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 GWB Assiduität (Bd. 1, Sp. 859)   GWB Anhaltsamkeit (Bd. 1, Sp. 579)   GWB Beharrlichkeit (Bd. 2, Sp. 267) 
  Assiduität Beharrlichkeit: für die ausdauernde Dienstbeflissenheit eines LiebhabersGlauben Sie mir dass das Opfer das ich Ihrer Max mache sie nicht mehr zu sehn, werther ist als die A. des feurigsten Liebhabers, dass es im Grunde doch A. ist B2,169,2u3 Sophie LaRoche 16.6.74für die Frequenz des Publikums[betr Gastspiel Ifflands] Das Publikum ist sich in seiner A. ziemlich gleich. Die Anzahl schwankte bisher zwischen 380 und 430 B13,131,1 Schiller 2.5.98
vgl Anhaltsamkeit GWB Ausdauerung GWB Ausdauer Beharrlichkeit Beständigkeit Unverdrossenheit

Uwe Petersen

 

  Anhaltsamkeitseit 1800 belegt Beharrlichkeit, AusdauerIch .. las gewissenhafter und ununterbrochener, so daß ich in dieser Zeit Racine und Moliere ganz, und von Corneille einen großen Theil durchzuarbeiten die A. hatte 26,171,10 DuW 3er [G-s Vater] hatte alles nur durch unsäglichen Fleiß, A. und Wiederholung erworben 26,45,21 DuW 1wenn man .. in einem Alter worin man sehr schwer neue Fertigkeiten erlangt, dennoch durch Eifer und A., Jüngern von der Natur mehr Begünstigten den Rang abzulaufen suche 26,190,18 DuW 4junge Leute .. die sich einem bedeutenden Fach mit Ernst und A. widmen B29,202,25 Voigt 19.6.18Cardano hatte Glück bei den Weibern, Ferrand im Spiel. Jener nützte das seine mit Leichtsinn und Übermuth, dieser mit Bedacht und Anhaltsamkeit 18,288,19 GutWeiberDurch die Literargeschichte, so wie

[Bd. 1, Sp. 580]
durch die Welthistorie, schleichen oftmals .. gering scheinende Bemühungen hindurch, die aber durch Anhaltsamkeit und beharrliches Fortarbeiten bedeutende Wirkung hervorbringen 411,114,3 DtSpracheB32,163,6 Nees 4.2.20N11,308,8 DogmatismSkeptizism 1829N7,170,18 PrincPhilZool I 1830
vgl Anhalten Ausdauer Beharrlichkeit Beständigkeit

Manfred Gräfe

 

  Beharrlichkeitseit den 90er Jahren in erhöhter Frequenz
a Beständigkeit, Ausdauer, Stetigkeit, gelegentl auch Geduld
α vorwiegend als Verhaltensweise in best Situationen, häufig aktiv in der konsequenten u unbeirrbaren Durchführung einer Tätigkeit od Aufgabe (bes als wiss u künstler Ethos), gelegentl auch als Fähigkeit zum passiven Erdulden von Leiden u Belastungen; mehrf mit attr Bestimmungen wie ‘treu, tätig, rein’ sowie iVbdg mit ‘Fleiß’ u ‘Aufmerksamkeit’ u als Korrelat zu ‘Mut’ u ‘Kühnheit’ (der Konzeption u Planung); vereinzelt übertr auf Naturphänomene u Sachobjekte auch iSv FestigkeitWie mir denn nichts erwünschter seyn kann als die fortwährende Theilnahme an meinen Bemühungen, deren treue B. .. aus dem letzten Stücke von Kunst und Alterthum hervorgeht B42,222,23 Göttling 16.6.27[betr Aufstellung des Blücherdenkmals in Rostock] Die Unternehmung, der Gang des Geschäftes .. erscheinen in der Art wie man wohl einen Plan entwirft, selten aber möchte es gelingen, die Ausführung durch thätige B. so rein durchgeführt zu sehen B32,57,16 Preen 7.10.19[mBez auf Boisserées Rekonstruktionsentwurf für den Kölner Dom] bey Vorzeigung des Domwerks und des Lithographischen muß Einsicht, Fleiß und B. immer gleich gepriesen werden B39,19,19 Boisserée 20.11.24[betr Einführung medizin Studien an anatom Modellen] Ein Vorhaben wie das ausgesprochene kann vielleicht nur in einer neuen Welt durchgeführt werden .. Da regt sich die Erfindung, da gesellt sich die Kühnheit, die B. der Nothwendigkeit hinzu 251,96,13 Wj III 3[betr Gründung der JALZ] die Zeit .. wo wir mit Muth und Kühnheit ein Unternehmen begannen, welches .. durch Ihre Thätigkeit und B. immer noch den besten Fortgang hat B34,183,24 Eichstädt 6.4.21Lavater hatte eine unglaubliche Geduld, B., Ausdauer; er war seiner Lehre gewiß, und bei dem entschiedenen Vorsatz, seine Überzeugung in der Welt auszubreiten, ließ er sich’s gefallen, was nicht durch Kraft geschehen konnte, durch Abwarten und Milde durchzuführen 28,259,26 DuW 14Die durch Wohlleben und Prachtlust entnervten Griechen .. in der Vertheidigungskunst gewandt, ertrugen sie eine lange Belagerung mit Muth und B. [perseverance] 46,182,22 Hackert TgbKnight[betr Trümmer eines Granitgebirges in Böhmen] da .. sich .. erkennen ließ, daß durch theilweise Auflösung wie theilweise B. des Urgesteins, durch ein daraus erfolgendes

[Bd. 2, Sp. 268]
Stehenbleiben, Sinken, Stürzen .. diese staunenswürdige Erscheinung ganz naturgemäß sich ergeben habe 36,156,2 TuJ [für: la constance] 411,17,4 Übs:JvMüller,Friedr II [G/Riemer]B34,240,17 Neuburg 16.5.21 K27,125,6 DuW 7B37,66,16u20 FStein 11.6.23 KA2,388,21 Promem [25./26.11.93?] K31,211,17 ItR mehrf unter stärkerer Aktualisierung der zeitl Komponente den Aspekt der (unwandelbaren) Fortdauer u Kontinuität (als Gegenpol zu Wechsel u Veränderung) betonend, bes mBez auf die Gesetzmäßigkeiten in der Natur sowie den Bestand menschl Beziehungen u gesellschaftl Zustände; einmal im Exzerpt aus Kants ‘Kritik der reinen Vernunft’ speziell iSv Dauer als notwendiges Attribut der Substanz[nach dem Tode CarlAug-s] In so hohen Jahren gibt mir nichts ein so reines befriedigendes Gefühl von Dauer als die Consequenz der Natur und die B. derer, die sich treu und liebevoll mit ihr beschäftigen. Der große Verlust .. veranlaßt mich .. umherzuschauen, wo noch Wohlwollende und thätig Theilnehmende in der weiten Welt zu finden seyen B45,224,19 EHFMeyer 30.3.29Ich bin wieder in die Naturbetrachtungen gerathen .. je tiefer man in ihr Gebiet dringt, desto wahrer wird sie [die Natur]. Sie wehrt sich zwar gewaltig gegen den unfähigen täppischen Menschen, der B. gibt sie nach, um ihr Geschlecht zu rechtfertigen B47,275,14 Zelter 5.10.30Woraus denn erhellt, daß in dem unwandelbaren Orient, seit Ahasverus Zeiten .. sich keine weitere Veränderung zugetragen hat .. Und so mag denn auch diese B. die Veranlassung sein, daß die Perser ihre Gedichte seit achthundert Jahren noch immer lieben, schätzen und verehren 7,82,13 DivNotIn kleinen und großen Städten, an Hof wie im Freystaat ist Ruhe und nachgiebige B. das einzige was leidlich durchs Leben bringt .. Wie sich das alles in diesen Paradies-Gegenden [Frankf] treibt und reibt ist höchst unerquicklich B26,80,5 Christiane 12.9.15[Auszug aus Kants ‘Kritik der reinen Vernunft’] Analogien der Erfahrung | Erscheinen in der Zeit als .. Grundsatz der B. der Substanz. Bey allem Wechsel der Erscheinungen beharret die Substanz und das Quantum derselben wird in der Natur weder vermehrt noch vermindert N13,464,24 Plp [Kant]491,394,14 Collect des portraits hist 1826
β mehrf (sowohl in individuellen Charakterisierungen wie in verallgemeinernden Äußerungen) als (konstanter) Charakterzug, wiederholt iVbdg mit ‘Standhaftigkeit’ u ‘Festigkeit’, auch als Tugendbegriff iS der stoischen ‘constantia’1) (einmal als allegor Figur)Über 50 Jahre bin ich dem Fürsten, dem hohen Hause, dem Lande angehörig .. Einsicht und Übersicht, thätige Besonnenheit, reine B. und wie viel andere treffliche Eigenschaften seh ich nicht wirksam zu klarsten edelsten Zwecken B47,188,2 Maria Paulowna [Mitte Aug 30] K[in einer Charakteristik2)] Immer thätiger nach innen und außen fortwirkender poetischer Bildungstrieb macht den Mittelpunct und die Base seiner Existenz .. Da dieser Trieb rastlos ist, so muß er .. sich nach außen wenden .. Daher die vielen falschen Tendenzen zur bildenden Kunst, zu der er kein Organ, zum thätigen Leben, wozu er keine Biegsamkeit, zu den Wissenschafften, wozu er nicht genug B. hat 422,506 Plp[üb zwei im Orient reisende frz Juwelenhändler] An diesen beiden Männern ist Verstand, Gleichmuth, Gewandtheit, B., einnehmendes Betragen und Standhaftigkeit nicht genug zu bewundern, und könnte jeder Weltmann sie auf seiner Lebensreise als Muster verehren 7,215,2 DivNot Tavernier uChardin[üb Klinger] Entschiedene natürliche Anlagen .. leichte Fassungskraft .. Sprachengabe .. alles schien er weniger zu achten als die Festigkeit und B., die sich ihm, gleichfalls angeboren, durch Umstände völlig bestätigt hatten 28,254,3 DuW 14[Therese:] er [Jarno] ging so weit, daß er mir .. die drei schönen Eigenschaften: Glaube, Liebe und Hoffnung völlig absprach. Statt des Glaubens, sagte er, hat sie die Einsicht, statt der Liebe die B., und statt der Hoffnung das Zutrauen 23,185,17 Lj VIII 4Im Idealen kommt alles auf die élans, im Realen auf die B. an 422,229,19 MuR(926)(B. [Beständigkeit Var]) Wetteifernd komm ich an, doch ohne Neid, | Und weiß wohl, die B. | Ist allen meinen Schwestern eigen: | .. So komm’ ich froh und frisch herein, | Als Tugend mich der Tugenden zu zeigen 16,549 Epimen Var nach 901421,61,15 Rez:Pückler,BrVerstorbGespr(He2,770) Falk [25.1.13]Gespr Eckerm 17.2.3251,106 ZXenNachl 324 als Korrelat zu ‘Neigung’ u ‘Talent’ für G eine wesentl Grundlage u Voraussetzung für den Erfolg u die Fruchtbarkeit menschl Tätigkeit; in der vorklass Zeit vereinzelt der künstlerischen Genialität gegenübergestellt[Tasso üb das Talent des Künstlers:] Doch das was die Natur allein verleiht, | Was jeglicher Bemühung, jedem Streben | Stets unerreichbar bleibt, was weder Gold .. noch Klugheit, noch B. | Erzwingen kann, das wird er [Antonio] nie verzeihn Tasso 2327[üb die Brüder Boisserée u ihre altdt Sammlungen] Man weis nicht was man zuerst an ihnen bewundern soll, ihre wahre Neigung zu einem würdigen Gegenstand, oder die B. solche durchzuführen B25,52,14 Reinhard 8.10.14[von der Reise in die Schweiz] daß überall grader Verstand, gute Wirthschaft und Neigung und B. den Grund von allen Zuständen ausmacht B12,297,2 Christiane 11.9.97[Wilh an Natalie:] das Natürlichste .. wäre, daß der Sohn des Vaters Beschäftigung ergriffe. Hier ist alles beisammen: eine vielleicht im Besondern schon angeborne Fähigkeit, sodann .. ein entwickeltes Talent das uns nöthigte auch alsdann auf dem eingeschlagenen Wege fortzuschreiten, wenn .. uns eine freie Wahl zu einem Geschäft führen dürfte, zu dem uns die Natur weder Anlage noch B. verliehen 251,40,3 Wj II 11B49,141,5 Zelter 15.11.31
b Hartnäckigkeit; das zähe Festhalten an etw (einem Entschluß, Vorsatz, Plan, einer Überzeugung, Meinung uä), gelegentl idVbdg ‘B. auf, an’; vereinzelt mit negativem Akzent: Eigensinnigkeit, Trotz, als Charakterzug auch iSv StarrheitDie B. eines original Irrenden kann uns erzürnen; die Hartnäckigkeit der Irrthumscopisten macht verdrießlich und ärgerlich N4,105,26 FlH VI[betr Benutzung des zoolog Kabinetts in Jena] hiebey die letzten .. Expeditionen welche .. zu erlassen waren, um eine Anordnung, die schon seit 27 Jahren für nothwendig geachtet wird, endlich abzuschließen .. Wenn ich mir keine große Thätigkeit zuschreiben mag, so kommt mir meine B. manchmal komisch vor B25,249,13 Voigt 2.4.15Das Angenehmste, was Sie mir .. melden können, ist Ihre B. an Wallenstein und Ihr Glaube an die Möglichkeit einer Vollendung B11,263,19 Schiller 15.11.96Die B. auf dem Besitz .. gibt uns in manchen Fällen die größte Energie. Diesem Eigensinn bin ich die Rettung meines Hauses [bei einem Brand] schuldig 24,223,9 Wj I 12Newtons Charakter würden wir unter die starren rechnen .. wir behaupten: er sei als ..

[Bd. 2, Sp. 269]
Beobachter in einen Irrthum gefallen und habe als Mann von Charakter .. seine B. eben dadurch am kräftigsten bethätigt, daß er diesen Irrthum .. bis an sein Ende fest behauptet, ja immer mehr .. sich bemüht ihn auszubreiten .. und gegen alle Angriffe zu schützen N4,101,7 FlH VIB11,36,22 Voigt 3.3.9622,102,26 Lj IV 1647,3,14 PropylEinl InhVerz251,176,14 Wj III 8DjG34,283,18 RAnw [19.8.74]
vgl zu a Anhaltsamkeit Ausdauer Beständigkeit Dauer Geduld Konsequenz Kontinuation Kontinuität Pertinenz Standhaftigkeit Stetigkeit zu b Eigensinn Hartnäckigkeit Starrheit Starrsinn
1) zur Bedeutungsgeschichte des Begriffes ‘Beharrlichkeit’ in der Moralphilosophie seit der Antike vgl Hist Wb Philos 1,814
2) Nach BSuphan (GJb16,1895,20ff) handelt es sich bei diesem ‘Portrait’ um eine Selbstdarstellung G-s.

Dorothea Weiss-Schäfer