PfWB LothWB RhWB Nas(eⁿ) [Nâsə Olti. Fisl. Liebsd. Steinbr. Kl.-Landau Lutterb. Hirzfn., nö. davon fast allg. Nâs; Nôs Dachstn. Geisp. Ostwald K. Z. Furchhsn.; Pl. –ə; Demin. Náslə O., Násl U., Nǽsl Str. W., Násələ O. U., Nǽsələ Str. W.] f. 1. Nase. D N. putzeⁿ fast allg., d N. schnützeⁿ sich schneuzen K. Z.; übtr. Putz zers d N.! werde erst älter Olti. Rda. Er het d N. deⁿ langeⁿ Wëj un s Mul üwerzwërich, wi ander Lit auʰ er ist nicht mehr wert als andere Leute Hf. Dëʳ het d N. mittleⁿ im Gsicht gha hat klug gehandelt Su. Er isst, was ⁱʰm vor d N. kummt d. i. alles Gebw. Wenn einer isst, so sagt man bisw. scherzh.: Lue, dëʳ steckt under dr N. inne! Obhergh. Die Nase als wichtigstes Charakterkennzeichen: ‘Dail maine-n-an der Nas Kan merr's erkenne glich’ Pfm. III 4. Die Nase als Sitz des Geruchsinnes: Mit dr N. schmeckt mr Winzenh. Heb d N. besser dron, ªʳnoʰ wurs ’s schon schmackeⁿ! Ingenh. Ich hob e verstopfti N., ich schmack keⁱn Krümmele Dunzenh. Wenn dëʳ keⁱⁿ N. gha hätt wie n-e Jagdhund, wär r z spot kummeⁿ Ruf. Heb das Gläsele Under s Näsele, s is, bi Gott, vum gueteⁿ oder vum besteⁿ näml. Wein Obhergh. Von einem, der eine rote Nase hat, sagt der Volkswitz: Der brucht ds Nāchts auʰ keⁱn Latërn Illk., od. der het e N. wi e Karfunkl im Ofeⁿloch Ingw. Wenn bei einem kleinen Kinde über die Nase hin eine grosse blaue Ader sichtbar wird, so glaubt man, dass dasselbe bald sterben muss und sagt: s träjt s Toteⁿbäümle [Tótəpèimlə] uf dr N. noʰ nach Mittl. Eine grosse Nase fordert zu allerhand Vergleichen und Witzen heraus: E grossi, langi N. U. E N. wië n - e Holzschueʰ [Bd. 1, Sp. 782b]
Ruf. Hf., wi e Kumpf Wetzsteinbehälter Ingenh. JB. VII 193. Er het e N., meⁿ chönnt e Walzer druf tanzeⁿ Fisl. Dëʳ het oüʰ verstandeⁿ Näsle, wu s gheisseⁿ het Naseⁿ Su. Co. ‘Ihr seidt tapffer gelauffen wie man die Nasen ausgetheilt hat’ Martin Coll. 146. ‘weil er der erst auff dem Nasenmarckt war’ Fisch. Garg. 393. ‘vil henn so Schmekker, Wo merr wahrhafdi maint, si henn sich vom e Wekker Recht früej uffwekke lon, wie d’ Nase-n-usgedailt Sinn worre’ Pfm. III 4. ‘Was solt die Kumpffgelegen Nas auf Sibilisch die Marien der Semele vergleichen’ Fisch. Garg. 24. Dëʳ het d Scheid (das Futteral) bekummeⁿ, wu dr Herrgott d Naseⁿ drin gha het Su. Hat ein langer Mensch eine grosse Nase, so sagt der Volkswitz: Uf e gross Hus ghört e grossi Latërn Illk. Neckende Frage an einen, der eine grosse Nase hat: Was hän d Naseⁿ golteⁿ? Antwort: D grossi sin noch verkäüflig gsiⁿ, awer uf d kleini het mr gschisseⁿ Dü. Übtr. Do is dini N. ze kurz dazu reichen deine Mittel nicht aus Str. Eim e langi N. macheⁿ einen verspotten durch Ansetzen des Daumens auf die Nasenspitze und Ausspreizen der übrigen Finger allg. Anzählvers: s geʰt e Männele üwer dr Rʰiⁿ, Het gëli Hösseler aⁿ, s kummt in e Garteⁿ: In dëm Garteⁿ is e Boim, uf dëm Boim is e Nëst, in dëm Nëst is e Ei, in dëm Ei is e Dutter, in dëm Dutter is e Has, dëʳ schisst dir uf dini Nas Co. Unhöfliche Abfertigung auf die neugierige Frage: Wo geʰn ⁱʰr ane? Als dr N. noʰ Rauw. In dr N. noʰ, ass s Füdle nit vrirrt! Hirzfn., ass s Füdle nit irr geʰt Geberschw., od. Ich gang iⁿ dr N. noʰ geʰⁿ Wëlleⁿ bingeⁿ Mittl. s. auch Drëck. Auf die neugierige Frage Wās? erfolgt bisw. die derbe Antw. Drëck uf dini N. Str. und mit der Erweiterung: dr Hund schisst meʰʳ aˡs dr Has, un was r meʰʳ schisst, schisst r uf d N. Betschd., od. kurz: Was? — Drëck uf dini N.! Str., worauf jener bisw. erwidert: Drëck uf dini, s is schad for mini Dü. s is ⁱʰm eps uf d N. kummeⁿ es ist ihm etw. in den Weg gekommen, ein Ausdruck der Schadenfreude Dü. Spw. Was aiⁿm uf d Naseⁿ falleⁿ muess, Fallt aiⁿm nit uf dr Fuess Kl.-Landau. Übtr. Eim uf d N. schisseⁿ sich jem. gegenüber alles erlauben dürfen, ihn zum besten haben allg. [Bd. 1, Sp. 783a]
Ër losst sich uf d N. sch. Su. Iʰ loss mⁱr nit uf d N. sch. Dü. Eim vor d Nas schnelleⁿ dass. AEckend. Eim e N. dräjeⁿ ihn zum besten halten Bf., ihm zuvorkommen Str. Derbe Abfertigung: Lëck miʰ, wo-n-iʰ keⁱⁿ N. ha, besonders von Kindern angewendet NBreis.; Var.: Du kanns mich heweⁿ, wü iʰ keⁱn Nos ho (d. h. am A.) Dunzenh. Abweisung einer jüngeren Person: geʰ zerst d Nas putzeⁿ Str. ‘die will doch iweral d’ Nas vorne dran han’ Str. JB. VIII 203. Rda. D N. durʰane (überall) zvörderst haⁿ neugierig alles sehen und hören wollen Liebsd. Du mues d N. üweralˡ zvörderst haⁿ! Su. Obhergh. Co. Horbg. Mues dëⁿⁿ du d N. üwerall vorneⁿ draⁿ haⁿ? Bf. D N. üwerall derbi od. vorneⁿ dran han Str. D N. in alles steckeⁿ gleichsam alles beriechen wollen, sich in alles mischen Horbg. Str. U. ‘Er soll nicht seine Naass in allem dreck vmbkehren’ Mosch. II 345. D N. in allem haⁿ Liebsd. Su. D N. eⁿwëg loˢˢn sich zurückziehn Str. Sich an dr N. füeʰreⁿ loˢˢn sich nach Willen leiten lassen Str. s. auch Loch 3. [tə tie əm ræər nò kâr ti Nâs e s Loχ! Mb.] Eim eppis (eps U.) under d N. halteⁿ Ruf., heweⁿ Horbg., riweⁿ Z. Str., steckeⁿ Su. Bf. U. = jem. etw. vorwerfen, es ihm mehr derb als fein zu verstehen geben. ‘der selb mitler sol es dir wol under die nasen reiben’ Geiler HK. LXXXVI. Zu einem Essenden: Gschmeckt's? iʰ glaüb, du stecks alles undeⁿ an dr N. ine! Ruf. D N. anrënneⁿ übtr. im Eifer zu weit gehen und scharf zurückgewiesen werden, auf Widerstand stossen, enttäuscht werden allg. Er hat d N. aⁿgrennt Lutterb. Dis Maidl het d N. aⁿgrënnt Bf. Dismol hes d N. aⁿgrennt! Obhergh. Syn. d N. verrenneⁿ Liebsd. ‘Isch mit der Nos on de Pfoste gerännt’ Aug. Stöber Der Kochersberg 56. Uf d N. bingeⁿ S. K. Z., bindeⁿ auskramen, mitteilen, einem etwas weis machen Obhergh. Horbg. Dü. Eim eppis vor dr N. n-ewëg nëhmen Liebsd.: Dëʳ Chaib het mⁱr dr Profit vor dr N. ewëg gnummen ebd., ähnl. allg. ‘seind .. den Spaniern an der nasen vnnd zue trutz aussgestiegen’ Petri 465. D N. ewëg (zruck Lutterb., drus Ruf.) loˢˢn von etw. fern bleiben Str. D N. in dr Höh od. ze hoch traueⁿ übermütig, stolz sein Str. ‘Es hewwe gar [Bd. 1, Sp. 783b]
viel d’ Nase mainaidi hoch in d’ Heeh’ Pfm. II 6. D N. in d Höh streckeⁿ übtr. auf dem Kirchhof begraben liegen: Du hes rëcht, Alter, amesier diʰ nummeⁿ, du kanns noch lang dert oweⁿ lejeⁿ un d N. in d Höh streckeⁿ Ingenh. s is mⁱr nëbeⁿ dr N. dureʰ gangeⁿ meine Hoffnung ist nicht in Erfüllung gegangen Liebsd., ähnl. Ruf. Dü. De chaⁿⁿs diʰ sëlber bi dr N. nëhmen schau' zuerst auf deinen Fehler Liebsd. Nimm diʰ sëlwer aⁿ dr N.! Su. Nimm dich zerst an dr N.! Hlkr. Heb du dich an dinere N.! Ingenh. Pack diʰ bi dineren eijeneⁿ N.! Hf. E jeder nemm sich an dr N.! Str. ‘Und soll sich ein jeder zu vorhin selbsten bey der Nase greiffen, ehe er andere ropffet’ Mosch. II 881. ‘Meecht Muul un Naas ufsperre’ Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 15. Mul un N. ufsperreⁿ in hohem Grade erstaunt sein, sich sehr verwundern allg. Ër dënkt nit witter aˡs d N. geʰt Bf. Nit weiter sëʰne aˡs eim d N. geʰt wenig Verstand haben Ndrröd. Von einem naseweisen Bürschchen sagt man: Dëʳ is nit emol noch truckeⁿ under dr N. Ruf. Hüt welleⁿ d Maidleⁿ hiroteⁿ, eb si trockeⁿ under dr N. siⁿ Bf. Rda. s sin dr Naseⁿ zwo, Wann ein nit will, is d andr froʰ Rchw. Von einer geizigen Herrin sagt das Gesinde: Die möcht auʰ, dass es under dr N. zu wär Str. Rda. Eim d Würm us dr N. ziegeⁿ [tsìakə ziehen] jem. Geheimnisse entlocken Steinb., ähnl. Bf. Str., aus dr N. ziejeⁿ Ndrröd. Eim an dr N. umme füeʰreⁿ zum besten halten Geberschw. ‘An der Nase fiehre’ Mü. Mat. 4, 40. N. für Narr in der seltenen Rda. für e N. ghebt Str. Sich selwer d N. us m Gsicht schnideⁿ seinen eigenen Verwandten oder Landsleuten Böses nachsagen Str. ‘Wemer sich d’ Nas üs'm G'sicht schnid't, ze het mer keni meh’ d. h. Familiensachen muss man nicht ausplaudern Rathgeber 41. Scherzh. E Knopf in d N. macheⁿ einen Erinnerungsknoten in die Nase (= das Taschentuch machen) Dü. K. ‘I mach kein Knopf an d’ Nas!’ Hirtz Ged. 226. ‘Ich mach der noch e Knopf vor d’ Nas’ überliste dich noch Frœlich Holzh. = Jules Froelich, Strosburjer Holzhauerfawle .. Nancy 1885. 60. E fini, gscheidi, gueti N. han vorsichtig, klug handeln, Lunte riechen allg.: Ër het e gscheidi N. gha, ass r nit chummen is, denn s wär ⁱʰm schlëcht gangeⁿ Liebsd. Er het e [Bd. 1, Sp. 784a]
fini N. ghet, ass r ⁱʰm keⁱn Gëld geleʰnt het Hf. Du has gut N. gehat, dass de deheⁱm gebliⁿ bis Dehli. ‘ich hab doch e fini Naas ghet, dass ich uffgebast hab’ Horsch JB. X 178. Nit uf d N. gheit sin schlau, pfiffig, verständig, klug sein allg. ‘Was? See sinn, Gott strof mi, z’ Kolmer O’ nit uf d’ Nase keit’ Pfm. II 6. Das (od. dis U.) het e N.! das hat seine Schwierigkeiten, das ist nicht leicht allg. Spareⁿ will e N. haⁿ Su. Dis hat Naseⁿ ist nicht leicht zu machen Lohr. Scherzh. zu einem mit wunder Nase: Bis uf dr N. gloffeⁿ? Su. Du bis, glauw iʰ, uf dr N. gangeⁿ K. Z. Aberglaube: Wer eine Zwillingszwetschge isst, bekommt noch eine Nase K. Z. Demin. Nasele m. Person mit grosser Nase Co. Str. Syn. Löschhörnle, Knolweⁿ, Zapfeⁿ, Zinkeⁿ Hlkr.; Kamin, Kloweⁿ, Kumpf Mütt.; ‘Schmecker, Laddernepfoʰl, Banduresawel, Bloschbalg, Duwaksdutt, Trechter, Schlaabaum, Enkerhoke, Güederwaauedyssel, Elefandezahn, Murchel, Schnuufmaschin’ Pfm. III 4. Zss. nasblueti, Naseⁿfueter, Naslöchl, Nastuech, Nastüechl, naseⁿwis, Naseⁿzipfl. 2. Nase am Pflug, an welcher die Pflugschar befestigt wird Bf. 3. eiserne Nase mit Einschnitt zur Aufnahme der Thürfalle U. 4. Weissfisch, Leuciscus Bf. Str. ‘süri Nase’ Strassburger Leibgericht Kettner GvH. 5. ‘Kressle, Mollenker un Nase Henn als drinn (im Gärnel) erum geblitzt’ Schk. 194. ‘von snotvischen, nasen und jenen gelichen’ Str. 1478 Brucker 211. ‘Naß’ Chondrostoma Nasus Baldner 73. ‘ein Nase un hottu’ Martin Coll. 44. 5. Mispel, Frucht des Mispelbaumes Ingw. — Schweiz. 4, 794. Bayer. 1, 1758. | | Zwiebel-nase f.: 'große Nase', Zwiwwelnos [ KL-Alsbn]; Syn. s. Nase1 1. RhWB Rhein. IX 904. |