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| GWB Dekorationsgusto (Bd. 2, Sp. 1118) | DWB gust (Bd. 9, Sp. 1203) | DWB geest (Bd. 4, Sp. 2057) | |||||||||||||||||
| am ältesten und bis ans ende des 17. jhs. allein herrschend gust, seit der ersten hälfte des 16. jhs. in der Schweiz belegt, bis heute rein süddeutsch (nicht über den Main gedrungen). im 18. jh. wesentlich durch gusto verdrängt, vor allem in der schriftspr., in der das letztere durchaus geläufig wird (vgl. deutsches fremdwb. 1, 259). im 19. jh. sinkt gusto wieder zur rein dialektischen geltung herab und herrscht vorwiegend in den österreich. und süddeutschen maa., wird aber auch am Rhein entlang bis zum Niederrhein gebraucht, vereinzelt sogar in Schleswig-Holstein, s. 2, 511, obgleich hier gout vorherrscht (vgl. 1, 250). die anderen formen treten nur sehr selten auf und sind teilweise spontane literar. bildungen wie gustus ( ges. werke I 2, 54), gustum ( ges. schr. 2, 129), gusti ( ges. schr. 7, 6), teilweise local eng begrenzte mundartliche bildungen wie gusdius Trier. ma. 103, gustes Kölner ma. 70; rhein. wb. 2, 1507, gustem henneberg. id. 86, guster Wiener id. 57; steir. 315. bedeutung und gebrauch. 1) objectiv, und zwar als geschmackssinn: dass aber etliche von jhnen aussgeben, wie einen überaus scharpffen gust oder geschmack sie (die mäuse) haben sollen, nimpt mich wunder Plinius (1565) 187; so viel aber die sinn belanget, wird der gust oder geschmack mehr von den nässen oder scharpfen, denn von den bitteren verletzet offenbarung der natur (1591) 81. als sachliche eigenschaft: (der wein um Zürich) b'halt doch (im alter) sein gust und härbe (1600) bei 2, 492; eines guten geruchs, geschmacks, tons und gusts (1608) ebda 2, 492; dass nicht diese speisen zusammen ganz einen unguten geruch und gust von sich geben (1702) ebda 2, 492. 2) bis heute vorwiegend angewendet für die subjective empfindung, so als neigung zu einer person: würde man die ausgeschlossen hassen, so möchten die obern annehmen, dass man wenig gust zu ihnen trage (1534) 2, 492; als 'verlangen nach etwas': was nun die arbeit betrifft, so musz ich gestehen, dasz ich ... noch keinen ganz auszerordentlichen gusto dazu habe ges. briefe 1, 367; nach gusto nach freiem belieben, ermessen: nach schwerer reisbemühung ... recht nach gusto auszurasten tändlmarckt (1734) 275; wenns einmal gedient sein soll, will ich nach gusto dienen 11, 409 W.; anders: wenn mer nooch vermöga heiroothet [Bd. 9, Sp. 1204] und net nooch gusto 3, 939; von der inneren freude: in solchen schwellungen der grazie hat er sich in einer noch vorhandenen kalligraphischen musterhandschrift der oden des Anacreon mit besonderem gusto ergangen Winckelmann 1, 44; ähnlich als 'wohlgefallen': wir sahen mit grösstem gust die farben eines regenbogens Wiener reise (1715) bei 2, 492; und (ich) bis dato viel gusto daran gefunden habe dram. werke (1831) 3, 144. die formelhafte verbindung lust und gust findet sich häufiger in religiös-moralischen schriften: einige, so auch den kirchenbann verachten, jhren gust unnd lust nur an den schmutzigen häfen und stinckendem knoblach irdischer gelüsten suchen und wayden gartenbeetlein (1689) 2, 636a; 1, 166a; mancher menschen all ihr lust und gust ... bestehet in fressen und saufen tändlmarckt (1734) 162; häufig bei Abr. a s. Clara: deswegen mit groszem lust und gust, mit unbeweglicher verständigkeit, mit höchsten begierden wollte er (St. Georg) leiden und litt wirklich werke 1, 164 Strigl; er naschte mit groszem lust und gust das süsze weltgift ebda 2, 373; (der schmeichler) der seinem herren zuträgt, ... verteufflets ... nach seines herren neigen, lust und gust. o schelm! etwas für alle 2 (1711) 395; mehr objectiv von den freuden der welt: grillen und pfrillen seynd alle lust und gust der welt gegen dem, was Paulus schon gekost mercks Wien (1680) 32; und da andere weltbürstel gleichwol nach verkosten lust und gust zur hölle schlipfern, müst ihr (geizige) aller hitz und schwitz über tragen ebda 72. 3) individueller geschmack, in den frühen belegen auch die fähigkeit zur ästhetischen wertung: es musz wohl ein verdorbener gusto seyn, der sich in solche waar würde verlieben eclipses (1714) 37; sintemalen sie ein jedem leser, der für ein heller gusto habn thuet, besser gefallen werdn tintenfäszl (1745) 31; so lange mein ingenium practicum noch wenig gelegenheit hatte, sich zu developpieren: so war mein gusto noch schlechter als jetzt Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ (1746) 9; nun ich werde ihren gusto schon treffen sämtl. lustspiele (1771) 146; ein wunderlicher gusto man wählt sich die kleider, Künstler? ey! den lass geschwind herein, [Bd. 9, Sp. 1205] zeugen fast beständig zu verlieren ist, wenn man nicht ihrer los zu werden eilet, so lange etwan die phantasie dauert technol. wb. 5, 766b. 4) im 18. jh. auch im überpersönlichen sinne als allgemeine geschmacksrichtung gebraucht: einer der sich nach dem heutigen gusto richtet ruhm d. tabaks (1722) 10; je mehr wird es nach dem allgemeinen gusto seyn reimschmiedekunst (1743) 201; denn solches ist dem gusto unsers itzigen seculi entgegen 203; nach italienischem gusto an Gleim briefw. 2 (1757) 279 Schüddekopf; ich kriegte 10 zimmer alle schön und wohl meublirt nach Frankfurter gusto IV 1, 226 W. 5) composita sind nur sehr selten bezeugt: gustlos: in diesen und künfftigen exempeln müssen wir nothwendig mehr auff unser vorhaben als auff ein gustloses auskünsteln des recitatives sehen generalbass (1728) 618;
| 1) belege aus nhd. zeit: dieweil diesz land nicht lauter marsch, sondern wol zweimal so viel geest als marschland hat. dithmars. chron. Schlesw. 1683 s. 2; also vast dat halve landt Dithmerschen geest, dat is sandig, holtig und heide is. ditm. chr. 1, 82; nicht nur in den fetten marschländern, sondern auch in den magern geestländern. 607; das land, das man hier (in Jütland) die geest nennt, ist sehr fruchtbar, ein trefflicher kornboden. Europa (1811) 1, 292; und von den donnernden schleusen geschreckt, drängt bange die Medem, 2) mnd. gêst, gheest, geist, z. b.: hebbe vorkoft unde vorkope ... myn ghoed dat belegen is in deme dorpe unde in der veltmarke tho Bordorpe by Stade ... mit aller vryheid u. s. w. dat sy an gheestegoede ofte an merschgoede. urkunde von 1382 bei arch. des vereins f. gesch. u. alt. zu Stade 1864 s. 208; ock scolen wy (der erzbisch. von Bremen u. Verden) nicht staden .. up unsen stromen, watern unde ryvern, sunderigen in der geist of up der Lune, dat se (die Wurster) darvon beschediget werden (feindlich heimgesucht). das. 103, vom j. 1512; agros in prato quod dicitur mersch, item in campo qui dicitur gest. westf. urk. von 1139, s. Schiller u. 2, 83b, vgl. das. aus dem Bremischen altum et bassum (niederung) als geest und mersch, aus 1, 83 geest edder högde. In oldenb. urk. aber heiszt es gast unde marsk, vgl.gastland 83a, [Bd. 4, Sp. 2058] marsch- und gastlande 1, 329a ostfriesisch vom j. 1608; es ist die friesische form, noch jest ostfries. gast, altes, hohes, trockenes sandland, welches hauptsächlich zum getreidebau dient (auch esch) 66a, nordfries. 94, saterl. gastland 238, westfries. gaest 37. altfries. gastland 775b; dem priester soll an wetterlande (wetter wasser) ein schiff, an gastlande ein hengst zur verfügung stehen; doch auch Aurikera geste lond das., wie mnl. geestland, geest (s. unter 3). 3) die geest ist damit als das trockne land bezeichnet im unterschied von der fetten marsch (s. schon bei 72. 82), wie es denn auch im jahre 1512 in einer schlesw. urkunde noch bewuszt erscheint: over alle geest und marsch, lat. cum arido et palude, s. 605. im fries. stimmt auch die form noch: gast adj. von kühen, 'trocken, nicht milch gebend' die nordfr. spr. 24, vgl. 148a. 169a (saterl. gist); auch in engl. dial. gast-cow eine kuh die nicht kalbt 393b (wie hd. galtkuh). Im nd. stimmt freilich der vocal nicht, ditm. 'gost, göst dürre, de koh is gost' 411, hamb. güst, eene güste koh, de koh steit güst, aber auch goest. das. 82, vergl.güste, DWB gust 70b, siegerl. göste, mnd. guste sterilis 551c, n. gl. 348a, auch schweiz. gust gleich galt 1, 502, 3, 85a; aber übertragung auf den ackerboden findet sich auch nd. in güst plögen, brach ackern, Brem. wb. 3, 559, vgl. DWB güster kohl, der in den güste- oder brachfeldern gebaut wird 42, 644, und ebenso wird oberdeutsch galt, sonst von vieh, auch von nicht tragendem boden gebraucht, wie schwed. dial. gall, d. i. gald (sp. 1206). Aber das wort ist überhaupt von haus aus im vocal reicher entwickelt, auch geest, eigentlich wol geist (s. u. 2) findet hd. anhalt in ahd. keisenî sterilitas symb. 224, 4, 267, ags. gæsen sterilis 434. So wird geest ursprünglich adj. sein, das man auch unter 2 noch mehrmals heraushören könnte, besonders in dem fries. 'geste lond', nachher geestland; das fem. könnte von dem gegensatz marsch herübergekommen sein. von der bedeutung trocken erklärt sich auch mnl. geest für festland überhaupt, 'trocknes' im gegensatz zu water: ende aldat tote dien Foreeste,
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