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 ElsWB Schnurr(e) (Bd. 2, Sp. 505a)   PfWB Schnurre (Bd. 5, Sp. 1381)   PfWB Walze (Bd. 6, Sp. 1036) 
  PfWB  LothWB  RhWB Schnurr(e) [ʿSnûrə Olti. Roppenzw. Strüth Mü. Katzent.; ʿSnùrə Mü. Urbis; ʿSnùr O. U. W.; Pl. –ə; Demin. ʿSnîrlə Olti., ʿSnìrlə Ruf.] f. 1. Maul, Schnauze, Rüssel. Mit dr S. wüeʰlt d Soü im Drëck ʰerum Dü. ‘in dr Schnurre’ des Wildschweins Lustig I 115. ‘schnuurä’ Mü. Landsman Lied. 128. ‘Schnorren an den thieren Proboscis’ Dasyp. Verächtl. vom Mund: Halt d. S.! Mark. Hf. Uf d S. haüeⁿ Gebw., stosseⁿ Str. Dem bin iʰ üwer d S. gfaʰreⁿ! Geisp. E gschliffeni S. eine scharfe Zunge Mittl. E S. macheⁿ schmollen Dü. Zss. Schnurreⁿbutzer. 2. Demin. Mündchen. Du hes e chleiⁿ Schnürrle! Olti. 3. altes schwatzhaftes Weib Str. 4. Knabenspielzeug. Ein Knopf oder eine durchlöcherte Blechscheibe wird durch 2 Schnüre in kreisende Bewegung versetzt, wobei ein schnurrendes Geräusch entsteht Su. Zss. Schnurrbeinel. 5. Kreisel, der mit der Peitsche getrieben oder durch das rasche Abziehen einer Schnur zum Kreiseln gebracht wird Ingw. In der ält.

[Bd. 2, Sp. 505b]
Spr. auch Handklapper. Syn. Rätsch. ‘Sie haben leichtfertige Ding feil als Schnurren, Blosbelg’ Geiler Brös. 1, 95. ‘Crembala ein schnurr’ Gol. 239. 6. Abendmarkt (s. Seite 710), eig. das Herumschnurren. Bis wider uf dr S. gewëˢn nächte? Wh. Du, dëne Oweⁿd geʰⁿ mⁱr uf d S. auf den Strich Büst. — Basel 262. Bayer. 2, 580. Westerw. 204.

 

   Schnurre f.:
1. allg. 'das abendliche gesellschaftliche Herumstreichen der jungen Leute im Dorf'. In verschiedenen Aussprachevarianten nur in der Wend.: uf die Schnorr gehe [verbr. WPf KB-Albish Dreis Mauchh Orb FR-Bissh Ebertsh

[Bd. 5, Sp. 1382]
Flomh Frankth LU-Oggh NW-Haardt Weidth SP-Berghs LA-Ilbh Nußd BZ-Schweighf GH-Hagb], Schnurr [HB-N'alth Seyw IB-Eschring ZW-Marthh PS-Claus Dahn LU-Böhl Hochd NW-Niedkch SP-Harths LA-Dammh BZ-Billh GH-Berg Büchbg Hay Rh'zab], Schnarr [ KU-Bosb Föckbg Relsbg RO-Lettw], Schnuer [ IB-Ensh]. Weitere besondere Formen der Schnurre s. unter den folgenden Punkten. —
a. 'die abendliche Arbeitspause in der Spinnstube', von jungen Leuten genutzt, verschiedenen Vergnügungen nachzugehen, Schnurr [mancherorts nördl. WPf ZW-Wattw RO-Alb Mannw KL-Erlb Weilb PS-H'einöd BZ-Dernb Schandein Sprachsch. 63 Vogelsgesang 28]; vgl. PfWB Jugend 2, PfWB Schnärre 6 a, PfWB schnärren 5. Brauchtum: Während der Zeit des Spinnens und Strickens war die Schnorr des Abends eine angenehme Arbeitsunterbrechung. Sie war das Recht der jungen Leute und deren eigene Angelegenheit, in die weder Eltern noch Herrschaft hineinzureden hatten [ KU-Bedb]. Man ging auf die Gasse 'lauschtere', 'luere' oder uf die Schnorr, d. h. man ging durch die dunklen Dorfstraßen, hob Fensterläden aus, erschreckte harmlose Leute, spielte auch dem oder jenem einen schlimmeren 'Duck', bis man schließlich ausgefroren wieder in die warme Stube zurückkehrte [PfL 2. 12. 1933, Heeger in: Feierowend 25/1949 S. 6]. Am Abend des Kuseler Weihnachtsmarktes wurde im Dorfwirtshaus die Schnorr versteigert. Der Preis war ein Fäßchen Bier. Wer die Sch. ersteigert hatte, hatte damit auch das Recht und die Pflicht, die Sch. zu beginnen. Sie begann um acht Uhr abends. Vor den Spinnstuben und Häusern, in denen Mädchen waren, wurde in die Hände geklatscht. Dann kamen alle vor die Tür und die jungen Leute zogen lachend, singend und Unfug treibend durch das Dorf [KU-Bedb, Schandein Bav. IV,2 363]. ...»und sammelten Hutzle, gedörrte Zwetschen und Apfelschnitzen, die dann nach der Rückkehr in die Spinnstube unter allerlei Späßen verteilt und gemeinsam verzehrt wurden« [Wilde 20]. Uff die Schnorr gehe, Volksbrauch an Lichtmess (2. Februar) [Stoll 41]. —
b. 'dem anderen Geschlecht nachlaufen, poussieren, flirten', Schnorr [verbr. WPf mancherorts übrige Pf außer nördl. VPf], Schnarr [ KU-Liebsth ZW-Riedbg RO-Höring]; auch von Katzen gesagt, die nachts umherstreifen [Zweibr]. Die Mädchen gingen freitags vor Fastnacht bis Ostern den Burschen nach [ KU-Rothsbg]. —
c. 'der Geliebten den Hof machen, auf die Freierei gehen, um einen festen Partner zu finden' Schnorr [KU-Gumbsw Kübbg IB-Rohrb Wolfh ZW-A'hornb Bechhf Maßw RO-Feilbg Schweisw KL-Hauptstl Landstl Lind Spesb NW-Hardbg], Schnarr [ KU-Haschb/G], Schnurr [ PS-Lautschw]. —
d. '(bei Dunkelheit) im Dorf umherstreifen, an fremden Fenstern hor-

[Bd. 5, Sp. 1383]
chen, andere Menschen belauern, herumspionieren', Schnorr [KU-Frankb Herchw O'alb Obw/T Reipkch WD-Niedkch HB-Brenschb Höch IB-Ormh ZW-Battw Stamb RO-Dielkch Feilbg Lohnsf N'hemsb Semb KL-Mackb Reichb Steinwd NW-Frankeck GH-Schaidt Weingt, Kleeberger 100 Kühn Hamet 134], Schnor [ ZW-Rieschw], Schnurr [ PS-Schönau Vinn]; vgl. PfWB schnurren 3 c. Sie geht uf die Sch. [KU-Reichsth GH-Wörth, vereinzelt SOPf]. —
e. 'im Dorf herumlaufen um Neuigkeiten auszutauschen, zu tratschen', Schnorr [ KU-Dunzw ZW-Biedhs RO-Katzb KL-Kottw/Schwand KB-Gauh Immh Kriegsf FR-Bockh Heuchh Lambsh Mörsch LU-Fußgh BZ-Gleisz/Gleishb Schweig], Schnurr [ GH-Wörth]. —
f. 'Streiche spielen, Unfug treiben' [ KU-Diedk Haschb/G Konk HB-Brenschb Höch Kirrbg ZW-Gr'steinhs RO-Bistschd Semb KL-Mackb Reichbstg]. —
g. 'hausieren, betteln gehen, schnurren gehen', Schnorr [IB-Ommh verbr. nördl. VPf LU-Friesh Limbghf Schauh NW-Bobh Dürkh Freinsh Greth Herxh Kallstdt Lambr Leistdt Seeb Ungst Wachh Weish/B LA-Edk Göckling Kl'fischl Mörzh BZ-Apphf Stein GH-Otth], Schnarr [ KU-Adb], Schnor [ FR-Albsh], Schnurr [ LA-Böbing BZ-Albw]; vgl. PfWB fechten, PfWB schnurren 3 d. Er (Die) geht uf die Sch. [ KU-Adb KB-Niefh NW-Ellstdt Ungst Wachh]. —
h. 'hausieren, Wandergewerbe betreiben', Schnorr [ NW-Kallstdt], Schnarr [ RO-Gundw]; vgl. PfWB Walze. —
i. 'herumziehen und Straßenmusik machen', Schnorr [RO-Sippf KL-Samb KB-Jakobsw LU-Opp], Schnurr [ HB-Medh]. Gehn die Mackebacher Musikante / Als noch in die Welt naus uff die Schnorr? [Max Braun, Pälzer im Himmel, in: Wurstmarkt-Festschrift 1926]. —
2. 'ausgehen, um von säumigen Kunden ausstehende Zahlungen einzutreiben', von einem Uhrmacher gesagt [ KB-Rams]. —
3. 'eine ältere Frau, die gerne tratscht und klatscht'; aldi Schnorr [KU-Reichsth Klein Prov. 136]; vgl. PfWB Schnurrbase; Zs.: PfWB Bohnenschnurre. —
4. derb für 'Mund', Schnurr [Schmitt Billh. 62]; Syn. s. PfWB Gusche 1 b. —
5.
a. 'ratterndes Lärminstrument, das am Gründonnerstag eingesetzt wird' [Stoll 52, 193]. — x
b. 'schnurrendes, knatterndes Spielzeug aus dem Knochen eines Schweinefußes, an einem Wollfaden befestigt', Schnorr [Don-Lenauheim]. —
6.
a. 'Windstoß, Windzug', Schnorr [IB-Ensh (Glass II 58)]; Zs.: PfWB Windschnurre. Heijd isch awwer willer e Schnurr iwerm Lonnd! [IB-Ensh (Glass 108)]. —
b. 'erhöhte Stelle im Gelände, über die der Wind fegt', Schnorr [ NW-Hardbg]; vgl. PfWB schnurren 4. —
7. FlN, mda. Die Schnorr [ NW-Weidth]. — Südhess. V 654/55 Schnorre; RhWB Rhein. VII 1682/83; LothWB Lothr. 462; ElsWB Els. II 505; Schwäb. V 1090 Schnurre II; Hess.-Nass. III 386; Kluge-Seebold22 650; DWB DWb. IX 1415 ff.

 

   Walze f.:
1.
a. 'Ackerwalze', zum Zerkleinern der Erdschollen und Andrücken, Einebnen der lokkeren Erde, Walz (walds, wals) [verbr., Kleeberger 122 Mang 80 Müller Dietschw 70], Pl. -e [verbr.]; Zs.: PfWB Acker-, PfWB Eisen-, PfWB Glatt-, PfWB Hand-, PfWB Holz-, PfWB Ringel-, PfWB Rund-, PfWB Schollen-, PfWB Stachel-, PfWB Sternwalze; in älterer Zeit bestand der Walzenkörper aus einem zylindrischen Baumstamm oder Stein, moderner sind Walzen aus Gußeisen, man unterscheidet daher die holze, eise W. [ KB-Bennhs]; die gussene W. [ KB-Gauh FR-Bobh]. Die W. muß die Schwolle verdricke [ KU-Schmittw/O]. —
b. 'Straßenwalze' [verbr., Krämer Gal 238]; Zs.: PfWB Dampf-, PfWB Schossee-, PfWB Schrotten-, PfWB Straßenwalze. Un dann die Stroße in de Palz! / Die brauchen allegar die W. [Münch Werke II 202]. —
c. 'walzenförmiger Teil, Welle an Geräten'. α. 'Windachse am Erntewagen', s. Abb. 24 [äußerste SWPf]; Verbr. s. K. 49; Zs.: PfWB Bindwalze; Syn. s. PfWB Bindachse. —
β. 'mit Zähnen bestückte Welle der alten Rübenmühle' [ NW-Frankeck PS-Geisbg]. —
γ. 'Flügelwelle in der Windmühle zum Reinigen des Getreides' [ KU-Herschw/Petth PS-Schmalbg]. —
δ. ' Teil der Dreschmaschine' [ KL-Reichb]. —
2.
a. 'zusammengerolltes Heu, Heuwalze, die beim Laden des Wagens vorn und hinten als Abschluß dient' [ GH-Knitth]. —
b. 'großer Schneehaufen' [ KL-Reichb]; Zs.: PfWB Schneewalze. —
c. 'dicker Spielklicker' [ HB-Erb ZW-Rieschw RO-Finkb PS-Rodalb LU-Opp GH-Kand]; Zs.: PfWB Blei-, PfWB Dampf- 2 b, PfWB Haferwalze; Syn. s. PfWB Schießklicker. —
d. 'rollende, wellende Bewegung; Welle' [ GH-Jockgr Neubg]. Die Wärm (Würmer) hawe Walze g'schlache, vom Wimmeln der Würmer an einem faulen Käse [ GH-Jockgr]. —
e. vgl. PfWB Brunnenwalze. —
3.
a. 'dicke, unförmige Person' [ ZW-Battw KB-Kriegsf]; Zs.: PfWB Dampf- 2 a, Stra-

[Bd. 6, Sp. 1037]
ßenwalze 2; Syn. s. PfWB Dicksack. —
b. 'langsame, schwerfällige Person' [ZW-L'wied Höh 154]. —
4.
a. 'Wanderschaft, Reise', von zunftmäßigen Handwerksburschen, aber auch herumziehenden Landstreichern, meist in den Wend.: uf de Walz sein; uf die Walz gehe 'auf Wanderschaft sein (gehen)' [KB-Albish, verbr.]. Er geht uf die W. [ ZW-Bechhf]. Er war finnef Johr uf de W. [ KU-Schmittw/O]. Wann iss Er vun dehääm fort uff die W. gedibbelt? [Kühn Kumödi 41]. Ich häng an de Häämet, an unsere Palz / un geh halt als Pälzer aach gern uff die W. [Wilms Land und Lewe 33]. —
b. 'das (abendliche) Ausschwärmen, im Dorf Herumstreichen', bes. von jungen Leuten anläßlich der Spinnstube [vereinzelt]; vgl. PfWB Schnurre 1. — RhWB Rhein. IX 228/29; LothWB Lothr. 529; ElsWB Els. II 825.