Aussehenvon 21 Belegen 7 ‘-sehn’; ausschließl in Prosatexten 1zu aussehen A1: äußere Erscheinung; überwiegend von Personen: mBez auf Gesamterscheinung, Gesundheits-
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zustand, Aufmachung u Kleidung; selten von Sachen; einmal auch von einer HandlungNicht ohne Bewunderung .. hatte der Major das äußere Behaben seines alten Freundes .. betrachtet .. Du betrachtest mich aufmerksamer als billig ist, sprach er endlich den Major an; ich fürchte sehr, du findest den Unterschied gegen vorige Zeit nur allzugroß. — Keineswegs, versetzte der Major, vielmehr bin ich voll Verwunderung dein A. frischer und jünger zu finden als das meine24,268,7 Mann v50JahrenAbneigung [Mercks] gegen die Studiosen [in Gießen] .. wiewohl er mich durch seine geistreichen Schilderungen ihres ungeheuerlichen Aussehns und Betragens sehr oft zum Lachen brachte28,171,2 DuW 12Ich konnte nicht läugnen .. daß ich mit Personen von geringem Stand und verdächtigem A. an Lustorten mehr als einmal bemerkt worden26,335,2 DuW 5ein Aschaffenburger Gneis, der einige Ähnlichkeit mit dem [oben] beschriebenen, doch nicht sein angenehmes A. hatN9,50,9 AnLeonhard 25.11.07uömit beabsichtigter Täuschung, irreführender PoseDer Graf .. fand, es sei recht gescheidt, daß der Harfner seinen falschen Bart nicht allein Abends auf dem Theater, sondern auch beständig bei Tage trage, und freute sich sehr über das natürliche A. der Maskerade22,11,1 Lj IV 1[Student als Bartscherer bei einem vornehmen Herrn] daß ich .. endlich aber mitlachen mußte, über das A. einer närrischen Handlung, die ich mit sovielem Ernste durchgeführt hatte251,174,15 Wj III 8 GefährlWetteUnd dann haben wir auch so durchdrungene Mienen, ein so wahrhaftes Aussehn [l’air si penetré, si vrai]45,80,17 RamNeffe 2zu aussehen A2: BeschaffenheitGestern habe ich einiges Geschäftsähnliche besorgt und heute einen kleinen Knoten in Faust gelöst. Könnte ich von jetzt an noch 14 Tage hier [in Jena] bleiben, so sollte es damit ein ander A. gewinnenB15,95,22Schiller1.8.00B34,151,17CarlAug[6.3.21?] K [für: Appearance] 46,206,8 HackertTgbKnightscherzhaft von einem Briefblatt mit Vertauschung von Innerem u ÄußeremIhre Nachricht von so vielem Regen, kann ich erwidern .. Und nun leben Sie schönstens wohl .. Verzeihen Sie diesem Blate das regnerische AussehnB23,410,10ODonell24.7.13 vgl zu 1 Anblick Ansehen Ansicht äußere(Ä.)
Wolfgang Herwig
Gesichteinmal KleinschrB2,80,13; Nom/AkkSg vereinzelt -e; Plural ‘G-e’ beschränkt auf Bed B3, daneben DatPl -en reimbedingt12,63,7; von knapp 1000 Belegen rund 90 Prozent in A AAngesicht, Antlitz; öfter als Gegenstand künstlerischer Darstellung 1als vordere Partie des (menschl) Kopfes, Schädels a(vorwiegend) sachl-neutral, gelegentl unter wiss-anatom Aspekt; auch zugl iSv Erscheinungsbild (vgl Pkt B1a)Reineke griff ihm [Isegrim] | In’s G. [Reinke de Vos: twysschen de ogen], verwundet’ ihn hart und riß ihm ein Auge | Aus dem KopfeReinF XII 74[Hatem:] Locken, haltet mich gefangen | In dem Kreise des G-s!1)6,168 Vs 2 DivSuleikaIch lasse jetzt .. die G-er von Sphinxen, Menschen, Vögeln [am Obelisk des Sesostris in Rom] abformen und in Gyps gießen32,74,28 ItRDiese Knochen [os intermaxillare, os maxillae superioris, os palatinum] .. bilden die Base des G-s und Vorderhauptes; sie machen zusammen den Gaumen ausN8,26,1 VglAnatomie 6Viele Kinder, und schöne, werden gezeugt, | Weil sich auch Garstig zu Garstig neigt. | Hier schadet keineswegs das G.: | Denn mit dem G-e zeugt man nicht51,117 ZXenNachl VIII 476f3,310 ZXen IV 113951,235,9 ThS III 8N8,144,12 BeschreibgZwKnochB2,70,5Kestner[15.3.73]uömit abwertender Nuance; im Bild[Würzkrämer üb Pater Brey:] Wie er will Berg und Thal vergleichen, | Alles Rauhe mit Gips und Kalk verstreichen, | Und endlich mahlen auf das Weiß | Sein G. oder seinen Steiß16,65 PaterBrey 155‘Genius mit zwei G-ern’ für den doppelgesichtigen, bei jedem Anfang u Ende gegenwärtigen Gott Janus, in ver-
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gleichendem Zshg22,345,4 Lj VI [Zit s v Genius 2bβ] — in versch (auch übertr) Wdgn (teilw in Berührung mit C2a): ‘das G. zu, nach, gegen/von (ab-, weg-)wenden’ uä, auch iSv seine Aufmerksamkeit widmen bzw entziehen, sich jdm, einer Sache gegenüber abweisend verhalten, vor etw zurückschrecken[Heldendichter:] Doch wendet nun von diesem Blumengrünen | Zu nord’schen Himmelsfeuern das G.16,222 Maskenz RomantPoesie 90[Paläophron:] Auch hör’ ich überall .. mein entzückend großes Lob. | Und dennoch kehret jedermann den Rücken mir | Und richtet emsig sein G. der neuen [Zeit, in Gestalt Neoterpes] zu131,7 PaläophronNeoterpe 60Wenn du einen Klügern als du reden hörest, wende dein G. nicht von ihm ab, so wirst du klüger werdenAADiv3,174, 12 Plp[Iph zu Thoas:] Du wendest schaudernd dein G., o König: | So wendete die Sonn’ ihr Anlitz wegIph2 389~39,336,8 Iph1 I 3492,27,11 HomersApotheoseB5,141,25Maler Müller21.6.8112,382 Zauberfl Plpuö‘jdm ins G. sehen, blicken’, auch iSv jdm direkt in die Augen sehen (ohne gebührende Demutshaltung einzunehmen), einmal in Aufforderung zur WahrhaftigkeitWie man aus Gewohnheit nach einer abgelaufenen Uhr hinsieht .. so blickt man auch wohl einer Schönen in’s G., als wenn sie noch liebte422, 139,3 MuR(246)[Haman mBez auf Ahasverus:] Was hilft’s auf so viel Herrn und Fürsten wegzugehen | Wenn es ein Jude wagt, mir in’s G. zu sehen?16,20 JahrmPlund2 243[Bätely zu Jery:] Rede, aber rede treulich, | Sieh mir offen in’s G.!12,31,15 Jery Bätely12,311 Ferradeddin 38uö‘einander ins G. sehen’ iS einer stillschweigenden Verständigung; einmal gedeutet in Hinblick auf eine angestrebte (u naheliegende) HeiratIndessen ich so redete, hörten sie [die Vernehmenden] mir mit Erstaunen zu, sahen einander in’s G. [viso], und verließen mich mit Verwunderung43,310,26 Cell II 10[Major, den Stammbaum betrachtend:] Diese [Hilarie u Flavio] sehen einander gerade genug in’s G.24,280,4 Wj II 3‘jdm (etw) ins, unters G. sagen, wegleugnen, lachen, nicken, trotzen, publizieren’ uä; meist in Kennzeichnung des Direkten, Unumwundenen, auch des Dreisten, Provokanten od Aufmunternden[Eduard:] Man hat mir, nicht gerade in’s G., aber doch wohl im Rücken, den Vorwurf gemacht: ich pfusche .. nur in den meisten Dingen20,189,2 Wv I 18[aus Ilmenau] Heut früh haben wir alle Mörder, Diebe und Hehler vorführen lassen .. Ein Vater der dem Sohn [u Mordkomplizen] ins G. alles wegläugnetB4,286,17ChStein9.9.[80][Breme, den Aufstand vorbereitend:] Habt ihr gehört was wir der Gräfin alles unter’s G. gesagt haben?18,50,20 Aufgeregten IV 1Da nickt mir ein artig Kind ins G. | Ich weiß nicht, soll ich? Soll ich nicht?51,118 ZXenNachl VIII 48022,57,3 Lj IV 9=52,212,11 ThS VI 4411,203,19 Üb:Manzoni,Carmagnola 182026,249,12 DuW 4uö‘jdm das G. zeigen’ iSv sich jdm zum Kampf stellen[Raufebold:] Wer das G. mir zeigt der kehrt’s nicht ab | Als mit zerschlagnen Unter- und Oberbacken151,1 Faust II 10511‘(jdm) zu G. stehen, kleiden, passen’, auch iSv jdm anstehen, gemäß sein[iron Bericht üb eine Redoute] Die Niedlichkeit der Italiänischen Blumenkränze stand der Gräfin Görz nicht besser zu G. und Taille, als die Festigkeit und Treue Coucis ihrem ManneB3,24,5ChStein27.1.76Dass Lotte in der Reihe der Protecktrices [Subskribenten der von JGJacobi geplanten Zs ‘Iris’] steht, kleidet sie gut zu G-eB2,150,11Kestner[März 74][Sphinxe zu Meph:] Sprich nicht vom Herzen! das ist eitel; | Ein lederner verschrumpfter Beutel | Das paßt dir eher zu G.151,1 Faust II 7180B3,21,11Merck22.1.[76]B2,75,16Kestner[10.4.73]uö bals Spiegel emotionaler Bewegung u seel-geistiger Befindlichkeit; vereinzelt ‘ernstes, hoffendes, himmlisches G.’Eine weiche Heiterkeit glänzte von ihrem [Mignons] G-e. — Mein Vater [Wilh]! rief sie21,229,18 Lj II 14~52,98,15 ThS IV 16Sie [die Buhlerin] küsset dich aus feilem Triebe, | Und Glut nach Gold füllt ihr G.DjG31,293 Der wahreGenuß [1769] 14Das Gehäus [eine mit G-s Porträt versehene u an MvWillemer gesandte Schachtel] .. | Bringt .. ein ernst G-e | Das im Weiten und im Fernen | Nimmer will Entbehrung lernen4,26 Eine Schachtel Mirabellen 7Da ging ich nun in Deinem Paradiese .. | Am Fluß, am Bach, das hoffende G. | Vom Morgenstrahl geschminckt, und sucht’ und fand Dich nichtB1,175,11FOeser6.11.689,10 LauneVerl 119[für: visage]45,38,13 RamNeffe2,226 Sprichw 6820,408,28 Wv II 18 ciZshg physiognom Beschreibung od Betrachtung: für jds Gesichtsbildung od Gesichtszüge; oft verbunden mit charakterl od ästhetischen Beurteilungen; mehrf neben ‘Gestalt’[Lynkeus üb Helena:] Vor der herrlichen Gestalt .. | Vor dem Reichthum des G-s | Alles leer und alles nichts151,1 Faust II 9354[üb HGFranke, Prof für Moral, Politik u Staatsrecht] seine Mienen Sein G. seine Handlungen seine Seele stimmen alle darin überein daß sie insgesammt aufrichtig sindB1,10,14Cornelia13.10.65sein [Jung-Stillings] bedeutendes und gefälliges G.27,250,22 DuW 9Schmeicheley in harten, Härte in weichen G-ern sind gleich furchtbar53,423,10 PhysiognomischesB48,189,5u7Boisserée24.4.31[für: visage]45,10,16u18 RamNeffe27,233,2 DuW 933,209,15 Campuö‘garstiges G.’ (wohl in Anspielung auf einen Studentenscherz2)) in scherzh-selbstiron VerwendungDas garstige G. | .. Ich schicke da mein Bildnis dir [Lotte] .. | ’s ist ungefähr das garst’ge G.: | Aber meine Liebe siehst du nicht2,265 Titel u Vs 15B2,193,14ChKestner31.8.[74]‘auf jds ehrliches G.’ iSv auf Treu u Glauben; in rhetor Frage iSv wahrhaftig[Wirt, im Selbstgespräch:] lieh’ mir nur einer 50 Gulden auf mein ehrlich G., ich wollte ihm gern zweimal so viel davor verschreiben18,354,20 Hausball [G/Seidel]11,142,5 Stella I‘mit redlichem G.’ iSv aufrichtig, ehrlich3,262 ZXen II 491 2für Miene, Gesichtsausdruck; öfter mit Attr wie ‘freundlich, heiter’, auch ‘böse, grimmig’ uä; einmal in Berührung mit B3a[Amalia üb Sinklair:] Wenn ich sein G. recht lese, so hat er etwas gegen uns [Frauen] in der Tasche18,278,19 GutWeiberIch werde diesen Morgen fleisig seyn um ein freundl[ich] G. von Ihnen zu verdienenB4,265,17Ch Stein4.8.80Sieben gehn verhüllt, und sieben mit offnem Gesichte .. | Denn ihr eigen G. birget als Maske den Schalk3)1,336 Vs 28 WeissagBakis 7er [der Dichter] verbirgt die traurigen G-er, | Wenn er in düstern Nächten schleicht .. | Vermagert bleich sind meine Wangen | Und meine Herzensthränen grau6,186 Div Nachklang 351,57,21 ThS I 1636,272,25 BiogrEinzh UnterredgNapoleon 1808491,263,25 Mantegna,Triumphzuguövon GeistererscheinungenUnd die Nachtgespenster | Mit langen [dh starren, gleichmütigen] G-ern | Zogen vorbei6,57 Div Schlechter Trost 14 — häufig in festen Wdgn: ‘(jdm) ein best G./(best) G-er machen’ (einmal ellipt) iSv einer Gemütslage od
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Haltung mimisch Ausdruck verleihen (auch sich verstellend); ‘jdm ein freundliches G. machen’ auch iSv jdn gut aufnehmen, empfangen; mehrf bei Personifikation[mBez auf eine Maskerade] Der Prinz würde Ihre Moitie [Begleitung], und wenn ich ihn heimlich beneidete so würd ich doch ein süs G. dazu machenB5,49,1ChStein8.2.81[Mariane zur alten Barbara:] Keine G-er! Ich will mich dieser Leidenschaft überlassen, als wenn sie ewig dauern sollte21,5,7 Lj I 1Bandinell .. machte die häßlichsten G-er seines Gesichts [i più brutti visi del suo viso]44,192,25 Cell IV 5Algebra ist angefangen worden, sie macht noch ein grimmig G.B7,220,1ChStein21.5.86Da er [Kaiser Valerian als Prägung auf einer röm Silbermünze] nun aber .. | Soll von so lieben Händen kommen, | So mach’ ich ihm ein freundlich G.; | Gute Christen die thäten’s nicht4,256 Der Heidenkaiser 1111,110,16 Clav IV 28,243,12 Egm IIIB30,128,18Sartorius[Ende Nov/Anf Dez 09]uö‘(jdm) ein G./G-er schneiden’, (einmal) ‘jdm ein G. ziehen’ iSv (abfällige, spöttische) Grimassen machen, zugl auch zum Ausdruck einer iron, herablassenden, mißbilligenden HaltungDann schnitt sie [Philine] den Leuten G-er im Rücken, und trieb voll Übermuth allerhand Ungezogenheiten21,212,16 Lj II 12[betr G-s respektvolles Betragen anläßl eines Besuchs bei der Fstin Gallitzin] Daß ihr aber zu meiner Aufführung .. solche sonderbare G-er schneidet, daran erkenne ich die losen WeltkinderB10,52,6Jacobi17.4.93dass ihr .. mit der Spadille [höchste Karte beim L’hombre- u Solo-Spiel] stecht, mir ein höhnisch g. zieht, und euch zu euerm Weibe legt find ich unartigB2,80,13Kestner[15.4.73 Korr DjG3,39]B23,200,15Zelter12.12.12252,9 Wj [nur 1821]uö‘das, (s)ein G. verziehen’: einen verdrießl, (weinerl-)verzerrten Gesichtsausdruck annehmen; negiert: eine unbewegte, unbeteiligte Miene zeigenDie Herzogin .. verzog das G. [torcendo il viso] und sagte [üb Cellinis Todesurteil]: Das ist eine schöne Gerechtigkeit, die der Statthalter Gottes in Rom ausübt!43,352,11 Cell II 12der kleine Wicht [G-s Enkel Wolfgang] | Verziehet kläglich sein G.: | Die Kinder schreien immer4,174 Chronika 1818 Vs 5[Sphinxe:] Wir .. | Sitzen vor den Pyramiden, | Zu der Völker Hochgericht; | Überschwemmung, Krieg und Frieden - | Und verziehen kein G.151,1 Faust II 724851,211,1 ThS III 4uö 3erweitert für die vordere Seite des Körpers, in Beschreibung der räuml Lage od Ausrichtung; überwiegend idVbdg ‘mit dem G.’; einmal vom TierMignon und Felix lagen [im Traum Wilhelms] im Grase, jene ausgestreckt auf dem Rücken, dieser auf dem G-e23,10,24 Lj VII 1Eugenie .. auf einer Bank im Grunde, mit dem G. nach der SeeNatT Regiebem vor 1726[G während einer Probe zu ‘Egmont’:] Herr Oels! Ihre hintere Partie haben wir genug gesehen; zeigen Sie uns doch wieder Ihr G.!Gespr(He2,1213) CEberwein 1791/1817[in Seenot] ich hatte ihm [dem Pferd] das G. [viso] gegen die frischen Wiesen gekehrt .. [damit] es schwimmend mich mit sich fortziehen sollte43,284,11 Cell II 88,304,1 Egm V Regiebemuö 4metonym für Person, Mensch; einmal mBez auf Porträtzeichnungen in der akkumulativen Fügung ‘G-er und Finger’Schon wart ich auf das alte G. [Friedrich, wohl Diener der Familie d’Orville], | Ich bin untröstlich kömmt er nichtB50,84,17 Orville uFr [3.9.?75 Korr DjG35,252]Bin ich’s noch, den du .. | An dem Spieltisch hältst? | Oft so unerträglichen G-ern | Gegenüber stellst?1,71 An Belinden 15[an CarlAug] Gehab’ dich wohl bei .. all den G-ern | Die dich umschwänzen | Und umkredenzen!4,203 Vs 3Hier hab ich ein Morgenbrod für Sie zusammengesucht von mancherley G-ern und FingernB3,146,2ChStein21.3.77251,184,14 Wj III 9uömit den Attr ‘hübsch, süß, reizend’ speziell für weibl Person, Frauenzimmer[Redoute] Ich log und trog mich bey allen hübschen G-ern herumB3,23,20ChStein27.1.76Ihm ist wohl sein süß G. verleidet, | Daß er heut saure Gesichter schneidet2,247 Sprichw 530151,1 Faust II 7234uö 5für ein gesichtsförmiges, das Gesicht repräsentierendes Gebilde wie Maske od (Profil-)Silhouette; einmal pl für gesichtsähnliche Versteinerungen[Romeo zu Mercutio:] Wir gehn uns zu vermummen .. | Nimm einen Mantel, nimm ein fremd G.9,175 RomJul 88Dancke für die Silhouetten Auslegung .. ich schicke dir .. manchmal solch ein G.B4,319,21Lavater13.10.80Die versteinten Hölzer sind merckwürdig und das Accident mit den G-ern einzig artig, es bedarf keiner Imagination um sie zu erkennenB21,286,9CarlAug9.5.1032,238,28 ItRuö 6im Bild (auch im Gleichnis u bei Personifikation) u metaphor; gelegentl mit Attr wie ‘blühend, reizend, wunderlich, klar, dunkel’[Julia üb Romeo:] O Schlangenherz mit blühendem G. [face]!9,224 RomJul 968Das Wort ist ein Fächer! .. | Der Fächer ist nur ein .. Flor, | Er verdeckt mir zwar das G., | Aber das Mädchen verbirgt er nicht6,42 Div Wink 7[Nacht:] So tret’ ich vor mit nie gefühlter Wonne, | Mein düstrer Schleier hebt sich vom G.16,250 Maskenz 1818 Prol 22von Konkret-Gegenständlichem, bes von (anthropomorph aufgefaßten) Naturgegenständen u -phänomenen; ‘G-er schneiden’ iSv ein best (seltsames, auffälliges) Aussehen zeigen[Kessel zum Topf:] Behält der Henkel ein klar G., | Darob erhebe du dich nicht, | Besieh nur deinen Hintern6,233 Zum Kessel sprach 6[Faust, Meph u Irrlicht im Wechselgesang:] Fels und Bäume, die G-er | Schneiden, und die irren Lichter, | Die sich mehren, die sich blähenFaust I 3909[Link üb eine Kometenerscheinung:] viel feurige helle Flamme, und dazwischen die grausamen G-er mit rauchenden Häuptern und Bärten!8,142,18 Götz2 Vsie [die Geister der Gefallenen] gauckeln von Wind zu Wind, | Über’s dunckle — G. der Nacht des Sturms53,154,16 Ossian [1771][betr Wetterbeobachtungen] der Himmel mache ein G. welches er wolleN12,110,11 Met Karlsbad 18191,49 An Luna 427,49,7 DuW 61,169 Der Fischer 19B38,40,4Nees29.1.2417,229,8 GrCoph V 4uöin der geistig-abstrakten Sphäre, einmal bei Zeitvorstellungvon den Pisistratiden bis zu unserm Wolf schneidet der Altvater [Homer] gar verschiedne G-erB36,111,10Zelter8.8.22des Alten und Neuen hat sich so vielerlei zusammengedrängt, daß das neue Jahr mir ein .. mühseliges G-e zeigtB5,245,22Ernst II[Ende Dez 81]Faust I 3748 BErscheinung, Phänomen 1Erscheinungsbild, Aussehen, Anblick; auch von Umständen, VerhältnissenDer Almanach [erste Bogen des Musenalmanaches auf 1797] macht wirklich ein stattliches G.B11,158,5Schiller13.8.96es ist ein närrisches Ding um ein Jahr, was alles sein G. in einem Jahre verändertB1,214,14KSchönkopf26.8.69[Liebchen zum schlafenden Schäfer:] Hier o du Schelmlicher | Hast du G. | Öfne die Augen | Himmlischer Schatz53,474 TheatrAben-
teuer Plp Vs 62B8,20,23Herder uFr2.9.8624,6,7 Wj I 1uö‘symbolisches G.’ für allegor (bildkünstlerische) Gestaltung[üb einen Kupferstich nach einem Gemälde von AAppiani] Italien erscheint in seinem Jammer Bonaparten in einem symbolischen G-e4)491, 415,14 Üb:Appiani,SiegesglückNapoleons 2iSv Trugbild (für eine Luftspiegelung)[Faust zum Kaiser:] Dort [an der Küste Siziliens], schwankend klar, im Tageslicht .. | Erscheint ein seltsames G.: | Da schwanken Städte hin und wider, | Da steigen Gärten auf und nieder, | Wie Bild um Bild den Äther bricht151,1 Faust II 10589 3durch innere Anschauung wahrgenommenes Bild; Pl ‘G-e’ aals Produkt der Einbildungskraft: (beängstigende) Vorstellung, Traum(bild); einmal für eine künstlerisch-imaginative HervorbringungVerschwinde Traum [vom früheren wild-genialischen Treiben]! .. | Das ängstliche G. ist in die Luft zerronnen, | Ein neues Leben ist’s, es ist schon lang begonnen2,147 Ilmenau 164[betr ETAHoffmann] Es ist unmöglich, Mährchen dieser Art irgend einer Kritik zu unterwerfen; es sind nicht die G-e [visions] eines poetischen Geistes .. es sind fieberhafte Träume eines leichtbeweglichen kranken Gehirns422,87,15 Üb:Scott, Supernatural in Fictitious Compos52,357 Und Freude schwebt 5 = 14,293 Faust Plp [?]251, 144,19 Wj III 6 bals (schwärmerisch-)religiöse (auch gottgesandte) Vision, myst OffenbarungWenn man .. dieses Sujet [die Entrückung Moses’] behandeln wollte, so konnte es .. nicht anders geschehen, als daß der Heilige, noch voll von dem anmuthigen G-e des gelobten Landes, entzückt verscheidetB5,141,10Maler Müller21.6.81[üb Lavaters ‘Aussichten in die Ewigkeit’] eine Seele, die .. sich über das Irdische hinauf entzückt .. und dann .. für die mikromegischen [verstiegenen od vermessenen] G-e .. Beweisstellen in der Bibel aufklaubt37,257,27 FGA Lavater,Aussichtendiese geheimen Anschauungen, die entzückenden G-e [Makaries] sind es die bei den Ihrigen als Krankheit gelten24,193,12 Wj I 10[Sonett Cellinis an den Kastellan] Um vor die Seele dir, mein Herr, zu bringen .. | Welch herrliches G. [Christus- u Marienerscheinung] mich hoch entzückte, | Wünscht’ ich die Kraft ein himmlisch Lied zu singen43,370,12 Cell II 13251,281,12 Wj III 15 cfür die Erscheinung des Erdgeistes (auch ‘Fülle der G-e’); bei inszenatorischer Erläuterung der Phantasmagorie auf dem Theater zugl Bed A1c einbegreifend[Faust, üb den in der Flamme erscheinenden Erdgeist:] Schreckliches G.!Faust I 482~Urfaust 130[iZshg mit einer Aufführung von Faust I in Berlin] ich dachte, dabei die bekannte Büste Jupiters zu Grunde zu legen, da die Worte: schreckliches G. auf die Empfindung des Schauenden .. eben sowohl als auf die Gestalt selbst bezogen werden konntenB31,163,22Gf Brühl2.6.19Faust I 520~Urfaust 167 Cin ursprüngl Bed: auf die visuelle Wahrnehmung bezogen 1die (menschl) Fähigkeit zu sehen aGesichtssinn, auch in Korrelation mit anderen Vermögen der SinneswahrnehmungDas G. ist der edelste Sinn, die andern vier belehren uns nur durch die Organe des Tacts .. das G. aber steht unendlich höher .. nähert sich den Fähigkeiten des Geistes422,197,7 MuR(744)[betr elektr u galvan Versuche] Erregung des Lebendigen .. Wirkung: auf Gefühl, G., Gehör, Geschmack, GeruchN11,206,11 Galvanism45,287,15 Diderot,Malerei Anm[für: visus]N3,1,6 FlH I Pythaguö b(jds) Sehkraft, -vermögen; charakterisiert als ‘schwach, kurz, gut, scharf’[nach der Lektüre Shakespeares] stund ich wie ein blindgebohrener, dem eine Wunderhand das G. in einem Augenblicke schenckt37,130,22 ShakespTag[Frau Rückenau zu Reineke:] Könnt ihr die Augen ihm [Isegrim] salben [mit Urin], so ist’s am besten gerathen, | Sein G. [Reinke de Vos: ghesycht] verdunkelt sich gleichReinF XI 390Daß er [ESchubarth] bey schwachem G. eine Brille trägt, mußte ich ihm erst in Betrachtung seiner .. Vorzüge verzeihenB33,276,9Schultz1.10.2012,160 ScherzLR 89518,370,4 ReiseMegaprN1,47,9 FlD 10447,13,27 PropylEinl [Zit s unter 2bβ] uö‘scharfes, schärferes G.’ zugl für analyt Fähigkeit, ErkenntnisvermögenEigene kindische Bemühungen [um die Elektrizität] .. | Kein eigentlich scharfes G. | Daher die Gabe die Gegenstände anmuthig zu sehenN11,300,7 NatwissEntwicklungsgang[Knabe Lenker zum Herold:] Zwar Masken, merk’ ich, weißt du zu verkünden, | Allein der Schale Wesen zu ergründen .. | Das fordert schärferes G.151,1 Faust II 5609zugl für das ästhet UrteilMit den Kupfern verlassen Sie sich auf Ihr G. .. Wenn die Zeichnung gustös ist, und der Stich schön schwarz, so ist alles gutB2,6,5 Salzmann [Okt 71 Korr DjG 2,116] 2das Auge, die Augen aals Wahrnehmungsorgan; einmal in synästhet FügungEmpedokles erklärt die Farbe für etwas, das den Gängen des Auges oder G-s [ὄψεως] angemessen und damit übereinstimmend seiN3,3,21 FlH I[Meph zu Faust, in Anspielung auf seine teufl Natur:] Siehst du die Schnecke da? Sie kommt herangekrochen; | Mit ihrem tastenden G. | Hat sie mir schon was abgerochenFaust I 4067N3,6,6 FlH I12,237 UnglHausgenossen Regiebem vor 314uö‘vorm G.’: vor Augen (auch in Berührung mit bβ)[Student, nach Mephistos Schilderung des Universitätslebens:] Mir wird ganz greulich vorm G.!Urfaust 29139,173,10 Götz1 V~8,159 Götz2 bdie Vorstellung des Sehens u Gewahrwerdens einschließend od akzentuierend αBlick[Chor der Feen:] Der Mond erhellt die Fichten, | Und unsern G-en | Erscheinen die lichten | Die Sternlein im Thal12,63,7 Lila IIEs ist möglich [in einer Posse] .. die für’s G. angelegten Situationen mit mahlerischer Zweckmäßigkeit darzustellen und dadurch das Ganze .. empor zu tragen40,80,24 WeimHoftheat[bei einer Umschau vom Baschberg bei Buchsweiler] gegen Südost hat das Auge die unendliche Fläche des Elsasses zu durchforschen, die sich in immer mehr abduftenden Landschaftsgründen dem G. entzieht27,327,20 DuW 10B51,219Sartoris24.5.07uö—in versch Wdgn wie ‘(jdm) etw vor, zu G. bringen’; ‘jdm vor das G. kommen’, ‘ins, vor, unter das G. treten’, ‘jdn, etw zu G. bekommen’ uäDie einzelnen Pulte [an einem Bücherrad] .. bleiben .. immer vertikal .. und so kann man .. rückwärts und vorwärts die Bücher vor’s G. bringenT8,283,15 v 2.8.22[Capulet zu Julia:] Ich sage dir’s: zur Kirch’ .. | Sonst komm mir niemals wieder vor’s G.9,245 RomJul 138811,120,17 Clav VB2,149,16Kestner[März 74]uööfter ‘jdm zu G. kommen’, bes von Publikationen od Handschriftlichem; ‘jdm kommt wenig Geld zu G.’ für: gering entlohnt werdenWie angenehm wurden sie [Wilh, Philine u Mignon nach einem Überfall] .. überrascht, als ihnen aus den Büschen .. ein Frauenzimmer zu G-e kam22,42,18 Lj IV 6~52,197,19 ThS VI 1[mBez auf eine Rez Böttigers] Wenn sie Ihnen zu G-e
[Bd. 4, Sp. 96]
kömmt, werden Sie den Verfasser .. nicht verkennenB11,55,24Meyer18.[4.]96[üb Gellerts Ermahnungen hinsichtl einer sauberen Handschrift] Dieses wiederholte er so oft, als ihm eine kritzliche nachlässige Schrift zu G. kam27,210,4 DuW 8[für: vedere pochi denari]44,190,6 Cell IV 551,182,18 ThS II 8uö‘(jdm) ins G. fallen’ iSv (jdm) in die Augen fallen, auffallen; ‘jdn ins G. fassen’ iSv jdn ansehen, in Augenschein nehmen; einmal ‘sich jdn ins G. nehmen’ iSv sein Augenmerk auf jdn richten, sich mit ihm beschäftigenIch neigte mich und ihr [Lottes] Trauring fiel mir in’s G. — meine Thränen flossenAA112,8 Werth2 IIsind doch vielleicht wenige [Knochen] so ausgezeichnet, so in’s G. fallend abwechselnd als [der Zwischenknochen]N8,141,12 BeschreibgZwKnochMan .. drängte sich, sie [Narciß u Landrinette bei der Artistenparade] in’s G. zu fassen21,164,25 Lj II 4~51,203,2 ThS III 2Mir fehlt ein Held! .. | Da nehm’ ich mir Freund Juan in’s G. [I’ll therefore take]3,197 ByronDonJuan 6251,170,28 Wj III 8uö‘etw nicht aus dem G. lassen’ iSv etw aufmerksam verfolgen[üb den Naturphilosophen JGörres] Ich bin auf seinen Gang neugierig; es ist eine Natur, die man nicht aus dem G. lassen mußB17,127,4Eichstädt21.4.04 βgeistiges Auge, innere Anschauung, Vorstellung; einmal ‘geistiges G.’Nachts und nächsten Tags kam ihr [Marianes] Bild ihm [Wilh] .. oft vor’s G.51,54,11 ThS I 15selten kann er [der Dichter JCBlum] sich länger erhalten, als er seinen Horaz im G. hat37,218,4 FGA Blum,LyrischeGed [Schlosser/G?]wie derjenige der ein kurzes Gesicht hat, einen Gegenstand besser sieht, von dem er sich wieder entfernt, als einen dem er sich erst nähert, weil ihm das geistige G. nunmehr zu Hülfe kommt47,14,2 PropylEinl4,13 An Gfin O’Donell 8.8.18 Vs 2 3Gesichtsbereich, Blickfeld; ‘jdm ins G. treten, aus dem G. kommen’, ‘jdn aus dem G. verlieren’ ua[Fräulein:] Das Volck .. schien .. dem [scheuenden] Pferd für die Unart zu dancken, womit es ihn [Weisl] länger in ihrem G. hielt39,59,7 Götz1 II[Friederike, während eines Besuchs G-s bei der Familie Brion] betrug sich allerliebst .. vom ersten Augenblick da ich ihr unerwartet auf der Schwelle ins G. tratt, und wir mit den Nasen aneinander stiesenB4,66,27ChStein28.9.79[Wilh berichtet üb seine familiären Verhältnisse] unter dem Erzählen .. ward ihm der Zustand der Seinigen, die er so lange aus dem G. verloren, wieder lebendig52,221,19 ThS VI 7T1,164,13 v 9.9.8617,101,3 Vögeluö‘etw aus dem G. haben’ iSv etw erledigt haben[mBez auf den Abdruck des ersten Bandes der ‘Lehrjahre’] ich war froh den Anfang aus dem G-e [>aus den Augen35,36,1 TuJ] zu haben 35,286 TuJ 1794 Plp‘(jdm) aus dem, vom G. (gehen)’, nur imperativisch, auch zur Abwehr von (zudringl) Bitten[Mardochai:] Rett’ uns noch! [Esther:] Ach, geh mir vom G.!16, 35 JahrmPlund2 550[Sophie zu Alcest:] mir vom G.DjG3 1,412 Mitsch2 85744,41,18 Cell III 4uö → GWBAffengesichtGWBAlletagsgesichtGWBArschgesichtGWBChristusgesichtGWBEngelsgesichtGWBFeuergesichtGWBFratzengesichtGWBFrauengesichtGWBFrohgesichtGWBGegengesichtGWBHalbgesichtGWBHeilandsgesicht Helden- GWBJünglingsgesichtGWBKatzengesichtGWBKaufmannsgesichtGWBKindergesichtGWBKnabengesichtGWBKunstgesichtGWBMädchengesichtGWBMannsgesichtGWBMarketendergesicht Menschen- Menschenschafs- Milch- Mond- Monden- Nach- Nacht- Pferde- Pinsel- Porträt- Schatten- Scheiß- Schmiede- Sonntags- Theater- Traum- Treu- Trug- Volks- Voll- Vor- Vorder- Weibs- Werkeltags- Zeichenbuchs-Syn zu A Angesicht Antlitz zu A5 Gesichtsmaske zu B Erscheinung Phänomen zu B1 Anblick Aussehen zu B2 Scheinbild Trugbild zu B3a Traumbild zu B3b Offenbarung Vision zu C1a Gesichtssinn zu C1b Auge Augenkraft Augenlicht Gesichtskraft Schaukraft Sehkraft zu C2a Auge(A-n) Gesichtsorgan Sehorgan zu C2bα Blick zu C3 Gesichtskreis 1) zu den versch Interpretationen von ‘Kreis des G-s’ vgl DivWb 155 u FfA I 32,1238 2) vgl FfA I 1,875 3) vgl hierzu MMorris, Goethe-Studien 2,21902,217ff u FfA I 2, 965 4) vgl MA132,708
Katherina Mittendorf
gesicht, n. , unverkürzt gesichte. I.Formen. 1)geschlecht. das neutr. ist erst seit dem 13. jh. nachweisbar im md. daʒ gesichte, gesicht (Hermann v. Fritzlarin myst.1, 74, 19. 138, 32. Marienleg. 141, 91. pass. 91, 26 H.), dafür ahd. das fem. kasiht, kisiht, gisiht, visus, adspectus, conspectus, facies, verstärkung von diu siht (s. sicht), ags. gesihð, gesiehð, mhd. diu gesiht, und im 16. jahrh. noch häufig in Oberdeutschland: die gesicht, das anlgen, visus, die gesicht von einem ding abwenden, dejicere oculos, lieber, gang mir nit ab der gesicht oder ab den augen. Maaler174d;
von wägen diner scharpffen gsicht solt heiszen luchs. RuffAdam u. Heva853;
wiewol ich meiner gesicht beraubet bin. Steinhöwel(1487)101b; die musculi an der gesycht. Gersdorffeldb. d. wundarzn.1; so du nun gehört hast von bresten der augen, wil ich dir nun auch sagen von bresten und schedlichkeit der gesicht, wann die gesicht und die augen nit ein ding sint. Dryanderarzn.(1542)81; von einer gesicht (erscheinung) wegen. KeisersbergMarie himelf.17c. mnd. entspricht das neutr. gesichte, mnl. ghesicht Kilian,nnl. gezicht, gezigt Kramer1, 102c. 2)von den pluralbildungen ist gesichte die ältere, edlere, jetzt nur in der bedeutung 'visionen' gebräuchlich, dagegen die jüngere, gesichter (Stieler2023) heute der bedeutung 'antlitz, miene' ausschlieszlich angehört, aber dafür noch beiKlopstock:
sanfter rührender schmerz deckt ihre gesichte.Mess.3, 107, gesichter ausg. 1751;
der mond erhellt die fichten, und unsern gesichten erscheinen die lichten, die sternlein im thal.11, 65;
(feuer) das um die gesichte der todten spielt. Herderz. lit.8, 410.
im 16. jahrh. zum femin. auch der plural gesichten 'erscheinungen, göttliche offenbarungen': es seind gesichten. KeisersbergMarie himelfart17c; gesichten, die einem zenacht in dem traum fürkommend. Maaler175a; ain münch, dem von dem engel, sinem fürer, vil gesichten geoffnot worden syen. dise gesichten u. s. w.Oheimchr.52, 27; selten zum neutr. in dieser bedeutung gesichter Francisciluftkreis626. Rabener1, 210, s. u. 3)neben gesicht mhd. daʒ gesihene, gesichen, visus, und ahd. daʒ gisiuni, mhd. gesiune, visus, facies, jenes im hinblick auf das goth. saíhvan mit erhaltenem ch, dieses mit bewahrtem w-laut. II.Bedeutung und gebrauch. 1)das sehen. a)allgemein: ahd. ecchert mit ôron gehôrendo gehôrta er mih, âne ougen gesiht. Notkerps.17, 41Wiener handschr.; gesicht der augen, visus. voc. inc. teut. i 4a; aber gottes wort und werck gehen nicht nach unser augen gesichte, sondern unbegreifflich aller vernunfft. Luther3, 454b; so mügen sie von dem geruch oder gesicht satt werden. 1, 81b; niemand sihet, wo es jm selbs mangelt, sondern an einem andern sihet ers bald. wenn man nu solchem gesicht folget, so kömpt nichts anders draus, denn afterreden und richten unternander. 5, 430a. b)das sehvermögen, die sehkraft:
mhd. die gesiht muoʒ er verliesen.Barlaam39, 25;
im wart daʒ gesichte sîner ougen widder gegeben. Ködizheil. Ludwig72, 29; viel blinden schencket er das gesichte. Luc. 7, 21. 4, 18; dasz die lüt am gsicht abnemen, deszhalben man vil brillen bedarff. Eulenspiegel c. 63; abnemmende, blöde, schwache, kurtze gesicht Maaler174d;
Eheson, der alt, sagt: weil ich aber hab ein bösz gesicht, untüglich bin zum regiment. J. Ayrertrag. Thesei242b;
Hippokrates, der ein kurzes gesicht und keine lorgnette hatte. Wieland19, 211; das gesichte verderben. Schuppius420; dasz er für ohnmacht zur erden sanck und ihm das gesicht verging.
[Bd. 5, Sp. 4088]
2 Macc. 3, 27. ps. 69, 4; die sehr krancken sehen über sich, als wolten ihnen die augen brechen und das gesicht vergehen. gl. zu Jesaia 38, 14;
ich erkranke, es vergeht mir das gesicht! Göthe11, 168. 24, 87;
welchem das blut sein gesicht verhindert. Amadis 24, 527;
und wirt din gsicht dunkel und schwer. Gengenbachgouchm.249;
schäden und mängel der augen und des gesichtes. Bartischaugendienst(1583)titel; alle fische, so grob und faul blut machen, sind dem gesichte schedlich. 255bu. ö.; solche temperierung der dicke (die verdickung der säulen nach oben zu) wird ihnen wegen der verlierung oder abstellung des gesichts in der höhe notwendig zugeeignet werden, damit man dem gesichte verlangter maszen begegne. Sandrartacademie(1675)1, 13; der gesichtssinn: daʒ gesicht, daʒ in den augen sitzet, gibt uns ze erkennen mêr ding denn kain ander auʒwendich sin. Megenberg9, 12; der mensch hat an seinem gesichte, diesem zartesten sinne, den wachsamsten hüter wider die gefahren des lebens. Gellert7, 25; die beiden edelsten sinne, gesicht und gehör. Hamann7, 10; von thieren: der adelar hât gar ain starch scharpf gesiht. Megenberg166, 9; ein feddermusz, die ein dunkel blöd gesicht hat. Keisersbergpostill3, 21b; die hasen haben überhaupt ein schwaches gesicht. Heppejagdlust(1783)1, 210. c)der blick: ain weip mit irm gesicht warf ain kämlein (kameel) in ainen graben. Megenberg9, 32; sihe unser leibliche augen und gesichte an, wenn wir die augen auffthun, so ist unser gesichte in einem augenblick uber fünff oder sechs meile wegs und zugleich an allen orten, die in solchen sechs meilen sind gegenwertig, und ist doch nur ein gesichte, ein auge. kan das ein leiblich gesichte thun u. s. w.Luther3, 458a; basilisk, der mit dem gesicht die leute vergifftet und tödtet. 8, 61a; er hat auch mit seinem gesicht die spinnen und alles unzifer bezwingen kinden (bezaubern können, so dasz sie still standen), zu zeiten hat er sie auch mit seinem gesicht getödt. Zimm. chron. 1, 481, 7; sein grosze lieb, das sy an seinem geperde und gesichte der augen wargenomen und erkant hette. Bocc. 419, 3 Keller; Lynceus hat so ein scharf gesicht gehabt, das er auch durch ein bret oder wandt sahe. S. Frankmor. encom.50a;
und dein gesicht kan die gedancken selbs durchsehen. Weckherlin38 (ps. 10, 16);
der begehrliche blick: die vierdte thorheit (der Eva) war ihr üppig gesicht auff die früchte der wissenheit, die ihnen gott hatte verboten, wie man denn durch üppige gesicht in unzimliche begierde pfleget zu fallen. buch d. liebe 292, 1; David, der durch sein thöricht gesicht an der frauwen Uriels in den ehebruch und todtschlag kam. ebenda. d)das innere schauen, der geistige blick: der grüen jasp (jaspis), der daʒ leipleich gesiht kreftigt, bedäutt den gelauben, der daʒ gaistleich gesiht sterkt. Megenberg449, 14; diu selb tugent (temperantia) kreftigt leipleichʒ und gaistleichʒ gesiht. 18; der glaub ist desz inneren menschens gesicht und gewiszschafft, das er gewiser weisz dann das vor sein leiblichen augen stehet. S. Frankparad.282a; aber wenn du das wort im glauben fassest, so kriegstu ein ander gesicht, das durch diesen tod hindurch kan sehen in die aufferstehung. Luther6, 80a;
mein ganzes leben ging, vergangenes und künftiges, in diesem augenblick an meinem inneren gesicht vorüber. SchillerXII, 248 (Wallenst. tod 2, 5);
wag es, die nebel, die dein gesichte verfälschen, abzuschütteln. Wieland32, 397;
kurzsichtiger! dein gram hat dein gesicht vergället, du siehst die dinge schwarz, gebrochen und verstellet. Hallerged.261;
geistiger gesichtskreis: der künstler wählt für das kurze gesicht der menschheit, die er belehren will, nicht für die scharfsichtige allmacht. SchillerIII, 6 (Fiesko widm.); je kürzer die bahn oder auch das gesicht eines menschen ist, aus einem desto höhern tone pfeift er (desto stolzer tritt er auf), wenn er drei schritte darin gethan. J. Paulbiogr. belust.1, 127. e)das anschauen, der anblick:mhd.
swaʒ siechen er an siht, der ist genesen, swem aber er daʒ gesiht entseit, der mac genesen niht.minnes.2, 231b Bodmer;
[Bd. 5, Sp. 4089]
mit rede und mit gesihte wâren si (die liebenden) heinlîch under in.Trist.12394;
der leo fiebert auch von des menschen gesiht. Megenberg145, 4; (leibesschäden der bettler) davon die swangern frawen durch gesicht schaden empfahen mochten. Nürnb. pol.-ordn. 318 Baader;
gesicht (geiler frauen) bringt bösz gedanck. S. Brantnarrensch.92, 63;
da er (der hauptmann von Capernaum) das höret, das Christus selbs kompt, schickt er andere boten unter wegen, bittet und wehret 'o nein, was bin ich, das er sich bemühe selbs zu komen' .. das er sich auch unwerd achtet Christum zu sehen, und des gesichts gerne wil beraubt sein. Luther6, 300b; die insel (Reichenau) ist wunnsam der ougen gsicht (dat.). Oheim25, 28; daʒ die stuck (des speeres) inn luft sprutztend, so hoch, daʒ man die gsicht darab verlor (sie aus den augen verlor). Morgant 171, 37 Bachmann; in éinem gesicht würde ich alles sehen, uno in conspectu omnia videremAler924b; einem das gesicht nicht günnen, alicujus aspectum aversari 924a;
selbst der fürst des tagesliechtes würdigt uns kaum des gesichtes. P. Fleming218;
jemand nur von gesicht kennen, nur oberflächlich.Wanderspr.1, 1626; gesichts meiner, in meiner gegenwart.Schm.2 2, 247. f)das sehorgan, das auge, die augen: pupilla, gesicht Dief.473b;
mhd. dîn ougen sint tûben gesiht. Lamprecht v. Regensb.tochter Syon2020;
daʒ gesiht ist vorn in dem haupt. Megenberg9, 17; daʒ uns der regenpog schein, dar zuo gehœrnt diu dreu: diu sunn ain seit, daʒ geschickt riseln ander seit und daʒ gesiht ze mitlist. 100, 15;
und dem sein gesicht wee thet, den kan ich erznei, das er erplintt.fastn. sp.752, 7;
das die kindlein wol schlafen mügen und ir gesicht von dem gelast der sunnen nit bekrenkt werden, so legt man sy an finster stett. Keisersberggranatapfel(1510)C 5a; schieszendes gesicht, augen die behende hin und wider gehenHenisch1562;
jetzt helt sie züchtig ein ihr antlitz und gesicht, jetzt thuts begierig sie und geil hin und her kehren. D. v. d. WerderGottfr. v. B.4, 87;
das gesicht verkehren, die augen verdrehenRädlein372b;
ich wil itzt mein gesichte schlieszen und mich nur dich alleine lassen führen. Hoffmannswaldaugetr. schäfer89;
sie (die sterbende) reichte noch einmahl die starren lippen hin, eröffnet ihr gesicht, zum theil bereits verzucket. Besser1, 376;
das gesicht empor heben oder erheben, oculos attollereDuez193b; als nun Sigismunda genug geweinet het, hube sie auff ir gesichte. Albr. v. Eybehebüchl.58, 19Herrmann; das gesicht niederschlagen, oculos demittereDueza. a. o.; Louise, das gesicht auf den boden geschlagen. SchillerIII, 495 (kab. 5, 7); gehn musz er immer darnach (nach dem glück), aber sich nur hübsch in acht nehmen, wie ers gesicht trägt. 'was? wie ichs gesicht trage?' ja, herr Flau, wie ers gesicht trägt (ob er zu hoch hinauf oder zu tief herab blickt). Engelphilos. f. d. w.17; ein übersichtig gesicht, wann man das gesicht gantz nahe über ein ding halten musz dasselbig recht zu sehen, myopiaDuez193b; wo mich mein gesicht nicht betrügt. Frisch2, 272b;
ich kan mir selbst nicht trauen, ob mein gesichte hier den wahren zweck erkiest. Hoffmannswaldauheldenbr.67;
von thieren: curiöser tractat genannt das wieder gefundene gesicht der sonst blinden maulwürffe, vonJ. Thomasius,Dresden1702; bildlich, das kalb ins gesicht schlagen, mit der wahrheit herausplatzenLudwig760, wie das kalb ins auge schlagen th. 5, 52. auch im plural von den sehorganen: Erasmus habe ins siebende jar blöde gesichte gehabt. Bartischaugend. C 4a; finster werden die gesicht. pred. Sal. 12, 3; der teufel äffe und blende den leuten nur also die gesichter und das gehör, dasz sie meinen etwas zu sehen oder zu hören. Francisciluftkreis626;
die wand hat auch ein ohr, die winckel oft gesichter. Günther1020.
g)in verbindung mit präpositionen, redewendungen, die sich zumeist nach den entsprechenden von auge th. 1, 791 fg. gebildet haben. α) unter das gesicht, wie mhd. under diu ougen: da sie (feinde) euch so nahe unter das gesicht kamen. Zinkgrefapophth.1, 241; in dieser (schifffahrt) kommt einem mancher widerwärtiger irregular wind unter das gesicht. OpelundCohn30jähr. krieg 378 (von 1621);
kompt man ein andr unters gsicht, hab ich mein lebtag gsehen nicht mehr kriebeskrabs (unnötige umstände) .. des bückens ist kein masz noch end.wurmschneiden(1628);
[Bd. 5, Sp. 4090]
dein weib wird dir die feigen unter das gesicht stoszen. Abelek. unordn.1, 203; nachdem ihr gemahl mit ein wenig wein ihr unter das gesichte gesprützt hatte, erholte sie sich alsobald. med. maulaffe 17; ha! wem wag ichs unters gesicht zu treten? Göthe10, 120; habt ihr gehört, was wir der gräfin alles unters gesicht gesagt haben. 15, 51. — unter dem gesicht, wie mhd. under (den) ougen: niemand kan sich selbst unter dem gesicht betrachten, wo er nicht den spiegel zu hülfe nimmt. ScriverGotthold277; sie sahe, wie grausam sie der jäger unter dem gesichte zugerichtet hatte. Jucundiss. 89; das sie eim underm gsicht verschwand. Fischartgl. schiff128. β) vor (für) das gesicht, vor die augen:mhd.
und stells eim jeden fürs gesicht, dasz er sein leben darnach richt. HellbachGrobianus(1572)243b;
einem nicht vor das gesicht kommen wollen. Frisch2, 272c;
dasz uns in Pluto grufft Alecto peitzsche nicht, und Rhadamantus wir nicht kommen für gesicht. P. Fleming9.
vor (für) dem gesicht, vor den augen: also wil ich mich dahin bemühen, dasz du vor dem gesicht beider hauffen umbkommen solt. Amadis 1, 101 Keller; vor eurem gesicht, vestro in conspectuAler924b;
für aller welt gesicht. Weckherlin185 (ps. 74, 11).
γ) an die gesicht stellen, in aspectum lucemque proferreMaaler174d; mhd. an ir gesicht, vor ihren augenBoneredelst.54, 27. δ) zu gesicht, mhd. ze gesiht, auch im plur. ze gesihten, vor augen, angesichts, wie zu augen theil 1, 796:
ze gesiht wol funfzig manne (gen.) und zweier sîner kinde. Ottokaröstr. reimchron.33655 Seemüller;
ze gesihten des herzogen.82396;
iʒ was z'aller liute gesiht beidiu ûʒsetzic unde vergiht ein jüngelinc. Lampr. v. Regensb.Francisken leben4742;
das er z himel fr zu der gesicht seiner jünger. Stumpf4, cap. 50 (aus einem glaubensbekenntnis des 13. jahrh.); almosen geben zu rum und zu gesicht (dasz es die leute sehen sollen). cod. germ. mon. 713, f. 21 beiSchm.2 2, 247. Eschenburgdenkm.404; die personen (der aufzuführenden komödie wurden) herfür z gesichte des volckes gelassen. Albr. v. Eybspiegel d. sitt. vorr.4a; des rats mandat wider das zutrinken, zu München auf der trinkstuben zu offnen gesicht aufzeschlahen befohlen.Schm.2 2, 247 (von 1532); darum bin ich des entschlossen, jme zu gesicht (vor seinen augen) den hertzog Reicharten thun hencken. Aimon A 3. — zu gesicht kommen, bekommen, kriegen u. s. w.: ahd. ze gesihte chomen, wie ze ougon chomen (Notkerps.34, 21);
mhd. ê du mir zu gesichte kumen bis. Albr. v. Halberstadt29, 3;
dasz mir under den neün göttinnen der freien künsten keine nie z gesicht kam. J. Wickramwidm. zu Ovid beiHaupt8, 399; anfänglichs, wie sie einander zu gesicht kamen, erstummeten sie ab einander. buch der liebe 192, 2; diejenigen, denen die schrift erst jetzt zu gesichte kommt. Wieland29, 5; seemännisch, land zu gesicht bekommen, entdecken oder gewahr werdenBobrik314b; möchtest du doch diese quintessenz des männlichen geschlechts zu gesicht kriegen. Göthe8, 72; wenn ich den federfuchser zu gesichte krieg. SchillerIII, 365 (kab. 1, 2); mhd.
nu bringtʒ iu alleʒ ze gesihte swes der mensche bedarf ze ihte.warnung1961, Hauptszeitschr.1, 492;
der maler Timanthes hatte des Agamemnons angesichte bedeckt und verhüllt gebildet, als er ihn bei der aufopferung seiner tochter fürgestellet, zu bedeuten, das keine kunstfarbe zu finden, welche die traurigkeit eines vaters über seines kindes tod eigentlich zu gesichte (zur anschauung) solte bringen können. ButschkyPathmos340; wo dieses alles auch dem stumpfesten auge übersehbar zu gesichte liegt. SchillerII, 341. — einem zu gesichte stehen, gut oder schlecht anstehen, passen: mach es von hoflichen varben, das stet wol czu gesichte. küchenmeist. a 5; Schlosser, dem ein gewisser ernst gar wohl zu gesicht stand. Göthe26, 159; die puffen stehn gut zu gesicht. 13, 55; der schlafrock stand mir schön zu gesichte. Eichendorfftaugenichts19; es würde mir schlecht zu gesichte gestanden haben, über die so zuverlässige unterscheidungskraft seines geschmacks zu spotten. Thümmelreise(1794)3, 261.
[Bd. 5, Sp. 4091]
ε) in das, ins gesicht, in oder vor die augen:ahd.
thie engila zi himileflugun singente; in gisiht frônothar zâmun se scôno. Otfrid1, 12, 34;
wenn wir hinüber komen zu den leuten und inen ins gesicht komen. 1 Sam. 14, 8. 11; ich gieng selten aus, und die hohe schul kam mir nicht viel ins gesichte. A. Gryphius(1698)1, 856; von dessen arbeit mir aber nichts ins gesichte kommen. Hoffmannswaldauvorr.;
nichts konte mich so sehr in meinem hertzen kräncken, als wenn dein bildnüsz mir in mein gesichte kam.heldenbr.68;
da er ihn (den könig) ins gesicht bekam, beugte und neigte er sich zur erden. pers. baumg. 6, 8; land ins gesicht kriegen. H. Staden102Stark; als ihr ihre kinder ins gesicht gebracht (vor augen geführt) wurden. Zinkgrefapophth.3, 439; warumb legen die höcker ein höltzern käsz, als wäre er ein rechter, dem vorübergehenden in das gesichte? Schuppius543;
es soll ein solch geschlecht euch an der seiten stehen, das euch mit lieb und lust wird ins gesichte gehen. Mühlpforthhochz.(1686)5;
jemand ins gesicht gehen, stehen, treten, geradaus entgegen: dem feindt ins gesicht gehen. SchwartzkopfHerodot(1593)178; diese wunden habe ich von meinem feind empfangen, als ich ihm recht in das gesicht (auge in auge gegenüber) stund. Zinkgrefapophth.3, 150; einem ins gesicht widerstehen, obsistere coramFrisch2, 272c; die schoszsünde des volks, der geiz, die Lykurgus durch das verbot des gemünzten goldes und silbers ins gesicht bestritten hatte. Niebuhr3, 316;
und trat ihr ins gesicht auf offentlichen wegen. A. Gryphius(1698)1, 200;
gewohnt, dem tode ins gesicht zu treten. Körner333 (Zriny 1, 4).
ins gesicht fallen, wie in die augen fallen, auffallen, sofort bemerkt werden: gleichwie nun auf der reise viel schöne sachen in unser gesichte fallen. Chr. Weisekl. leute269; ich solt ihm bald ins gesicht fallen. Aler924a; dadurch verhinderte ich, dasz ihnen dieser fensterladen nicht sogleich ins gesicht fiel. SchillerIV, 227;
mir fielen (am triumphwagen Amors) .. Asiens bezwinger ins gesicht. E. v. Kleist1, 114;
es fällt schön, gut ins gesicht, sieht schön, gut ausRädlein373a. Adelung; offenbar sein, wie in die augen fallen oder springen: das zweite ist eine alberne, nicht zu lösende aufgabe, wie jedem gleich ins gesicht fällt. Göthe54, 54;
der übelstand springt jedem ins gesicht. Wielandn. Amad.3, 2, ist offenbar erste ausg.;
ins gesicht fassen, wie ins auge fassen, eigentlich als ziel des schützen oder des schlagenden kriegers, dann scharf und genau anblicken, contemplando imaginem alicujus suo animo imprimereAler924a; läszt es (das schwert) aber, wie sie ihn ins gesicht faszt, schnell wieder sinken. SchillerXIII, 280 (jungfr. v. Orl. 3, 10). — ins gesicht kaufen, gegensatz ins gewicht, wie nach dem gesicht (sp. 4092), nach augenmaszSchm.2 2, 247. wendungen, in denen wir jetzt mehr die bedeutung 'antlitz' empfinden, wie ins gesicht sagen, loben, schmeicheln, lachen, gegensatz im oder hinterm rücken:
in eyr gesicht sag ich für wor. GengenbachNollh.164;
und sagte ihm ins gesichte, er sei ein alter melancholischer lemmel. Schuppius474, ins angesichte ausg. 1719; hatte nicht einer von ihnen dem könige mit der unverschämtesten dreistigkeit ins gesicht zu sagen gewagt. SchillerIX, 370; Wilhelm dachte allerlei bei sich selbst, was er jedoch dem guten menschen nicht ins gesicht sagen wollte. Göthe18, 79. 7, 84;
ich sags euch geistern ins gesicht, den geistesdespotismus leid ich nicht.12, 217 (Faust 4165 Weim.);
gestehst du mirs aber ins gesicht.2, 262;
man hat mir, nicht gerade ins gesicht, aber doch wohl im rücken den vorwurf gemacht. 17, 187; ins gesicht publicieren. 24, 249; mein mann untersteht sich mir ins gesicht zu behaupten .. SchillerXI V, 158;
ob wol auch die Phillis nicht lobet mich in mein gesicht, brenn ich doch umb sie zu werben. Weckherlin403 (od. 1, 21, 7);
es ist nicht löblich, einen loben ins gesichte. ja; viel minder ist es löblich, das man einen rücklings richte. Logau2, 9, 74, auch im dativ
es lobt mich im gesicht, es schändet mich im rücken.1, 1, 9;
du schmähst mich hinterrücks? ... du lobst mich ins gesicht? Lessing1, 11. 254;
[Bd. 5, Sp. 4092]
ich pries sie ins schöne gesicht. J. Paulbiogr. belust.1, 145; eben als wenn ich ihm meine liebe, mein lob nicht geradezu ins gesicht aufdringen wollte. Göthe19, 106; wie man mir (höhnisch) ins gesicht lachte. 36, 90. 19, 57; ist einer grob, so sind sie (Russen) ins gesicht artig und mausen ihm das seine hinter seinem rücken. Freytagwerke13, 179. im gesicht: ahd. in sînero gesihte, in conspectu ejus.Notkerps.79, 10; (der auferstandene Jesus spricht)
ja ewer (weil ihr in gesicht) vergisz ich nicht. Weckherlin483,
weil ihr mir in gesicht.oden2, 28, 4 Fischer;
so musz ich fallen in des feindes hand, das nahe rettungsufer im gesichte! SchillerXIV, 277 (Tell 1, 1);
einem im gesicht sitzen, seder' in prospettiva di uno.Krämer549a;
(deine hungernden kinder) die schmächtig und halb todt dir im gesichte gehn. Opitz3, 36;
nachdem die Schweden die schanze an der wolfsbrücke, unfern von Wien, erstiegen, stehen sie endlich im gesicht dieser kaiserstadt. SchillerVIII, 401; neun tage lang standen beide armeen einander, einen musketenschusz weit, im gesichte. 325. 271; zehn schiffe segelten vorbei im gesicht dieses havens. Ludwig760; im gesicht des feindes über einen flusz gehen. wenn zwei flotten einander im gesicht bleiben. Adelung;
wenn auch nicht bleiben, im gesicht euch bleiben — doch hier im nebenzimmer. Lessing2, 271 (Nathan 3, 4);
etwas im gesicht haben oder halten, wie im auge haben: eine andere seite im gesichte haben, heiszt deswegen noch nicht irren. Creuzoden(1769)2, 177; Ferguson hat ein solches experiment im gesichte gehabt, da er sagte .. Wieland14, 236; eh ich meinem gegentheil, der mich auch wol im gesicht hielt, das weisze in augen sehen konte. Simpl. 1, 281, 29 Kurz; die hunde ihn (hirsch) für und für im gesicht behalten. Fouillouxjägerb.(1626)30; meinetwegen mag der junge mittreiben, wenn ich ihn nur immer im gesicht behalte. J. Pauluns. loge1, 62. ζ) aus dem gesicht, wie aus den augen: mhd.
unz er kam vür diu gezelt ûʒ ir gesihte an daʒ velt.Iwein3230;
sei er verschwunden und den leuten ausz dem gesicht kommen. SchwartzkopfHerodot(1593)181; gestern morgen ist mir der rest von meiner frau vollends aus dem gesichte gekommen. Lessing12, 500; ist Mercurius in dem groszen wald wider ausz meinem gesicht verschwunden. Schaidenreiszer43b; da ist kain wild so resch oder geschwind, welches diser hund ausz seinem gesicht hett lassen entwerden. 73a; geh mir aus dem gesicht! Frisch2, 272c; in einer ode (ist mit der rede) zwar hoch, aber nicht aus dem gesichte zu steigen. Wernikenspoet. vers.50Bodmer; ich lasz das nicht aus dem gesicht. Aler924b; wir verloren das boot aus dem gesichte. Chamisso1, 268; wenn er nur gott (wie man sagt) aus dem gesichte, das heiszt aus Palästina wäre. Göthe33, 99. η) nach gesicht, nach genommenem augenschein:mhd.
ich kan dis sach gerichten nicht nâch iuwer rede, wan nâch gesicht. Boneredelst.71, 36;
nach dem gesicht, nach augenmasz, gegensatz nach dem gewicht: neher (billiger) mag man sie (lachse) wol geben, es sige mit dem pfunt oder noch dem gesieht. Straszb. verordn. 222 Brucker (von 1478); kühwürste ungewegen nach dem gesicht verkaufen. Nürnb. pol.- ordn. 236, nach den augen 274; nach dem gesicht kauffen. Krämer549b; scherzhaft, mit umdeutung auf das schöne angesicht: bruder, ich hab nach dem gesicht geheurath, du must dich nach dem gewicht verehlichen. Abelek. unordn.4, 421; nicht nach dem gesichte, sondern nach dem gewichte geehelicht. Leyermatzs lustiger corresp.-geist (1668) 230. — nach seinem gesicht richten, nach seinen augen: wer glücklicher sein will (im ringelrennen), hängt zuvor den ring gerad und richtet ihn nach seinem gesicht. Comeniusorb. pict.2, 17. θ) aufs gesicht arbeiten, auf den schein, auf dein, mein u. s. w. gesicht, unter meinem, deinem namen, auch auf blosze treu und glaubenSchm.2 2, 247. h)die aufsicht: mhd. (ein badender hat) daʒ gewant der hterinne empholhen ze irer gesicht. Westenriederbeitr.7, 73. i)die festliche brautschau, s.DWBgesehen 2, d: so ain man ain hausfrawen gelobt ze nemen, das der si und ir friund uf ainen tach ld und gesach si, und das das vil chostet und
[Bd. 5, Sp. 4093]
lüt schadhaft davon wurden .. darumb habent si (die ratgeben) die selben gewonhait und die gesiht ab genomen und verboten. Augsb. stadtb. 242 Meyer. k)das hellsehen, das sehen von ahnungsvollen traumbildern im wachen zustande, vgl. unten 4, d,δ: das zweite gesicht oder das andere gesicht, nach engl. second sight, die rätselhafte gabe, zukünftiges in einem deutlichen bilde vorauszuschauen. in Westfalen heiszen die mit dem zweiten gesicht behafteten spoekenkieker (gespensterseher) oder vorkieker, beiA. v. Droste-Hülshoff294 die seher der nacht. 2)das antlitz, das angesicht, von den augen auf die ganze vorderseite des kopfes übertragen, wie ähnlich lat. os mund und dann angesicht. a)eigentlich: ahd. sô ir in fone gesihte ze gesihte (facie ad faciem) gesehent. Notkerps.104, 4St. Galler handschr., fone antluzze ze antluzze Wiener handschr.;
dann närrin vil sint also geil, das sie ir gsiecht bald bietent feil. S. Brantnarrensch.92, 60;
mancher zwei gesichter hat, mit einem uf der gasse ist er Cato, mit dem andern im huse nebulo. Keisersbergnarr. beiEiseleinspr.232; Lea hatte ein blöde gesicht (1 Mos. 29, 17), nicht weis ich, ob er von blöden augen oder vom gantzen angesicht redet. Luther4, 163a; alle morgen, bei dem nachttische, wenn ich mir die haare und das gesicht zurichte. Rabenersat.1, 212; ein sprödes frauenzimmer, die das gesichte und ihren fächer erst zehnmal in die falten legt, ehe sie ja oder nein sagt. Gellert3, 298; das gesicht bedecken, obvolvere faciem.Duez193b; Johanna verbirgt das gesicht. Schiller XIII, 279; mit abgewandtem gesicht. ebenda;
du wendest schaudernd dein gesicht, o könig: so wendete die sonn' ihr antlitz weg. Göthe9, 19 (Iphig. 1, 3);
in diesem augenblick sieht sie ihm ins gesicht. SchillerXIII, 279; Wilhelmen stieg die röthe ins gesicht. Göthe18, 73; wann schon der regen ihnen ins gesicht schlug. Garg. 244a; ins gesicht schlagen auch bildlich, widersprechen: das schlägt allen regeln des anstands ins gesicht;
und er wirft ihr den handschuh ins gesicht. SchillerXI, 229 var. (handschuh 67);
soll ich ihm denn seine präsente ins gesicht zurückwerfen. Lenz1, 290; er wird ihr eine solche abentheuerliche figur ins gesicht werfen, dasz sie nicht mehr augen haben wird als eine blinde katz. kunst üb. a. k. 29, 8; unser schützenreuter, wann sie nach dem gesicht schieszen. Garg. 244a; sonst schreckt jung kriegsleut bald ein streich, der gegen dem gesicht gehet. ebenda; in dem ersten wagen saszen (die hinzurichtenden) der zimmermann und der schneider, gegen dem gesicht (gegenüber) aber die zween geistliche. Abelekünstl. unordn.1, 20; welche mit dem gesicht nach der thüre sasz. Göthe24, 89; aufs gesicht niederfallen aus ehrerbietung. Frisch2, 272c; künstlerisch: nach dem halben gesicht mahlen, in profiloKrämer549b; wend- sive halbgesichter, imagines catagraphaeStieler2023; ebenso hat das gesicht drei theile, nemlich dreimal die länge der nase. Winkelmann4, 166; die grundlage des gesichts, welche das creuz ist. 45. 176; seine (Rafaels) gesichte. Lavaterphys. fr.1, 117; seine (des malers Scheffer) gesichter haben meistens jene fatale couleur, die uns manchmal das eigene gesicht verleiden konnte, wenn wir es, überwacht und verdrieszlich, in jenen grünen spiegeln erblickten. H. Heine(1862)11, 12. das gesicht als spiegel der seele: man sicht im an der gsicht an, dasz seine wort waar sind. Maaler196b; man sieht es den leuten am gesicht an, die tummheit sieht ihm aus dem gesicht heraus. Frisch2, 272c; der charakter des geistes und herzens, der durch das auge und gesichte redt. Gellert6, 312; das gesicht verrät den wicht. Eiseleinspr.232;
in jedes menschen gesichte steht seine geschichte. Fr. BodenstedtMirza-Schaffy26;
es giebt noch keine kunst, die innerste gestalt des herzens im gesicht zu lesen. SchillerXIII, 23 (Macb. 1, 7);
ein verstelltes, ein falsch gesicht. Frisch2, 272c. Duez193b; masque, mum-gesichte. Zesenadriat. Rosemunde(1645)nachschrift; ein anderes gesicht aufsetzen oder aufstecken, eigentlich von der maske gemeint; die maske mit dem (wahren) gesichte und das gesicht mit der maske verwechseln. Hamann7, 88;
jetzt zeigt ihr euer wahres gesicht, bis jetzt war's nur die larve. SchillerXII, 501 (M. Stuart 3, 4);
[Bd. 5, Sp. 4094]
der stadtrichter wurde aus bestürtzung schamroth, das gesicht stunde mitten im feuer. Abelek. u.2, 99; sieh blauroth vor zorn sein königlich gesicht. Fr. Müller2, 14; aus seinem glänzenden, hellrothen gesichte leuchtete der entschlusz. ImmermannMünchh.1, 59; ein sittsames feines gesicht, das mit düstrer schwermuth überzogen war. Siegwart (1782) 1, 180; schön gesicht, alias kern-, alamodegesicht, habitus oris elegansStieler2023; sie hat ein gesicht wie milch und blut. Rädlein373b;
hier modert Nitulus, jungfräuliches gesichts. Lessing1, 11;
der dichter läszt sich, wie ein guter könig, frohen und klaren gesichtern nach aufsuchen. Novalis(1826)1, 90; ein garstiges grausames gesicht. Frisch2, 272c;
doch ihr erbärmliches gesichte, o D., macht reiz und lust zu nichte. Lessing1, 6;
da verräth sichs im todenblassen eingefallenen gesicht. Schiller II, 52 (räuber 1, 3); ein runtzlicht und verschrumpelt gesicht Duez193b; da verzog sich das metallene gesicht zum grinsenden lächeln. E. T. A. Hoffmanngold. topf2. vig.; Hippokratisches gesicht, gesicht eines sterbenden, nach dem arzt Hippokrates benannt, der diese veränderung des angesichts genau beschrieben hat. b)übertragen auf thiere: will man weisze junge pfawen haben, so hänge man der brütenden pfawin nur ein weisz tuch vor das gesichte. Colerushausb.(1645)1, 502a; insbesondere das gesicht am pferdekopf, der etwas erhabene theil dicht unterhalb der augen, vgl.DWBgesichtsleiste; ferner übertragen auf blumen:
die lieblichen violen thun ihr gesichte zu. P. Fleming40;
auf den mond:
zuweilen zeigt der volle mond ... sein breit gesicht im rohten osten. BrockesThomsons jahreszeiten393;
nebel schwimmt mit silberschauer um dein reizendes gesicht. Göthe1, 52, an Luna;
auf die erde:
bis wieder sein licht ins versteinte gesicht der gealterten erde zurückblickt. Linggged.1, 137;
beim dichter hat sogar das buch ein gesicht, mit dem es den leser anblickt: guthertzige leuthe, zu welchen das gesichte meiner schrifft gewandt. pers. rosenth., beschlusz. c)bildlich, die vorderseite, gegensatz der rücken, die rückseite:
so im gesicht von Lichtstein, so in dem rücken von Maltas kühnem helden bekämpft. PyrkerTunisias6, 284 fg.;
mein haus hat das gesicht gegen dem see. Frisch2, 272c, wie man auch sagt das haus sieht in den garten; hart am Brunnobächle steht des alten Nümmamüllers häuschen, mit dem gesicht gegen das unterdorf hinablugend. FelderNümmamüllers5; baurenhäuser mit hellen fenstern und bemalten gesichtern. E. M. Arndterinner.141; der jüdische trauergebrauch, dasz man im trauerhause die spiegel aufs gesicht hängt (umdreht). Auerbachdichter u. kaufm.2, 174; das butterbrod fällt aufs gesicht, auf die gestrichene seite. vgl. gesichtslinie 4, -seite. d)bergmännisch, das gesichte, bei der verzimmerung eines stollen das theil des thürstocks, woran die kappe sich anschlieszt. bergm. wb. (1778) 219b. Veith232. e)von der person, die das gesicht trägt: jeden brief senden sie mir durch ein neues gesichte. Rabenerbriefe38; die schreckliche begegnung, welche sie (die gnädige frau) von dem dummen gesichte (der kammerjungfer) erduldet, das äuszerlich einer heiligen gleiche, im herzen aber voll bosheit wäre. Mösersämtl. werke3, 48; das affen-gesicht! Ludwig760;
habe dank, du breites gesicht (dummer kerl). Kotzebuedram. sp.2, 270;
ich schicke da mein bildniss dir ... es ist ohngefähr das 'garstge gsicht'.d. j. Göthe1, 382;
ich gefiel ihm besser, als die beiden hübschsten gesichter im ganzen lande, pfarrer Wespens Lene und des schösser Trommers Änne. C. F. Weiszekom. op.3, 251;
ich sage nur, er ist kein häszliches gesicht; ein andres würd ihn gar ein hübsch gesichte nennen.lustsp.1, 397;
(als Kosinsky die räuber erblickt) holla! was sind das für gesichter? SchillerII, 119 (räub. 3, 2); im keller (des Italieners) war der alte ab- und zulauf fremder gesichter. J. PaulTitan4, 10; die blaszgesichter, die weiszen, die Europäer. f)die mienen und geberden des angesichts, vultusHenisch1561: geschämig, trawriges gesicht. ebenda 1562; schäl gesicht, vultus exprobransStieler2023; wie das gesicht des (enttäuschten) poeten sich verlängerte. Göthe36, 90; nur die verdrieszlichen gesichter musz er ablegen. Lessing;
[Bd. 5, Sp. 4095]
noch kämpft mit seinem herzen schmerzenreich, gesicht und farbe wechselnd oft, der greise. Chamisso4, 134;
(wir Sphinxe) verziehen kein gesicht. Göthe41, 124 (Faust 7248 Weim.).
insbesondere in verbindung mit folgenden verben: α) ein gesicht geben, s.DWBgeben II, 11, d sp. 1690: einem ein gut oder ein bösz gesicht geben, faire bon ou mauvais visageDuez193b; gib ihnen ein gutes gesicht. A. Gryphius(1698)1, 948; der richter gab ihm ein herbes und saures gesicht. pers. baumg. 4, 5; der gute mensch gab mir ein saur gesichte. pers. rosenth. 1, 18;
(der fuchs) gab dem baume ein hönisches gesicht. Hallerged.270 var. (343).
β) ein gesicht oder gesichter machen, s. th. 6, 1367, nr. 5: ein langes gesicht machen (bei abweisung des verlangten oder anderer enttäuschung). Kant10, 336; ein amtsgesichte machen. träum. Pasqu. 169; das sprichwort, man müsse zu einem bösen markt ein gutes gesicht machen. Hebel(1853)2, 133; sie wird uns gewisz freundliche gesichter machen. Göthe11, 99; als sie ihm ein sauer gesichte machte. Hoffmannswaldauged.6, 20; machen sie doch ein gesichte wie der rhinoceros. Gellertlustsp.425; (mürrische frau) die ein gesicht wie sieben tage regenwetter oder wie ein nest voll eulen macht. schatzkästl. deutsch. scherzes 201 aus einer predigt des pfarrersSpörerzu Rechenberg von1720; ein gesicht machen wie aprillenwetter, zwischen weinen und lachen; er macht ein gesicht wie sieben meilen böser weg. Wanderspr.1, 1622; er machte dabei ein gesicht wie eine papierscheere, die man auf und zu macht, indem nase und bart, beide gleicher länge, einander beständig küszten, wenn er so was übers zahnfleisch wegraffelte (mürrisch sagte). Fr. Müller2, 36; ein verzweiffeltes, ein bestürztes, verstörtes gesicht machen. Frisch2, 272c; verzerrte Bandinell seine gebärde und machte die häszlichsten gesichter seines gesichts (faceva i più brutti visi del suo viso). Göthe35, 193, Benv. Cell. 4, 5; ein verdrieszlicher, steifer, kalter Egmont, der bald dieses bald jenes gesicht machen musz. 8, 238; was hast du? du machst ein verdrieszlich, ein kaltes gesicht; du weiszt, die gesichter sind mein tod, wenn ich vergnügt bin. 10, 158; du muszt ihm kein finster gesicht machen. 7, 125;
eine frau macht oft ein bös gesicht.2, 238;
schlechthin ein gesicht oder gesichter machen, selten in der bedeutung 'freundliche, verliebte': Töffel sieht immer nach Röschen und macht ihr gesichter. C. F. Weiszekom. op.3, 24; gewöhnlich 'trübe, mürrische, verdrossene': er macht ein gsicht, est severo supercilioSchönslederV 3b;
will keiner trinken? keiner lachen? ich will euch lehren gesichter machen! Göthe12, 103 (Faust 2074 Weim.);
die männer machen oft gesichter, ohne just was auf dem herzen zu haben. 10, 111; machst du wieder ein gesicht? 10, 127; wenn ich in Leipzig wäre, da säsze ich bei ihnen und machte ein gesicht wie sie sich dergleichen spektakel noch erinnern können. doch nein, wenn ich jetzt bei ihnen wäre, wie vergnügt wollte ich leben. GöthebeiJahn91;
willst du scherzen, trinken, lachen, sei von unserm schmaus: wenn du ein gesicht willst machen, thus in deinem haus. Rückertged.317.
γ) ein gesicht oder gesichter ziehen, zerren:
hier zog das kind ein grämliches gesicht.schatzblumen auf den altar der gratien160;
ein solches schelmisches zähnfletschendes gesicht zog er dabei. Wieland21, 258;
er zog dem himmel keine schiefen gesichter mehr, wenn es nicht regnen wollte. GotthelfUli d. p.357;
was zerrst du für gesichter? SchillerXIII, 87 (Macb. 3, 8).
δ) ein gesicht oder gesichter schneiden: ich kann in der nacht gehen im freien und im wald, wo jeder busch, jeder ast ein ander gesicht schneidet. Bettinebriefe1, 261; der mit kälte die neckischen gesichter betrachtet, die ich schneide. Göthe36, 64; kein wunder, wenn er sich ängstlich gebehrdete, seltsame gesichter schnitt und Judasschweisz schwizte. Musäusphys. reisen4, 73; sie schneiden die scheinheiligsten gesichter. H. Heine(1887)8, 145;
was schnitt dein freund für ein gesicht? .., ihm ist wohl sein süsz gesicht verleidet, dasz er heut saure gesichter schneidet. Göthe2, 262;
der vater schnitt ein falsch (böses) gesicht. Schillergraf Eberhard v.23;
[Bd. 5, Sp. 4096]
wo vater und mutter nicht gleich so gräszliche gesichter schnitten. Göthe14, 89;
schneid ihm ein gräszlich gesicht. Kotzebuedram. sp.2, 278;
schlechthin ein gesicht oder gesichter schneiden, verdrossene oder höhnische: die gesichter, die ein vierter zu seinen distinkzionen und demonstrazionen schnitt. Wieland3, 28; jetzt geht sie (die eifersüchtige) im hause herum, schneidet gesichter. J. D. FalkJohannes von der Ostsee259;
da seh ich einen narren leiden, weil blumen ihm gesichter schneiden. LenauFaust128.
ε)mit weglassung des zeitworts: keine gesichter! ich will mich dieser leidenschaft überlassen. Göthe18, 5;
nur nicht viel zauderns! meinen zaum und kein gesicht! Wieland18, 291;
nur keine sauern gesichter! Kotzebuedram. sp.1, 28.
3)das aussehen (eigentlich 'das blicken aus den augen'), die äuszere erscheinung, gestalt:
obe uns der ungetrûwe wiht ougen (zeigen) wolde sîne gesiht.h. Elisabeth9214;
sîn ors was starke ungelîch an gesihte andern rossen. Heinr. v. d. Türlinkrone982;
(propheten, die) sîn idoch enpâren (Christum nicht sahen) an der fleischelîchen gesicht.passional349, 39 Hahn;
das macht, das sein gesicht ist irrdisch, schwach und tödlich, so sind die werck gantz götlich. H. Sachs1, 414, 17 Keller;
dem gesicht (aussehen) nach sei es (das wasser) klar, hell, lauter. Ryffspiegel d. gesundh.(1574)81a; die rechte galanterie gibt denen schlimmen dingen ein freundliches gesicht. Rädlein373a; unsere sachen bekommen ein ander gesicht, in alio statu sunt.Frisch2, 272c; die sache soll bald ein ernsthaftes gesicht bekommen! WielandLucian1, 265;
der goldne hahn (ein märchen) hat ganz ein ander gesicht.werke4, 39 (n. Amadis 2, 32).
4)das was ich sehe oder zu sehen glaube, leiblich oder geistig. a)der anblick, den etwas gewährt: gesicht der tat, spectaculum. voc. inc. teut. i 4a; das gesicht, apparitio, spectaculumStieler2023; mhd.
von der wünneclîchen gesiht, die der meie prüeven kan. Teichner204 Karajan;
sîn (des löwen) gesiht daʒ was niht guot. Heinr. v. NeustadtApollonius12674;
mnd. ein schithues sall staen 9 vote van der strate; were wes erve unbewracht (unverzäunt), de sall se bedecken, dat dat unreine gesichte verborgen si. Schiller-Lübben2, 80a; nhd. so jnen (den luchsen) durchscheinbare ding fürgehalten werden, so hassen sy ir gesicht und sterbend darvon. Gesnerthierb.(1583)156a; warum schlaget ihr euer weib? um das gesicht, sagte ich (d. h. wegen dessen was ich gesehen habe). Abelekünstl. unordn.1, 43;
unmöglich kann sich so das beste weib vergessen! er schaut noch einmahl hin — das nehmliche gesicht durchbohrt sein herz. Wieland22, 295 (Oberon 6, 91);
ein mann trat kräftig und sorgfältig den felsweg herab, indem er hinter sich einen esel führte .. ein sanftes, liebenswürdiges weib sasz auf einem groszen, wohlbeschlagenen sattel, in einem blauen mantel hielt sie ein wochenkind, das sie mit unbeschreiblicher lieblichkeit betrachtete .. nichts war natürlicher, als dasz ihn (Wilhelm) dieses seltsame gesicht aus seinen betrachtungen risz. Göthe21, 6; wenn die greise der prose uns die armuth, den kampf mit dem bürgerlichen leben oder dessen siege sehen lassen, so wird uns so eng und bang beim gesicht. J. Paulvorsch. d. ästh.1, 82; seemännisch, man hat kein gesicht, wenn das land wegen des nebels gar nicht, oder nur sehr undeutlich zu sehen ist.Bobrik314b. b)bild, vorstellung: an dem gesichte, das ich mir vom general Lee gemacht habe. Lichtenberg1, 133; ihre gegenwart entfernte sogleich fast jede erinnerung jenes gesichtes, das mir schon bisher nur als ein traum vorgeschwebt hatte. Göthe23, 84; vorstellung, gebilde der phantasie: dasz sie (gestalt) etwas lebendiges war, etwas wirkliches, kein gesicht ihrer phantasie. SchillerIV, 317; diese geheimen anschauungen, diese entzückenden gesichte. Göthe21, 193; namentlich des schaffenden künstlers, traum des dichters:
o freund, welch angenehm gesichte rührt meinen geist, indem ich dichte! dein künftig schicksal zeigt sich mir. Gellert2, 74;
wohl mir, dasz ich den tag erlebte, dem im prophetischen gesicht mein geist oft kühn entgegen strebte. Pfeffelpoet. vers.3, 151;
[Bd. 5, Sp. 4097]
visiones de don de Quevedo. wunderliche und warhafftige gesichte Philanders von Sittewalt,Straszburg1642 (der urheber dieses buchs hat .. ein und anderes laster traum-weisz vor augen gestellet. vorrede); meine gesichter verschwanden und ich sah eine frau. Rabenersat.(1777)1, 210;
das ängstliche gesicht ist in die luft zerronnen. Göthe2, 151;
bild, darstellung: so wil ich euch anietzo in zweien kurtzen gesichten schauen lassen die hauptlehre und den richtigen ausgang des ganzen studentenlebens. Schochstud. leben K 2;
und dort, was wunder sie mit weisheit lehr und rahten verrichtet, eigentlich, dasz man noch die geschicht leibhafftig sehen kan, berichtet das gesicht. Weckherlin725.
philosophisch, für 'idee': ein praktisches wissen ist ein durch sich selbst bestimmtes, also ein bloszes gesicht, wie die deutsche sprache das griechische wort idee trefflich ausdrückt. Fichtenachgel. w.3, 150, er fügt zur weiteren erklärung hinzu: ein gesicht aus der welt, die durchaus nicht da ist, der übersinnlichen und geistigen welt, die eben durch unser handeln wirklich werden und in den umkreis der sinnenwelt eingeführt werden soll ... der gelehrte musz gesichte sehen aus dem übersinnlichen sein. c)erscheinung:mhd.
er sach nâhen im den tôt. swie vorhteclich was diu gesiht, er lie der honictropfen niht.Barlaam119, 4;
nhd. schon umgaben dein bebendes auge gesichte des todes. WielandHermann98 Muncker;
Huldens entehrung und das erbarmenswürdige bild der sterbenden unschuld kamen auf einmal, ein traurig gesicht, und umgaben die seele.115.
d)die übernatürliche erscheinung, als schickung und kundgebung guter oder böser mächte. α)im allgemeinen: di vorchte gotis (vor gott) volgite deme gesichte der engele. myst. 1, 138, 32 Pf.; sie ward betrübt, nit von der gesicht des engels. Keisersbergpostill4, 33a; indesz hat sich ein glücklich zeichen und gesicht der vögel begeben, darausz sich die Römer vil gtes vertröst haben. MicyllusTacitus(1535)40a;
in der christall und der parill kan ich auch sehen vil gesicht. H. Sachs1, 532b;
er sieht vol verwundrung, doch mit gegenwärtigem geist, ein himlisch gesichte auf ihn zugehn. zwei göttinnen waren es, die sich ihm zeigten. WielandHermann17 Muncker;
satan richtete sich nach seiner gesichte vollendung über ihm auf. KlopstockMess.3, 652;
(satan sucht) ihn mit dunkeln gesichten zu täuschen.683.
β)geistererscheinung:
dâ ein gesicht in ûftrat nâch des meisteres (zauberers) witzen. si sâhen aldâ sitzen ûf eime hôhen trône einen als ein mor gestalt.passional283, 42 Köpke;
daʒ gesichte gar vorswant. Jeroschin22513;
mit dem wort ist der gaist oder das gesicht verschwunden. Zimm. chron. 3, 394, 20; dise gesicht hat den faigen munch dermaszen erschreckt. 1, 106, 35 u. ö.; ich will euch auf diese rede mit gesichten antworten, komm mit, fürchte dich nicht, rede mit niemand. Hennebergerpreusz. landtaf.(1595)47;
dasz diese fülle der gesichte der trockne schleicher stören musz!36 (Faust 520 Weim.);
gespenstererscheinung: gesicht, gespenst, das vor den augen schwebt.Emmeliussylva Gg 4c; (der teufel) kan eim menschen in dem kopf verhönen und im ein gespenst und gesicht also vormachen, das er wenet, etwas sei, das nit ist. Keisersbergemeis39a; von guten gespensten oder gesichten haben wir auch exempel in heiliger schrift (2 kön. 7, 6), dasz als die Syrer Samariam belägert, hat der herr des nachts hören lassen ein geschrei von wagen, rossen und groszer heerskrafft. WidmannFaust(1674)25. γ)vorbedeutender traum: gesicht des slaffs, visio vel somnium. voc. inc. teut. i 4a;
der keiser nâch sîme gesichte vil balde sich ûf richte.passional17, 13 Köpke;
der withopfenstain mêrt die träum und daʒ gesiht in dem slâf. Megenberg457, 11; diu schedleichen gesiht in dem slâf. 449, 7; die alten haiden sich legten auf des paumes (agnus castus) pleter, dar umb, wenn si entsliefen, daʒ si kain pœs traum
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oder kain valscheʒ gesiht velschet und beswært. 312, 4; ires traumes gesicht. Bocc. 279, 36 Keller; nächtlich gesicht. A. v. Eybspiegel d. sitt.(1511)25b; dasz er (Daniel) dem konig Nabuchodonosor die auszlegung seines gesichts gesagt hab. Nürnb. chron. 3, 58, 2; als Carolus des morgens solt zihen, sahe er im schlaff ein gesicht. 127, 25; zu Abram geschach das wort des herrn im gesicht. 1 Mos. 15, 1;
die gsicht auch offenbarung sind die eim gott schicket zu. J. Ayrersingsp.139b;
träum und gesiecht, so unsinnigen leuten bei der nacht fürkummen. Aventin.4, 474, 7Lexer; disz gesicht und traum mir groszen kummer bringt. Galmy 286;
nicht vergebens zeigt sichs mir in träumen an und ängstlichen gesichten. SchillerXIII, 176 (jungfr. von Orl., prol. 2);
doch der vater sah auch traurige gesichte.296 (4, 8);
da träumte ihrem vater eines tags .. erschreckt von diesem seltsamen gesichte.XIV, 107 (braut von Mess. 4, 4).
δ)göttliche offenbarung, vision, vgl. oben 1, k:
(Daniel) sprach: in der naht gesiht began ich warten.Barlaam68, 8;
die Johannes sach in seinem gesiht. Megenberg451, 3; beatifica visio, ain gesicht gottes daʒ da selig macht. Melber C5a;
hierusz das volck nam den bericht, er hette gsehn ein englisch gsicht.trag. Joh.A 4;
sie merckten, das er (Zacharias) ein gesichte gesehen hatte im tempel. Luc. 1, 22; ir solt dis gesicht (die verklärung Christi) niemand sagen. Matth. 17, 9; ewre jünglinge sollen gesichte sehen. Joel 3, 1; die gesichte und offenbarung des herrn. 2 Cor. 12, 1; gott hat mit den vätern durch gesichte und erscheinung geredet. tischreden 1, 94; Samuel aber furchte sich, das gesicht Eli anzusagen. 1 Sam. 3, 15; da Nathan alle diese wort und alle dis gesichte David gesagt hatte. 2 Sam. 7, 17; der hailig Antonius, als er in einem gesicht im gaist in alle ort der welt gesehen. Zimm. chron. 2, 598, 11; der vornehme theologus oder der lehrer in den gesichten gottes, Sacharja. Schuppius37;
wann sie (die propheten) aus göttlichem gesicht des heilands kunft berichtet. Bürger45b;
insbesondere weissagung: gesichte sind prophecien. Lutherglosse zu2 chron. 26, 5; dis ist das gesichte Jesaja. Jesaja 1, 1; dis ist das gesichte Obadja. Obadja 1; darumb Jesaia sein buch nennet ein gesicht uber Juda und Jerusalem, das er sagt von den zukünfftigen dingen, die er gesehen habe, und Abadja nennet sein buch das gesicht Abadja. Luther3, 228b; von den gefälschten visionen trügerischer religionslehrer und wahrsager: dieweil er an statt das er dem wort gottes und gutem raht folgen sollen, sich hette zu denen, die ihre falsche gesicht und eigen gedicht hoch rhümen, gehalten. Fischartbienenk.(1588)229b; wie geet es zu mit den warsagern, die war sagen und gestolen gut durch gesichte widerum bringen. Keisersbergemeis39a. ε)vorbedeutendes wunderzeichen am himmel: gesicht am himmel, ostentumAler923b; gesicht bei Eisenach. anno 1532 ist an klarem hellem tage am himmel gesehen ein alter baum dürr und zur erden gefallen, bedeut der Teutschen alt hergebrachte freiheit, so kurtz hernach solt geschwecht werden. theatrum diabolorum 270a, Spangenbergjagteufelcap. 18; anno 1547 ist an einem namhafften ort in Sachsen ein solch gesicht gesehen worden, sechs männer in schwartzen trawrkleidern, denen ein grosze leich gefolget. ebenda; lufftgesicht über Dünckelsbühl (1645) .. die sonne gantz blutrot, und sind darauf unzehlich viel schwartze, blaue und feurige kugeln wie granaten von ihr ausgefahren. Francisciluftkreis621; spötter, der solche gesichter für eitel mährlein mag geachtet haben. 626. ζ)unheimliche naturerscheinung, wie das nordlicht:
entsteht, in dieser jahreszeit, zuweilen in dem stillen nord von luft-gesichtern eine lohe. BrockesThomsons jahreszeiten395;
die kometen: ein comet ... das war ein solchs schrecklich gesicht, dasz etliche, so es gesehen, in onmacht gefallen. ReisznerFrundsberg154b; die fata morgana:
dort (in Sicilien) schwankend klar, im tageslicht, erhoben zu den mittellüften, gespiegelt in besondern düften, erscheint ein seltsames gesicht: da schwanken städte hin und wieder, da steigen gärten auf und nieder, wie bild um bild den äther bricht. Göthe41, 275 (Faust 10589 Weim.).
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5)die möglichkeit, zu sehen:
die sonn mit irem liecht bracht wider das gesicht, vertrib die vinstern nacht.Teuerdank12, 2;
die möglichkeit, gelegenheit zum ausschauen, die aussicht, der ausblick: gesicht, auszgesicht, prospectus, einem mit bauwen die gesicht verschlahen, mit überbauwen einem die gesicht nemmen, luminibus obstruereMaaler175a; (der kaisersaal zu Ingelheim) ligt ein klein wenig an einer höhe und hat ein frei gesicht in das Rheingöw bisz gen Bingen hinab. Münstercosm.5, 161; holst. ist hier nicht ein schön gesicht? Schütze2, 29;
hügel .. der ein sehr fern gesicht erlaubt. Brockes1, 143;
das fenster: mnd. idt soll nemands nha oder up eines andern grunde ein gesichte oder fenster maken sieder dan 7 voet hoege van der erden. Schiller-Lübben2, 80b; nhd. in gesagter schantz .. sollen die schützen oben durch die auffgeworfene erden ein gesicht, hinden weit, vornen aber eng und spitz zu, mit brettern machen, und oben mit erden wider verdecken. Kirchhofmilit. disc.173. vgl. gesichtloch. 6)die mechanische vorrichtung zum sehen, das visier. a) das gesicht, 'oben auf den büchsen und schieszrohren ein eingefügtes stücklein eisen oder messing, in welches mitten eine kerbe oder linie eingefeilt, durch die man auf das korn vornen sieht und auf die sache zielt, die man treffen will' Frisch2, 272c: gesicht auf einer büchse, pinna, dioptra, pinnacidiumStieler2023; zur weiten scheibe sol kein ander gesichte zugelassen noch geduldet werden, es stehe denn zwei oder drei finger breit für dem zindloche. Gubener schützenordn. von 1671 im neuen lausitz. mag. 32, 10; auf einigen büchsen hat man ein bewegliches doppeltes oder wol gar dreifaches gesicht, welche man mit unterscheid, nachdem man nahe oder weit schieszen will, gebrauchet. Eggerskriegslex.(1757)1, 1045; noch weidmännisch das gesicht oder das absehen Kehrein141. b) gesicht eines helms, visiera dell' elmoHulsiusdiction.(1605)61b; das gesicht an einer sturmbaube Ludwig760. 7)öfter steht gesicht für gesücht, krankheit, geschwulst, flusz, z. b.: dieser gebrechen, welchen die weiber das weisz gesicht, die arzet menstrua alba nennend. Wirsungarzneib.427.