Ëngel [Al fast allg.; Æl Str. W.] m. Engel. [Owən àm Tànəpm e ən Al] oben am Christbaum ist ein Engel angebracht Geud. Ich hab gemeint, ich hör d Ëngel im Himmel singeⁿ, pfifeⁿ schildert den Schmerz einer starken Verletzung, einer Operation. Demin. Ëngele vielgebrauchter Kosename für kleine Kinder und für die Geliebte. S sitzt e Ëngele an dr Wand, Het e Äpfele in dr Hand: Gät s gërn ësseⁿ, Het keⁱⁿ Mësser; Der liewer Herrgott gheit iʰm eins vom Himmel ʰerab, S gheit iʰm s Füessele enzwei Co. In Illz. ausführlicher: Es steʰt e Ëngele a. d. W. H. e Gackele in d. H. Möcht s gërn siedeⁿ, Hat keiⁿ Glüeteⁿ, Möcht s gërn ësseⁿ, Hat keiⁿ Mësser, Fallt e Mësser owen awe, Haüt em Ëngele s Händle ab. S Ëngele geʰt zuem Schari (Karl), Der Schari is nit dheim, S Kätzle fëgt d Stoweⁿ useⁿ, S Müsele treit dr Drëck useⁿ. Es sitzt e Tüwele ufem Dach, Lacht sich schier das Büchele ab. s. auch unter Eins zwei [Bd. 1, Sp. 54a]
drei und vgl. JB. XII 111. In Illz. auch: S hängt e Ë. a. d. W. Het e Äpfele in dr Hand S möcht s gërn broteⁿ, Will iʰm nit geroteⁿ, S kommt e Mus un bisst iʰm driⁿ, S kommt e Mus un nemmt s iʰm drus, S komt e Kueʰ un luegt iʰm zue, S kommt e Igel un bringt s iʰm wider, S kommt e Geis un losst e grosser Bureⁿsch. Kinderreime (beim Abzählen): Ëngele Bëangele, loss miʰ lëweⁿ! Ich will dⁱr eⁿ schöneⁿ Vogel gëweⁿ, Vogel mⁱr Straü gëⁿ, Straü in dr Kueʰ gëⁿ, D Kueʰ mⁱr Milch gëⁿ, Milch in de Beckeⁿ gëⁿ, Beckeⁿ mⁱr Leiwele gëⁿ, Leiwele in dr Mueter gëⁿ, Mueter mⁱr Su gëⁿ, Su han iʰ verloreⁿ, Du bis geboreⁿ Ruf. Koselied, bei welchem man das Kind auf den Armen wiegt: Ëngele, Ëngele, fli! Schöppele, Schöppele Wiⁿ, Schöppele Schöppele Ankeⁿ, Mⁱr leˢˢn üⁿs gar schön bedankeⁿ! Hunaw. — Schweiz. 1, 332. | | Engel m.: 1. 'die Himmelsgestalt E.' Engel (ęŋəl, ęŋl) [allg.]; Dim. Engelche [verbr. WPf NPf nördl. VPf], Engele [mittl. u. südl. VPf]; Dim.-Pl. in südl. VPf: Englich, vgl. Bäämlich auf K. 27. Zs. PfWB Posaunen-, PfWB Erz-, PfWB Schutzengel. RA.: Wann er gut se esse un se trinke hat, is er de reinscht E. [ ZW-Battw]. Das is e E. merreme (mit einem) B vorre dron [KU-Schmittw/O, verbr.]. Sie hot gemeent, er wär so'n rechter Engel; doch was sie sehnt (sieht), is juscht e growwer [Bd. 2, Sp. 896] Bengel [Birmelin Penns Gezw. 32]. Ins G'sicht is er e E., hinnerum e B. [ ZW-Battw], ... un hinnerum e Deiwel [LU-Oggh, verbr.]. Der kann singe wie die E. unnerm Schäferkarch, von einem schlechten Sänger [Hebel 15]. Wann du singscht, heert mer die Engelcher em Himmel lache [ KB-Kriegsf]. Bei großen Schmerzen: Do heert mer die E. im Himmel singe (peife) [verbr.]. Du kriescht än (eine Ohrfeige), daß de määnscht, du heerscht die E. peife (singe) [RO-Semb, verbr.]. SprW.: Kinner han oft e gude E. [Pirmas]. Wer heirat, kriet käin E., er is jo selbscht aach käiner, weil jeder Mensch seine Fehler hat [ KU-Schmittw/O]. Wann die E. reisen, greint de Himmel, galante Art, weibliche Personen bei regnerischem Reisewetter zu trösten [ FR-Bockh, LA-Nd'hochstdt]. De Berch (Berg) enunner helfe alle Deiwel, de Berch enuf keen E. [ KU-Bosb]. Volksgl.: En Kind, wu en guter Singer is, gebt en E.; 's werd net alt [Fogel Beliefs Penns Nr. 71]; vgl. PfWB Engelamt. Kleinen Kindern erzählt man, ein E. habe sie vom Himmel gebracht [ KU-Nerzw PS-W'fischb KB-Harxh BZ-Dernb]. WR.: Wenn sich während des Regens Blasen auf dem Wasser bilden, wissen die Engel im Himmel nit, wann's ufheert [ SP-Schiffstdt]; dass. gilt, wenn der Regen mit Nordwind einsetzt [ FR-Mörsch]. Das Kinderspiel Engel, Engel in Abrahams Schoß s. bei PfWB Abraham. VR.: Engel, Bengel, laß mich leben, ich will dir einen Vogel geben [PfRSch. 2. 12. 1934]. Vierzehn Englein fahren, fahren, fahren; vierzehn Englein fahren, dideldadeldum! [ KU-Diedk]. Stehre (steht ein) Engelche an de Wand, hot e Gacka 'Ei' in de Hand. Mecht gere esse, hot ke Messer. Fallt 's Messer vum Himmel rab, schlagt 'm Engelche 's Händel ab [PS-Burgalb (Wilde 259)]. AR.: Engel, Engel, hupps ins Pännl! Hupps wieder raus, du bischt draus! [ SP-Schiffstdt]. — 2. schwarzer E. 'Teufel'. Was schwebt vum Kerchetarn (Kirchturm) so ruhich her, wie aus de diefe, dunkle Nacht gebore? As wann's en g'fallner, schwarzer E. wär, mit Kloofieß (Klauenfüße) un häßlich wieschde Ohre! Des muß die niederträchtig Speckmaus sei [Birmelin Penns Gezw. 86]. — 3. Neckname für Schüler im vierten Schuljahr. Die Viertklässer sin die Engel [Kaislt]. — 4. Kosewort für ein liebes Kind. Du liewes Engelche! Mein goldich Engelche! [ PS-Erfw ZW-Battw]. Mein Engelche! (bei Älteren auch: Mein Ningelche!) [ KU-Kaulb]. Volksgl.: Wammer 'n Kind Engel heeßt, lebt's net lang [Fogel Beliefs Penns Nr. 155]; vgl. PfWB Engelamt. — 5. 'Gebäck in Engelform als Christbaumschmuck', Pl. Engelcher [KB-Bennhs, verbr.]. — 6. s. PfWB Gassen-, PfWB Straßen-, Würgeengel. — 7. Koseform zum Frauennamen Angel(ik)a. — Südhess. II 203 ff.; RhWB Rhein. II 129; Saarbr. 58; LothWB Lothr. 123; ElsWB Els. I 53; Bad. I 686/87. | | NRhWB Engel IV ęŋəl, ę·ŋ.-, -, e·ŋ.-, i·ŋ.-, eŋ- (s. eng), Pl. wie Sg. u. -əln, –ələ, Demin. -əlχə, -kə, –tjə m.: 1. wie nhd., eigentl. im theol. Sinne. RA.: Wenn zwei Nopischkanner heiroden, lachen die E.n am (im) Himmel Trier-Mehring. Die leven wie die E. em H. so friedlich Allg. Eich gen der en, datsde die E. em H. herscht peife (flöten, sengen) Mosfrk, Allg. (danzen Neuss-Dormagen). Sore Kappes un halve Kopp esse de E.ən em H. gern Köln. De E. am (im) H. Holz hauen hiren beinahe gestorben sein Bitb-NWeis. Wenn den E. an't (ins) Hur (Horn) blest unbestimmte Zeitangabe Saarbg-Zerf. Berg ronner helfen alle E., awer rof kei Deiwel Mosfrk. Et es kene E. esu got wie e got Frauminsch; äver et es och kene Düvel esu schlech wie e schlech Fr. Sieg-NDollend. Et schmick (das Schnäpschen), as wennt min en E.tje op et Töngske (Zunge) pesste so lecker Klev-Goch, — en de Hals pisst Kobl; Jong, dat wor dich e Geföhl, als wenn dich e E.che op de Sil pischt MGladb-Rheind; do hät der ene E. en et Uhr gepess da hast du aber Glück gehabt, dass du die Karten einsetztest, ich wäre dir mit einem höheren Trumpf darübergegangen, Ausdruck beim Kartensp. Rheinb-Meckenh. Hol et E.che met der Thek (Ladentisch)! von einem, der beim Kartensp. immer gewinnt Trier-Mehring. Itz kriege de E.cher Buckse gesagt, wenn etwas Flachs beim Brechen verbrennt Westerw. De E.cher bachen Kochen bei gerötetem Himmel Trier-Mehring. — backe Brot Klev; de E.cher machen de Bedder es schneit grosse Flocken Rip, Allg.; de E.n schidden de B. aus Wittl; de E.ə schlabbere es regnet Aach-Vicht, — grine Geilk-Grotenr; de Düvel lach un de E.che krische wenn es bei Sonnenschein regnet Köln-Brauw. All leif E.ə stangk os bei! Ausruf des Entsetzens Aach. Den hät en Stemm wie en E.tje Klev-Calcar. E [Bd. 2, Sp. 130]
Mensch es ka E. May-Polch. Ech hei (hätte) nüs eisse könne, en wenn et luter gebroəne E.ə geweəs wüəre Aach. En E. flog (flüg) durch et Zemmer (de Stuff) wenn es plötzlich still in einer Gesellschaft wurde Allg. — Der E. des Heəren [der Rengel- Saarl-Berus] α. das Gebet. — β. das Angelusläuten; der E. d. H. bede; do löck (läutet) et der E. d. H. Rip, Allg. — Spottend: Der E. d. H., der Wengk könnt van Eəre (Ederen bei Linnich), van E. bes hei, es der E. d. H. vörbei Geilk-Lindern. Der E. d. H., da sprangen (springen) de Heren (Pfarrer) am Galopp iwer de Gromberezopp (Mötteszopp) Bitb, Trier. Der E. d. H , wie sprangen de Here, wie rosseln de Döppen, wie krachen de Ferz! Trier-Mehring. De hät ene gode Oss (Ochs); wenn de em Feld ös on et löck (läutet) Mettag, kann e seng Kapp an e Arschback hange on de E. d. H. bedde so mager ist der Ochse Rheinb-Meckenh. — Im Leben des Kindes. Wenn das Kind im Schlafe lacht, sagt man et lacht (spielt) met den E.chen Rip, Allg. De E.cher weisen ein Kind mit dem Kopf in die Höhe heben Trier-Filsch; de Krever (Wittl-Cröv) E cher w. Birkf. — Im Gebet des Kindes. Owens, wann ech schlofen gohn. 14 E.ə met mer gohn: zwei, die mech decke; zwei, die mech wecke; zwei ze minge rechte Seit, zwei ze minge lenke S., zwei zo Haupt, zwei zo Föss; zwei, die mech bewahre zum himmlische Paradies, Amen Ahr, Allg. (s. Abend). Heiliger E., sente Mari (s. Michel Rees), bewahrt för alle Sönde mi, weckt min merge nit te fruch en nit te lat, wenn de Klock fif Uhre schlaht Klev. Wie Jesus us de Schöll koəm, du hotte noch nüs geisse, du kouchet Maria ene Appelbrei, du soəsse alle E.chere bei, kleng on gruəss, nacks on bluəss, Jesus en Maria Schuəss Aach-Warden, Nfrk verbr., — klen on gruət, alt on bluət, alle in Marias Schuət MGladb. Heja, Kengkche, ich wege dich, alle die E cher holle dich en dat defe Külche, Zöckerche en et Mülche Bergh. Heija, Kengkche, gere, am Himmel stohn de Stere; h., K., wege dech, alle de E.cher holle dich Dür. E., E., loss mech gohn, eich sein e schine Vugel; V. git mer e Hohn usf. Trier-Holzerath. Soll ein Kind gewarnt werden, dann sagt die Mutter: Wart, et E.che sieht et (krisch, ös bedröf, darsch et net sehn usf.) d. h. der Schutzengel Allg. — E. u. Teufel im Kindersp. Von einer Schar Kinder geben sich zwei die Hände, nachdem sie sich vorher die Namen ‘E.’ u. ‘T.’ zugelegt haben ohne Wissen der übrigen; diese treten nun zu den beiden, werden von ihren Armen umschlungen u. müssen sich entscheiden, auf eine Seite der Betreffenden zu treten; wenn sich alle entschieden haben, wird ihnen verkündet, wozu sie sich entschlossen haben, ob sie E. [Bd. 2, Sp. 131]
oder T. geworden sind; Freudenruf auf Seite der E., das Gegenteil auf Seite der T. Auch beim Brückensp., wobei zuletzt die T. gerieselt, die E. geschaukelt werden Allg.; die E.kəs warde gedrage, die Düvelkes warde geschlage Meiderich. E. u. D., ein Tauschsp. Merz-Becking. — 2. auf Menschen übertr. Jung E.ə, al (alt) Düvele Köln. E.ə bei Fremde, en Deuvele bei de Sing Aach. En Frau kann us nem Mann ne E. mache oder och ne D. Dür-Gürzenich. De E. (das vor der Ehe zutrauliche, nette Mädchen) kreəg (in der Ehe) e Düvelsstetzche Aach. En voll (betrunken) Frau es en E. em Bett Sol, Verbr. He üs en Ingel mit em B. derföar MülhRuhr, Allg. För de Hochtit sät de Brüdigam ‘Du E.’, on sin se en half Johr getraut, dann sät sie ‘Du Bengel’ Klev-Uedem, auch kürzer för de H. E., no de H. B. [E., B. auch im Abzählreim: E., B., Bonnegeərt, bös me kene halve Penneng weərt Rheinb-GrBüllesh; E., B., Ditzel, wer backt Britzel, wer backt Kuchen? Der muss suchen Merz-Bachem; E., B., Bearenbroat, schleht si Vader on Moder doat Elbf; die Glocken läuten: E., dau B., schäpp de Sopp aus, et es Zeit May-Kehrig (s. auch Bengel)]. De E. dräht sing Flögel em Fudderal scherzh. für einen Buckligen Köln, MGladb. — 3. direkt vom Menschen gesagt. a. von Lebenden. E.che Kosew. für kleines Kind Allg. Mer muss de Könner nöt E.chən nennen, sos sterwen se bal Trier. Bläcker E. Hemdenmatz Eusk, Altk-Birken Schürdt. — E.chər die weissgekleideten kleinen Mädchen mit Blumenkränzchen im Haar u. Emblemen in den Händen, das Allerheiligste bei Prozessionen begleitend Allg; Kind im weissen Kleid, das während der Trauung die Hochzeitskerze trägt Trier. — b. nach dem Tod. Stirbt ein Kind, so wird zum Trost gesagt: Jetz häste och en E. em Himmel; dat es jetz en schünen E. em H. Rip, Allg.; ironisch das get och e schiner E., wann der en de H kommt Saarbr, Allg. A.: De as secher och e schungen E. am H.! B.: Ech graulen, en hat e lange Schwanz SPrüm. Wenn dej doch en E. em H. wör! Mörs-Orsoy. Stirbt einer, an dessen Tod nichts gelegen ist: Dat es en freschen (gujen) E. em H. Neuss, Bergh, Rees. Un dat wellen E.ə werde! sat der Pastor, do soch he nen Haufe besoffener Bore Köln. — 4. übertr. a. E.chen Marienkäfer Bernk-Merschd. — b. Pflanzennamen. α. E. un Deiwelche Blüten des Hirtentäschelkrautes, capsella bursa pastoris Ottw-Landsw Neunk; glatte Wurzel des Knabenkrautes, orchis Eif (o. O.). — β. E.cher on Deuvelcher Aronstab Sieg-Bohlschd. |