Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 ElsWB Brunneⁿ (Bd. 2, Sp. 191b)   PfWB Brunnen (Bd. 1, Sp. 1289) 
  Brunneⁿ [Prùnə O. W., U. nur da, wo Burneⁿ (s. d.) nicht vorkommt; Pl. Prìna, Prenə; Demin. Prìnəli Olti., Prenala Dü., Prìnl Betschd. Schleit.] m. 1. Brunnen. E verloreneʳ B. ein ausgemauertes Loch (oft ein alter Brunnen), in welchem sich das Regenwasser u. Quellwasser sammelt Obsteinbr. Bim Durchgang vom Merkur häⁿ d dummeⁿ Lüt d Brünneⁿ zuegedeckt aus Furcht, vergiftet zu werden Bf. Rda. Mr kann nit saweⁿ: B., us dir trink ich nit! wer weiß, ob man ihn nicht noch einmal braucht Lützelstn. Rathgeber 11. Rda. ‘Wasser in Prunnen schütten’ Überflüssiges tun Murner Schelmz. 65. ‘Wasser in brunnen tragen’ Geiler in Als. 1862/67, 137. ‘De diefschte Brunne ka mer üsschöpfe’ das größte Vermögen kann verschwendet werden Rathgeber 13. ‘Brunneⁿ usseⁿ ziegeⁿ’ ein Spiel aus der Kunkelstube JB. XVII 236. Ein Kindervers über die 5 Finger: Dëʳ is in dr Brunneⁿ gheit, Dëʳ het iʰⁿ ufeⁿ gschepft, Dëʳ het ⁱʰne heim treit, Dëʳ het ne ins Bett glegt, Dr kleiⁿ Spitzbue het ⁱʰne zuedeckt Ruf. 2. Demin. Quell auf dem Feld, im Wald Olti. Schleit. Zss. Brunneⁿhakeⁿ zu Seite 315 Dü. Schweiz. 5, 653. Bayer. 359.

[Bd. 2, Sp. 192a]

 

   Brunnen m.:
1.
a. 'natürliche Quelle, auch in gefaßter Form', vgl. PfWB Quelle. Zs. PfWB Lauf-, März-, Röhrenbrunnen. Do kummt än Brunne raus [ PS-Erfw], e Brinnche [verbr. WPf NPf], e Brinnelche [verbr. nördl. NPf], Brinn(e)l [verbr. VPf], Brinnle [ LU-Rh'gönh GH-Scheibhdt]; de klään Brunne, de grouß B. [ BZ-Dernb]; de gure B. 'Rohrbrunnenanlage mit schwefelhaltigem Wasser' [ NW-Freinsh]. De Brunne laaft [KU-Aschb, verbr.]. Die Naas laaft'm wie e Brinnelche [ RO-Obd Rockhs]. Kleine Kinder macht man glauben, sie seien aus dem Brunne (Brinnche, Brinnelche, Brinnel) geholt worden, wobei meist eine bekannte Quelle, mancherorts ein künstlicher Brunnen im oder beim Ort gemeint ist; vgl. PfWB Amme, PfWB Puppelchens-, Puppen-, PfWB Kindelsbrunnen, PfWB Frauenbrünnlein. Aus einem Kindergebet: Gottes Brinnel hot Wasser die Fille (Fülle) [ LU-Böhl, BZ-Dierb]. —
b. 'nasse Stelle in der Wiese', Brinnche [ IB-Hass KU-Heinzhs]. Zs. PfWB Gallen-, PfWB Hotzelbrunnen. —
c. 'Urinlache'; en Brinnel mache [ BZ-Dernb]; vgl. PfWB Bach 4. —
2. 'künstlich angelegter Brunnen', vgl. PfWB Born; e Brunne (Bronne) grawe [verbr., auch Gal]; de B. butze 'reinigen' [verbr.]; in de B. springe, in selbstmörderischer Absicht [ KU-Schmittw/O NW-Weish/S Gal-Dornf]. Zs. PfWB Pump-, PfWB Dorf-, Gemeinde-, PfWB Orts-, Schwengel-, PfWB Ziehbrunnen. SprW.: Jeder Brunne scheppt sich emol leer [Krieger 63, verbr.]. Kleene Brunne sin ball leer [PennsDeitschEck 17. 9. 1935]. De B. werd zugedeckt, wann 's Kalb versoffe is [NW-Hardbg u. Umg.]; Var. s. bei PfWB Pfuhlloch. WR.: Wann de B. schwitzt, gibt's Reche (Regen) [ LU-Böhl, ZW-Käshf]; vgl. die Var. bei Pumpe 1 b. VR.: Das Mädel geht an de Brunne, hat e Kind gefunne. Wie soll's heißen? Böckel oder Geißel. Wer soll's heben? Die Mad aus'm Löwe. Wer soll die Windeln waschen? 's Mädel aus der Klappertasche [Kaislt]. Weitere KR. s. PfWB ausziehen 1 a, PfWB plumpsen, PfWB Roß, PfWB troß. Volksgl.: Eine Wöchnerin darf erst 6 Wochen nach der Entbindung zum B. gehen, sonst wachsen rote Würmer darin [Journal 1790, 8. St., S. 142-44]. a. 1507: ein bronnen im Dorf zu Alsenczbruck vf ihren costen graben vnd vfrichten sollen [PfWeist. I 24 (RO-Alsbr)]. a. 1515: vor eyn bast seyl uber den bronnen im vih hoff [GgHospR]. a. 1634: einen Aymer zum bronnen zu machen [WerschwSchR, Bl. 98]. —

[Bd. 1, Sp. 1290]

3. Grundw. in zahlreichen FlN; s. PfWB Allmend-, PfWB Pfingst-, PfWB Plätsch-, PfWB Tafels-, PfWB Teufels-, Geißels-, PfWB Gold-, PfWB Grieß-, PfWB Hunger-, PfWB Juden-, Jungfer-, PfWB Kessel-, PfWB Klingel-, PfWB Kranken-, PfWB Mai-, PfWB Meisen-, PfWB Oster-, PfWB Queck-, PfWB Quellen-, PfWB Spiegel-, PfWB Weedenbrunnen, PfWB Hasen-, Rös-, PfWB Sternbrünnchen, Bettel-, Eier-, Käse-, PfWB Saum-, PfWB Schäferbrünnlein. — F.: fast allg. brunə; bronə in NWPf Don-Lenauh; brounə in KU-Wahnwg WD-Ostbr PS-Herschbg; burə (neben brunə) in IB-Bliesmg/Bolch. In den histor. Belegen bis 1772 fast allg.: bronne(n). Zum Komplex Born/Brunnen s. die Ausführungen bei Born (Sp. 1108/22 ff.). — Südhess. I 1175; RhWB Rhein. I 1050; LothWB Lothr. 68; ElsWB Els. II 191; Bad. I 346/47.