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 GWB Dekorationsgusto (Bd. 2, Sp. 1118)   DWB gust (Bd. 9, Sp. 1203)   DWB geest (Bd. 4, Sp. 2057) 
  Dekorationsgusto [G bittet um einen Monumententwurf Füßlis] Wir haben bei uns einen Bildhauer [MKlauer], einen Mann von leichtem Begriff und schneller Hand .. dem es aber an Imagination fehlt und der, wenn man ihm so was überlässt, wie andre seines gleichen in den neuen leeren Decorations Gusto verfällt B4,142,14 Lavater [3./5.12.79 Korr SchrGG16,89]

Elke Umbach

 

 gust, m. , geschmack. im 16. jh. aus dem ital. gusto (lat. gustus) entlehnt. neben häufigerem gusto begegnen die selteneren nebenformen gustus, gustum, gustes, guster, gustem, gusti, gusdius u. s. w.
am ältesten und bis ans ende des 17. jhs. allein herrschend gust, seit der ersten hälfte des 16. jhs. in der Schweiz belegt, bis heute rein süddeutsch (nicht über den Main gedrungen). im 18. jh. wesentlich durch gusto verdrängt, vor allem in der schriftspr., in der das letztere durchaus geläufig wird (vgl. H. Schulz deutsches fremdwb. 1, 259). im 19. jh. sinkt gusto wieder zur rein dialektischen geltung herab und herrscht vorwiegend in den österreich. und süddeutschen maa., wird aber auch am Rhein entlang bis zum Niederrhein gebraucht, vereinzelt sogar in Schleswig-Holstein, s. Mensing 2, 511, obgleich hier gout vorherrscht (vgl. Schulz 1, 250).
die anderen formen treten nur sehr selten auf und sind teilweise spontane literar. bildungen wie gustus (Fontane ges. werke I 2, 54), gustum (Ludwig ges. schr. 2, 129), gusti (J. Gotthelf ges. schr. 7, 6), teilweise local eng begrenzte mundartliche bildungen wie gusdius Christa Trier. ma. 103, gustes Hönig Kölner ma. 70; Müller rhein. wb. 2, 1507, gustem Spiesz henneberg. id. 86, guster Loritza Wiener id. 57; Unger-Khull steir. 315. bedeutung und gebrauch.
1) objectiv, und zwar als geschmackssinn: dass aber etliche von jhnen aussgeben, wie einen überaus scharpffen gust oder geschmack sie (die mäuse) haben sollen, nimpt mich wunder I. Heyden Plinius (1565) 187; so viel aber die sinn belanget, wird der gust oder geschmack mehr von den nässen oder scharpfen, denn von den bitteren verletzet H. Frölich offenbarung der natur (1591) 81. als sachliche eigenschaft: (der wein um Zürich) b'halt doch (im alter) sein gust und härbe (1600) bei Staub-Tobler 2, 492; eines guten geruchs, geschmacks, tons und gusts (1608) ebda 2, 492; dass nicht diese speisen zusammen ganz einen unguten geruch und gust von sich geben (1702) ebda 2, 492.
2) bis heute vorwiegend angewendet für die subjective empfindung, so als neigung zu einer person: würde man die ausgeschlossen hassen, so möchten die obern annehmen, dass man wenig gust zu ihnen trage (1534) Staub-Tobler 2, 492; als 'verlangen nach etwas': was nun die arbeit betrifft, so musz ich gestehen, dasz ich ... noch keinen ganz auszerordentlichen gusto dazu habe Görres ges. briefe 1, 367; nach gusto nach freiem belieben, ermessen: nach schwerer reisbemühung ... recht nach gusto auszurasten J. V. Neiner tändlmarckt (1734) 275; wenns einmal gedient sein soll, will ich nach gusto dienen Göthe 11, 409 W.; anders: wenn mer nooch vermöga heiroothet

[Bd. 9, Sp. 1204]
und net nooch gusto Fischer 3, 939; von der inneren freude: in solchen schwellungen der grazie hat er sich in einer noch vorhandenen kalligraphischen musterhandschrift der oden des Anacreon mit besonderem gusto ergangen Justi Winckelmann 1, 44; ähnlich als 'wohlgefallen': wir sahen mit grösstem gust die farben eines regenbogens G. König Wiener reise (1715) bei Staub-Tobler 2, 492; und (ich) bis dato viel gusto daran gefunden habe Fr. L. Schröder dram. werke (1831) 3, 144. die formelhafte verbindung lust und gust findet sich häufiger in religiös-moralischen schriften: einige, so auch den kirchenbann verachten, jhren gust unnd lust nur an den schmutzigen häfen und stinckendem knoblach irdischer gelüsten suchen und wayden Dalhover gartenbeetlein (1689) 2, 636a; 1, 166a; mancher menschen all ihr lust und gust ... bestehet in fressen und saufen Neiner tändlmarckt (1734) 162; häufig bei Abr. a s. Clara: deswegen mit groszem lust und gust, mit unbeweglicher verständigkeit, mit höchsten begierden wollte er (St. Georg) leiden und litt wirklich werke 1, 164 Strigl; er naschte mit groszem lust und gust das süsze weltgift ebda 2, 373; (der schmeichler) der seinem herren zuträgt, ... verteufflets ... nach seines herren neigen, lust und gust. o schelm! etwas für alle 2 (1711) 395; mehr objectiv von den freuden der welt: grillen und pfrillen seynd alle lust und gust der welt gegen dem, was Paulus schon gekost mercks Wien (1680) 32; und da andere weltbürstel gleichwol nach verkosten lust und gust zur hölle schlipfern, müst ihr (geizige) aller hitz und schwitz über tragen ebda 72.
3) individueller geschmack, in den frühen belegen auch die fähigkeit zur ästhetischen wertung: es musz wohl ein verdorbener gusto seyn, der sich in solche waar würde verlieben Callenbach eclipses (1714) 37; sintemalen sie ein jedem leser, der für ein heller gusto habn thuet, besser gefallen werdn Schwabe tintenfäszl (1745) 31; so lange mein ingenium practicum noch wenig gelegenheit hatte, sich zu developpieren: so war mein gusto noch schlechter als jetzt Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ (1746) 9; nun ich werde ihren gusto schon treffen Gottl. Stephanie d. jüng. sämtl. lustspiele (1771) 146;

ein wunderlicher gusto
für eine dam, in solchem kriegsgetümmel
bey nacht und nebel hin und her zu reisen
Kotzebue sämtl. dram. werke 16, 81;

wer wird denn so einen gemeinen gusto haben! F. Raimund werke 1, 31 Glossy u. Sauer; s hat halt jeder seinen gusto P. Rosegger schriften (1895) II 1, 130; in einem engeren sinne: man musz auch wegen des unterschiedenen gousto der leute bey einer gasterey die speisen in einer kleinen anzahl aufsetzen Rohr zeremoniellwissenschaft (1728) 1, 434; der koch wunderte sich sehr über den gusto der baronesse, widersprach aber nicht, sondern machte eine gute portion schnecken Ph. Hafner gesammelte lustspiele (1812) 1, 5; nach ... gusto: es ist nicht nach meinem gusto displicet mihi, minus arridet Apinus gloss. nov. (1728) 260; das wäre nach meinem gusto, es stehet auch besser Callenbach wurmatia (1714) 67;

man wählt sich die kleider,
nach gusto den schneider
Göthe 4, 155 W.;

Künstler? ey! den lass geschwind herein,
gib acht, das wird ein mann nach meinem gusto seyn
Kotzebue sämtl. dram. w. (1828) 33, 238;

wenn ich eine tichterlesfrau (frau für meinen enkel) nach meinem gustum finden müszt Ludwig ges. schr. (1891) 2, 129; auch in der form: dies Franzosenvolk ist sonst nicht mein gustus Fontane ges. werke I 2, 54, s. auch Schultz fremdwb. 259 u. vgl.: bei den kaufleuten aber, die im einzeln verkaufen, nennt man einen zeug nach dem gusto, der zwar kein reicher zeug, noch auch besonders gut fabriziert ist, oder der eben kein schönes muster hat, noch auch jedermann gefällt, sondern wobey es nur auf eigensinn und die phantasie der käufer ankömmt, dessen mode gemeiniglich sehr kurze zeit dauert; und womit ein verständiger kaufmann sich nicht gern in groszer menge beschweret, weil auf dergleichen

[Bd. 9, Sp. 1205]
zeugen fast beständig zu verlieren ist, wenn man nicht ihrer los zu werden eilet, so lange etwan die phantasie dauert Jacobsson technol. wb. 5, 766b.
4) im 18. jh. auch im überpersönlichen sinne als allgemeine geschmacksrichtung gebraucht: einer der sich nach dem heutigen gusto richtet Philo ruhm d. tabaks (1722) 10; je mehr wird es nach dem allgemeinen gusto seyn Philippi reimschmiedekunst (1743) 201; denn solches ist dem gusto unsers itzigen seculi entgegen 203; nach italienischem gusto Ramler an Gleim briefw. 2 (1757) 279 Schüddekopf; ich kriegte 10 zimmer alle schön und wohl meublirt nach Frankfurter gusto Göthe IV 1, 226 W.
5) composita sind nur sehr selten bezeugt: gustlos: in diesen und künfftigen exempeln müssen wir nothwendig mehr auff unser vorhaben als auff ein gustloses auskünsteln des recitatives sehen Heinichen generalbass (1728) 618;

 

 geest, f. ein nd. wort, im gegensatz zur marsch, das höher gelegene land.
1) belege aus nhd. zeit: dieweil diesz land nicht lauter marsch, sondern wol zweimal so viel geest als marschland hat. A. H. Walther dithmars. chron. Schlesw. 1683 s. 2; also vast dat halve landt Dithmerschen geest, dat is sandig, holtig und heide is. Neocorus ditm. chr. 1, 82; nicht nur in den fetten marschländern, sondern auch in den magern geestländern. Schuppius 607; das land, das man hier (in Jütland) die geest nennt, ist sehr fruchtbar, ein trefflicher kornboden. Ritter Europa (1811) 1, 292;

und von den donnernden schleusen geschreckt, drängt bange die Medem,
strudelndes laufs, in der geest mütterlich moor sich zurück.
Voss ged. 1802 1, 121 (1825 3, 24),

vgl. die anm. s. 302: geest wird alles genannt was nicht marsch oder sumpfiger anwachs ist, auch das fruchtbare Eutin und der berg Sinai, sagte man mir, lägen auf der geest. auch göst, selbst göse(?) kommt vor, s. Frisch 1, 329a aus Winkelmann oldenb. chr. 37, Haltaus 605, wo aus Dreyhaupt auch aus der gegend von Halle a. S. eine goestmarke und ein gösthügel (als gerichtsstätte).
2) mnd. gêst, gheest, geist, z. b.: hebbe vorkoft unde vorkope ... myn ghoed dat belegen is in deme dorpe unde in der veltmarke tho Bordorpe by Stade ... mit aller vryheid u. s. w. dat sy an gheestegoede ofte an merschgoede. urkunde von 1382 bei Krause, arch. des vereins f. gesch. u. alt. zu Stade 1864 s. 208; ock scolen wy (der erzbisch. von Bremen u. Verden) nicht staden .. up unsen stromen, watern unde ryvern, sunderigen in der geist of up der Lune, dat se (die Wurster) darvon beschediget werden (feindlich heimgesucht). das. 103, vom j. 1512; agros in prato quod dicitur mersch, item in campo qui dicitur gest. westf. urk. von 1139, s. Schiller u. Lübben 2, 83b, vgl. das. aus dem Bremischen altum et bassum (niederung) als geest und mersch, aus Neocorus 1, 83 geest edder högde. In oldenb. urk. aber heiszt es gast unde marsk, vgl.gastland 83a,

[Bd. 4, Sp. 2058]
marsch- und gastlande Frisch 1, 329a ostfriesisch vom j. 1608; es ist die friesische form, noch jest ostfries. gast, altes, hohes, trockenes sandland, welches hauptsächlich zum getreidebau dient (auch esch) Stürenburg 66a, nordfries. Outzen 94, saterl. gastland Hettema 238, westfries. gaest Halbertsma 37. altfries. gastland Richthofen 775b; dem priester soll an wetterlande (wetter wasser) ein schiff, an gastlande ein hengst zur verfügung stehen; doch auch Aurikera geste lond das., wie mnl. geestland, geest (s. unter 3).
3) die geest ist damit als das trockne land bezeichnet im unterschied von der fetten marsch (s. schon bei Richey 72. 82), wie es denn auch im jahre 1512 in einer schlesw. urkunde noch bewuszt erscheint: over alle geest und marsch, lat. cum arido et palude, s. Haltaus 605. im fries. stimmt auch die form noch: gast adj. von kühen, 'trocken, nicht milch gebend' Johansen die nordfr. spr. 24, vgl. 148a. 169a (saterl. gist); auch in engl. dial. gast-cow eine kuh die nicht kalbt Halliw. 393b (wie hd. galtkuh). Im nd. stimmt freilich der vocal nicht, ditm. 'gost, göst dürre, de koh is gost' Richey 411, hamb. güst, eene güste koh, de koh steit güst, aber auch goest. das. 82, vergl.güste, DWB gust Schambach 70b, siegerl. göste, mnd. guste sterilis Dief. 551c, n. gl. 348a, auch schweiz. gust gleich galt Stalder 1, 502, Fromm. 3, 85a; aber übertragung auf den ackerboden findet sich auch nd. in güst plögen, brach ackern, Brem. wb. 3, 559, vgl. DWB güster kohl, der in den güste- oder brachfeldern gebaut wird Krünitz 42, 644, und ebenso wird oberdeutsch galt, sonst von vieh, auch von nicht tragendem boden gebraucht, wie schwed. dial. gall, d. i. gald (sp. 1206). Aber das wort ist überhaupt von haus aus im vocal reicher entwickelt, auch geest, eigentlich wol geist (s. u. 2) findet hd. anhalt in ahd. keisenî sterilitas Nyerup symb. 224, Graff 4, 267, ags. gæsen sterilis Ettm. 434. So wird geest ursprünglich adj. sein, das man auch unter 2 noch mehrmals heraushören könnte, besonders in dem fries. 'geste lond', nachher geestland; das fem. könnte von dem gegensatz marsch herübergekommen sein. von der bedeutung trocken erklärt sich auch mnl. geest für festland überhaupt, 'trocknes' im gegensatz zu water:

ende aldat tote dien Foreeste,
behoert, in water ende in gheeste.
Melis Stoke 1, 424 (
Oudemans 2, 407).