Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 ElsWB an tuen (Bd. 2, Sp. 639b)   PfWB an-ziehen (Bd. 1, Sp. 301) 
 an tuen 1. anziehen. s is so heiss,

[Bd. 2, Sp. 640a]
un ich bin auʰ noch so dick ongedon! Ingenh. Ich bli dªheim, ich hab nix anzeduen Illk. ‘Mit Rosenfarb schn angethon’ Fisch. Flöhh. 472. Refl. sich anziehen U. Scherzhaft: Sich guet oder innewënni an d. tüchtig essen Hf. Vgl. an legeⁿ O. 2. erweisen. Eʰr oder Schand a. Str. Eiⁿm eppis aⁿdueⁿ ihn verhexen Hi. Siʰ e Leids a. Selbstmord begehen. Hätts s im Vater nit sölle-n-a.! Hf. Sich Müej a. sich Mühe geben K. Z. Mⁱr han üⁿs alli Müej ongedon, awr s is nit dr wërt Ingenh. Basel 4. Schwäb. 147. Hess. 14.

 

   an-ziehen st.:
1. 'zu ziehen beginnen'.
a. vom Zugvieh. De Gaul will net aanziehe [allg.]. E gurer Gaul zieht zwäimol oon 'läßt einen beladenen Wagen nicht stehen', auch sprichw. [ KU-Schmittw/O] —
b. 'beim Mühlespiel den ersten Zug machen'. Zieh aan! [allg.]. —
2. 'durch Ziehen von der Stelle bewegen oder anspannen'. Die schwer Maschin ziehe zwien Geil net aan [ KU-Kaulb, allg.]. Er zieht de Hosserieme aan 'schnallt den Hosenriemen enger' [ NW-Neidfs, allg.];

[Bd. 1, Sp. 302]
de Droht a., in älteren Weingärten [ LU-Alsh]. RA.: Alle Sträng aanziehe 'tüchtig arbeiten' [ KU-Schmittw/O]; auch übertr. 'Jemand in einen geordneten Lebenswandel einzwängen' [ KL-Lind]; die Hosse ('s Hossefell) a. 'eine Tracht Prügel verabfolgen' [verbr. vorn. VPf]. Syn. s. PfWB verhauen. —
3. 'ankleiden, Kleidung, Schmuck anlegen'; 's Kind aanziehe, sich aanziehe, e scheene Rock, Strimp un Schuh, de Daimling, de Ring a.; sich annerscht a. 'sich umkleiden' [allg.]; dafür auch PfWB antun; fligg (flügge = leicht) aangezo(che) [verbr.]. RA.: Das wär jo grad, als wammer rer Sau e golde Halsband a. dät, wenn ein Kind zum Spielen auf der Straße sein Sonntagskleid anziehen möchte [Kaislt]. Dem geheert de Maulkorb aangezoche, von einem bissigen Menschen gesagt [LU-Altr, verbr.]. Er hot de Wammes ebsch aangezoo 'hat Bankerott gemacht' [WPf]; vgl. PfWB äbsch. TL.: Hopsa Liesche, danz e bißche! Mutter, ich han ke Schuh! Zieh die alde Schlappe aan un danz die Lecher zu! [ KU-Bedb, ähnl. Gal]. Volksgl.: Wammer alle Määrge (Morgen) der linke Strump 's erscht aa'zikt, krikt mer ken Zahweh [Fogel Beliefs Penns Nr. 1654]. Übertr.: Der hot sich des (das Gesagte) aangezoo 'Er fühlt sich beleidigt' [ KB-Bischh]. —
4. 'herankommen'. E Gewidder ziecht aan [ BZ-Dernb]. WR.: Wie se (die 40 Ritter) aanziehn, ziehn se aus [ KB-Harxh]. —
5. 'ansteigen'.
a. gegenst. Do ziechts aan, vom Gelände [ BZ-Dernb]. —
b. übertr. de Wein, die Frucht (das Getreide) zieht aan 'wird teurer' [allg.]. —
6. 'an sich heranziehen'.
a. physikalisch: Salz zieht Wasser aan; 's Haai is aangezoo(che) 'feucht geworden' [allg.]. Heit nacht hot's leicht aangezoche 'ist es kühler geworden' [NW-Lambr, verbr.]. —
b. 'anlocken', von lebenden Wesen. De sieß Moscht zieht die Biene (d' Imm) aan; de(n) Hund a. (durch Futter und gute Worte) [allg.]. —
7. 'anführen, zitieren'. a. 1805: ... daß die in dieser Bittschrift angezogenen Gründe des Johannes Scholl gäntzlich der Wahrheit entsprechen [Knapp 134 (KL-Ottbg)]. — ElsWB Els. II 897; Bad. I 66; Schwäb. I 287; Nass. 48.