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 ElsWB brucheⁿ (Bd. 2, Sp. 179b)   PfWB brauchen (Bd. 1, Sp. 1167)   PfWB raumen (Bd. 5, Sp. 414) 
  brucheⁿ II, braucheⁿ [prỳə Gebw. Hlkr. Logelnh.; pryχə fast allg.; prùχə Obrröd.; priχə Hf.; prýə Sier.; prœyχə Bühl Obgericht N.; Part. kəpryt, kəpryχt, aber i hæts net kəpriχt Wh.; Conj. priχt U., priχtikt M. Lustig I 110.] 1. brauchen, nötig haben, als Hilfszeitwort. Wer nit schafft, brucht aʰ nit ruweⁿ Rauw. Was bruch ich do lang ze warteⁿ, ich geʰ! Str. Madam, brucht Si hüt nix? fragen die Händler Str. Illk. Wenn ⁱʰr wider eppis brucheⁿ, kumme-n-ⁱʰr wider! zu jem., der sich für etw. bedankt Ruf. Ich tät vieˡmªls zwei Dªheim bricheⁿ Hf. ‘s brucht ken Ufstiftes do’ es ist nicht nötig noch zu hetzen Pfm. III 2. Iron. Du bruchs Loweⁿs wi dr sur Win du verdienst kein Lob Str. 2. gebrauchen. Dëⁿ kaⁿⁿ mr b. der ist brauchbar Gebw. Mr kann ihne brucheⁿ für was mr will er ist zu allem brauchbar Ruf. [Ké nomə-n, i pryχ ti net Co.] Mr kann s b. wi s kalt Gebroteⁿs zu allem Str. 3. s Mul b. grob antworten Hlkr. Z. 4. Arznei nehmen. Für eps b., derfür b. M. Eigentlich sich von einem Kurpfuscher behandeln lassen. Er brucht mit eⁱⁿreⁿ Frau von Bosseⁿdorf Hf. 5. (vielleicht mit 4 zu Brocheⁿ?) quacksalbern, Geheimmittel wissen. Dr alt Andres het als könneⁿ b. Illk. Dër loßt sich b. sucht Hilfe beim Pfuscher Obgericht. Die Frau brucht für bösi Finger weiß ein Mittel dagegen, kann die Krankheit weghexen Sier. Er brucht schun lang drfür, awer s hilft nix Ingenh.; b. loˢˢn besprechen, besegnen lassen Hag. 6. Eini b. notzüchtigen Dü. Hf., geschlechtl. Umgang haben Ingenh. 7. refl. ‘Sie praucht sich auch so emsiglich’ Fisch. glückh. Schiff. ‘Und preisten die Züricherknaben, Daß sie so wohl sich gebrauchet haben’ ebd. Sacheⁿ wo siʰ br. notwendige Dinge M. ‘Was brucht sich meh’ Pfm. III 3. s brucht

[Bd. 2, Sp. 180a]
siʰ es ist notwendig M. 8. sich beeilen. Date brucheⁿ si siʰ awer! Z. Schweiz. 5, 351. Bayer. 337.

 

   brauchen schw.:
1.
a. 'benutzen, verwenden', brauche, brouche, bruche, s. F. [allg.]; vgl. PfWB gebrauchen. Dene kammer iwweraal brauche, von einem Tüchtigen [ PS-Saalstdt, allg.]. Der braucht sei Maul, wer unerschrocken seine Meinung sagt, sich mit Worten zu verteidigen weiß [KU-Kaulb, verbr.]. a. 1480: vnschedlich holtz ... ihn den eigen wäldchin zu hauen vnd ... zu brauchen [PfWeist. I 446 (KL-Erlb)]. 16. Jh.: und sollen sie und die von Heiligenstein den weidgangk bruchen, als von alter herkomen ist [PfWeist. I 97 (SP-Berghs)]. a. 1590: Item es soll auch ein Jeder, der Inn dieser Statt hanthiren will, kein maß, wag, Eln oder Gewicht breuchen, Es sei ihm zuvor ... mit der Statt zeichen gebrandt [ZweibrUrkb. 164]. —
b. e Weibsmensch b. 'beschlafen' [verbr.]. —
c. 'mit Sympathiemitteln (Zaubersprüchen, Einreibungen, Blasen, Bestreichen) heilen'. Die kann brauche [verbr. noch um 1900, heute selten]. Sie hot dem Kind drei Dag gebraucht, weil's angewachse war; jetzt esch's wirrer g'sund [ BZ-Dernb]. Brauchspruch gegen Mumps: Ohreklamm, Ohreklamm, ich brauche der met de Feierzang [ KU-Kaulb]. Warze kammer vertreiwe mit Brauche. Mer sagt drei Owed hen'dran: Neimuund, was ich anguck, nemm zu, was ich streich, nemm ab [Fogel Beliefs Penns Nr. 1728]. Mit Karfreidagsaier kammer gut brauche [ebd. Nr. 862]. Weitere Beispiele des Brauchens s. bei PfWB Abnehmen 1, PfWB anwachsen 3, PfWB pispern 2a, PfWB Blut 1, PfWB Bräune, PfWB Fieber, PfWB Gelbsucht, PfWB Magenfieber, PfWB Milchfrost, PfWB Mumps, PfWB Rose, PfWB Schmerz, PfWB Schußblater, PfWB Warze, PfWB Wunde, PfWB Zahnweh. Vgl. Becker Vk. 134 ff. und Fogel Beliefs Penns. —
2. = PfWB verbrauchen. Mer hänn

[Bd. 1, Sp. 1168]
viel Geld verdient, hänn awwer aach viel werrer gebraucht [PfRSch. vom 29. 10. 1933 (FR-Hettleidh)]. SprW.: Hat mer viel, dann brauch mer viel; auch das Gegenteil dazu: Was mer net hat, brauch mer net [Kaislt, verbr.]. —
3. 'bedürfen, nötig haben'.
a. positiv. Eß, was der schmackt un hall dich gut, dann brauchschde ke Dokter [ ZW-Battw]. RA.: Die braicht (bräuchte) achtzehn, von einer Liederlichen [ LU-Opp]. Der kinnt (könnte) en Geldschisser brauche [ BZ-Dernb]. Er braucht die ganz Stroß, von einem Betrunkenen [ LU-Muttstdt]. Wann de wieder was brauchscht, ich bin alle Markdag do, als höfliche Ablehnung des Dankes [ LU-Neuhf]. Hitz hot er, sacht er, hätt er; Kiehling (Kühlung) braicht er, mecht er, wett er (wollte er) [ SP-Harths]. Wammer die Wichsberscht braucht, es se net do [ KB-Bennhs]. Es brauch äns es anner [ WD-Niedkch]. Geld esch Dreck, awwer mer braucht's [ BZ-Dernb]. E gut Ding brauch(t) Weil [ Gal]. Der kann alles brauche, was er gelernt hat, von einem Dummen [ KU-Schmittw/O]. —
b. negativ. Die bergab fahrende Lokomotive faucht mit Leichtigkeit: Ich brauch dich nit, ich brauch dich nit! [LU-Opp, verbr.]. Er is krank, brauch awwer net se leie [ KU-Bedb, allg.]. RA.: Wann der schloft, braucht er nix se esse [ Gal-Brig Obl]. SprW.: Wer sich wääß se schicke, der braucht sich net se bicke [ GH-Nd'lustdt, Kaislt]. — F.: bruxə lothr. SWPf (südl. der Linie Hus, s. K. 1); brouxə verbr. SWPf wie Hous, s. K. 1; brāuxə KU-Ulm Friedhs HB-Jägbg verbr. Nordteil der südl. VPf (vgl. Heeger Südostpf. § 1 Anm. c und Bertram 84, § 134), bei der jüngeren Gener. 1968 vielfach schon kurzes -a-; bruxə HB-Walshs; übrige Teile der Pfalz allg. brauxə. Ind. Sing. 1. braux (brux, broux, brāux), 2. -x(d), 3. -x(d); Pl. 1.-3. -xə NPf u. WPf westl. der Linie RO-Ebbg — RO-H'stätt — KU-Schmittw/O — RO-Gundw — KL-Kindsb — PS-Horb — PS-Fehrb — PS-Salzwg — PS-Hirschth (die genannten Orte einbegriffen), verbr. Ostteil der NPf, selten VPf; sonst -xən, vgl. PfWB sitzen u. K. 7a in DSA; in Gal-Obl braiχən; Sonderfall für Pl. 2. braiχd, braiχə, braiχən mancherorts Penns, Buffington Penns Var. 224 u. PSA 51. Konj. Prät. Sing. 1. u. 3. braiχd (zu brauxə), brid (zu bruxə), bręiχd (zu brouxə), brāiχd (zu brāuxə); 2. -χ(d); Pl. -χdə u. -χdən. Part. Perf. gəbrauxd (gəbruxd, gəbrouxd, gəbrāuxd), seltener (und dann zumeist in konjunktivischer Verwendung) gəbraiχd (gəbrid, gəbręiχd, gəbrāiχd). Südhess. I 1078/79; RhWB Rhein. I 926 ff.; Saarbr. 35; LothWB Lothr. 67 bruchen; ElsWB Els. II 179 bruchen; Bad. I 310.

 

   raumen, räumenschw.:
1. 'entfernen und dadurch Platz schaffen', Ggs.: PfWB einraumen 1 a, raume [verbr. WPf NPf, Christmann Kaulb 20 Mang 126 Müller Dietschw 56, Don-Schowe Torscha], raame [verbr. NPf VPf (außer Umg. Land) Pirmas], raame u. roome [Krämer Gal 172], rumme [lothr. SWPf (Keiper Nachl.)], rääme [Umg. Land]; Zs.: PfWB ab-, PfWB auf-, PfWB aus-, wegraumen. Die Scheier is geraumt 'Der Futtervorrat ist aufgebraucht' [ KU-Wolfst]. Ruf beim Klickerspiel: Raum's! [ KB-Orb]; Zum Spielverlauf s. PfWB botteratsch. Volksbr. gegen die Schußblater (entzündetes Auge): Schußbloder, ich streiche dich mit meinem rechten Daumen, du sollst dem N. sein Auge raumen. Im Namen des Vaters. usw. [Vogelsgesang 38]. a. 1314: Ein ieglicher der rmen sol, der sol varn uzer disen ziln [SpeyUrk. 224]. a. 1507: Ist es aber in einem acker (daß jemand von Baumästen behindert wird) so mag er uff den pflugkgrindel steen vnd mit einer hen (Hand) raumen [PfWeist. 551 (LA-Frankw)]. a. 1566/87: 28 schilling kost das alt gadem abzubrechen vnd den blatz zu Raumen [SSp, Kirchenrechnungen (BZ-Wernbg)]. a. 1621: des Closters Fischer, welcher ahm obersten Martins weyher die Ländel, so Voller sandt geführt gewesen, geraumbt [WerschwSchR Bl. 201]. Im bes.
a. 'die Erde um die Rebstöcke vor dem

[Bd. 5, Sp. 415]
Rebschnitt entfernen', Winzerspr., raume [ FR-Albsh Grünstdt N'lein NW-Deidh Kallstdt Mußb], raame [ KB-Boland Gauh Otth Stett NW-Hardbg Herxh]; vgl. PfWB Raumhacke; Zs.: PfWB einraumen 1 b. —
b. '(von den Gartenbeeten) die Anpflanzungen entfernen', roime [ LA-Mörzh]. —
2. 'sich befleißigen, im Haushalt herumwirtschaften', raume [ IB-Rohrb HB-O'bexb], raame (rmə) [Pirmas (Otterstetter 207)]; vgl. PfWB dawidergehen 1. —
3. vgl. PfWB einraumen 2. — Südhess. IV 1271/72; RhWB Rhein. VII 181 ff.; LothWB Lothr. 421; ElsWB Els. II 257.