Katz [‘Xàts S.; Khàts sonst allg.; Pl. –ə] f. 1. Katze; die K. in Kindersprüchen s. ABC Seite 1. Die Katze als gespenstiges Wesen s. Stöber Sagen, Register Seite 383. Sehr häufig in Redensarten und Sprichwörtern: als ungelehrig: Du hes so viel Verstand aˡs unsere K. Steinbr. Der het sich gebessert wie s Grossels K. Dehli.; gierig: drüwer hër falleⁿ wie d K. uf e Söumaujeⁿ Hf.; wachsam: eiⁿm di K. uf s Keffi setzeⁿ einschüchtern; vorsichtig: er lauft drum ʰerum wie d K. um s heisse Mues; zäh: e K. het nün Lëweⁿ K.; s geʰt in dr K. üwer dr Wadl es geht zu Ende Geberschw.; leicht: si (die Suppe) is so dick, ass e K. könnt druf schlofeⁿ Fisl.; weissagend: Wënn sich d K. wäscht, git s Bsuech Ruf. D K. suft Wasser, s git Rëjeⁿ Mutzig; gespenstig: Iʰ gang un wenn s Katzeⁿ haglt un alli Schritt e Rolli Fisl. Mü. Mat. 4, 68. Sonstiges: Iʰ will keⁱ(n) K. im Sack kaüfeⁿ nichts annehmen oder übernehmen, ehe ich es kenne Fisl. Hi., (wird auch von den Probenächten vor der Hochzeit gesagt Hf.) Dem han ich gezeigt, wo d K. im Haü ligt zurechtgewiesen Roppenzw. Zieʰ (Rauch Z.) dr K. am Wadl sagt man zu einem unreifen Jungen, welcher raucht Steinbr. D Katzeⁿ sin uf m Papier umme gloffeⁿ von sehr schlecht geschriebenem Steinbr. S kummt keⁱn K. drus ist unverständlich Str. Der [Bd. 1, Sp. 484b]
is iⁿ dr K., deⁿ Katzeⁿ unrettbar verloren Steinbr. M. ‘Uf jedefall, wenn er refüsiert, so isch er de Katze!’ Lustig II 637. Ze Katzeⁿ geʰn, wëreⁿ verderben, zu Grunde gehn Str. Dis is für d K. ist vergeblich, zwecklos Str. U. s. Stöber Volksb. Anm. zu 278, s. 158 ter. Jetz geʰn in dr K. d Hor (geʰt dr K. d Woll) us jetzt ist es zu Ende (mit meiner Geduld) Ruf. U. Du seis, du hes d K. nit gfrësseⁿ, wënn schuⁿ dr Wadl zum Mul ʰerus hängt Horbg.; ʰerus mit deⁿ wildeⁿ Katzeⁿ nicht gezögert! Str. S gäteⁿ siweⁿ Katzeⁿ keⁱⁿ Mus drin fangeⁿ in einem arg zerrissenen Hemd od. Kleidungsstück Dü. Ich un du sin unser un dr Wadl dr K. scherzhafter Trost, abgeleitet von dem Trostwort an kleine Kinder: du bis unser Dü. Iʰ mein grad, d Katzeⁿ laüfeⁿ mⁱr dr Buckl nuf mich schaudert Dü. M. Mü. Mat. 4, 55. Fisch. Garg. 346. Z Nacht(s) sin alli Katzeⁿ groü unter Umständen ist alles gleichgiltig Dü. U. Nix Gemeins, wënn d Katzeⁿ mit deⁿ Hüenreⁿ fliejeⁿ ironisch, wenn gemeine Leute vornehm thun Ingw. ‘E Katz wo Pelzhenschig a hat, fangt keine Müss’ Mü. Mat. 4, 55. Spw. ‘Lasst sich ein katz wol strichen, so ist sie schon me by lüten gewessen’ Geiler, s. Als. 1862/67, 147. ‘Derhalben zihen wir mit ehren ab wie eyn Katz auß dem Taubhauß’ Fisch. Bin. 162. ‘Sie sin wie K. unn Hund gegenander’ Mü. Mat. 5, 59. Wird ein naschhaftes Kind nach dem Verschwinden eines leckeren Bissens zur Rede gestellt, so antwortet es bisweilen: D K. het's gfrësseⁿ! od. d K. is s gsiⁿ Rapp., worauf oft die Erwiderung folgt: Ja, die wü zween Füess het! Dunzenh. ‘vnd wenn sie nachmals vermeinen, sie haben solche Gastbiszle noch im Hausz, so ist es von der Katzen mit zweyen beinen gefressen vnd verschlecket’ Geiler 81. Narr (Kl.) E Gsicht macheⁿ wi e K. wënn's dunnert verdutzt, erschrocken aussehn Str.; drum erum geʰn wie d K. um deⁿ heisseⁿ Brei zögern Str. Iⁿ dr K. d Schmer abkaüfeⁿ übermässig bezahlen Bf., aus dritter Hand kaufen Str. Eb d K. en Ei lejt ironische Abweisung des Vorwurfs der Langsamkeit: iʰ kumm u. s. w. Str. Eb d K. e Wëll Straü gfrësseⁿ het Dü. ‘so lang, bis d Katze-n-als krähje’ sehr lang Hirtz Ged. 232. Wenn d K. furt is, sin d Müs Meister Str. U. vgl. M. JB. II 168. ‘Ein [Bd. 1, Sp. 485a]
gross katz (viele Umstände) machen’ Geiler, s. Als. 1862/67, 148. ‘Katze bache ein Kinderspiel’ Mü. St. Mäder. In Sprache und Sittenbildern geschildert von Adam Mäder ... hg. v. Aug. Stöber, Mülhausen 1876.. Rätsel: s goʰt eppes um s Hus umme, treit e Bimbaüm (Bindbaum) noʰ Olti. Vexierrätsel: Hori, Hori hockt do — Limpe, Lampe hängt do — Hori, Hori dënkt, Wëⁿⁿ nur dr Limpe Lampe undeⁿ hängt! die Katze vor dem Speck im Schornstein Barr. Liedchen: Unsere K. hat Junge gmacht in ⁱⁿere alteⁿ Zeine (Korb) N .. derf jo Götte siⁿ, Er brucht siʰ gar nit z meineⁿ stolz sein Lutterb.; vgl. JB. VII 171, Nr. 26. Bim bam, d K. ist krank, sie leit im Bett, sie is verreckt (beim Läuten). Rappl di K., wer gewinnt, der hat s! Ausruf der Lotteriebudenbesitzer auf dem Messti, um die Leute anzulocken Str. Hf.; auch grosses Durcheinander: was is dënn dis für e Rappldikatz? Hf. Spiel: K. us dr Kuch Spiel wie Fuchs aus dem Loch Obhergh. ‘das wir kummen vff katzen ze küssen’ Geiler HK. LXXXI. ‘Er (der König im Spiel) gebüt dir auch etwan die katzen zu küssen’ HK. = Her der Küng ich diente gern .. XV predig .. Johannes Geiler .. neuw ausgangen .. (von J. Pauli .. vffgesamlet) .. Str. 1516. LXXXIIIª. Aberglaube: man soll abends oder nachts keine Katze schlagen oder werfen; in jedem Fall darf man es nur mit der linken Hand thun, weil sonst die Hexe, die darin steckt, ihren Beleidiger strafen könnte Su. 2. scherzh. kleines, mageres Pferd: e Schlettstädter K. Rapp. 3. scherzh. Kasse Hf. 4. Geldgurt (Gëldkatz) selten Dü. 5. Ramme zum Einrammen von Pfählen Dü. Ndhsn. Demin. Kätzli Sier., Kätz(e)le O., Kätzl U. 1. kleine Katze. Kinderlied: Liëb, liëb Kätzele, Mach e schön Frätzele, Bring mⁱr e par Küechele, Dªrnoʰ bis e brav Tierele u. s. w. Rapp. JB. VII 161. Rda. auf die Bemerkung der het roti Backeⁿ! — Jo, wie s K. am Buch bleich Su.; vgl. rot. Auf die Frage was hes im Körwle? folgt die ausweichende Antwort: Jungi Kätzle! Gebw. Füess wie e K. so warm Ingw. 2. kleines Mädchen (Kosename) Felleri. 3. Blütenstand der Eiche, Wallnuss, Buche, Pappel, Weide u. s. w. l. amentum Felleri. Ingersh. Hf. ‘Un d’ Kätzle safti stoosse schunn’ Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 42. ‘Nucamentum nußblüet, die kätzlin oder zäserlin an den nußbäumen’ Gol. 386. Zss. Katzeⁿbalkeⁿ, –bänkel, –buckel, –fueter Seite 158, -gschrei, –gold Seite 213, –gröu Seite 265, –kopf, –moller(t), –müsel, –roller, –stëg, –wadel; Katzeⁿschlappere [Bd. 1, Sp. 485b]
= Kappeⁿschlappersche. — Schweiz. 3, 582. Schwäb. 307. Bayer. 1, 1313. | | -katze f., -kätzchen n.: 'Blütenstand der Salweide (Salix caprea)', Pl. -katze [ LA-Venn]; Dim. Sg. -kätzelche [ KU-Schmittw/O]; Dim. Pl. -kätzjer [vereinzelt], -kätzelcher [LU-Alsh Beam Penns 107], -kätzlich [LA-Kl'fischl Nd'hochstdt Roschb GH-Otth (Wilde Notizen)], -kätzle [ GH-Westh], Weilekätzle [ LU-Altr]; vgl. PfWB Palmen, PfWB Pälmen 2 c, Palm-, PfWB Bandkätzchen, PfWB Katze 2 a α, PfWB Kitzenkatzen, PfWB Salweide 2, PfWB Schaf 3 b β, PfWB Weide 2 b, PfWB Wilgenkätzchen. Es kracht, de Sturm knickt Kief're druff un druff, / doch guck, die Weidekätzcher geh'n schun uff [Wilms Land und Lewe 107]. Die Bäcker backen große Brezle / un herrlich blieh'n die Weidekätzle [Wilms Land und Lewe 108]. Vk.: Zweige mit W. sind Bestandteil des Palmwisches [ GH-Kand Kuhdt]. RhWB Rhein. IX 372; Hess.-Nass. IV 589. — |