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 GWB Apathie (Bd. 1, Sp. 765)   GWB Gleichgültigkeit (Bd. 4, Sp. 290) 
  Apathie Teilnahmslosigkeitder Dechant [Dumeiz] war einige Zeit kranck, jetzt sind wir in dem Garten fleisig .. er will in der A. was vor sich bringen, ich aber der ich sehe es geht nicht, übe mich täglich in der Anakatastasis [sd] B2,174,6 Schönborn 8.6.[74]

Ursula Schönfisch

 

  Gleichgültigkeitvereinzelt -gilt- (zB B10,321,19); einmal Kleinschr 39,59,8
A Gleichheit an Geltung, Bedeutung (u davon abgeleitete Verwendungen)
1 Gleichwertigkeit (von Alternativen)[Disput um moral Freiheit] Es ist gar nicht die Rede von der Frage: Ob ein Wesen seinem Wesen gemäß handeln müsse? Wer sollte das läugnen? Doch haben’s alle die, welche die G. der Wahl vertheidigen wollen 37,267,10 FGA Joch,TürkGesetze [Schlosser/G?]
2 in natwiss Betrachtung: mBez auf einzelne Organe niederer Lebewesen übergehend zur Vorstellung von Gleichartigkeit, GleichförmigkeitÜber organische Bildung überhaupt. | .. Erste organisirte Wesen | .. G. der Theile | .. Metamorphose der Pflanzen | Gewürme | .. Entschiedne Absondrung der Funcktionen | Nicht gleichgültig | Vollkommneres geschöpf. | Reproducktion nur möglich im Falle der G. N13,214,17u25 Morph PlpN6,426,4 MetamInsN13,65,3 Morph Plpals Strukturmerkmal pflanzlicher Bildungen, im Hinblick auf deren EinheitlichkeitG. des Pflanzenreichs1) Ruppert 451 Bem zu Nr3085
B für Gegebenheit, Sachverhalt, Zustand ohne bes Bedeutung od Qualität, ohne charakterist Ausprägung, Differenziertheit
1 Unerheblichkeit, BelanglosigkeitBey einem festen [Münz-]Fuße völlige G., ob alle übrigen Sorten ausbleiben, denn wenn man die eine Sorte hat kann man die übrigen alle nach seinem Bedürfniß kaufen A2,376,7 Münzgutachten Schema [8./23.11.93]
2 Gewöhnlichkeit, Alltäglichkeit, Beliebigkeit, neutral-feststellend od mit Wertungsaspekt; nur bezogen auf literar Stoffe od architekton FormenEinige Novellen wurden projectirt .. ganz einfache Lebensmomente, aus herkömmlicher G. heraus- und auf ihre bedeutende Höhe hervorgehoben 36,188,24 TuJ 1821[Bauleitung Peruzzis am Petersdom] Dieser .. verstärkt alles, ruckt mit den Ecken hinaus, bringt aber .. eine gewisse G. in’s Verhältniß der .. Massen 342,247,21 VorbereitgItal 1795/96iSv Einförmigkeit, GleichförmigkeitSie [Lotte] .. sollte .. mein Herz aus dem Schlafe, in den es manchmal die G. des Lebens wiegt, nicht wecken! AA97,29 Werth2 II
3 bezogen auf Naturgegenstände, -phänomene iSv Indifferenz, Neutralität (hinsichtl best Kräfte, Tendenzen, Wirkungen); zT anthropomorphisierend
a als Eigenschaft von MineralienDas Hauptkennzeichen der Mineralkörper .. ist die G. ihrer Theile in Absicht auf ihr Zusammensein, ihre Co- oder Subordination N8,79,19 Vortr VglAnatomie 3N8,78,19 ebd
b als Verhaltensweise des LichtsEntstehen der Farbe und sich entscheiden ist eins. Wenn das Licht mit einer allgemeinen G. sich und die Gegenstände darstellt, und uns von einer bedeutungslosen Gegenwart gewiß macht, so zeigt sich die Farbe jederzeit specifisch, charakteristisch, bedeutend N1,276,16 FlD 695~N52,183,27 Fl Plp
c für den Zustand elektr od magnet Neutralität[positive u negative Ladung] Beide zusammen machen die ganze Elektricität, die in ihrer G. verborgen nicht darstellbar ist, und die sich erst entzweien muß, um vor uns zu erscheinen N11,194,2 ElektrN1,296,25 FlD 741
d von der ‘vegetabilischen Natur’jene entschiedenern Farben, womit sie sich in den Stunden ihrer Hochzeitfeier schmückt. Sie tritt aus ihrer alltäglichen G. hervor, und zeigt endlich was sie lange vorbereitet, unserm Auge N51,3, 16 BeitrOpt I 2
C für eine Haltung, einen Zustand geringer od fehlender Entschiedenheit, Teilnahme, affektiver Regungen ua
1 Indifferenz im Sittlichen u in GlaubensdingenDas Sittliche .. so wie das Pathetische macht immer ernsthaft, und jene geistreiche Heiterkeit und Freiheit des Gemüths, welche in uns hervorzubringen das schöne Ziel der Komödie ist, läßt sich nur durch eine absolute moralische G. erreichen 40,70,9 DramatPreisaufg [G/Schiller][betr Umgang mit Ungläubigen] So wenig die ewige einzige Quelle der Wahrheit indifferent sein kann .. so wenig kann ein Herz, das sich seiner Seligkeit versichern will, von der G. Profession machen 37,157,8 BriefPastors
2 in Kennzeichnung von Haltung, Gemütslage, psych Verfassung
a Teilnahmslosigkeit, Ungerührtheit, Desinteresse, auch als Reaktion auf bes psych Anspannung[auf der Harzreise] Die Menschen streichen sich recht auf mir auf, wie auf einem Probirstein, ihre Gefälligkeit, G., Hartleibigkeit und Grobheit, eins mit dem andern macht mir Spas B3,195,26 ChStein 9.12.[77]sie [Charlotte] hatte .. genugsam einsehen gelernt, wie hoch jede wahre Neigung zu schätzen sei, in einer Welt wo G. und Abneigung eigentlich recht zu Hause sind 20,40,13 Wv I 3[Wilh, in fiktiver Anrede Melinas:] du fühlst nicht, daß in den Menschen ein besserer Funke lebt, der, wenn er keine Nahrung erhält .. von der Asche täglicher Bedürfnisse und G. tiefer bedeckt, und doch .. fast nie erstickt wird 21,81,7 Lj I 14~51,171,6 ThS II 7[Verhalten gegenüber der Cholera-Epidemie] erst voller Sorge, Abwehrungsanstalten, Heilungseinleitungen .. Diese Anstrengung ging zuletzt in G. über, und wir leben wie zuvor, in völliger Sorglosigkeit B49,269,8 Gf Sternbg 15.3.32B5,236,5 ChStein 10.12.81[für: indifference] 46,207,16 Hackert TgbKnight mit der Nuance des Achtlosen, Nachlässigen, Geringschätzigen, auch aus Trägheit, Saturiertheit[im Alter] wo man nicht mehr viel Stunden in G. gegen den Augenblick zuzubringen und auf die Zukunft zu hoffen hat B22,251,18 Rochlitz 30.1.12[mBez auf Herders ‘Briefe zu Beförderung der Humanität’] Eine unglaubliche Duldung gegen das Mittelmäßige .. eine Verehrung des Abgestorbenen und Vermoderten, eine G. gegen das Lebendige und Strebende, daß man den Zustand des Verfassers recht bedauern muß B11,101,9 Meyer 20.6.96[Werth üb Albert:] das ist der .. zärtliche an allem theilnehmende Umgang, die ruhige daurende Treue! Sattigkeit ists und G.! Zieht ihn nicht jedes elende Geschäft mehr an als die theure, köstliche Frau? AA118,15 Werth2 II27,317,4 DuW 1037,330,8 Physiogn Fragm demonstrativ zum Ausdruck gebracht; in der oxymor Vbdg ‘wilde G.’, im Gestus heftiger emotionaler AblehnungGleichgiltigkeit die an Verachtung gränzt B10,321,19 CHerder 30.10.95Er [Wilh] hatte Aurelien seine Geschichte mit Marianen vertraut .. .. Sie sah ihn mit einer wilden G. an, und entfernte sich, als er ihr die Hand reichte, um einige Schritte 22,131,18 Lj IV 20~52,273,4 ThS VI 12 in zwischenmenschl (erot) Beziehungen; auch ‘anscheinende G.’[Weisl zu Adelh:] du würdest mich nicht mit Gefälligkeit, G. und Verachtung so unbarmherzig hin und her zerrissen haben 8,75,1 Götz2 II[Sinklair:] ein [schalkhaftes] Frauenzimmer, das einer Person, von der es abhängt, durch G., Kälte und Zurückhaltung .. das Leben sauer macht 18,310,5 GutWei-

[Bd. 4, Sp. 291]
ber
20,333,24 Wv II 1021,97,22 Lj I 16
b Gleichmut, Gelassenheit, innere Distanz; ‘heitere G.’ (vergleichend vom Tageslicht) in Kennzeichnung einer freundlich-neutralen Betrachtungsweise[mBez auf FAWolf] wer dem Tod mit solcher G. entgegen sieht, der darf wohl auch etwas wunderlich leben B38,262,19 Langermann 2.10.24 K[Scotts] Art von Kritik; es ist dieselbe, welche das Tageslicht ausübt, indem es die Gegenstände aller Art mit einer heitern G. beleuchtet und sie eben dadurch jedem Urtheil offenbar vorlegt 422,87,4 Üb:Scott,Supernatural38,40,12 AnekdoteWerth38,388,23 FGA Vorzüge des altenAdels [G?]mit dem Aspekt des Ungezwungenen, Unbeschwerten, LeichtenMein hiesiger Aufenthalt [in Oberroßla] bekommt mir sehr gut .. weil ich durch die gemeinen Gegenstände des Lebens depotentiirt werde, wodurch eine gewisse Bequemlichkeit und G. in meinen Zustand kommt B15,213,1 Schiller [3. od 4.4.01][versch Mentoren] Der eine setzte die Hauptmaxime des Lebens in die Gutmüthigkeit und Zartheit, der andre in eine gewisse Gewandtheit, der dritte in G. und Leichtsinn, der vierte in Frömmigkeit .. 36,225,8 BiogrEinzh Jugendepoche zum Ausdruck erhabener Distanziertheit, Entrückung; einmal ‘göttliche G.’bildeten die Alten selbst ihre Löwen in dem höchsten Grade von Ruhe und G., um unser Gefühl, mit dem wir Schönheit umfassen, auch hier anzulocken N(GOETHE14/15,145) Schönheit organ Naturenantikes Basrelief .... Zeus sitzend, den Scepter in der Hand .. er .. scheint mit göttlicher G. den Antrag [Mnemosynes auf Vergöttlichung des Homer] bejaht zu haben 492,27,11 HomersApotheose
c Abgestumpftheit, Apathie, bes im Zustand psych Verstörung; wiederholt in SelbstaussageGeschichte [eines Bergführers] .. wie er .. in tiefem Schnee, eine arme Familie angetroffen, die Mutter sterbend, den Knaben halb todt, und den Vater in einer G., die dem Wahnsinne ähnlich gewesen 19,295,21 Br Schweiz II[Hersilie an Wilh] Ich saß denkend und wüßte nicht zu sagen was ich dachte. Ein denkendes Nichtdenken wandelt mich aber manchmal an, es ist eine Art von empfundener G. 251,292,6 Wj III 1723,29,11 Lj VII 4
3 bezogen auf äußeres Gebaren, Verhalten: zum Ausdruck eines souveränen, selbstsicheren, auch provozierend lässigen u zugl unerschrockenen Auftretens[Fräulein:] er [Weisl] sass auf einem Schimmel .. Mit einer angenehmen g. sass er droben 39,59,8 Götz1 II~8,59 Götz2[Regentin:] Ich kann es gestehen, daß mir Egmont heute einen recht innerlichen tiefen Verdruß erregte. [Machiavell:] Durch welches Betragen? [Regentin:] Durch sein gewöhnliches, durch G. und Leichtsinn .. 8,188,11 Egm I
4 bezogen auf Physiognomie als Ausdruck einer Wesenseigenschaft (zugl anschließend an Bed B3)Man vergleiche den obern und untern Theil des Kopfes .. wie alles, was oben vordringt, Theil zu nehmen und zu würken scheint, schon in der Nase zu G. übergeht, und unten in kalte Selbstigkeit absinkt 37,344,22 PhysiognFragm
Syn zu A2 Gleichförmigkeit zu B1 nichtig(das N-e) Nichtigkeit zu B2 Gewöhnlichkeit zu B3 Indifferenz zu C1 Adiaphorie zu C2a Fühllosigkeit Kaltsinn Unteilnahme Unteilnehmen Unteilnehmung zu C2b Gelassenheit Gleichmut zu C2c Apathie Indolenz
1) Randnotiz G-s im Handexemplar der KdU; Faks bei GvMolnár, G-s Kantstudien, 1994, 327; vgl Komm ebd 123f

Nikolaus Lohse