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 ElsWB lëckeⁿ (Bd. 1, Sp. 581b)   PfWB lecken (Bd. 4, Sp. 859)   PfWB Sorge (Bd. 6, Sp. 182) 
  lëckeⁿ [lakə Sier. Steinbr. Su. Mittl. Heidolsh.; lækə Str.; lakə M. K. Z. W. nur in einer Rda.] 1. lecken, wie hochd. Het di Kueʰ schoⁿ (Viehsalz) ze l. bekummeⁿ? Mittl. Beliebt sind eine Reihe von Rda. obscöner Natur, um eine derbe Abweisung kundzugeben (sonst stets schlëckeⁿ M.): [Lak meχ àm Ôr! Ty khàn meχ àm Ôr l.!] worauf der Aufgeforderte oft erwidert: [Eχ lak khèn Hùnt (oder khèn Søy) àm Ôr! Z.]; ähnlich: Du kanns mich hindeⁿ, am Ärml, am Elleⁿböjeⁿ l.! euphem. für A. Hf. Rapp. JB. VII 168, im Herbst l. Dunzenh. Ingenh., ze Wësthalteⁿ Ruf., wo-n-iʰ hübsch bin Steinb., wo-n-iʰ keⁱⁿ Nase ha Roppenzw. s. auch schlëckeⁿ. Zss. Lëckschüssele, –tasche. 2. schmeicheln: Er lëckt hindeⁿ un vorneⁿ Heidolsh. Schweiz. 3, 1246.

 

   lecken schw.:
1.
a. 'mit der Zunge Nahrung aufnehmen', lecke (lęgə) [verbr., auch Penns Don Gal Buch], (lägə) [ RO-Rehborn]; vgl. PfWB schlecken; Zs.: PfWB ab-, PfWB auf- 1, PfWB herunterlecken; Honich, (Salz) l. [verbr.]. Die klääne Kinn därfe helfe de Kessel l., wann die Latwerich gekocht is [ KU-Schmittw/O]. Unwillige Antwort der Mutter, wenn ihr Kind unablässig vor Hunger schreit: Leck Salz, dann werscht därschderich! [ Gal-Sap]. RA.: Wer sich net satt ißt, leckt sich aa net satt [KB-Kriegsf, Hebel 28]. Wer starken Durst hat, hot am Sälzer geleckt [ RO-Messbhf]. Drohung: Ich verschlaa dich, daß die Hunn 's Blut lecke [KU-Diedk Don (Steinmetz)]. VR.: Mein Mutter kocht Schnitz. / Derf ich dran legge? / Kummt se mit 'm Stegge. / Spring ich zu de Magd, / Do wer ich ausgelacht. / Spring ich zum Knecht, / Das war recht [GH-Weingt (Wilde 10)]. Winzerregel: Gibt's viel Schnecke, därf mer noor dran l. (am Wein, weil es dann nur wenig gibt) [ FR-Albsh]. —
b. 'mit der Zunge entfernen, reinigen'; vgl. PfWB auflecken 2. Das Kalb wird nach der Geburt von der Motter geleckt [ WD-Niedkch]. RA.: Wem es schmeckt, der leckt 's Maul, wie e Kuh noo're Erdbeer [ HB-O'bexb PS-W'fischb]. Von peinlicher Sauberkeit und Ordnung: ...der Fußboden war wie geleckt un geschleckt [JKurpf. 1934 75]. Ist die

[Bd. 4, Sp. 860]
Frau ordentlich und fleißig, so is alles wie geleckt im Haus [PfMus. 1925, Heft 7/8]. Der is wie geleckt im Gesicht, 'hat ein glattes Gesicht' [ NW-Elmst]. Ein gut gekleideter, gepflegter Mensch esch wie geleckt [ LA-Nd'hochstdt, KU-Erdb RO-Obd], kummt (immer) doher wie geleckt [ KU-Kaulb Schmittw/O], sieht aus wie geleckt [ KL-Fischb]. An de Kerb sin die Borsch wie geleckt [ FR-Carlsbg]. Derbe Abweisung: (Kumm), leck mich am (im, em) Aarsch! 'Laß mich in Ruhe!, Ich brauch dich nicht!' [verbr.], am Berzel [ RO-Odh], am Ärmel [ RO-Duchr PS-H'eischw Pirmas], am Abend [Krieger 16]. Leck die Katz am Aarsch (Ärmel)! [ ZW-Marthh Bergz Gal-Dornf]. Leck die Krott em Aarsch, noo brauchscht ke Schwanz ufhewe! [ Don-Schowe]. Bergauf: Helf mer doch, mer packen's nit! Bergab: Leck mich am Aarsch, ich brauch dich nit!, von der fauchenden Lokomotive [ BZ-Dierb]. Einem gute Worte geben: Denne muß mer fufzehnmol am Aarsch lecke [ LA-Siebdg]. Weitere RA. s. PfWB Kalb 1 a, PfWB lang I 1 b; SprW. s. PfWB hüten 2, PfWB Nachmittag; VR. s. PfWB Bohnenstecken 1, PfWB Fleck1 1 a, PfWB geradeaus, PfWB Schloß, PfWB Schnur, PfWB Seele, PfWB Sorge. Volksgl.: Wann die Katz sich leckt, kriet mer Besuch [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. WR.: Wann sich die Katz leckt, gibt's Räne [ PS-Erfw]. —
2. mehr übertr.
a. die Finger noh eppes (denoh) lecke 'etwas begehren, nach etwas verlangen, Lust haben, sich auf etwas freuen' [KU-Körbn, verbr.], mit verstärkendem Zusatz: bis an die Elleboo [ KB-Bennhs Mauchh KL-Hütschhs]; Var.: 's Maul (Die Zung) noh eppes l. [RO-Alsbr, verbr.]. Was der Eine verschmäht, do dät 'n Annere die Finger denoh l., von einer gut dotierten Stelle, von einem Mädchen zum Heiraten, von einem guten Essen [GH-Schwegh, verbr.]. Noch der (diesem Mädchen) lecke sich viel die Finger [Krieger 26 Feierowend 5/1953 Nr. 24]. Nach einem Taugenichts leckt sich de Deiwel sei Finger [Krieger 21]. —
b. An einer drückenden Geldschuld hot mer (lang, e Weil, e Lewe) se l. 'zu tragen' [ KU-Reichsth, Kaulb Kaislt LU-Ruchh LA-Gleisw]. —
c. vgl. PfWB ablecken 2. — Südhess. IV 225 ff. lecken I; RhWB Rhein. V 270 ff.; LothWB Lothr. 331 lecken I; ElsWB Els. I 581.

 

   Sorge f.: 'Besorgnis, Kummer, Ärger', Sorch, Sorsch [verbr., Krämer Gal 200], Sorg [mancherorts mittl. VPf vereinzelt übrige Pf], Sarrick [Lambert Penns 139]; häufiger im Pl. gebr.: Sorje [mancherorts WPf NPf NOPf, Henn Mda.-Int. 294 Müller Dietschw 59 Schneckenburger 25], Sorche, Sorsche [mancherorts VPf SPf vereinzelt übrige Pf], Sorge [mancherorts mittl. VPf vereinzelt übrige Pf], Sarje [vereinzelt WPf, Christmann Kaulb 71 Mang 103 Lambert Penns 130]; vgl. PfWB Versorgnis; Zs.: PfWB Vaters-, PfWB Fürsorge, PfWB Muttersorgen. Er hot schwere Sorge [ BZ-Dernb]. Mach der norr weche dem kä Sorge [ GH-Kand]. Die machen sich ken Sorge un lossen Gott en gude Mann sein [Frankth]. Ehre Kummer unn ehr Sorche hott se fer sich behall [Schneider Singersepp 37]. Der hat kää Kummer un kää Sorje [Damm Schoggelgaul 29]. Wer hatt do noch Sorsche, / wo die ganz Erd nix wie juuwelt un lacht [Kraus Pädcher 18]. Un endlich ame scheene Morje / War er erleest vun seine Sorje [Münch Werke I 76]. Un was dich noot fer Sorje robbe, / ... / Das sein die Krimmele vun dem Stobbe [Ranssweiler 102]. RA.: sich Sorche um ungeleechde Eier mache 'sich über noch nicht Existierendes Gedanken machen' [ BZ-Klingmst, mancherorts]. Gude Nacht ihr Sorge, lecken mich am Arsch bis morge, wegwerfende RA., häufig Menschen in den Mund gelegt, die sorglos in den Tag hineinleben [ NW-Lambr]. SprW.: Borje macht Sorje [NW-Hardbg, mancherorts Horne Penns 103]. D'r Mensch hot Särge sei Lewe lang [Fogel Prov. Penns Nr. 1464]. Zieht mer de Kercherock aus, gehe die Sorje an [ KU-O'alb]. Wamm'r was hat, hat m'r Sorche, un wamm'r nix hat, noch mehn [ Don-Gottlob]. Die gröschte Sorche sin die, wo mer sich selwer macht [Feierowend 5/1953 Nr. 24]. Wammer kä Sorche hat, macht mer sich [Bergz (Kamm 81)]. Kleene Kinner, kleene Sorje, große Kinner, große Sorje [KU-Trahw, verbr., auch Auslandspfälzer]. Volksgl.: Spinne am Morje, bringt Kummer un Sorje, / Spinne am Middaach, bringt Glick de nägschde Daach, / Spinne am Awend, erquickend un lawend, wird von den meisten Gewährsleuten auf das Tier 'Spinne' bezogen, von anderen auch auf die Tätigkeit des Spinnens [ KL-Wörsb], in Var. verbr. vgl. PfWB Kummer, PfWB laben, PfWB Mittag 2, PfWB Spinne, PfWB spinnen. RhWB Rhein. VIII 229; LothWB Lothr. 482; ElsWB Els. II 374.