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 ElsWB Wind (Bd. 2, Sp. 836b)   PfWB Wind1 (Bd. 6, Sp. 1360)   PfWB schnärren (Bd. 5, Sp. 1255) 
  PfWB  LothWB  RhWB Wind [Wì S.; Wìnt u. Went O. Bf. Str. Z. Betschd.; Wįt M.; Wéint Hindish.; Wént K. Dunzenh.; Wint Mittelhsn. Gimbrett; Pl. ebs., aber Wein M.] m. 1. Wind, Luftströmung. Dr W. geʰt weht allg. s. auch Haberstupfleⁿ. Vergëlt's Gott, wenn ’s dr W. nit nimmt! ruft ein Bettler einer vornehmen Frau zu, die ihm eine dünne Scheibe Brot aus dem Fenster zuwirft Gebwt. Um das Strassburger Münster herum ist es bekanntlich sehr zugig, namentlich vor dem Haupteingang, daher die folgenden Reime: Üwer deⁿ Münsterplatz oʰne Wind, Durch d Kurweⁿgass (Korduangasse) oʰne Kind, Durch ’s Spittelgässl oʰne Spott Is e grossi Gnad vun Gott St. 1859. Über den Wind auf dem Strassburger Münsterplatz s. Stöber Sagen II 231, 255. Das is grad wie wëⁿⁿ meⁿ iⁿ dr W. redt Su. ‘in de W. schlaaue’ unbeachtet lassen Pfm. III 4. Bi dem W. batt keⁱn Kleid der Wind ist so durchdringend, dass einen im wärmsten Kleide friert Ingenh. Allitt. Bi allem Wind un Wëtter ʰⁱnuˢschickeⁿ Z. JB. VII 189. [Pi Wein-ə-Watər] M. JB. VIII 139 Anm. 6. s. auch Hagel. Rda. Gschwind wie dr W. sehr flink allg. D Sunn ziejt W. als Vorzeichen des guten Wetters am folgenden Tage Bf.; vgl. Strämeⁿ 3. ‘Diri diri Disel, Wer zopft m'r an mi'm Hisel? D'r Wind, d'r Wind, Diss himmlischi Kind!’ Buchsw. Stöber Volksb. 271. ‘Wer allzeit auff all wind will sehen, Der würd nicht syen oder mhen’ Fisch. Prakt. 30. Übertragen: W. vu(n) epp(i)s beku(mmeⁿ) etwas erfahren allg. Pfift dr W. do hëre? ist es so gemeint? Str. ‘Aha, blàst der Wind doher?’ Dehli. JB. XI 63. Rda. W. macheⁿ prahlen, sich brüsten, sich stolz geberden. Er macht W. für e Fünfer neckend von den Bewohnern Ingenheims gesagt Dunzenh. ‘Der hat Wind im Lé-ib’ er ist leichtsinnig Dehli. JB. XI 50. Zss. –focht f. Fächer Str., –fochtel, –macher, –müʰl. 2. Luft in den Eingeweiden, entweichende Gase aus den Eingeweiden. D W. geʰn Hf. D Wind geʰn nit ab bi ⁱʰm Bf. D W. plojeⁿ miʰ bei Magenblähungen Dü. ‘Hat böse Wind in

[Bd. 2, Sp. 837a]
de Ripp’ von einer boshaften Person Mü. Mat. 4, 48; vgl. Ripp(e) 1. Pl. Winde nur in dem Wirtschaftsschild D vier W. Str. Basel 316. Bayer. 2, 950.

 

   Wind1 m.:
1. 'Luft in Bewegung', Wind (wind) [allg., Heeger Südostpf. 30 PfId. 152 Schneckenburger 24, 42, 46 Lambert Penns 179 Krämer Gal 243], Wend (wend, węnd) [KU-Brück WD-Bub Hoof IB-Blickw ZW-Schmitshs RO-Hochst Mannw FR-Kindh NW-Deidh Elmst Esth Forst Gönnh Hamb Königsb Lach/Speyd Niedkch Rödh LA-Birkw Bornh Dammh Frankw Gr'fischl Ilbh

[Bd. 6, Sp. 1361]
Insh Maik Mörzh Nd'hochstdt Nußd Roschb Siebdg Venn Walsh BZ-Bergz Gossw Silz Stein V'weidth W'rohrb Wilgws GH-Bellh Westh Bertram § 81 Heeger Südostpf. 9, 30 PfId. 152]; Zs.: Aprilen-, Berg-, Preußen-, Tal-, Tau-, Driller-, Trudel-, Gegen-, Ge-, Hembach-, Herbst-, Hexen-, Höhen-, Märzen-, Morgen-, Nieder-, Nord-, Ober-, Ost-, Regenwetter-, Regen-, Rhein-, Rücken-, Schnee-, Seiten-, Sommer-, Sturm-, Süd-, Unter-, Wald-, West-, Wirbel-, PfWB Zwirbelwind; W. ze Berg 'W. das Rheintal aufwärts' [ LU-Altr]; 'n haler W. 'ein trockener W.' [RO-Sippf NW-Kallstdt]; hinner W. stelle 'in den Windschatten' [ LU-Altr]. De W. geht [vereinzelt]. In dem Loch fingt (fängt) sich de W. 'eine windreiche Stelle' [ KU-Roßb]. De W. kimmt aus em Wetter 'bringt ein Unwetter näher' [ GH-Leimh]. RA.: schnell (fix, flink) wie de W. [mancherorts]; bei W. un Werrer drauß sein 'bei jeder Witterung', bes. von Unermüdlichen gesagt [verbr., Kraus Naube 44]; Var.: es W. un Werrer gewehnt [ FR-Bockh]; in de W. schlaae 'etwas ablehnen' [Bernhard 188]; ebbes im W. sei 'in der Luft liegen' [Beam Penns 110]; voll W. sei 'nicht viel los mit einem' [Beam Penns 110]; mit em W. geh 'wankelmütig sein' [Beam Penns 110]; meileweit (siwwe Meder) geje de W. stinke [vereinzelt, Thielen So rerre mer 124]; e warmer W. unner's Dach 'Feuer legen' [ NW-Hardbg]; vum W. lewe 'genügsam' [ KU-Kollw]; Geld in de W. schmeiße 'sinnlos ausgeben' [ KU-O'alb]; e Loch in de W. schlaae 'sinnlose Tätigkeit' [ PS-Geisbg]. Der is wie de W. 'aufbrausend' [ LU-Alsh]. Wie de W. is er fort 'schnell' [ KL-Reichb]. Das geht wie de W. 'schnell' [mancherorts]. Der fahrt (laaft) wie de W. [ ZW-Bechhf KL-Reichb]. Der W. geht durch Mark unn Bään 'eisiger Wind' [ LU-Alsh]. Dem sein W. hot sich geleet 'Er hat sich wieder beruhigt' [ FR-Carlsbg]. Der macht (nix wie) W.; dud W. mache 'schwätzt, gibt an, prahlt, kleidet sich auffällig' [mancherorts, Bernhard 188 Kraus Naube 9 Beam Penns 110]; Var.: W. kenne se mache, awwer ken Ree [ KB-Kerzh, KU-Diedk GH-Vollmw]; macht W. wie e Dudelsack [Hebel 19]. Der hot W. devun kriet 'Er hat es gemerkt' [FR-Bockh, ZW-Bechhf RO-Sippf NW-Forst Frankeck Lambert Penns 179 Fogel Prov. Penns Nr. 1848]. 's geht käin gurer W. 'Die Aussichten sind schlecht' [ KU-Schmittw/O]. Aha, doher bloost de W.! 'Rechtzeitig erkannt!' [Krieger 15]. Jetzt bloost (geht) e annerer W. 'Jetzt werden härtere Maßnahmen ergriffen' [Krieger 15, vereinzelt]; Var.: 's peift de W. ball aus em annere Eck (Loch), dass. [ LU-Alsh, vereinzelt]. Der merkt, was far e W. geht, dass. [ KU-Körbn]. Des esch alles en d'W. geredt (gebabbelt, geblose, gesproocht) 'vergebens, erfolglos' [mancherorts, Bernhard 188 Ranssweiler 44]; Var.: in de W. geredd ist erfolglos awwer nid gans sou uuaagenehm wie geche de W. gebrunsd! [Braun Lääsebuuch 164]. Er dreht (richt)

[Bd. 6, Sp. 1362]
sich geren noch em W. 'ist kein fester Charakter, redet heute so, morgen so' [ LU-Alsh GH-Vollmw]. Der redt (babbelt, plaurert, sproocht), wie sich de W. dreht, dass. [ GH-Vollmw Zeisk]; Var.: ... wie de W. geht (weht) [verbr.]. Er setzt de Hut (sein Kapp) no'm W. (wie de W. geht), dass. [ FR-Bockh, KU-Obw/T WD-Niedkch LU-Altr]. Bei dem hääßt's: (dennoh) wie de W. geht, so dreht sich (dreh ich, setz ich, driller ich) mein Hut, dass. [ PS-Vinn, ZW-Gr'bundb KL-Siegb KB-Albish NW-Ellstdt GH-Vollmw]; Var.: Wie de Wind geht, / so hängk ich mein Sack [ FR-Bockh]. Der hängt de Mantel ('s Mäntelche, es Fähnche) noo'm W., dass. [verbr., Krieger 35 vereinzelt Don Gal]. Er macht alles geje de W. 'spricht und handelt immer anders als die Mehrheit' [ LU-Alsh]. Der lebt in de W. (enin) 'lebt sorglos in den Tag hinein' [ KB-Lauth, ZW-Mauschb]. Der schlaat (butzt, jaat) alles in de W. 'verschwendet alles' [mancherorts]; Var.: 'weist Rat und Hilfe zurück' [mancherorts]. Wenn en de W. aabläst, isch'r krank 'Er ist sehr empfindlich' [ ZW-Battw]. 's derf kään W. an se kumme, dass. [ PS-Erfw]. Dart kumme die siwwe Wind zamme, von einem windigen Ort gesagt [Beam Penns 110]. Mir hän de W. uffem Bukkel 'Mit Rückenwind arbeitet es sich leichter' [ ZW-Bechhf]. Do peift de W. durch die Houhlziechle 'Die Scheune ist leer' [ GH-Bellh]. Der blost alles in de W. 'Er raucht viel' [ BZ-Stein]. Mach's Maul zu, sunscht geht d'r W. nein! 'Schweige!' [ SP-Harths]. Von zu hochbeinigem Rindvieh heißt es: 's geht zu veel W. unne durch [ ZW-Battw]. SprW.: W. sääe, Sturm ernte [ NW-Frankeck GH-Vollmw]. Wann kee W. geht, wackle aa kee Blädder 'Keine Wirkung ohne Ursache' [ Don-Gottlob]. Was kammer geje Gottes Gewalt, wann sogar de W. Bääm umschmeißt 'Gegen höhere Gewalt ist man machtlos' [Pirmas]. Wetterbeobachtungen und WR.: de kalte W. 'Ostwind' [ ZW-L'wied]; de unnere W. (bringt Regen, Kälte) 'Ostwind' [ LA-Gommh, LU-Altr Opp]; Germerscher W. 'Germersheimer W.' [ LA-Gommh]. Lauterschmer (KB-Lauth) W. bringt Schnee [ KB-Eisbg]. E kleene Reen macht e große W. still [ KU-Bedb]. Entwedder bringt er (der W.) was odder jaacht er's fort [Bergz (Kamm 97)]. Was de Reche naß gemacht hot, macht de W. wirrer trocke [ BZ-Dierb]. Der W. kummt von drauße 'von Osten, von der VPf' [ PS-Donsied]. Kummt de W. vum Rhein, rächent's glei [ GH-Vollmw]. Wann de W. weht vum Rhein, dann kann mer die Blick (Pflüge) stelle hinner die Zein [ KL-Weilb]. Die Krabbe (Krähen) fliege so owwe rum, die wolle W. [ LU-Neuhf]. De W. geht iwwer die Hawwerstobbele 'Es wird bald Herbst' [ KU-Bedb Schmittw/O PS-Erfw KB-Kriegsf LU-Alsh Friesh GH-Nd'lustdt Vollmw]. Morchenrot bringt W. un Kot [ BZ-Münchw]. Wo de W. in de Karwoch herkimmt, doher kimmt er's ganz Johr [ KU-Bedb, FR-Bockh]; Var.: wie de W. an Karfreidag geht ... [ KB-Bennhs, PS-Geisbg KB-Stett]. Berufsneckerei auf den Schneider: muß achtgeben,

[Bd. 6, Sp. 1363]
daß ihn de W. net umschmeißt [PfMus. 1925 176]. Neckverse auf die Mundarteigentümlichkeit (Senkung des i) von Nachbarorten: Wend, Kend, Rend [mancherorts VPf]. Kend, gäij erenn, de Wend gäijt [ FR-Kindh]. Ehr Kenn, gehn reen, de Wend jächt eich Stääb en d' Ääche [ NW-Lach/Speyd]. De Wänn hots Känn umgerännt, gilt für die Dörfer zwischen Bergzabern und Landau [Kamm 125]. Neckfrage: Wie weit geht de Wind? Bis uff Bornem (LA-Bornh) (Speyerdorf, Lache), vun do ab hääßt er Wend [ GH-Nd'lustdt, NW-Lach]. Volksgl.: Starker Wind ist ein Hinweis auf baldiges Sterben eines Erhängten: Der Wind weht und heult, damit der Erhängte baumelt [KL-Wörsb Schandein Bav. IV,2 406]; vgl. PfWB windig 1. VR.: Wie de W. geht, wie de W. geht, / so dreh ich mein Hut. / Alleweil kommt mein Schätzje / das kenn ich so gut [ KU-Diedk]. Es reent, es schneet, es geht e kalter W., / die arme Soldate verfrieren mit ehrer Flint [ KU-Bedb]. Schuck - schuck - schuck, der Wind geht kalt, / Bauer, flick dei' Hosse ball; / Wann die Hosse verrisse sin, / Blost der Winn zum Loch enin! [Schandein Bav. IV,2 352]. a. 1565: vnnd des scheffers wonhauß zwo (zu) windt am wetter gebell (Giebel) vnd ein andere mit solchen schindeln beschlagen [WerschwSchR]. —
2.
a. 'leichtlebiger, unzuverlässiger Mensch' [ GH-Minf]. —
b. Neckname für die Bewohner folgender Orte: KU-Einöll RO-Semb KL-Samb LA-Herxh GH-Bellh Hay Knitth Max'au: Wind [KU-Einöll Reipkch RO-Semb KL-Neukch Samb GH-Max'au Wörth Seebach Neckn. 15], von RO-Duchr: Duchroder W. (weil sie sich angeblich gerne vornehm geben) [ RO-Odh], von FR-Hettldh: Hett(e)remer (Hettemer) W. [ KB-Eisbg FR-Hettldh Merth], von RO-O'mosch: Moscheler W. [ RO-Nd'mosch O'mosch], von RO-Semb: Sembacher W. [ KL-Baalbn], von LA-Herxh: Herxemer W. [ LA-Herxh]. Neckvers auf die Bewohner von KL-Samb: Sambacher Wind, flieh in die Luft, / flieh net so hook / sunscht beißt dich e Flook! [KL-Mehling Seebach Neckn. 15]; von HB-Alth: Althemer W. un keen Rään [ HB-Medh]; von KU-Einöll: Aneller W. geiht so geschwind [ KU-Einöll]. Weitere Neckverse: Wer durchs Weidfeld geht und spürt kein W. ... [PfL 14. 10. 1933, Hebel 92], Forts. u. eine Var. s. PfWB Pleisweiler, PfWB Lemberg 2, PfWB Reiterhof.
3. 'Blähungen, Verdauungsgase', Wind [Beam Penns 110], sonst nur im Pl., Winn (win) [verbr., Christmann 84 Schnekkenburger 46]; vgl. PfWB Furz I; Zs.: Darm-, Magenwind(e). Die Winn gehe (losse) [mancherorts, Beam Penns 110]. Die Winn hän sich gestellt (gehe net) [mancherorts, Pauli Heilm. 27/28, 68]. Die Winn blohe (plagen) (treweleere) mich [ KU-Bedb WD-Niedkch]. Meer fahren e paar Winn im Bauch rum [ LU-Dannstdt]. Ich muß naus, mich verlaafe, daß die Winn besser gehe [ ZW-Battw]. Wann nor alsmol wirre die Winn gäin beim Perd, dann hat's es gepackt [ ZW-Gr'bundb]. Das hott's met Winn, geh, ruf de Jerch, / Er soll dem Kiehche

[Bd. 6, Sp. 1364]
brauche [Müller Luscht un Lewe 67]. SprW.: Viel Kepp, viel Sinn; viel Ärsch, viel Winn [ Buch-A'frat]. Volksgl.: (Brauchspruch) »Mittel fürs Vieh: Aus unsern Herrn Jesu Grab da wuchsen drei nelgen, die eine heißt lieb, die andere heißt güt und die dritte stillet dem Vieh Wind und Geblüt, es sei an der Zung oder an der Lung« [NPfGV 5/1929 38 (KU-Nußb)]. Volksmed.: »Die Winde sind an vielen Krankheiten schuld. Wenn sie sich stellen, rufen sie Koliken oder Seitenstechen hervor. Noch schlimmer ist es, wenn sie sich verstecken oder verschlagen (d. h. einen falschen Weg nehmen); darauf werden Schmerzen im Buckel und zuweilen Gliederreißen zurückgeführt. Die scherzhafte Äußerung: Er hat einen ... im Hirn deutet darauf hin, daß man früher glaubte, daß sich Winde auch in den Kopf ziehen könnten« [Heeger Vhk. 6, 60]. Bei Brucheinklemmung sagt man: innere Wind hän sich gschtellt [Heeger Vhk. 65]. —
4. 'Alkoholrausch'. Er hot en bissel W. [ LU-Alsh]. — RhWB Rhein. IX 530 ff.; LothWB Lothr. 543; ElsWB Els. II 836, ALA II 293.

 

   schnärren schw.:
1.
a. 'schleudern, schnellen, fortschnellen, plötzlich loslassen; einen Ruck machen, auch als Reflex', schnärre (nęrə) [verbr., Bayer Hackm. 63 Bernhard 165 Bertram § 286 Eid 87 Glass 106 Schandein Sprachsch. 63 Thielen 101 Wilms Alph. 50, Lambert Penns 136 Don-Tscherwk (Albrecht 111) Krämer Gal 190]; Part. Perf. geschnärrt (gənęrd) [verbr. WPf NOPf, PfId. 166], g'schnärrt (gnęrt) [verbr. mittl. und südl. VPf vereinzelt WPf]; Zs.: PfWB ab-, auf-, PfWB darauf-, PfWB ein-, PfWB fort-,

[Bd. 5, Sp. 1256]
PfWB hinüber-, PfWB wider-, PfWB zurückschnärren; -schnerren; Syn. s. PfWB schnellen 1; sch. losse [Juner 89]; sch. lonn [IB-Ensh (Glass 106)]. Loß sch.! 'Laß gehen!' [ KL-O'mohr]. Loß das Sääl (Seil) sch.! [Bayer Hackm. 63]. Lass jetzde 's Gummi schnärre! [IB-Ensh (Glass 106)]. Der Zweig schnärrt in d' Höich [ BZ-Dernb]. E Heck is mr ins Aag geschnerrt [Kühn Hamet 134 Kühn Schnitze I 254]. Du därfscht die Hecken net sch. losse, die sch. deim Hinnermann jo ins G'sicht [ BZ-Dernb]. Un hält mich als emol e Ranke / Un stechen mich die Dern (Dornen), / Noot machen eich (ich) mer mei Gedanke / Un loß die Ranke schnerrn [Ranssweiler 107]. De Riegel schnärrt ins Schloß [ BZ-Dernb]. »'s isch jo nit wohr!« kreischt der Hannjakob, schnerrt in die Höh unn guckt sich um [PfRSch. 10. 12. 1926]. Un wie er so merem Fuß an de Reche stoßt, es der in die Höh geschnerrt [Westrich (PfId. 166)]. Dem es was werrer die Nas geschnerrt [ KU-Kaulb]. Och, dr Valtin schnerrt die Haxe 'Der Valentin wirft seine Beine herum' [Kühn Hamet 66]. Die hann e' Schnur, die schneidt so gut, / Wann die nor e'mol schnärre dut - / Dann is der Block erzwe [Schandein Ged. 72]. Un loss' die Hoffnung niemols schnerre, / 's mißt alles widder besser werre [Münch Werke II 373]. Spitzbubereje, Schlenze, Knöpp, die schnerre dabber in die Köpp [Kraus Gloori Bagaasch 8]. RA.: Dem is was d'wirrer geschnerrt 'Ihm ist anscheinend etwas Unangenehmes widerfahren, er ist betrübt' [ KB-Kriegsf]. Dem is' Rädche geschnärrt 'Er ist verrückt' [ HB-O'bexb, mancherorts]. Kinderspiel: »Mit der Schnur wurde der Danzknopp (beim Kreiselspiel) umwickelt und dann mit einem Ruck schnerre geloßt« [Carl Pfalz im Jahr 70, Don-Lovrin]. —
b. 'mit dem Finger schnellen', bes. beim Klickerspiel, wenn der Klicker mit einem Finger fortgeschnellt wird [ KU-Haschb/G Reiffb Reipkch Schmittw/O HB-Kirrbg RO-Cölln Feilbg KL-Stockbn KB-Kriegsf Mauchh Rams, Don-Sekitsch]; vgl. PfWB knäupeln und K. 243. —
c. 'den Kopf ruckartig bewegen' [Thielen 101]. Das schnärrt mirem Kopp 'Sie schnellt den Kopf hoch' [ KU-A'glan]. Ursachen solcher Kopfbewegungen können Erkrankung, Hochmut oder Erschrecken sein. Sch. mit dem Kopf ist das Zeichen dafür, daß man sich gekränkt fühlt [ KU-Bedb]. —
d. 'jemandem eine Ohrfeige geben'. Wann eich denne inne werre, / Wo die Mensche so beliet, / Dun eich em e anne schnerre, / Daß er nix mih heert un sieht [Ranssweiler 97]. —
2. '(sich) rasch bewegen, gehen, fahren' [mancherorts, Otterstetter 131 211 Thielen 101 Gal-Josbg]. Er schnärrt 'Er fährt' [ NW-Dürkh]. Sie schnärrt dohie [ Gal-Josbg]. Jawohl, hopp dapper! / Laaf, saus' un schnerr [Münch Werke I 514]. Kumpel loß die Finger schnärre, dess muß heit noch fertich werre! [Damm Nachtdischlamp 52].

[Bd. 5, Sp. 1257]
Meer wern modern un wann sich's lohnt, / do schnerr'n mer aach noch uff de Mond [Wilms Land und Lewe 35]. —
3.
a. 'drehende Bewegungen machen, um sich selbst kreisen' [ Don-Sekitsch]. Mei Weltachs schnerrt, 's is grad e Spaß, / Als wie e Triller (Kreisel) uf de Gass' [Münch Werke I 24]. Ich bring die Weltachs nimmi zum Schnerre [Münch Werke I 428]. Die Belgier gucken drum ganz munner / Vun ihre Drehterm owe runner / Un han se als aus lauter Bosse / Als wie e Reitschul schnerre losse [Münch Werke I 153]. —
b. 'tanzen', einen sch. [ KB-Kriegsf]. Uff de Kerwe duht mer schnerre / Walzer Bolka unn Kalobb [Kunnrädel 84]. —
4. 'hinken, ein Bein nachschleppen', sch. [Bertram § 286 Höh 130 Thielen 101]; vgl. PfWB schnappen 3 a. —
5. 'bummeln gehen, herumstolzieren, auf Vergnügungstour gehen', bes. von Frauen, schnärre [vereinzelt, Gal-Josbg]; sch. gehn [HB-Einöd IB-Ensh (Glass 106) Pirmas Wilms Alph. 50]. Die doo Mommsell gedds gonnz häälich (heilige) Johr schnerre! [IB-Ensh (Glass 106)]. —
6.
a. 'laute Musik machen, lauthals singen'. Un's juckt eem orndlich in de Been, / Wann die e flotter Walzer schnerre [Münch Werke II 269]. Dann schnerre mer die »Wonnegans« / Un's Lied vom »stille Dal« [Müller Butterbärwel 22]. —
b. 'schön reden' [ KU-Reiffb]. —
c. 'jemanden unfreundlich ansprechen, zur Rede stellen', schnarre [Lambert Penns 137]; Part. Perf. g'schnarrt [Lambert Penns 137]. Uf eemol schnerrt se aus em Nescht: / »Hall doch dei Maul un krie' die Pescht!« [Münch Werke I 199]. O, ja! Die iss so dick un g'sund, / So frech un so rauhbaschdich, / Sie schnärrt ihn aa as wie en Hund, / Verscheld ihn ganz wieschtgaschdich (wüstgarstig) [Birmelin Penns Gezw. 61]. —
7. '(sich) irren, sich täuschen, sich versehen', [verbr., Kamm 58 Kühn Hamet 134 Rohr 208 Thielen 101 Bernhard 165 Eid 87 Juner 90 Kraus Pläseer 32 Kühn Schnitze I 254 Müller Dietschw 66 Otterstetter 218 Schandein Ged. 248 PfId. 127, mancherorts Don Krämer Gal 190 Buch-A'frat Rußl-Katht]; vgl. PfWB irren 1 b. Schnärr dich (nore) net! [KL-Eulbis, KU-A'glan Krieger 45]. Wann De Dich nor net schnerrschd! [Weber in: PfRSch. 28. 7. 1926, Krieger 32]. Do schnärrscht de dich geheerich [ RO-Obd]. Er hot sich g'schnärrt [Lu'haf BZ-Dernb, Wilms Alph. 50]. Der werd sich sch. [Land]. Du hoscht dich g'schnärrt [ Don-Bulkes]. Wann die määnt, ich deeter zuerscht grieße, hatse sich geschnerrt! [Damm Dreifaltichkäät 71]. Seller, weller gemäänt hat, er wißt ebbes, hat sich geschnerrt [Damm Schoggelgaul 66]. Desmol hascht dich aber geschnärrt [Bayer Hackm. 63]. Wers net glaabt, der schnerrt sich [Krieger 56]. »Uff Oschtere will ich en nei Kläd«, sagt die Tochter zur Mutter. Diese antwortet: »Du werscht dich schnärre,

[Bd. 5, Sp. 1258]
merr brauchen das Geld notwennicher, du muscht noch warte!« [ PS-Erfw]. Un esch e Philesoph / Aach noch so gelehrt, / So hot er sich doch / Schun oft g'errt un g'schnerrt [Rohr 15]. Dann kann ich Eich nor san, Ehr Herre, / daß Ehr Eich all geheerich schnerre [Albert Bei uns 6]. Ich meen als, do hott sich ener geschnerrt [Feierowend 28/1950 4]. Un siehschde wohl, sie schnerr'n sich nett: Do leit de Owerehrl (Ofenreitel, Spitzname eines Wilderers) im Bett [Albert Bei uns 30]. Ehr werren euch schnerre, wann ehr meene, de Fritz dät sich lumpe losse! [Schuler Baurekerb 26]. Mei Ur-Urahn, de Lewewert (Löwenwirt), / Der hat sich selde mol geschnerrt! [Kieffer Bilderb. 21]. Doch do han se sich bees geschnerrt, / Das war e Rechnung ohne Wert (Wirt) [Münch Werke I 126]. Wann meer uns nor nit selwer schnerre [Münch Werke I 305]. Do mißt ich mich schun arig schnerre, / Wann ihr noch sollte brotlos werre [Münch Werke II 232]. Wer macht'n Zores, wenn sich äner schnärrt? [Kraus Arwed 18]. So hann ich halt mich recht geschnerrt, / 's is all - ich steh alle' [Schandein Ged. 42]. RA.: Er schnärrt sich en soin Sack 'Er irrt (verrechnet) sich zu seinen Gunsten' [ KB-Kriegsf, KU-Bedb KL-Wörsb]. Er hat sich in sein Sack geschnärrt, dass. [ ZW-Bottb]. —
8. 'jemanden betrügen' [ Don-Kernei St. Andreas]. —
9. 'Blähungen streichen lassen' [ BZ-Dörrb]; vgl. PfWB furzen, PfWB Wind; änne(r) sch. losse [PS-Rodalb (Bernhard 165) KB-Kriegsf LU-Opp, Juner 90]. Er loßt ener schnerre [Wilms Alph. 50]. Er hott en sch. losse [ LA-Gommh]. Ich konn joo allerhonnd vatroon, awwer wenn derdoo allegebott (andauernd) beijem Esse änner schnärre lißd, donn reicht's mer! [IB-Ensh (Glass 106)]. Dann han se als gedenkt, die Herre: / »Ehr liewe Leit, loßt der se schnerre!« [Albert Bei uns 44]. Mir losse gär e Pupser schnärre, / sin's liebscht saugrob un dumm [Kraus Gloori Bagaasch 9]. —
10. 'einen (Wein, Schnaps) trinken'; ener sch. [mancherorts ges. Pf, Höh 125 Thielen 101]; Syn. s. PfWB betrinken, PfWB trinken 1 a. Er hat noch enner geschnärrt [ KL-Erlb]. Das is e Grund, ihr Herre, / E prima Fläschel Wein zu sch. [Münch Werke I 493]. Un bei uns do hinne schnerrt mer [Müller Luscht un Lewe 3]. —
11. 'etwas spendieren, eine Runde ausgeben, sich etwas kosten lassen'; ebbes schnerre losse [Kühn Hamet 134 Kühn Schnitze I 254]. Heit do losse mr ebbes schnerre, Schpeezel, heit iß Bole (Polen) uff! [Kühn Palz 37]. Balzer, du könnscht heut emol ebbes schnerre losse [Kühn Hamet 76]. —
12. 'mit der Schlinge fangen, wildern' [Don-Lenauheim]; vgl. PfWB Schnärre. - Mhd. snërhen 'binden, knüpfen, zusammenziehen' ( Lexer Lexer II 1033), mhd. snarren 'schnarren, schmettern, schwatzen' ( Lexer Lexer II 1025). —
13. 'sterben' in PfWB daraufschnärren. — RhWB Rhein. VII 1555/56; Lothr. 459/60, ElsWB Els. II 504/05 schnerren;

[Bd. 5, Sp. 1259]
Schwäb. V 1034; Hess.-Nass. III 326, 361/62; Kluge-Seebold22 646 schnarren; DWB DWb. IX 1320, Frankf. V 2793/94 schnerren.