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 GWB aufmutzen (Bd. 1, Sp. 978)   DWB mützern (Bd. 12, Sp. 2843)   DWB mutzen (Bd. 12, Sp. 2841) 
  aufmutzen (jdm) etw anhängen, tadelnd vorwerfen; auch substEinem jeden armen Menschen wird seine Individualität, aus der er nicht heraus kann, sein beschränkter Zustand aufgemutzt 411,165,26 Rez:Arnold,PfingstmontagGegen das A. der Eitelkeit disputirt Tgb 21.5.07 [vgl Gespr(He2,223f) Riemer 21.5.07]

Josef Mattausch

 

 mützern, verb.
1) iterativ zu mutzen sp. 2841; als bezeichnung einer modischen männertracht um 1350: gemützert und geflützert. Limburger chron. 36; (männerröcke) abgeschnitten auf den lenden, gemützert und gefalten mit engen armen. ebenda; vergl. unter DWB aufmutzen theil 1, 694. Möser hat die stelle der Limburger chronik gekannt und frei benutzt: die mutter, die nur ein seidnes band oder ein entre deux bezahlen kann, schmückt gleich ihr kleines ebenbildchen damit aus; es musz von unten bis oben gemützert und geflützert sein, und mit den jahren ist das mädchen mit allen kostbaren moden dermaszen bekannt und so daran gewöhnt, dasz sie .. gar nicht davon zurückkommen kann. patr. phant. 2, 90.
2) schweizerisch mützern neben mützen, wolbehaglich trinken, auch spöttisch pfeifen Stalder 2, 227, im Aargau müzere spöttisch lächeln Hunziker 187, gehört nicht hierher, sondern zu schmützern, mhd. smutzern schmunzeln, s. d.

 

 mutzen, verb.
1) abschneiden, verstümmeln: dann sie jhrem keim den hon thun wolten, wie keiser Heinrich der vogler den hunischen Ungarn, das sie jhnen schäbige gemutzte und gestutzte hünd solten für tribut auferlegt haben. Garg. 215a; sein (des uhus) hinderteil aber ist stumpf und kurz, als ob er gemutzt wäre. Heuslin vogelb. 159a; auf eine zeit sahe er, dasz der junker seine rossz alle mutzen und jnen die schwänz abhauwen liesz. Kirchhof wendunm. 346a; wenn der fuchs den schwanz verlohren hat, so sagt er es sei ein last, und wolt, das andere jhre schwänz auch lieszen mutzen. Lehmann flor. 1, 248; das haar wechst wider ob man sie (die leute) schon blatt beschoren und gemutzt. 564. vgl. DWB mutz 5. Kilian verzeichnet ein niederl. moetsen, mutsen, mutilare, truncare, detruncare, abscindere, amputare, secare, mit einem adj. moetse, mutilus, mutilatus, lacer, truncus, truncatus membro aliquo (proprie dicitur de canibus, equis et aliis animalibus cauda, auribus, aut juba truncis), offenbar eingedrungene bildungen.
2) mutzen, umgelautet mützen (Maaler 295a) schmücken, putzen, ist unter aufmutzen th. 1, 694 aus dem vorigen mutzen hergeleitet, und wie es scheint, nicht ohne fug, wenn auch der übergang nur erraten werden kann. ein ähnlicher bedeutungsübergang von stutzen, kürzen, kürzer machen zu dem des herausputzens (vergl. DWB aufstutzen th. 1, 755) wirft auch auf den von mutzen einiges licht; wir müsten glauben, es sei im späteren 14. und 15. jahrh., wo einerseits die sog. zatteltracht,

mit zotten und mit lappen
an rocken und an kappen. meister Rennaus 9 Schönbach,

andererseits die kurzen, engen und ausgeschnittenen röcke üblich waren, ein ausdruck der schneider gewesen, der von dem sinne des modischen zuschneidens zu dem des modischen kleidens und des schmückens überhaupt sich gewendet habe; indes gibt nur das iterativ mützern (s. d.) eine stütze für diese vermutung. mutzen tritt uns seit dem späten 15. jahrh. in der allgemeinen bedeutung putzen, schmücken, entgegen (im 16. jahrh. auch ins nd. aufgenommen, Schiller-Lübben 3, 142b), und steht
a) transitiv, einen mutzen: die weil so mutzet die jungfrau, und unterweiset sie, das sie geneigt sei zu der hochzeit. A. v. Eybe philogenia 112b; aber ehe sie sichs versahe, war die jungfer gebutzt und gemutzt. Simpl. 3, 295 Kurz; bisz das zusammen gemuzte staubigte döcklein hinein (in die kirche) käme. mägdelob 60;

so gehn wir (in der fastnacht) umb umschanzen,
prassen, rassen, danzen, ..
butzen, mutzen und larfiren,
den schnabelkönig führen. Garg. 50b.


b) reflexiv, sich mutzen: wie sie (die jungen frauen) sich uf den danz mutzen sollen und das zu der hoffart dient, das wissen sie wol. Keisersberg evang. 121b; alte hen (hähne) und hennen, geistlich und weltlich, und wenn sie sich lang mutzen, so seind sie ein wenig hübscher den sant Anstets futerfasz, das ist ein wenig hübscher dann der tüfel. brösaml. 1, 59b; so ylen sie, das sie sich mutzen und anlegen vor dem spiegel. 2, 29a; und weistu nit der weiber art? dieweil sie sich mutzen, ist ein jar hin. Bolz Terenz 89a (heautont. 2, 2: dum moliuntur, dum comuntur, annus est); diewil die sponz noch nit ganz entlediget ist, sunders teglich sich mutzt und zirt z der hochzit. Karsthans 177, 18; aber sonst muszt herhalten, was zartlichkeit und wundersamens war, darmit man sich mutzet und spiegelt. Garg. 138b; von der katzen, das sie sich streichelt, leckt, mutzt und butzt. Fischart ehz. 544;

darnach hebt man ein tanzen an,
do sich unser tochter und frauen
vor mutzen auf und lassen schauen,
in perlein, rocken, guldin kronen. fastn. sp. 380, 12;

kein on den spiegel etwas dt:
ee sie sich schleigeren recht dar vor
und mutzen, gat wol usz ein jor (vgl. oben aus Terenz).
Brant narrensch. 60, 22;

wie man sich mutz, schmyer, nestel, brisz. 89, 7;

glich als ein narrin die sich mutzt
und spieglen dt der welt zu trutz. 92, 41;

sy mutzen sich und schmieren sich
und thndt sich an so suberlich.
Murner geuchm. C 3b;

wie sich die wyber weschen mutzen,
also thnt sich die man uff butzen. n 1b;

des mansz gondt mszig durch myn radt
der sich selb uff gepflanzet hatt
und mutzt sich, wescht sich wie ein wyb
oder zieret sunst synen lyb. o 2a;

[Bd. 12, Sp. 2842]

ein manszbild sol sich nit aufbutzen,
als sich die jungen bler mutzen. Grobian. A 3a (v. 156);

da sasz ain weis katz dort im haus,
und mutzt sich mit den pfoten glanz,
wie ein jungfreulin zu aim danz.
Fischart flöhhaz v. 2073;

umgelautet mützen: die weil sy sich mützt und rüst, dum se uxor comparat. Maaler 295a; sich mützen und zieren, colere se. ebenda; sich im angesicht mützen und hüpsch machen, vultus componere. ebenda;

ja er hat sich zur hochzeit gmützt.
Thurneiszer archid. 12.


3) herfür mutzen, hervorstreichen, hervorheben, vergl. dazu aufmutzen 2, th. 1, 693 und herfür th. 42, 1095: solchs wird ich hernach basz herfür mutzen. Aventin. beschr. Beyerns XIII; da (in rechtshändeln) füret man erzu, und nimpt zu hülfe, was ein schein des rechten haben wil, mutzet und schmückts also erfür das das recht diesem zufallen mus. Luther 4, 407a; die ritterlichen thaten seiner vorfahren soll er (der hofmann) nicht herfür mutzen. Albertini hofschule (1610) 34b; sich herfür mutzen, sich hervor machen: weil ich sehe, das die sophisten .. sich erfür putzen, als hetten sie noch nie kein unthetlin begangen, der hoffnung, weil wir eine zeitlang daher gegen sie geschwiegen, und uns mit den rottengeistern geschlagen, sie wolten in des daher schleichen, und aus jrem schandloch erfür sich mutzen, das man all jr lesterlichs leren und wesen, vergessen solle. Luther 5, 161a.
4) mutzen, als einfaches wort (und im gegensatz zu aufmutzen, vermutzen) für die schriftsprache veraltet, lebt noch in oberdeutschen mundarten: bair. mutzen, putzen Schm. 1, 1706 Fromm.; kärntn. mutzen, putzen, stutzen, abschneiden, si mutzen, aufmutzen, sich aufputzen, schmücken Lexer 191; schweiz. muze, transitiv und reflexiv, putzen, schmücken, schniegeln Seiler 215b; auch vom schönen des getreides: das korn war schlecht gemutzet, es waren noch eine menge halber ähren. J. Gotthelf Uli der knecht 138; im niederd. mit hochdeutscher lautstufe, mutzen, zieren, putzen. brem. wb. 3, 210.