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 ElsWB Kasteⁿ (Bd. 1, Sp. 476b)   PfWB Kasten (Bd. 4, Sp. 102) 
  Kasteⁿ [‘Xàtə Fisl. Liebsd.; Khàtə Hi. Steinbr. u. nö. davon allg.] Syn. Schank W. m. 1. Behälter aus Holz, Truhe. Sie han Kisten un Kasteⁿ voll un sin doch nit zefrideⁿ Obbr. Er lejt alles in deⁿ grosseⁿ K. lässt alles im Zimmer herumliegen, wo es nicht zu finden ist Su. Wo vili rasteⁿ, blit weni im Kasteⁿ Brotkasten Geberschw. 2. bes. Kleiderschrank allg. 3. hölzerner Oberbau der Kutsche Dü. 4. Gitter bei der Kelter zum Durchlaufenlassen des Mostes Bebelnh. 5. Mistjauchebehälter; s. Kasteⁿwageⁿ u. –wasser. 6. scherzh. Bett: in deⁿ K. geʰⁿ Gebw. 7. altes Haus. 8. Gefängnis: er sitzt im K. Su. Rauw. 9. Brustkasten: e gueteⁿ K. 10. alter K. alte, dicke, grosse Person, bes. weibl. Geschlechts NBreis. Str. Z. 11. Rausch: er het e K. Heidolsh. 12. Dachraum (= Kast f.) Hi. Bf. Osthsn. Spw. Aprilleⁿgülleⁿ tʰuet deⁿ Bureⁿ d Kästeⁿ fülleⁿ Hi. ‘alle Kästen, Speicher Schütten vnd Gebien lagen voll (Weins)’ Fisch. Garg. 87. Demin. Kästle O., Kästel U. n. 1. Kästchen. 2. bes. das Gemeindekästchen zur Veröffentlichung von Ankündigungen: er hënkt im K. sein Heiratsaufgebot ist ausgehängt K. Z. 3. Jauchfass Str. Schweiz. 3, 535. Bayer. 1, 1305. Hess. 195.

 

   Kasten m.:
1. 'aus Holz oder anderem Material gefertigter rechtwinkliger Behälter, der meist durch einen Deckel verschließbar ist', Kaschde (kadə) [verbr. WPf u. NPf, seltener VPf, verbr. Gal], (kḁdə) [mancherorts WPf (z. B. KU-Kaulb KL-Lind) östl. NPf u. nördl. VPf verbr. mittl. u. südl. VPf]; Pl. Kaschde bzw. Käschde; Dim. Käschtche (kędχə) [verbr. WPf NPf u. nördl. VPf], Käschd(e)l (kędəl, kędl) [mittl. u. südl. VPf O-PS]; Pl. Käschtlich [Umg. Land]; vgl. PfWB Kiste; e großer, e alder K.; e schäänes Käschdel u. ä. RA.: Bei denne sin Kischde un Kaschde voll, von Wohlhabenden [LA-Mörzh, verbr.]. Wer nicht recht bei Verstand ist, hot zwelf Käschtcher un dreizeh Käwercher [ KB-Kerzh, mancherorts]; dass. mit dem Zusatz: do brust (braust) enner [ PS-Glashütte]; oder: find ääner sei Käschdel net [ NW-Kallstdt, mancherorts]; Var. s. PfWB Käfer 1b. Er hat e Käschdelche seviel, dass. [ IB-Rubh]. BR.: Truckener März, nasser April, kihler Mai fillt dem Bauer Kischde un Kaschde un bringt viel Hai [ LA-Gommh]. VR. (Schwalbenlied): Wie mer fort sin gfloo, waren Kischde un Kaschde voll, wie mer sin widderkumm, war alles leer [ Gal-Dornf]. —
2. Im besonderen
a. 'kastenartiges bäuerliches Gerät oder Geräteteil'.
α. 'der mit einem Bretterboden u. -seitenwänden versehene zweirädrige Wagen', Kaschde [SP-Ottstdt, verbr. mittl. VPf GH-Zeisk]; vgl. PfWB Kastendiel, PfWB -karch, PfWB -nagel, PfWB -wagen. Zs.: PfWB Bord-, PfWB Diel-, PfWB Tummel-, PfWB Grundbirnen-, PfWB Karch-, PfWB Rad-, PfWB Rumpel-, PfWB Wagenkasten. —
β. 'Kasten des Kippkarrens zur Aufnahme der Ladung, der vorn ein festes und hinten ein abnehmbares Brett hat und durch ein Querholz vorn am selbsttätigen Umkippen gehindert wird' [mancherorts, bes. VPf]. —
γ. 'Kasten des Schubkarrens [verbr. WPf u. NPf]; vgl. PfWB Kastenschubkarch. Zs. PfWB Schubkasten. —
δ. 'Kasten des Pflugkarchs' [ PS-Gersb]. —
ε. 'Behälter der Windmühle, in den das zu reinigende Getreide geschüttet wird', auch 'Gehäuse der Windmühle' [mancherorts]. Zs.: PfWB Mahl-, PfWB Schüttel-, Windmühlkasten. —
ζ. 'Kasten der Rübenmühle, in den die zerkleinerten Rüben fallen' [ NW-Frankeck]. Zs. Rübenmühlkasten. —
η. 'Wasserbehälter unten am Schleifstein, in den die Schleiffläche des Steines taucht', bei neueren Schleifsteinen; auch 'Behälter (aus Blech) zum Auffangen des Wassers, das auf den Stein gegossen wird', bei älteren Schleifsteinen [RO-Sippf mancherorts].

[Bd. 4, Sp. 103]
Zs. PfWB Wasserkasten. —
θ. 'Kasten zum Transport der Tabaksetzlinge' [verbr. südl. VPf]. —
ι. 'kastenförmige Einfassung des Ziehbrunnens'. Zs. Brunnenkasten.
κ. = PfWB Dreschmaschine, Kaschde, auch Dreschkaschde [Don-Steinmetz]. —
λ. s. Zs. PfWB Futter-, PfWB Heu-, PfWB Stoßkasten. —
b. 'Kasten als Gerät oder Teil eines Geräts des Handwerkers'.
α. des Müllers; Zs.: PfWB Beutel-, Kleie-, +Mahl-, +Molter-, +Schälkasten.
β. des Maurers; Zs. PfWB Speiskasten. —
γ. des Metzgers; Zs. PfWB Saukasten. —
c. in der Tierhaltung.
α. Imkerei 'Beute 2 für Bienenvölker' [KL-Matzb, verbr.]. BR.: Wann die Imme in der Woog (im Sternbild der Waage) schwärme, gebts viel Hunich in seller Kaschde [Fogel Beliefs Penns Nr. 1094]. Zs.: PfWB Bien(en)-, PfWB Fang-, Fütter-, PfWB Immen-, Königinnenzucht-, Schwarm-, PfWB Stroh-, PfWB Waben-, PfWB Zuchtkasten. —
β. Taubenzucht; e Kaschde for Dauwe [ZW-Battw, verbr.]. Zs.: PfWB Taubenkasten. —
γ. s. Zs. PfWB Aal-, PfWB Affen-, PfWB Fisch-, PfWB Hunds-, Hünkel-, PfWB Meisen-, PfWB Starenkasten. —
d. Haushalt.
α. 'Kasten zur Aufbewahrung von Lebensmitteln' [verbr.]. Zs.: PfWB Tisch-, Gewürz-, PfWB Käse-, PfWB Mehl-, PfWB Rauch-, PfWB Salzkasten. VR. s. PfWB Käse 1a. —
β. 'Kasten bzw. Kästchen zur Aufbewahrung der Kleider u. sonstiger kostbarer Dinge'. Zs.: PfWB Glas-, PfWB Kleiderkasten. RA.: Uf die Kerwe sin die Borsch wie aus'm Käschtche [ FR-Carlsbg]. —
γ. 'Koffer aus Holz' [ FR-Merth]. —
δ. 'eine ungefähr 2,5 m lange Kiste mit ein- oder zweiteiligem Deckel, schöngeformter Rücklehne und an beiden Seiten geschwungenen Armlehnen', Möbelstück früherer Zeit, Kaschde [ PS-Erfw]. —
ε. 'Bett', abschätzig; sich in de K. lee (leche) [verbr.]. —
ζ. s. Zs.: PfWB Aschen-, +Bauch-, Pflaster-, Verbands-, Holz-, Kohlen-, Näh-, Rasier-, Sand-, Spauz-, Spuck-, Strick-, Uhren-, Wichs-, Zigarrenkasten.
e. im Ort.
α. 'Briefkasten'; die Briefe in de K. werfe [PS-Erfw, verbr.]. Zs.: PfWB Post-, PfWB Briefkasten. —
β. 'kleiner, vergitterter Holzkasten im Gemeindehaus zum Aushang von amtlichen Benachrichtigungen'. Sie komme ins Käschtche (Käschdel), vom Aufgebot der Brautleute [Pirmas, verbr.]. —
γ. s. Zs. Senkkasten. —
f. in der Schule, bes. Arbeitsgerät des Schülers. Zs.: PfWB Farb(en)-, PfWB Feder-, PfWB Griffel-, Kreide-, PfWB Lese-, PfWB Mal-, Zeichenkasten. —
g. in Musik u. Unterhaltung.
α. 'Radio- u. Fernsehgerät', abfällig; de Kaschde abstelle usw. [verbr.]. —
β. die Gei (Geige) aus 'm K. hole [ NW-Kallstdt]. Zs. PfWB Geigenkasten 1. —
γ. s. Zs. PfWB Guck-, PfWB Leier-, PfWB Pulcinellen-, PfWB Simulierkasten. —
h. im Sport.
α. 'kastenartiger Kinderschlitten', Kaschde, Käschdl [verbr. nördl. u. mittl. VPf]; vgl. PfWB Kastenschlitten 1. Zs.: PfWB Butter-, Eis(en)-, Glind-, Glitsch(en)-, Glitz(er)-,

[Bd. 4, Sp. 104]
PfWB Rumpel-, PfWB Schleif-, PfWB Schlitten-, PfWB Schnee-, PfWB Wagenkasten.
β. 'Torgehäuse', bes. beim Fußballspiel; eens in de Kaschde krie [KB-Bischh, verbr.]. —
3. übertr.
a. sachl.
α. 'altes Haus', abschätzig; alder Kaschde [ BZ-Annw, mancherorts]; vgl. PfWB Kastell. Syn. s. PfWB Hütte 1a. —
β. 'Gefängnis, Dorfgefängnis', Kaschde, Käschdl [ BZ-Sarnst, mancherorts]. Er sitzt im K. Er hot drei Daa (Tage) K. kriet [mancherorts]. Syn. s. PfWB Kittchen. —
γ. 'Transportmittel, bes. Auto', abschätzig; alder K. [verbr.]. s. auch Zs. PfWB Feuer-, PfWB Rumpelkasten. —
δ. 'Gebäude, Raum zur Aufbewahrung des Zehendgetreides'. a. 1383: burg und veste Stauff mit allem buwe an thornen, an husern, an stellen, an casten [SSp., Urk. über Verpfändung der Burg Stauf]; vgl. PfWB Kastenvogt. —
ε. s. Zs. PfWB Fleischkasten 2, scherzh. für 'Sarg'. —
ζ.
αα. 'zum Trocknen zusammengestellte Garben, mit und ohne Hut' [verbr. WPf u. NPf vereinzelt VPf]; vgl. PfWB Haufen 1a. Die Zahl der aufgestellten Garben schwankt je nach Getreideart zwischen 5-15. Zs. PfWB Kornkasten. - -
ββ. De Kleesome stellt mer uf Käschtcher [ KU-Schmittw/O]. - -
γγ. 'ein Haufen kegelförmig stockhoch aufgesetzter Maisstengelbüschel zum Aufbewahren für den Winter' [Don-Steinmetz]. - -
δδ. 'Kreis(e) beim Klikkerspiel', Käschdl [ GH-Zeisk]; vgl. PfWB Kreiselns. —
b. vom Menschen
α. 'korpulenter Mensch', bes. 'große, dicke Frau'. Zs. PfWB Mordskasten. Esch des en Kaschde! [NW-Duttw, verbr.], e feschder K. [ PS-Schmalbg], e K. vum'e Weibsbild [ HB-Schwarzb], e K. mit Ditze wie e frischi Kuh [ ZW-Battw]. —
β. s. Zs. PfWB Brust-, PfWB Geigenkasten 2. —
γ. s. Zs. PfWB Blech-, PfWB Profit-, PfWB Nörgelkasten. —
δ. 'Kopf, Schädel', mehr scherzh. Zs. PfWB Gedächtnis-, PfWB Gehirn-, PfWB Hirnkasten. Er hat was uf'm K., von einem klugen Menschen [Otterstetter 249]. Dem fehlt's am Käschdl 'Er ist geistig nicht normal' [ FR-Flomh]. Dem rappelt's im K., dass. [ ZW-Gr'bundb]. Er hot e Herschmann (Hirschkäfer) im K. [ IB-Hass]; vgl. auch RA. bei 1a. — Südhess. III 1173 ff.; RhWB Rhein. IV 247 ff.; LothWB Lothr. 278; ElsWB Els. I 476; Bad. III 84.