Schwank [ʿSwàk Obhergh. Hlkr. Horbg. Mittl. M. Str. Z.; ʿSwòk Wh.; Pl. ʿSwak Hlkr. Dü. Bf.] m. 1. Schwung, schwingende Bewegung. Er het deⁿ S. bekummeⁿ K. Z., krit Wh. das Gleichgewicht verloren. ‘Sonder nam einen grossen schwanck’ Fisch. Flöhh. 579. 2. ein Zug mit der Sense. Noch e S., drnoʰ bin iʰ fertig! Obhergh. Hlkr. Horbg. 3. Schwadenbreite beim Mähen Bf. Mⁱr hän efangeⁿ e jedeʳ zweeⁿ Schwänk ʰⁱnus gmäjt Dü. Vgl. Schër. Zss. schwënkswis. 4. Spülicht M. — Bayer. 2, 639. | | Schwande f.: 1. 'durch Roden gewonnenes Land'; a. 1620: ein stücklein hecken u. Schwannen in Schmidtweiller gemarken [Staatsarchiv Koblenz Abt. 655.24 Nr. 808 Bl. 327]. — 2. ehem. FlN; a. 1487: uf die Swannen [Veld. I 45 (WD-Niedkch)]; a. 1600: Item die Schwan ist ein lauter Heiden [Vellmann Waldfischb 79]; a. 1745: die Schwann [HanLicht. 8]; Zs.: PfWB Oberschwande. — Mhd. swende 'durch Roden des Waldes gewonnenes Stück Land' ( Lexer Lexer II 1358), bzw. swant 'Rodung' ( Lexer Lexer II 1337). Das Wort ist auch Bestandteil von pfälz. Siedlungsnamen wie PfWB Schwanden, PfWB Schwanheim, PfWB Lauterschwan, Messerschwanderhof und Münchschwanderhof. — Dittmaier Rhein. FlN 283; DWB DWb. IX 2208 Schwand m. | | schwank, adj. schwankend, sich hin und her bewegend, dünn und biegsam, schlank. ableitung zu schwingen, vgl. dieses und schwang. dem deutschen schwank steht altn. swangr (schlank, dünn, hungrig) gegenüber mit demselben wechsel zwischen g und k, wie ihn auch das substantiv zeigt. die ältern westgerman. dialecte haben zumeist weiterbildungen, so ags. swancor, dem im deutschen (das zweite) schwanger entspricht, s. das.; ferner mhd. swankel, s. DWB schwankel. — schwank findet sich seit dem 13. jahrh., mhd. swanc Lexer handwb. 2, 1335; mnd. zwank (nur einmal belegt) Schiller-Lübben 4, 484b; vgl. J. Grimm kl. schr. 6, 329. Kluge5 340b. Weigand 2, 660. nhd. schwanck, dünn, o. maigre, graisle, menu Hulsius 291b; schwank, zehe, lentus, lenta salix, schwank machen und dehnen, lentare Schottel 1411; schwank, dünn, schwach, macer, exilis, maigre, mincelet 1412; schwanck, schwank, adj. [da schwingen] gracile, pieghevole, flessibile, flessile, sottile v. rahn. Kramer dict. 2, 695b; schwanck machen, schwanck werden. ebenda; ran, adj. procerus, agilis, macer, gracilis, alias lang et schwank. Stieler 1505; schwank, adj. macer, exilis, tener, subtilis, aptus ad vibrationem 1986; gracilis, agilis, mobilis Wachter 1482; lentus, flexilis, quod facile flectitur Frisch 2, 241c; vereinzelt im ältern nhd. auch mit g geschrieben: subtilis, dünn, subtil, schwang, mager. Alb. Qq 1b. neben schwank auch die form geschwank, s. th. 4, 1, 3981. einige weitere belege: Rosettgen, deine glieder, das kurtz-geschwancke schwan-gefieder, kränckt meinen muth. Wiedemann gefangenschaft, juni 53; schätzgen die geschwancken glieder sind die hoffstatt junger zeit. 61; und dennoch schaffet uns das glück geschwancke flügel. december 80. ebenso steht geschlank neben schlank, s. theil 4, 1, 3902 f. und theil 9, 476. — in neuern mundarten: bair. schwank Schm. 2, 640, thür. schwank biegsam, emporstrebend (ä schwanker torm) Jecht 101b, am Harz schwunk Hertel sprachschatz 226; nd. swank, dazu Swanckenbast, langer, hagerer mensch Richey 301. Schütze 4, 232 (in Osnabrück unbekannt Strodtmann 382a), swank Schambach 220a, westf. swanke elastisch, gewandt, hurtig, als adv. schnell Woeste 264b. vgl. auch Schm. a. a. o. 1) zunächst von dünnen, biegsamen pflanzen oder pflanzentheilen, laxus Nemnich, schwanker stamm, der sich leicht im bogen biegen läszt Jacobsson 7, 285a; lentus, adj. zehe, schwanck, ut: lenta salix. Corvinus fons lat. 357b; vimen, allerley schwancke reiser, damit man bindet, weidenband. 731a; eine schwancke weide, schwanckes rohr, salice pieghevole, canna flessibile, pieghevole ad ogni vento. Kramer dict. 2, 695c; eine schwanke weide, lenta salix Stieler 1986. Steinbach 2, 533; eine schwanke rute, lenta virga Frisch 2, 241c; der weiden - baum gibet schwancke reiser(bänder) aus derer zusammenflechtung die korbe und hürden werden. Comenius sprachenthür 114; der mann geht ins holtz und sucht schwancke ruthen, darnach setzen wir uns zusammen, und flechten körbgen. Weise kl. leute 149; men bant ene umme eine sûle vaste unde geiselde ene mit haste, dat ût sîneme lîve mannich revêr untsprank sô blôdichlik van der rôden swank. van d. holte des hill. cruzes 718 mit schwanker gert' ein schlag davor zersprengte schlosz und riegel. Bürger 15a (Lenore); schütz' euch gott, ihr reiser schwank! mögen unter euren kronen, rauscht ihr einst den wald entlang, gottesfurcht und freiheit wohnen! Geibel 2, 44; schwanker stab, stecken: sie (die kamele) sind ihre last auff sich zu nehmen willig, wenn man nur mit einem schwancken [Bd. 15, Sp. 2247] stecken ein wenig die kniehe an den forder beinen berühret. Olearius pers. reisebeschr. 300b; er .. hielt einen schwanken stab in der hand. Stolberg 14, 89. — schwanker ast, zweig: der paum (die birke) .. hât vil swanker ästel, dâ man pesem auʒ macht. Megenberg 331, 13; ausz der wurtzel kommen schwancke ästlein, so sich auff der erden auszbreiten. Tabernaemontanus 1208 E; man sol im einen stecken geben, dâ mit er were sîn leben, noch ze grôʒ noch ze swanc. Heinr. v. Neustadt Apollon. 20440; die zweiglein schwank zum vogelsang sich auf, sich nieder neigen. Spee trutzn. 27 Balke (8, 45); die ästlein schlecht, schwank und gerecht. wunderh. 1, 162 Boxberger; wo Philomel' auf schwanken zweigen scherzt. Haller ged. 4; die schwanken äste beben. Uz 271 Sauer; mir gilt 's gleich, wenn Tulifäntchen ewig sitzen bleibt im walde und am schwanken binsenaste schwertlein, schildelein verrostet. Immermann 12, 69 Hempel (Tulif. 2, 5); ihr vögel in den zweigen schwank. Platen 19b. so auch: nur noch der hauch verliebter weste belebt das schwanke laub der äste. Haller ged. 86; da indessen unedlere heerden geschwätziger gänse sich, unwillig schnatternd, von einem mädchen beherrscht sehn, welches das schwanke zepter von weiden gebietherisch schüttelt. Zachariä tagesz. 15; (ich) brach mir schwaches gesprosz vom biegsamen weidig. Voss Od. 10, 166. seltener von ganzen bäumen: buchenhaine von freudigerm anblick, die schwanke birke und das niedere namenlose gesträuch. Göthe 58, 87; ein schwankes, schlankes weidenstämmchen. Vischer auch einer 1, 350; adverbial: wo die cypresse schwank sich regt. Göthe 11, 338. sonst von langen, dünnen, biegsamen oder elastischen gegenständen: ein langes schwankes eisernes winkelmasz. 21, 6; die er offt ritterlich geführet, die schwanke glän'. Birken ostländ. lorbeerh. 374. so auch hohe, schwanke pfeiler, obelisci Stieler 123. 2) übertragen auf die menschliche gestalt, schlank, schmächtig: ein schwancker leib, corpo sottile, gracile, agile Kramer dict. 2, 695c; schwanke jungfer, juncea virgo Stieler 1986; dat ein vrowe zwank (die heil. Elisabeth) hadde tu hope lesen alzo vele doghede. quelle bei Schiller - Lübben 4, 484b; Silly, der so lang und schwank ist. Klinger theater 2, 282; das ist ein kerl, wie der, den ich suche! schwank, feurige augen. Göthe 57, 187; meine schwancke person hätt es (das felsstück) gleich niedergedrückt, und mit der völligen last gequetscht. briefe 3, 197 Weim. ausg. (9. dec. 1772 an frau v. Stein); indem ich die augen öffnete, sah ich ihre schwanke gestalt im zimmer auf- und abgehen. Bettina briefe 1, 86; der eine war ihr zu dick, 'das weinfasz!' sprach sie. der andere zu lang, 'lang und schwank hat keinen gang'. Grimm märchen 202; alse ein gerte ran unt swanc. Albrecht v. Halberstadt 32, 246; (Karl war) en mytten wael zo maessen swanck. Karlmeinet 22, 46; (er war) weder ze kurz noch ze lanc, noch ze dick noch ze swanc. Heinr. v. Neustadt Apollon. 591; des (brunnen) kraft was unmâʒen grôʒ, wann er geaʒ und sîn getranc sô wart er rinc unde swanc. 6735; zu baiden seiten ist sy langk, in der mitt ist sy schwanck. Hätzlerin 1, 59, 18. seltener von thieren, meist in etwas abweichender bedeutung: ein schwanckes pferd, un cavallo sottile si, mà leggiero alla mano ed ubbidiante. Kramer diction. 2, 695c; schwankes pferd, non solum est equus macie corruptus, atque tener, sed et volucer, levis, fugax Stieler 1986; auch du so schwankes federvieh. Spee trutzn. 104 Balke (24, 53). von einzelnen gliedern und körpertheilen: schwancke beine, pedes graciles Steinbach 2, 533; beim affen (sind die knochen ulna und radius) lang und schwank, wie denn dessen knochen überhaupt als verhältniszmäszig zu lang und zu schmal angesehen werden können. Göthe 55, 308; [Bd. 15, Sp. 2248] sîn ôren wârin im vil lanc, daʒ houbet mager unde swanc. ( Lampreht) Vorauer Alex. 246 (Straszb. handschr. 285 dafür slanc); da du, mit deinen schwancken armen beyd dich herter hetst an mich gehenget. anm. weiszh. lustg. 649; und ihres (der schlangen) halses schwanke säule nickt hoch über seiner (Laokoons) scheitel in den lüften. Schiller 6, 357 (zerstörung Trojas 37). 3) eine andre entfaltung der bedeutung hält den begriff der bewegung fest; von gegenständen, die in einer schwankenden, hin und her gehenden bewegung sind, so mhd. vom winde: doch quam ein wint sô swankir, den man si sach druckin unz hin an dî bruckin. Nicol. v. Jeroschin 11722; von wolken: suchest du ein firmament, wo in schwanken wolken schöpfungsbilder stehn und gehn? Rückert ges. ged. 2, 439; besonders aber von wellen: siehst auf und ab lichtgrüne schwanke wellen. Göthe 41, 62 (Faust II, 1), es irrt durch schwanke wasserhügel, im weiten, wildbewegten meer, ein schmetterling mit mattem flügel, und todesängstlich hin und her. Lenau 2, 93 Koch (Faust 1); ich bin die schwanke woge, die fern an felsen schlägt. Ludwig 1, 36; in ihre tiefen stürzte brausend sich die see, und liesz ob ihren wundern allen den blauen schleier auf der schwanken höh, den schaumesperlgestickten, wallen. Tit. Ulrich bei Stern dichtung 439a. daher übertragen: und in schwanken silberwellen wogt die saat der ernte zu. Göthe 41, 5 (Faust II, 1). von gegenständen, die auf dem wasser treiben: einst trägt die fluth ihn auf des schiffbruchs schwankem scheiterbrett! Stolberg 14, 45; traulich forschend nach dem fange, springt sie in den schwanken kahn. Kind ged. 3, 72; 'ha', spricht sie, 'fahre wohl, auf schwankem kiel!' Uhland ged. (1864) 433; durch eines finstern berges eingeweid' risz ihn auf schwankem flosz ein wilder strom. Ernst von Schwaben 3. im bilde: ich fuhr auf schwankem kahne, mit ungewissem sinn, im lebensozeane geworfen her und hin. Rückert (1882) 1, 470 (liebesfrühl. 3, 44). von andern gegenständen, schwankend (vgl. 1): das war der schwindel, des schieferdeckers ärgster, tückischster feind, wenn er ihn plötzlich zwischen himmel und erde auf der schwanken leiter faszt! Ludwig 1, 351; und hier auf diesem brett, das schwank und schwach, soll ich an's ufer? Grillparzer4 8, 185 (jüdin von Tol. 3); so im bilde: er (der sänger) hebt es (das herz) staunend himmelwärts, und wiegt es zwischen ernst und spiele auf schwanker leiter der gefühle. Schiller 11, 15; dem schwanken zünglein lauschend wachte Cäsar dort! Göthe 41, 113 (class. Walpurgisn.); nicht mehr zum lustschlosz umgelogen, scheint mir die erde, was sie ist: ein schwankes zelt, das wir bezogen — gott habe dank! — auf kurze frist. Lenau 1, 61 Koch (unmut). von gebäuden, wankend, einsturz drohend, im bilde: über dir mag auch Fortuna gaukeln ... menschen bald auf schwanken tronen schaukeln. Schiller 1, 181; filosofen — könige — matronen ... deren tugend wankt auf schwanken tronen. 186; o mein gemahl! sie bauen immer, bauen bis in die wolken, bauen fort und fort und denken nicht dran, dasz der schmale grund das schwindelnd schwanke werk nicht tragen kann. 12, 280 (Wallensteins tod 3, 4). in poetischer übertreibung von der erde: von rosseshuf ward die erde schwank. Rückert Firdosi 1, 59; die erde ward schwank wie ein schiff auf der flut. 378. 4) von lebenden wesen, so vom betrunkenen mit hinblick auf seinen schwankenden gang: und vor und hinter ihm die kinderschar umdrängt' ihn, wie ein klein-bacchantenchor, draus ragte schwank der selige empor. Keller 9, 110. [Bd. 15, Sp. 2249] ähnlich: es (das böcklein) stand schwank auf den füszen. Vischer auch einer 1, 336. von der hand, zitternd oder unsicher zufassend, fehlgehend: das hat nicht mein sohn gethan! tiefverhüllte, finstre mächte lenkten seine schwanke rechte! Grillparzer4 3, 107 (ahnfrau 4); sie (die mutter) legte auf des sarges wappenschild mit schwanker hand die jungfräuliche myrte. Geibel 1, 179. auch die bewegung selbst wird schwank genannt, schwanker gang: als Rudello, schwanken ganges, eben das gestad betreten. Uhland ged. (1864) 269; so trat ich in den hohen dom mit schwankem schritt und freudgem zagen. 399; im bilde: und mit also schwankem gang, mit so ärmlich halbem muthe wolltest du der herrschaft sprossen ... du erklimmen macht und rang? Grillparzer4 6, 215 (traum ein leben 4). von andern bewegungen: es (das pferd) hube sich in schwanken sprüngen, schlank als ein wurm. Birken ostländ. lorbeerh. 375; im ritt führt' er den hieb so schwank, der wackre Türk' aus dem sattel sank. Rückert Firdosi 3, 124. so auch: in meeresfrische glatt behagen sich die fische, schwanken lebens ohne leid. Göthe 41, 159 (Faust II, 2). von der stimme: er ihm singlet süsze reimen mit gar süszem stimmlein schwank. Spee trutzn. s. 168 Balke (39, 86). 5) auf geistiges oder unkörperliches bezogen. a) gern von traumerscheinungen: denn nur in geheimen nächten nahte sie dem sänger leise, selbst den boden nie berührend, spurlos, schwank, in traumesweise. Uhland ged. (1864) 267 (Rudello). in ähnlichem sinne: von der seele aber, die in der reihenfolge des werdens ihr ohne aufenthalt entschlüpft, war ein teil in der tochter wieder zum vorschein gekommen, freilich so schwank, still und elementarisch, wie das leibliche, in dem sie wohnte. Keller 2, 171. b) schwanke vorstellungen, unsichere, flieszende, haltlose: der mahler, der nach der beschreibung eines Thomsons eine schöne landschaft darstellet, hat mehr gethan, als der sie gerade von der natur copiret ... dieser macht aus lebhaften sinnlichen eindrücken etwas schönes; jener aus schwanken und schwachen vorstellungen willkührlicher zeichen. Lessing 6, 447; und sie wollen doch wohl nicht behaupten, dasz unter verblümten, bilderreichen worten nothwendig ein schwanker, schiefer sinn liegen musz? 10, 174; ein eitles echo schwanker theorie. Platen 226b (treue um treue prolog); wie fügte sich der ewig schwanke, nie fest zu haltende gedanke? Lenau 2, 129 Koch (Faust, lekt.). c) von empfindungen: das unstät schwanke sehnen war gebunden. Schiller braut von Messina 1, 7; denn, knabe, wie wir uns auch preisen mögen, sind unsre neigungen doch wankelmüth'ger, unsichrer, schwanker, leichter hin und her, als die der frau'n. Shakespeare was ihr wollt 2, 4; und hingerissen sind sie wie im sturm ... zu einer that, die kein besinnen ungethan mehr machen kann und schwanker reu den weg abschneidet, je zurückzukehren. Ludwig 3, 341. d) selten von einem menschen in dem sinne 'schwankend, wankend in seinem entschlusse': nie macht in seiner pflicht ihn furcht und hoffnung schwank. Wieland 9, 258 (leben ein traum 8). |