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 GWB dumpf (Bd. 2, Sp. 1290)   DWB dumpfbrütend (Bd. 2, Sp. 1525) 
  dumpfÜb 100 Belege. Dem von EBoucke, Wort u Bedeutung in G-s Sprache, 1901,156 im Anschluß an RMMeyer, Archiv 96, 1896,2—7, konstatierten individuellen Bedeutungswandel: frühe negative Verwendung, dann zw 1776 u 1780 Gebrauch “im positiven Sinne eines träumerischen Zustandes, einer keimenden Stille, eines dunklen Dranges, der zur Klarheit strebt”, danach “nur noch die Bedeutung ‘thöricht, stumpf, dumm’”, widersprechen die (auch von Boucke selbst beschriebenen) Belegverhältnisse. Die negative Bed (B 2) ist auch zeitgleich mit der positiven (B 1 a) belegt.
A in gefühlsbetonter Beschreibung sinnl Eindrücke: dunkel, gedämpft, öfter mit den Stimmungswerten drohend, unheimlich, trauervoll
1 von Klängen: tief, hohl, dunkel tönenddie erste Schaufel [auf den Sarg] hinunter schollerte und die ängstliche Lade einen d-en Ton wiedergab, und d-er und immer d-er AA147,11f Werth1 IIEben schlug die d-e Geisterstunde 1,222 Braut vKorinth 92[Phorkyas:] Fühlt ihr nicht ein d-es Wettern? | Hört nur die Trompete schmettern, | Das Verderben ist nicht weit 151,1 Faust II 9423[Iph zu Orest:] O wenn vergoss’nen Mutterblutes Stimme | Zur Höll’ hinab mit d-en Tönen ruft Iph2 1165[Faust:] Und wenn der Sturm im Walde braus’t und knarrt, | Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste | Und Nachbarstämme quetschend nieder streift, | Und ihrem Fall d. hohl der Hügel donnert Faust I 3231 ~ Faust Fragm 1903Iph2 14Schaubühne 36,14 Regeln fSchausp 1803 [G/Wolff] iSv undeutlich 23,295,24 Lj VIII 10zugl iSv einschläfernd, betäubend[Mörder zu Adelh:] Rache Geister halten der Hülfe die Ohren zu und summen ihr Gewissen [? < Gehirn] mit einem d-en Schlaflied nieder 39,429 Götz1 V Var
2 von der Luft, bes in Höhlen u höhlenähnl Räumen, mehrf metaphor erweitert
a muffig, modrig, feucht[frühester Belege, wohl Mai 67] Aus d-en Höhlen 37,36 Annette Ode anZachariä 6[Gnome:] Wölben wir in d-en [düstren Var; dunklen Vs 5902] Grüften | Troglodytisch unser Haus 152,28 Faust II VarFaust I 399 ~ Urfaust 46Faust I 3274in iron Vbdg mit ‘klassisch’ zur Charakterisierung der engl Ruinenliebhaberei (als Bestandteil der heroisch-elegischen Landschaft)1)[Klass Walpurgisnacht. Pharsal Felder. Meph zu den Sphinxen:] Sind Briten hier? Sie reisen sonst so viel, | Schlachtfeldern nachzuspüren, Wasserfällen, | Gestürzten Mauern, classisch d-en Stellen 151,1 Faust II 7120
b stickig, eng[Osterspaziergang. Faust:] sie sind selber auferstanden, | Aus niedriger Häuser d-en Gemächern Faust I 92343,370,16 Cell II 13 Sonett [Übs AWSchlegel?]
c mBez auf Atmosphärisches iSv unheildrohendaus der d-en grauen Ferne | Kündet leisewandelnd sich der Sturm an 2,73 Seefahrt 27[Polymetis:] Heraus aus euren Grüften, ihr alten Larven verborgener schwarzer Thaten .. auf! umgebt mit d-em Nebel den Thron der über Gräber aufgebaut ist 11,396,30 Elp1 II 3
3 von Licht- u Farbeindrücken: trübe[Meph in Fausts Studierzimmer:] Die bunten Fenster sind ein wenig dumpfer [?] worden [> trüber Var; Die bunten Scheiben sind, so dünkt mich, trüber Vs 6572] | Die Spinneweben haben sich vermehrt 152,40 Faust II Var
B mBez auf Seelen- od Bewußtseinszustände, Gefühlslagen, Stimmungen uä
1 in überwiegend positiver Akzentuierung
a für eine unklare, aber umfassende u intensive Empfindung, für ein Gefühl naturhafter Kraft u Fülle

[Bd. 2, Sp. 1291]
(Sonderbed der Sturm-u-Drang-Spr2), belegt 1774—77)kühne Liebkosungen, die ihre Begierden vermehren, umfangen ganz ihre Seele, sie schwebt in einem d-en Bewußtseyn, in einem Vorgefühl aller Freuden AA56,31 Werth1 Iden gegenwärtigen Fassnachts Goethe, der Ihnen neulich einige d-e tiefe Gefühle vorstolperte B2,233,12 Gfin Stolbg 13.2.75[bei einem Ritt von Apolda nach Weim] wenn du auch das zu verlassen gedrungen würdest .. Es kamen mir die Trähnen in die Augen, und ich fühlte mich starck genug auch das zu tragen — Starck —! das heisst dumpf B3,88,12 ChStein 16.[7.76]Der Herzog gegen mittag von einem starcken Ritt rein und d. und wahr Tgb 8.1.77Früh aufm Schlossberg gez. Gesang des d-en Lebens [das Gedicht ‘Dem Schicksal’ (1,394), gedruckte Fassung unter dem Titel ‘Einschränkung’] Tgb 3.8.76Tgb 27.9.77
b für eine unreflektierte, vom Gefühl geleitete naive Geistesart[Faust üb Gretchen:] sie, mit kindlich d-en Sinnen Faust I 3352 ~ Urfaust 1419Helles kaltes wissensch. Streben Wagner. | D-es warmes wissensch. Streben Schüler 3) 14,287 Faust I PlpD-es Anstaunen der Phänomene durch Naturmenschen N52,235,10 FlH Urzeit Plp
2 in negativer Akzentuierung
a für einen durch Tod, Schmerz, Trauer uä hervorgerufenen Zustand der Empfindungs- u FühllosigkeitFinster ist dein Bett, o Daura! D. [deep] ist dein Schlaf in dem Grabe AA142,15 Werth1 II Ossian[Fernando:] Ein Dolchstich würde allen diesen Schmerzen den Weeg öfnen, und mich in die d-e Fühllosigkeit stürzen DjG35,100,18 Stella1 III[Stella:] Es ist ein d-er Todenblik in dem Gefühl! Nicht wieder sehn? .. O .. daß ich in d-en Schlaf .. mein Leben hingäbe! DjG35,110,12u15 Stella1 V[Beaum:] Er verräth uns! .. Hier! hier! es ist alles so d., so todt vor meiner Seele, als hätt’ ein Donnerschlag meine Sinne gelähmt 11,113,15 Clav IV151,1 Faust II 11606
b für eine betäubende Wirkung od einen Zustand der Benommenheit, der Lähmung, des RauschesGötter, ist’s in euren Händen, | Dieses d-e Zauberwerk zu enden 2,91 Lilis Park 131[Antonio:] Besinne dich! Gebiete dieser Wuth! .. [Tasso:] Laß mir das d-e Glück, damit ich nicht | Mich erst besinne, dann von Sinnen komme Tasso 3368Tief bedrängter Nationen | Lang ertragne d-e Schmach 4,172 Laßt geschaffne Ritter 6da sie [Wilh u Mariane] sich in diesen Freuden übernahmen, hatte es eine Wirkung .. als wär’ er in Bier berauscht, er ward d. und unbehaglich in seinem Sehnen 51,65,16 ThS I 17was für Begriffe .. von dem männlichen Geschlechte .. Wie d., dringend, dreist .. war ein jeder, den sie herbeireizte 52,246,6 ThS VI 10 übertr auf den Puppenzustand des Schmetterlings N6,411,13 MetamIns
c von gedrückter, düsterer Gemütsverfassungsein trübes Gemüth .. ein d-er Druck lag auf seiner Seele, die traurigen Bilder hatten sich bey ihm festgesetzt und sein Gemüth kannte keine Bewegung als von einem schmerzlichen Gedanken zum andern AA118,1 Werth2 IIHab’ oft einen d-en [Druck 1776, in der 1. Fassung von ca 74 dummen] düstern Sinn, | Ein gar so schweres Blut! 1,18 Christel 1[Hzg:] Laß eines d-en dunkeln Traumgeflechtes | Verworrne Todesnetze mich zerreißen! NatT 1713
d von Bewußtseinszuständen od intellektuellem Handeln iSv gedankenlos, verworren, unaufgeklärtAch, so viele tausend Menschen kennen, | D. sich treibend, kaum ihr eigen Herz, | Schweben zwecklos hin und her 4,97 Warum gabst du uns 10 [14.4.76 an ChStein]ich .. komme diesmal gesund, ohne Leidenschafft, ohne Verworrenheit, ohne d-es Treiben B4,50,20 CEGoethe 9.8.79Dem Vater [in Claud] würde ich mehr d-en Glauben an das Geister und Goldmacher Wesen geben B7,168,14 Kayser 23.1.86colossale, d. und tüchtig vor sich hinblickende Professoren, als rechte Pfeiler dogmatischer Schule 492,231,5 Mantegna,Triumphzug Plpdieses Bewußtsein, womit man seinen Mängeln nachsieht .. kann von der klarsten Verruchtheit bis zur d-sten Ahndung sich in mancherlei Subjecten stufenweise finden N4,103,22 FlH VISo verwirret mit d. [so im Erstdr 1796, vorher: seltnen] willkürlich verwebten Gestalten, | Höllisch und trübe gesinnt, Breughel den schwankenden Blick 1,317 Vs 215 VenEpigr 41N52,384,7 Üb:NeumannB20,73,24 August 3.6.08 pejor verschärft iSv borniert, dumm; in falschen Vorstellungen od Aberglauben befangenDiese d-en [d-e Erstdr] Pfaffenchristen 1,212 Die ersteWalpurgisnacht 50 [1799][Herold üb die nach dem Scheingeld greifende Menge:] Was soll euch Wahrheit? — D-en Wahn | Packt [< Ihr flieht hier doch absurden Wahn | Faßt] ihr an allen Zipfeln an 151,1 Faust II 5735So steh ich nun gegen die Farbenlehre .. inzwischen daß die übrigen guten Menschen [sich] d-er als dumm und die Physiko-Mathmatiker absurder als absurd dagegen verhalten B49,409,17 Boisserée 11.1.32 K28,203,21 DuW 13Gespr Kanzl Müller 6.6.247,43,21 DivNot physiogn: stumpf, geistlos Tgb 15.5.08Gespr Eckerm 26.2.24übertr auf die Sprachewie ihre Sprache schroff, d. [sourde], schwerfällig, schwer, pedantisch und eintönig ist 45,116,10 RamNeffe

Horst Umbach

 

 dumpfbrütend, adj. s. DWB dumpf 3.

all derer, die dumpfbrütende kerkerluft
frühzeitig wegraft, all der gequälten geist
Platen 116b.