Michel [Mìχl O. neben dem im U. allg. üblichen Meχl; Miχl Str.] Koseformen: Michi [Mìχi S.], verächtlich Much, –e [Mùχ, Mùχə, Demin. Mùχl Dunzenh. Ingenh. Han., Mùχl Fisl. Roppenzw.] Demin. Michele [Mìχələ O., Meχələ U., Miχələ Str.]; frz. Form Mischel [Mièl Str., Miêl Pfulgriesh. Furchhsn. Hf., Miêli Su.], abgek. Schelle, Schellele [‘Sèlələ Str.] Demin. Mischelele [Miêlələ Hf.] 1. männl. Vorname Michael. Dr Schueʰmacherhänsls M. Dunzenh. Dr Kleiⁿmichls Mischēl Pfulgriesh. Der Tag des Kalenderheiligen, 29. Sept., der Michelsta Str. Betschd. Rothb., Michelstau K. Z., Micheli allg. hat für den Bauersmann und die ländlichen Arbeiten eine gewisse Bedeutung. Winzerregel: Michelstau, Herreⁿwin; Galletau (16. Okt.), Bureⁿwin Hf. ‘Am Michelstag sind die Geise böckig’ Eschbg. JB. II 188; am M. kommt das Vieh von den Bergen Stossw. JB. II 187. In der Strassburger Schiffleutordnung von 1451 wird für das Schiffergewerbe der Winteranfang auf den St. Michaelstag gesetzt: ‘Ouch als im bch stot das von aller gedinge des windingens wegen der winter angon soll z sant Michelstag und der summer z ostern, solichs ist ouch geändert worden und geordent, also das der winter uf sant Michelstag und der summer uf sant Mathistag angon soll’ Brucker 431. ‘In der Woch nach Michelstag’ Mosch. II 388. Neckreim für solche, die den Namen M. tragen: Michele, Mächele, Brunz ins Kächele, s Kächele rinnt, s Michele stinkt Karsp. Ruf. Hunaw. K. Z. oder letzte Zeile: Michele trink Dü., s Michele singt Kerzf. Michele, Michele, rembembem, Het e verreckti Krot im Hemd, Het sⁱe welle broteⁿ, Ist ihm nit geroteⁿ, Het sⁱe welle ësseⁿ, Het sⁱe ganz vrgësseⁿ Ingw. Dr Michel, dr Michel, Der is e braver Mann, Er macht jo gërn rutsch rutsch rutsch, Und dobi geʰt r futsch im Wirtshaus den Trägern des [Bd. 1, Sp. 647b]
Namens zugerufen Ruf. 2. gutmütiger, stiller Mensch: Dummer M. allg. E truckeneʳ M. Fisl., trucketer M. Str. einsilbiger, nüchterner Mensch. Als man den gutmütigen, vielbeschäftigten M. auf seine Klagen hin tröstete, dass er's im Himmel einst besser haben würde, sagte er verdriesslich: Ja, dort wird's dann heissen: M., hënk deⁿ Mond nus, M., putz d Stërneⁿ! Dunzenh. s. auch Hans. Der wilde Michel von Logelnheim Als. 1873 bis 1874, 152. Vetter M. Karbatsche Betschd. 3. die alte Bed. ‘gross’ ist noch erhalten in dem Namen Michlturn für den grössten der beiden Türme der Pfarrkirche zu Molsheim (s. Menges Volksmda. 110), sowie in der verächtl. gebrauchten Form Muchel grosser, starker, derber Mann Roppenzw.; grober Mensch Fisl. †‘michel’ gross Geiler P. III 83. 3. Demin. Michele: a) französischer Infanterist, gewöhnlich von kleiner Gestalt, auch Zss. Sümichele, weil derselbe einen Sou (= 4 Pf.) als tägliche Löhnung erhielt. Wahrscheinlich vom frz. miquelet = ehem. Soldat einer leichten Truppe, die besonders als Vortrab oder auf verlorenen Posten verwendet wurde. Im Jahre 1804 waren die miquelets franais ein Freikorps gegen die spanischen Guerillas; vgl. auch jüd. Milcholem Kriegsmann, Soldat zu hebr. milchamâh Krieg JB. XII 153. b) kleiner, in der körperlichen Entwickelung zurückgebliebener Mensch allg. † c) Fremder. ‘Merr het ’s mit dene fremde Michle glych dik verschütt’ Pfm. V 4. 4. †‘Der blinde Michel’ Gefängnis s. Gebw. Chron. 17. Aug. 1722. — Schweiz. 4, 59. Bayer. 1, 1561. | | Hannesel n.: Dim. zu PfWB Hannes 1 a, in Hannesel, behelf dich!, scherzh. für 'Gefängnis' [Keiper in ZfdMa. 1911, S. 55]. | | Lene f., Lenchen n.: 1. weibl. VN, Kurzform für PfWB Helene u. Magdalene, Lene, Dim. Le(e)nche [verbr., auch Don Gal Buch, Schandein Sprachsch. 37, Ged. 242]. Wortspiel mit dem gleichklingenden lehne 'leihen': Geh zu de Bas Lene! [ KU-Herchw HB-Kirrbg NW-Kallstdt Weish/S Haßl Don-Tscherwk Buch-Illischestie]; vgl. PfWB Base 8, PfWB lehnen 1 b. RA.: Lene, muscht dich dran gewehne! [LA-Nußd, verbr.]. VR.: Wetz dei Sichel, bick dich schnell, / Hordig gras mei Lehnche; / Dort der Michel lauert schun / Unnerm Beerebäämche [WPf (Wilde 23)]. Ach du, mei liewe L., du mußt dich dran gewehne. Setz dich uf die Ofebank, do werd der ach die Zeit net lang [PfRSch 11. 11. 1934]. Einen weiteren VR. s. PfWB Rübe. — 2. 'Ehefrau', scherzh. vom Ehemann gebraucht; mei Lene [ NW-Elmst]. VR.: Lenche, wart nor, alti Bebber, / Daß Dich gleich de Guguck hol! / 's geht Dein Gosch heit wie e Klepper, / Hall se doch e ahnzigmol! [Kühn Schnitze I 199]. — Südhess. IV 292; LothWB Lothr. 335; ElsWB Els. I 591. |
| | | | |