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 ElsWB lëckeⁿ (Bd. 1, Sp. 581b)   PfWB lecken (Bd. 4, Sp. 859)   PfWB Schnur1 (Bd. 5, Sp. 1375) 
  lëckeⁿ [lakə Sier. Steinbr. Su. Mittl. Heidolsh.; lækə Str.; lakə M. K. Z. W. nur in einer Rda.] 1. lecken, wie hochd. Het di Kueʰ schoⁿ (Viehsalz) ze l. bekummeⁿ? Mittl. Beliebt sind eine Reihe von Rda. obscöner Natur, um eine derbe Abweisung kundzugeben (sonst stets schlëckeⁿ M.): [Lak meχ àm Ôr! Ty khàn meχ àm Ôr l.!] worauf der Aufgeforderte oft erwidert: [Eχ lak khèn Hùnt (oder khèn Søy) àm Ôr! Z.]; ähnlich: Du kanns mich hindeⁿ, am Ärml, am Elleⁿböjeⁿ l.! euphem. für A. Hf. Rapp. JB. VII 168, im Herbst l. Dunzenh. Ingenh., ze Wësthalteⁿ Ruf., wo-n-iʰ hübsch bin Steinb., wo-n-iʰ keⁱⁿ Nase ha Roppenzw. s. auch schlëckeⁿ. Zss. Lëckschüssele, –tasche. 2. schmeicheln: Er lëckt hindeⁿ un vorneⁿ Heidolsh. Schweiz. 3, 1246.

 

   lecken schw.:
1.
a. 'mit der Zunge Nahrung aufnehmen', lecke (lęgə) [verbr., auch Penns Don Gal Buch], (lägə) [ RO-Rehborn]; vgl. PfWB schlecken; Zs.: PfWB ab-, PfWB auf- 1, PfWB herunterlecken; Honich, (Salz) l. [verbr.]. Die klääne Kinn därfe helfe de Kessel l., wann die Latwerich gekocht is [ KU-Schmittw/O]. Unwillige Antwort der Mutter, wenn ihr Kind unablässig vor Hunger schreit: Leck Salz, dann werscht därschderich! [ Gal-Sap]. RA.: Wer sich net satt ißt, leckt sich aa net satt [KB-Kriegsf, Hebel 28]. Wer starken Durst hat, hot am Sälzer geleckt [ RO-Messbhf]. Drohung: Ich verschlaa dich, daß die Hunn 's Blut lecke [KU-Diedk Don (Steinmetz)]. VR.: Mein Mutter kocht Schnitz. / Derf ich dran legge? / Kummt se mit 'm Stegge. / Spring ich zu de Magd, / Do wer ich ausgelacht. / Spring ich zum Knecht, / Das war recht [GH-Weingt (Wilde 10)]. Winzerregel: Gibt's viel Schnecke, därf mer noor dran l. (am Wein, weil es dann nur wenig gibt) [ FR-Albsh]. —
b. 'mit der Zunge entfernen, reinigen'; vgl. PfWB auflecken 2. Das Kalb wird nach der Geburt von der Motter geleckt [ WD-Niedkch]. RA.: Wem es schmeckt, der leckt 's Maul, wie e Kuh noo're Erdbeer [ HB-O'bexb PS-W'fischb]. Von peinlicher Sauberkeit und Ordnung: ...der Fußboden war wie geleckt un geschleckt [JKurpf. 1934 75]. Ist die

[Bd. 4, Sp. 860]
Frau ordentlich und fleißig, so is alles wie geleckt im Haus [PfMus. 1925, Heft 7/8]. Der is wie geleckt im Gesicht, 'hat ein glattes Gesicht' [ NW-Elmst]. Ein gut gekleideter, gepflegter Mensch esch wie geleckt [ LA-Nd'hochstdt, KU-Erdb RO-Obd], kummt (immer) doher wie geleckt [ KU-Kaulb Schmittw/O], sieht aus wie geleckt [ KL-Fischb]. An de Kerb sin die Borsch wie geleckt [ FR-Carlsbg]. Derbe Abweisung: (Kumm), leck mich am (im, em) Aarsch! 'Laß mich in Ruhe!, Ich brauch dich nicht!' [verbr.], am Berzel [ RO-Odh], am Ärmel [ RO-Duchr PS-H'eischw Pirmas], am Abend [Krieger 16]. Leck die Katz am Aarsch (Ärmel)! [ ZW-Marthh Bergz Gal-Dornf]. Leck die Krott em Aarsch, noo brauchscht ke Schwanz ufhewe! [ Don-Schowe]. Bergauf: Helf mer doch, mer packen's nit! Bergab: Leck mich am Aarsch, ich brauch dich nit!, von der fauchenden Lokomotive [ BZ-Dierb]. Einem gute Worte geben: Denne muß mer fufzehnmol am Aarsch lecke [ LA-Siebdg]. Weitere RA. s. PfWB Kalb 1 a, PfWB lang I 1 b; SprW. s. PfWB hüten 2, PfWB Nachmittag; VR. s. PfWB Bohnenstecken 1, PfWB Fleck1 1 a, PfWB geradeaus, PfWB Schloß, PfWB Schnur, PfWB Seele, PfWB Sorge. Volksgl.: Wann die Katz sich leckt, kriet mer Besuch [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. WR.: Wann sich die Katz leckt, gibt's Räne [ PS-Erfw]. —
2. mehr übertr.
a. die Finger noh eppes (denoh) lecke 'etwas begehren, nach etwas verlangen, Lust haben, sich auf etwas freuen' [KU-Körbn, verbr.], mit verstärkendem Zusatz: bis an die Elleboo [ KB-Bennhs Mauchh KL-Hütschhs]; Var.: 's Maul (Die Zung) noh eppes l. [RO-Alsbr, verbr.]. Was der Eine verschmäht, do dät 'n Annere die Finger denoh l., von einer gut dotierten Stelle, von einem Mädchen zum Heiraten, von einem guten Essen [GH-Schwegh, verbr.]. Noch der (diesem Mädchen) lecke sich viel die Finger [Krieger 26 Feierowend 5/1953 Nr. 24]. Nach einem Taugenichts leckt sich de Deiwel sei Finger [Krieger 21]. —
b. An einer drückenden Geldschuld hot mer (lang, e Weil, e Lewe) se l. 'zu tragen' [ KU-Reichsth, Kaulb Kaislt LU-Ruchh LA-Gleisw]. —
c. vgl. PfWB ablecken 2. — Südhess. IV 225 ff. lecken I; RhWB Rhein. V 270 ff.; LothWB Lothr. 331 lecken I; ElsWB Els. I 581.

 

   Schnur1 f.:
1. allg. 'stärkerer Faden aus Hanf, Baumwolle o. ä., Kordel', Schnur (nūr) [KU-Breitb HB-Lu'thal IB-Gersh Reinh ZW-Lambsbn Ixh PS-Schönau LA-Venn Land BZ-Steinf GH-Bellh Castleman Zwbr. 25 Christmann Kaulb 28, 88 Mang 138 Müller Dietschw 67 Schmitt Billh. 122 Schneckenburger 49, 51 Lambert Penns 138 Krämer Gal 191]; Pl.: Schnier (nīr) [RO-Dielkch Land Karch Jockgr/Nd'horb 128 Krämer Gal 191]; Dim. Schnierche (nīrχə) [ KU-Bedb Kaulb Schmittw/O KL-Hütschhs], Schnierle (nīrlə) [ NW-Gimmdg]; vgl. PfWB Bindfaden, PfWB Fadem, PfWB Kordel 1, PfWB Seil 1; Zs.: Tabaks-, Florett-, Friesen-, Garten-, Hut-, Nabel-, Rinnen-, Schamas-, Senkel-, Wiesen-, PfWB Zündschnur. Un hän do oonfange an däre Schnur hie un här ze mache [ LU-Muttstdt]. Do hemmer e

[Bd. 5, Sp. 1376]
Sch. angemacht [Karch Gimmdg/Muttstdt 180]. Un die werre noot all eig'lese in Schnier, vom Auffädeln der Tabakblätter [Karch Jockgr/ Nd'horb 128]. Die Sch. hot sich dorchgefitschelt 'Die Sch. hat sich durchgescheuert' [ KB-Albish]. RA.: uf d' Sch. 'genau, gerade, pünktlich' [ LA-Hainf]. 's geht (jo) wie am Schnierche (Schnierle) 'Eine Sache (ein aufgesagtes Gedicht, eine Arbeit) kommt ohne Stocken voran' [KU-Bedb, verbr., Krieger 42]. Ja, bei der Pälzer Feierwehr / geht alles wie am Schnierche her [Münch Werke II 194]. Awer a grad alles is gang wie am Schnierche [Feierowend 28/1950 4]. Das is grad wie e Sch. im Sack, von einer krummen Sache [ Don-Gottlob]. Es regnet Schnierle, vom Dauerregen [ SP-Heiligst]. Heit rechets an ämm Schnierle 'Heute regnet es ununterbrochen' [ GH-Leimh]. Volksgl.: Gegen das Abnehmen oder Zehren: Mit einer Schnur mißt man die Körperlänge vom Scheitel zur Sohle. Dann die Spannweite bei ausgestreckten Armen. Ergibt sich ein Unterschied zwischen Länge und Breite, dann hat man das Abnehmen. Die Schnur wird dann zwischen zwölf und eins unter der Dachrinne vergraben, und zwar so, daß kein Mensch etwas merkt davon [ HB-Jägbg]. Ein Uzvers auf die Bewohner von GH-Bellh: Bellemer, Bellemer Äch, Äch, Äch, / danzen of de Kucheblech, / Bellemer, Bellemer Hure, / danzen of de Schnure, / danzen of de Baunestecke, / d' Bellemer kin uns am Arsch lecke [ GH-Nd'lustdt]; Var.: auch, Bellheim, tanzen 1. Ein Uzvers auf die Bewohner von NW-Niedkch: Niederkercher Hure, / danzen uf de Schnure, / danzen uf de Baunestecke, / känn mich all am Arsch lecke [ NW-Meckh]. Ein Uzvers auf die Bewohner von KL-O'mohr: Obermohrer Hure, / danzen uf de Schnure, / danzen uf 'm Butterfaß, / ei, ei, ei wie rappelt das! [Heeger in: PfW 1922 122]; Var.: Butterfaß 1. a. 1602: Gar schöne bäume, mehrenteils eichen mit buchen vermengt, dern eichen und buchen etlich wohl in die 70 oder 80 werkschuhe in die schnur zu bringen wären [ABlieskst 108]. —
2. besondere Arten von Sch.
a. 'Wurstkordel, Bindematerial für Würste bei der Schlachtung' [ FR-Tiefth GH-Kand]. —
b. 'die Richtschnur des Maurers, Zimmermanns' [ LU-Limbghf, mancherorts]; Zs.: Reiß-, PfWB Richtschnur; e Linje noch de Schnur [ LU-Limbghf]. Uff de näkschte Stazzion sein die Weibsleut an aaner Schnur 'in einer geraden Linie' aus m Kubbee enaus [Kühn Hamet 73]. Wann ich als emol üwer die Schnur hau, dann hau ich aach als wirer eriwer [Schandein Sprachsch.]. RA.: iwwer die Sch. haue 'das rechte Maß verlieren, eine Sache übertreiben, Fehler machen' [ LU-Muttstdt]; iwwer die Sch. hacke, dass. [Lambert Penns 138]. Des isch uff d'Schnur 'das ist genau, akkurat, pünktlich' [ LA-Hainf]. Er hat iwwer die Sch. gehaue 'Er hat

[Bd. 5, Sp. 1377]
das richtige Maß beim Trinken verloren' [Krieger 7 Theo Geiger in: Saarpfalz 8/1939 151 Wilde 263]. Das geht mer geje die Sch. 'Das geht gegen meinen Willen' [ FR-Grünstdt]. a. 1629: undt nicht vber die Schnur gehauwen werde zu verdrus des lössers [PfWeist. 777 (FR-Gr'karlb)]. —
c. 'die Richtschnur zum Vermessen der Zeilen bei der Neuanlage eines Weinbergs' [LA-Freimh BZ-Gräfhs Schweig (Scharff 164)]; Zs.: PfWB Rodschnur. —
d. 'die Richtschnur im Forstbetrieb beim Setzen der jungen Bäume' [ RO-O'mosch]; Zs.: PfWB Richtschnur 2. —
e. 'Sehne am Bogen zum Pfeilschießen', Schnier (nīr) [ LU-Iggh]. —
f. 'Peitschenkordel, Knallschnur', Schnur (nūr) [ LU-Opp]; Schnaer (naər) [IB-Blieskst (PfId. 126) lothr. SWPf], Schneer (nēr) [ IB-Ommh]; Zs.: Treib-, Geißel-, PfWB Kläpperschnur; Syn. s. PfWB Treibschnur, weitere Syn. s. PfWB Schmicke 1; s. K. 335. —
g. 'Befestigungsriemen für den Külpen am Dreschflegel' [ PS-Geisbg]. —
h. 'Schlinge zum Tierfang' [Beam Penns 95]. —
3. 'der Kerzendocht' [ PS-Münchw]. —
4. 'Bankinhalt beim Karten- und Kegelspiel'; die Sch. ziehe 'den Bankinhalt gewinnen' [ Don-Schowe Torscha]. Beim Sch. kegle hat jeder Teilnehmer zwei Würfe, wer die meisten Kegel direkt umgeworfen hat, zieht die Sch. [ Don-Schowe Torscha]. — Südhess. V 677; RhWB Rhein. VII 1676 ff. Schnur II, Lothr. 462 Schnur I; ElsWB Els. II 504 Schnär, 506/07 Schnuer; Kluge-Seebold22 649 Schnur1; DWB DWb. IX 1396 ff.; Eichhoff WA 74; Frankf. V 2805/06.