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 GWB althergebracht (Bd. 1, Sp. 436)   GWB hergebracht (Bd. 4, Sp. 963) 
  althergebracht 1789 .. wo das a-e Straßburger Bürgerwesen sich gegen neuernden Einfluß noch einigermaßen derb .. bewahren konnte 411,148,27 Rez:Arnold,Pfingstmontag [1820][in einer Gilde] muß man .. | A-es [Das Alte ruhig Var] weiter führen, | Das Neue klüglich retardiren 3,353 ZXen 1633a-en [altherkömmlichen Var] Vorurtheilen zu schmeicheln 36,68,17 TuJT1,267,18 v 5.10.86
vgl altherkömmlich

Elke Umbach

 

  hergebrachtmehrf subst, dabei Kleinschr N52,271,15 Fl Plp; vielfach ‘h. sein’; knapp 140 Belege
1 angeerbt, überkommen[Kunstsammler:] so hab’ ich .. einen tüchtigen jungen Mann [als Erben] erworben, welcher wo möglich noch mehr auf h-en Besitz hält als ich selbst 24,224,12 Wj I 12
2 überliefert, tradiert; traditionell; auch pejor iSv veraltet, überholt
a in best Form (quasi) institutionalisiert, auch mBez auf (Verfahrensweisen im) Handwerk u im jur-polit od administrativen Zshg; einmal ‘h-er Maße’ iSv auf der bisherigen Basis[Orest:] Der Brudermord ist h-e Sitte | Des alten Stammes [Der Brudermord ist h. in unserm Stamm 39,368 Iph1 II 1] Iph2 1229Er [Abraham] soll seinen Sohn opfern .. und wenn es nach dem H-en geht, ihn nicht etwa nur schlachten und verbrennen, sondern ihn in zwei Stücke theilen 26,216,4 DuW 4[Romeo:] In dieser Nacht bereitet Capulet | Ein h-es Fest [an old accustom’d feast; Schlegel: ein Fest, von alters hergebracht] 9,173 RomJul 5430,122,6 ItRB13,42,18 WWolzogen 28.1.98 [Beilage]A1,45,17 Reskr 15.1.79 K
b mBez auf Kunstformen, kunsttheoret Lehrsätze od -urteile, auch Regeln der SchauspielkunstVerdienst der h-en griechischen Kunst 342,21,7 KuARheinMain PlpEr [Wilh] sah in seinen [dichterischen] Arbeiten nichts als eine geistlose Nachahmung einiger h-en Formen, ohne innern Werth; er wollte darin nur steife Schul-Exercitien erkennen 21,122,8 Lj II 2Er [Andrason]

[Bd. 4, Sp. 964]
macht ihnen die h-en Bewegungen vor, womit die Schauspieler gewöhnlich die Empfindungen auszudrücken denken 17,14,8 TriumphEmpfindsamk I RegiebemB13,313,15 Schiller 16.11.98B32,131,23 Knebel 29.12.19
c in der Auseinandersetzung mit wiss Theorien, häufig in der Polemik gegen Newton; ‘h-e Lehre, Meinung’ ua, ‘das H-e’ auch iGz ‘das Neue’, insbes mBez auf (veraltete od irreführende) wiss TerminologieGöttingen [die “Göttingischen Gelehrten Anzeigen”] bleibt bey seiner Weise nur das H-e [<hergebrachte] zu lehren und das Neue .. nicht eher aufzunehmen bis es gleichfalls h. ist A2,912,23u25 Votum 26.1.16[betr Newtons FL] Das h-e Lied wird abgeorgelt [das ganz gewöhnliche Lied Var] N4,185,22 FlH VI Dt gelehrte WeltWenn ich dem englischen Bal Isaac [Newton] zu Leibe gehn und die allerliebste h-e Strahlenspalterey für ein Mährchen erklären werde B10,415 JHVoß [1.7.95] K Var[betr Entstehung von ‘MetamPfl’] unbekümmert ob man .. gegen mich .. argumentiren und einen heitern, freien Weg zur Naturwahrheit mir und anderen, mit h-em, überliefertem Wortkram, zu verkümmern Anstalt mache N6,396,7 Entstehen MetamPfl35,204,1 TuJ 1805N4,225,5 FlH VI Marat
3 gebräuchlich, herkömmlich; auch abwertend
a (von alters her, erfahrungsgemäß) allg üblich; meist prädikativ, ua ‘einmal (so) h. sein’, ‘lange h. sein’, ‘in der/dieser Welt h. sein’; überwiegend im lebensprakt(-sittlichen) ZshgIn Italien, wo die Menschen einander zu trauen weniger geneigt sind, ist es durchaus h., daß man nichts in einem Gasthofe genießt, bis man seine Bedingungen gemacht hat B22,111,24 Weyhrother [22.6.11] K [Beilage]Fexe werden im Salzburgischen mehr oder weniger imbecille Menschen genannt .. Diese Menschen sind so häufig, daß gewisse Gewohnheitsrechte für sie h. sind Tgb 15.5.10ist’s doch in der Welt h., daß man sich die Majestät kaum anders als im Schlepp- und Prachtmantel denken kann 51,59,22 ThS I 16Den 2. Teil meines Romans [Wv] schicke ich dir nicht; du möchtest mich darüber noch mehr als über den ersten ausschelten .. Die armen Autoren müssen viel leiden und es ist h., daß gerade die Exemplare die sie selbst ausgeben, ihnen die größte Noth machen B21,121,4 Knebel 21.10.09B19,63,1 Körte 13.9.05Urfaust 300Faust I 404451,80,12 ThS I 2146,60,20 Winkelm uö(häufig)mBez auf Verhaltensnormen, Umgangsformen uä: konventionell; meist positiv konnotiert; ua ‘h-es Schickliches’, ‘h-e Anständigkeiten’Maler Preller .. Kranken Ansehens, durch den widerwärtigen Schnurrbart noch unglücklicher aussehend .. Wer sich in einer solchen unnützen Maskerade gefällt und sich zu den h-en Formen nicht bequemen mag, der hat sonst was Schiefes im Kopfe Tgb 17.5.31N3,276,23 FlH V[für: bienséances d’usage] 45,6,16 RamNeffe uö(selten)durchgängig pejor: mBez auf konventionellen Sprachgebrauch, abgegriffene Worthülsen; ua ‘h-e Formeln, Phrasen’ u bildl ‘h-e Melodie’Der Alte .. fing .. an, nach den süßen Geheimnissen der Liebe mit dürren Worten und in h-en trockenen Formeln sich zu erkundigen 21,73,19 Lj I 13=51,160,27 ThS II 6was unterscheidet den Dummkopf vom geistreichen Menschen .. daß jene .. sich mit schon gestempelten h-en Phrasen bei jeder Gelegenheit behelfen müssen 19,216,2 BrSchweiz IAA73,14 Werth2 II~Werth1 uö(selten)in Übs von engl ‘fashionable’ mit der Nuance: beliebt, populärdas Innere [der Kirche von Catania] war eben fertig geworden .. ohne etwas von dem h-en Trödel 46,208,23 Hackert Tgb Knight
b für eine best Pers od Gruppe gewohnt, gewöhnlich; mehrf ‘(bei jdm) h. sein’; auch mit PossPron: für jdn kennzeichnend, jdm eigen; einmal ‘h-e Plätze’ für angestammte Sitzplätzeals ich in das Posthaus eines kleinen Städtchens trat und eben nach meiner h-en [gewohnten Var] Weise verfahren wollte [mit der Wirtin zwecks Zechnachlaß zu schäkern] 251,132,4 Wj III 6Gewöhnlich saßen sie [Charlotte, Eduard, Ottilie u der Hauptmann] Abends um einen kleinen Tisch, auf h-en Plätzen 20,90,21 Wv I 828,120,12 DuW 1251,5,7 ThS I 1 in satir DistanzierungDa tritt herein die übergnädige Dame von S...mit Ihrem Herrn Gemahle und wohl ausgebrüteten Gänslein Tochter .. machen en passant ihre h-en hochadelichen Augen und Naslöcher AA81, 26 Werth2 II~Werth1als Brief(schluß)floskel: ‘h-es Wohlwollen, Vertrauen’Mich zu h-em freundlichen Wohlwollen bestens empfehlend B48,254,13 Knebel 25.6.31B25,114,15 Gersdorff [27.12.14?] KB26,132,13 Schuckmann 4.11.15
c normal, regulär, eingespielt, (auch) mit der Konnotation des Gehörigen, Folgerichtigen; mehrf ‘h-e Ordnung’Im Hause geht alles seinen gewohnten Gang und der Knabe [Wolfgang Walther] mit seinem unruhigen Leben und Wesen gehört auch schon mit in’s h-e Ganze B31,180,2 August 14.6.19Mittlerweile werden die Pensées [Stiefmütterchen] wieder blühen und alles in gebührender, h-er Ordnung löblich erfolgen B26,282,10 Gfin Fritsch 2.3.1627,197,28 DuW 8B19,342,10 Christiane 2.6.07
d (durch häufigen Gebrauch, Umgang oä) geläufig, vertraut, auch mit der Nuance: bekannt, erwartbarIch werde nicht von ihm [Euripides] ablassen diesen ganzen Winter. Wir haben Übersetzungen genug die einer Anmaßung in’s Original zu sehn gar löblich bey der Hand sind, und welches .. mit Beyhülfe der lang h-en Kenntnisse, immer besser von statten gehen wird B49,147,13 Zelter 23.11.31[Versuchsanleitung] Die beiden convexen Gläser von Crownglas .. das concave Glas von Flintglas .. zeigen an dem Rande die h-en Farben N1,145,24 FlD 34840,338,1 Üb:Wunderhorn
GWB althergebracht wohl-Syn zu 1 anerben(angeerbt) ererben(ererbt) zu 2 alt GWB altherkömmlich GWB herkömmlich traditionell überliefert üblich zu 2c gewöhnlich zu 3 gebräuchlich üblich zu 3a-c gewöhnlich herkömmlich zu 3a konventionell zu 3b gewohnt zu 3d GWB altgewohnt GWB gewohnt bekannt geläufig habituell

Christiane Schlaps