093u7099redPers vor 7093u7100 Gespräch [Fausts] mit einer .. Sphynx .. Ein .. aufpassender G., der goldhütenden einer 152,204 Helena Plp 1,126 151,1 Faust II Regiebem vor 7188 uö im Vergl wir beschlossen .. eine Fahrt nach ihm [Sammler GChBeireis], der wie ein geheimnißvoller G. über außerordentlichen und kaum denkbaren Schätzen waltete 35,206,7 TuJ 1805 als Wappentier des Gegenkaisers (iGz kaiserl Adler), im Augurium ‘auf dem Vorgebirg’ [Kaiser:] Ein Adler schwebt im Himmelhohen, | Ein G. ihm nach mit wildem Drohen 151,1 Faust II 10625 151,1 Faust II 10627u10634 b in bildkünstlerischer Darstellung, mehrf im Paar, auch als rahmendes od tragendes Element [auf einer Gemme] Gigant, der einen G. aus seiner Felsenhöhle hervorzieht 33,256,18 Camp [antiker Fund in Rom] ein flach Stück gebrannten Thon mit einigen Figuren .. Es stehn zwey G-en an einem Opfertische 30,266,20 ItR~B8,185,4 ChStein 13.2.87 [Portalschmuck von S. Zeno in Verona] Säulen, welche auf Rücken von liegenden G-en gesetzt sind T2,8,4 v 25.-28.3.90 492,43,19 Igeler Monument uö als heraldische Figur [Herkules:] Ich weiß wohl, wenn ein Fratze keinen Schildhalter unter den Bären, G-en und Schweinen finden kann, so nimmt er einen Hercules dazu 38,31,20 GöttHeldWieland c als Gegenstand mythographischer Betrachtung; einmal metonym im Wortspiel mit ‘greifen’ [mBez auf Voß’ ‘Üb den Ursprung der Greife’ in JALZ 1804] Für die G-e, die gut um sich gegriffen haben, danken Sie Freund Voß aufs beste B17,227,1 Eichstädt 12.12.04 Gespr(He1,922) Voß dJ undat 2 als oriental Märchenmotiv: ‘Vogel G.’, im Vergl [mBez auf Mainz-Aufenthalt] Recht wie vom Vogel G. in eine fremde Welt unter alle die Sterne und Kreuze hinunter geführt, und dadrein so mit ganz offnem Herzen herumgewebt und auf einmal alles verschwunden B2,221,24 Knebel 28.[12.]74
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| 1) wort und begriff wurzeln im orient. das griech. γρύψ, gen. γρυπός ist dem semit. entlehnt (vgl. assyr. [Bd. 9, Sp. 6] k'rub geflügeltes fabelwesen, hebr. kerūb geflügelter engel) und steht wahrscheinlich auszer zusammenhang mit γρυπός gekrümmt. ins lat. übernommen als gryps, grypis, daneben grypus. das spätlat. bevorzugt spirantisierte formen mit ph und flectiert das wort auch consonantisch mit dem suffix -on; daher im mlat. die formen griphus, griffus, gripho, griffo ( 270a; 4, 112a.c), häufig auch griphes, gripes u. ä. ( gloss. 270a; nov. gloss. 120b; 4, 319). demgemäsz wird das wort ahd. sowohl vocalisch wie consonantisch flectiert: grif, acc. sg. grif neben grifo, griffo, crifo, grife, plur. grifen 4, 319. auch die romanischen sprachen haben die entsprechenden doppelbildungen, z. th. mit differencierter bedeutung: ital. grifo, grifone; span. grifo, grifón; frz. griffon; provenc. grifô. in der mhd. litteratur hat sich das sw. masc. durchgesetzt; nur in der frühzeit ganz vereinzelt stark (sofern kein schreibfehler vorliegt): da (in Skythia) sint inne gerife (: uor rifen) ged. d. 11. u. 12. jhs. 366, 15 Diemer. 2) im nd. dagegen hat die starke form geherrscht: eyn dels hebben ze (die menschen) grypes houede 2, 148; vgl. den stadtnamen Gripeswolde. deswegen hat auch das nordgerm., das das wort dem nd. entlehnt hat, das st. masc.: anord. gripr, schwed. grip, dän. grib. auch das holländ. besitzt die alte nd. form grijp, voghelgrijp (1599) 161a; dazu kam durch entlehnung aus dem frz. griffoen. engl. nur das dem roman. entlehnte griffin (älter griffon, gryphon), doch altir. auch gríf. das nd. kennt auch die formen mit schlieszender spirans, die die regel bilden sollten: soe hat der Leuiacon vier voesse mit klauwen wie eyn grijff pilgerfahrt d. ritters v. Harff 137 v. Groote; Diefenbach notiert aus einem lat.-nd. vocabular grife gloss. 270a; Berghaus kennt neben griip auch die formen griif und grypf sprachschatz 1, 612b; vgl. auch dän. grif neben grib. aber die form mit p herrscht durchaus vor (vgl. noch grijp gloss. 270a aus der gemma gemmarum; gryp nov. gloss. 120b) und erscheint auch in modernen nd. maa. (greīp 41a). das p erklärt sich aus secundärer anlehnung an den verbalstamm grīp-. auch im gebiet des hd. hat die naive sprachanschauung älterer zeit das wort gewisz stets mit greifen in zusammenhang gebracht; so ist nach Stieler der greif avis quaedam fabulosa, dicta a greifen, quod uncis unguibus praedam surripiat stammbaum (1691) 699. noch 2, 793 und 2, 526a stehen auf demselben standpunkt. 3) noch das nhd. läszt die ursprüngliche locale trennung der starken und schwachen form erkennen; denn das st. masc. findet sich fast ausschlieszlich bei md. und nd. autoren: die wapen ... die einen fliegenden greiff .. führten Pommerland 2, 209; vor zeiten pflegte man auf die leichensteine greiffe ab zu bilden polit. redner (1677) 572; Anthyrs bild .. hat auf dem helme einen güldenen greiff Lohenstein Arminius (1689f.) 1, 531a; es wacheten greife vom hagern greif bewacht der herold aber, mit dem greife (der nekromant, der) auf des greifen schwinge da mit des griffes schwayn [Bd. 9, Sp. 7] man spricht, in Indien dort zwey greife halten wache an der pforte Piccolomini 1577; mit dem 19. jh. wird das st. masc. mehr und mehr zurückgedrängt, und die ursprünglich obd. schwache form wird auch bei norddeutschen schriftstellern die übliche: stürzt, brüder, gleich dem freien greifen, ich will den greifen, der sich an mein herz 4) das endungs-e der schw. form erscheint nhd. nicht häufig, aber noch recht spät: wie seltzam füsse hat denn er, der greife, der greife nicht mehr regte sich der greife 5) der stammsilbenvocal zeigt die dialectgemäszen schwankungen; im alem. des 16. jhs. das alte i: volck aller handt ich psorg des greuffen trueg und list 6) nicht ganz selten ist die latinisierte form gryph: den vogel Phoenix, Gryph, Harpyesche raub vogel halte ich für gedichte ianua (1638) cap. 162 (im index: der vogel greiff); es ist so viel als arabesco, groteskes, arabeskes laubwerk, in dergleichen dort beim Manilli gryphe geflochten waren 11, 337 Lachmann (1839); dieselbe form nach 1, 622b bei Nicolai; gelegentlich wird wenigstens die schreibung durch das lat. bestimmt: man hat dem Plinius nicht gerne wollen glauben, 7) vereinzelt findet sich eine dem part. praes. von grîfen entsprechende form: was man des hordes nuisset, dar uf die griffenden wonende sint 570. bedeutung und gebrauch. 1) die mittelalterlichen vorstellungen vom greifen: swarz was ime (Alexander) daz ander (auge), wer könde grôz wunder grôzer grîfen [Bd. 9, Sp. 8] hyperborei buch d. natur 190, 2; de ghryp, de is vor eyn arne unde achter eyn louwe 2, 148 aus Loccumer bibl. erzähl.; die anschauung ist also nicht fest; neben der antiken vorstellung eines löwenleibes mit flügeln und vogelkopf (vgl. Furtwängler in mytholog. lex. 1, 1742 ff.) entwickelt sich frühzeitig das bild, das in der heraldik fest geworden ist: ein thier, dessen ganzer vorderleib einschlieszlich der vorderbeine vogelartig gestaltet ist; smaracde sint in Cithia (Scythien); erstlich nennt die Arimaspos, 2) gern mit anderen ungeheuern zusammengestellt, namentlich im mittelalter: er (Achilles) hât die kraft an sich genomen, ausserhalben desz landes zil die undurchdringlichen forste, ir (Helchen) troumte wie ein wilder tracke wære der adler aber wie ein greiff ein adler schwebt im himmelhohen, 3) während das mittelalter den greifen nur als wildes raubthier kennt, wie ihn namentlich die sagen von herzog Ernst und von Alexander schildern (vgl. über die mittelalterl. greifensagen Bartsch herzog Ernst CLII ff.), erscheint er seit der zeit des classicismus auch in anderen functionen, die unmittelbar aus antiker kunst geschöpft sind: ihr (Apollos leier) horcht der schwan, oder greif zu seinen füszen 17, 355; ein wagen, von zwei greifen gezogen, deren einer vor sich hin, der andre rück- und aufwärts blickte 23, 19; bei der 'eleganten zeitung' schlug er vor, den buben, der die greifen zügelt (auf der vignette), umzukehren gespräche [Bd. 9, Sp. 9] 1, 255; der Tieckische Apollo auf seinem von greifen gezogenen wagen 102, 440; greifen und rosse zusammenspannen, wird sich immer schlimm verlohnen ges. werke 12, 164 (jungentur iam grypes equis bucol. ecl. 8, 27). 4) ebenfalls zur zeit des classicismus wird auch der pegasus, der hippogryph, bisweilen greif genannt: unwillig steigt der greif es war ein groszer zuwachs seiner schmerzen, ein greif erzeugt's (das flügelpferd) mit einem mutterpferd ich fur vil tougenlichen 5) zu bildern und vergleichen dienen namentlich die klauen des greifen: ouch het der vil unsüeze (der drache) als ein grîfe het si (das weibsbild) klâ scherpfer, dann seind desz greiffen klawen wer mit gott und vaterland sein liebstes nicht theilt, ach sünder, fliuch, dir jaget nâch ein grîfe, ein freislîch bilde (der teufel) Kolmarer hs. 116, 95 Bartsch; nu aber kan für den greiffen und lewen niemand bleiben, reissen alle hendel zu sich 32, 451 Weim.; landrauber, andere tyrannen, wahrfälscher, amptleut, kaufleut, fürkäufer, wcherer, falsche propheten ... dise greiffen müssen sein, und sind gottes geissel und rt schöne weise klugreden (1548) 106a; vom vormund eines mädchens: der schatz .., da ihn bei tag und nacht bei hofe weisz ein greif zur taube sich zu machen die fabel kehrt sich um. 6) eine grosze rolle spielt der greif in der heraldik: gelîcher baniere .. ainen schwartzen greyffen, der kunig furt den greyffen: [Bd. 9, Sp. 10] hat auf dem helme einen güldenen greiff Arminius 531a; die heraldische bedeutung ist: weiszheit, geschwind und tapfer zugleich, aufmercksamer rath wapen-kunst 61; vgl. welche (sc. schilderbilder) keiner nicht verstund, er verstünd dann auch die natur, kraft und eygenschaft der vorfigurirten ... natürlichen sachen. als der helfant ein keyser: ein grosz ohr ein weyser .. greiff schnelligkeit geschichtklitt. 188/9 neudr.; von einem orden: den gelben greifen umgehangen Pückler nach 1, 622b; häufig als münzzeichen, vgl. 117; 'der greif war das wappenbild des .. pommerschen fürstenhauses. die fürsten nannten sich selbst nach demselben de gripen, wie aus vielen urkunden erhellt. de under den grypfen beseeten sint heiszt es u. a. in dem der stadt Olden-Stettin .. 1449 ertheilten privilegium' 1, 613. aus der heraldik ist der greif seit dem 12. jh. in die ortsnamengebung eingedrungen; obd. und md. meist burgen: Greifenstein an der Donau, bei Zabern, auf dem Eichsfeld u. ö., nd. städte: Greifswald, Greifenberg, Greifenhagen. 7) in der magie und alchymie: dann oft bedeut ... ein königin, oder greiff, den planeten Lunam, oder das metall silber opera 2, 304 b; greiff ist bey den alchymisten ein sehr starckes allgemeines menstruum, welches alle cörper auflösen, sonderlich aber das gold ihrer liebhaber in ein nil, nihil, und nihilum, oder in ein pures nichts verwandeln kan öcon. u. physic. lex. 4, 1339. 8) in jüngerer zeit dient greif auch als ornithologische bezeichnung; nach 2, 793 bei neueren schriftstellern ebenso wie greifgeier für den condor; desgl. bei 2, 526a und 1, 622b; vgl.: ob übrigens Ludolffs muthmassung zutreffe, dasz der alten greiff unser casuarius sey .., stellet man dahin öcon. u. physic. lex. 4, 1339. merkwürdig ist die vermengung mit der giraffe: geyraff quasi geiziger, gieriger raff, der, camelopardalis, ... alii exponunt camelopardalim, den vogel greif 1479; greif ... gryps, gryphus, camelopardalis 1, 637. 9) vogel greif scheint erst seit dem 16. jh. vorzukommen; hier bleibt greif als eigenname stets unflectiert: voghel-grijp (1599) 161a; der vogel greiff janua (1638) im index; wie etwan von dem schwanen-gesange also redet der Libarius .. vom vogel greyf winter flucht 21; metallspiegel aus silber mit der getriebenen figur des vogel greif erdkunde 3, 330; dann schau dich um und du siehst den vogel greif am rothen meer sitzen kinder- u. hausmärchen 2, 12; der geyer wird sich mit der hyäne paaren, und madame Mollia wird den vogel greif besitzen 2, 158; flügelschläge hört er schallen,
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