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 DWB windebrunnen (Bd. 30, Sp. 278)   DWB winde (Bd. 30, Sp. 274) 
 windebrunnen, m., 'ziehbrunnen', thür. Hertel 258; windeborn wald, Bauer-Collitz 114a; eichsf. Hentrich 68.

 

 winde , st. und schw. f., zu winden st. v.
A. zur bedeutung 'biegen, krümmen' (sp. 287).
1) 'windung'; wind spira Diefenbach nov. gl. 345b; vortex gloss. 629b; mhd. winde f. windung, mhd. wb. 3, 682; vgl. engl. wind windung, gasse: ein weg zwischen lieblichen winden, blumigen auen Börne (1840) 1, 124 nach Sanders ergb. 639a.
2) 'streifen, gewundene linie im glas' Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 743.
B. zur bedeutung 'drehen, umwenden' (sp. 288).
1) 'thürangel'; in mhd. angelwinde, cardines, mhd. wb. 3, 682; vgl. auch gewinde n., charnier Schmeller 2, 948.
2) 'in angeln oder in charnieren drehbare, fensterähnliche vorrichtung in nonnenklöstern, die den zweck hat, gaben austheilen oder mit besuchern reden zu können, ohne mit den auszen stehenden personen in berührung zu kommen'; spätmhd. und nur oberdt.; nach den vorstellungen von ihrer beschaffenheit sehr verschiedenes, z. b. ein vergittertes fenster im sprachhaus, das man zudrehen kann Frisch 2, 450a; crates Eberl. v. Günzb. 3, 343; hemicyclus versatilis Dentzler 353b; ein umdrehbares kästchen in der wand, um speisen und andere dinge in die clausur bringen zu können Schmeller 2, 948; wagrecht drehbare vorrichtung zum ein- und auslassen der dinge Lexer; zum aufziehen von gegenständen Jelinek 959; schalter im äuszern klostergang, wo man das almosen austheilte, zs. f. gesch. d. Oberrheins 1, 181; nach der häufigen verbindung mit fenster u. ä. zu schlieszen, doch am ehesten fensterähnliche öffnung oder verschlusz: vom reden am redfenster und winden Eberlin v. Günzb. 3, 77 neudr.; di .. vermaurten si in ire lieht (fensteröffnungen) und winden uberal und turren nimer flaisch essen chron. d. dt. städte 1, 375; die ganze stadt Wien ist dazumal fast zu einem nonnencloster worden ... und schier alles durch fenster und winden ein- und ausgelassen worden, damit nur der leib ... die pest nit erbe Abr. a St. Clara Judas 3, 249; andere belege widersprechen dieser annahme nicht: von der winden und seiner ('ihrer') ht Eb. v. Günzburg 3, 82;

o müller, du unmüsziger mann,
wie fahestu so grosz unruow an,
das du beschlosznen closterkinden
den schlepsack stost in zuo den winden,
das sie in dinn im closter finden?
Murner mühle 714;

wenn man z aim solichen closter kompt und wil ain predig hinein geben, so bald si in die winden gelegt würt, so spricht die priorin Keisersberg has im pfeffer (1510) c 2a.
3) 'bohrwinde', handhabe in gestalt einer doppelt gebogenen kurbel für die einzusetzenden, verschieden geformten bohrer; z. b. im gebrauch des bürstenmachers, wenn er löcher in das bürstenholz bohrt Jacobsson technol. wb. 4, 650a.

[Bd. 30, Sp. 275]

4) bergmännisch: winde, kunstwinde, ist ein instrument, damit die kunststangen, wenn sie gebrochen, zusammen gedrucket und also in einander gefüget werden Minerophilus bergw.-lex. 720.
5) in der anatomie ein walzenförmiger knorpel; daher a) die rolle, um die sich die sehne des oberen schiefen augenmuskels schlägt; oder b) der rollhügel am oberschenkel, trochlea Hyrtl kunstw. 165, Höfler krankheitsnamenb. 807a.
C. zur bedeutung 'wickeln' (sp. 289). bezeichnung für 'binde'; corrigiola Diefenbach nov. gloss. 115b; vgl. das häufigere windel f. 'binde': da gepot ich aim diener, die wint darum z winden Braunschweig chirurgia 90a; die herzogin .. nam .. die seidne wind, welche .. von gold und berlin gestickt .. was Wickram 1, 61; brachium mitella involutum, arm in einer winde gewunden Chytraeus (1594) 308.
D. vorrichtungen zu gleichzeitigem 'drehen' (einer welle, eines rades) und 'aufwickeln' (eines seils, des garns);
1) zum zweck des hebens oder fortbewegens von lasten, 'hebevorrichtung, hebezeug' Wolff math. lex. (1747) 1418; ferner zur ausübung eines drucks, zum anspannen, entspannen, pressen u. ä., 'spannvorrichtung, presse'. schon ahd. waʒʒar-winda Graff 1, 760; mhd. Lexer und mnd. Schiller-Lübben; dän. vinde; schwed. vind; in den mittelalterlichen glossarien für altifera, levaculum, levia, rotula, torclea, torda, torquea, troclea, volvella Diefenbach gloss. und nov. gloss.; als gleichbedeutend behandelt mit haspel Emmelius ncl. 376; Kirchhof milit. disc. 39; zug Golius onom. 193; aufzug Dentzler 353b; hebezeug Gottsched sprachkunst 113; schleife Jacobsson technol. wb. 4, 649a; kloben mit flaschenzug Adelung; spill, spiel (seem.) Fäsch; kran. — unterschieden in stehende und liegende winden Fäsch kriegs-, ing.-, seelex. 269a; s. ferner unten die zusammensetzungen.
den eingreifendsten unterschied bildet die verwendung von seilen, oder ihr fehlen, und dementsprechend die mittelbare oder unmittelbare wirkung der winde.
a) mittelbar wirkende, bestehend aus einer welle: ein seil durch ein wellen gezogen, als an der winden Frisius 452b; oder rolle: eine winde mit einer roln, geschlacht viehe in die höhe zu winden z. f. kulturgesch. 8, 204 (Nieder-Wildungen 1612); oder baum oder spille Fäsch a. a. o.; oder trommel Brockhaus conv.-lex. 14 16, 763; auf einem ständer, ebd.; und getrieben durch ein drehkreuz mit durchgesteckten hebeln Jacobsson a. a. o.; oder durch eine kurbel Brockhaus conv.-lex. a. a. o.; versehen mit starken seilen: hub ich meine form durch die kraft von winden und guten hanfseilen Göthe 44, 206 Weim.; oder ketten; vgl. auch die artikel winde(n)baum, -hebel, -seil, -stange u. a.; auch baumwinde Adelung, wagenwinde (s. unten) genannt.verwendet zur fortbewegung des geschützes: weiter ist not, das man hab ... leg- und hebeeisen, auch gut stark winden zum geschütz Fronsperger kriegsb. 1, n 2a; an thürmen: eine winde im wächterzimmer .. hob in einem groszen eimer .. seine lebensmittel empor Arnim kronenw. 1, 12; an warenspeichern: diese docks, diese riesigen winden, mit denen sie die waren in die magazine hebeln Gutzkow werke 7, 49; am heu- und erntewagen als wagenwinde, die mit den windenhölzern, -hebeln, -brettle gedreht wird, els. Martin-Lienhart 2, 838; an brunnen, s. DWB windebrunnen; in schlachthäusern, s. oben; in schiffen für das ankertau, auch spiel Fäsch a. a. o.: sie arbeiteten an der winde, halfen uns, die taue einnehmen Forster schr. 1, 220; als folterinstrument: links der folterknecht an der winde Stainhöwel de claris mulieribus 176; zum vorwärtsbewegen: anfangs dachte ich zwar auf eine winden, dasz man sich von Salzburg bisz Moscau möchte umbwinden lassen Stranitzky lust. reiszbeschreibung 7; — mit betonung der mühsamen arbeit:

die winde keucht, es rollt der hund
Droste-Hülshoff 1, 192;

und es knarrte die wind', und es ächzte das tau
Geibel 3, 30;

[Bd. 30, Sp. 276]

b) unmittelbar wirkende, mit einer schraube ohne ende Jacobsson technol. wb. 4, 651b; oder mit einer zahnstange: winde, damit man schwere läste in die höhe schraubet Rädlein 1, 1063b. — verwendet bei geschützen: mein meinung ist auch, das ein winden .. neben die püchsen hinden auf die laden gesetzt werde Dürer etl. underr. z. bef. d. stett f 11a; bei last- und reisewagen: einer winden, durch welche grosze lastwagen aufgehalten und in die höhe geschroben werden Treuer Dädalus 1, 374; eine ... winden, wie die fuhrleut gebrauchen Harsdörffer gesprechsp. 3, 247; mein wagen ... mit allen nebenbedürfnissen, z. b. winde, beil, hemmkette u. s. w. Nicolai reise durch Deutschl. 1, 11; als besondere art aus zwei rädern bestehend, womit die riemen, die die kutsche tragen, angezogen oder ausgespannt werden Jacobsson 4, 651a: diese kutsche war sehr lang, ... der kasten selbst birnenförmig, ... in riemen, die auf winden gingen, (nicht in federn) hängend v. d. Marwitz 23 Meusel; zum spannen der armbrust: als wenn ein toller mensch ein armbrust hette und mit groszem geschrei und wesen die winden nehme und das armbrust spannet Luther 26, 304 Weim.;

die armbrustschützen schlugen ir winden an
Liliencron hist. volksl. 1, 424 (1449/50);

hies im den knecht sein winden geben, lies das armbrost, das noch gespant was gelegen, ab Wilwolt v. Schaumburg 67; ap im in den zweien schussen an armborst ader winden .. schade entstunde mitt. d. alterthumsver. f. Zwickau 7, 49; Fronsperger kriegsb. 3, 141a; zum foltern: darauf hett der edlman das maidlin mit einer winden geklembt Th. v. Absberg 59 lit. ver.; weidmännisch: winden, damit die leinen anzuziehen sein Döbel jägerpract. 2 2, 252. — in der redensart unter die winde bringen, gegenstände, die gehoben werden sollen, dahin schaffen Helfft landbauk. 381.
zusammensetzungen: anker-, armbrust-, baum-, dampf-, differential-, erd-, fuhrmanns-, fusz-, hand-, haspel-, hebe-, kutschen-, mond-, rad-, schrauben-, sicherheits-, spann-, stein-, wagen-, zugwinde.
2) zum zweck des auf- und abwindens von fäden, garn, draht u. ä.; girgillus Diefenbach gloss. 263b; auch schran Rädlein 1, 1063b; haspel oder ab-, draht-, garnwinde; namentlich von den webern gebraucht Jacobsson technol. wb. 4, 649a:

welche (magd) gehaspeltes garn von der wind' abspulte zum weben
Voss ged. 2, 279;

beim färben zum aufwickeln der gemangelten leinwandstücke Jacobsson a. a. o. 649b.
3) von der im speicherraum alter häuser regelmäszig angebrachten, nach der strasze zugehenden windevorrichtung im süden übertragen auch bezeichnung für 'boden, speicher, estrich'; vgl. DWB winden, DWB der oberste theil des hauses Dentzler (Basel 1716) 353b; in Zürich der oberste boden eines hauses, zunächst unter dem dache, für sonstiges ästrich Stalder 1, 115: auf der 'winde' des hauses gab es mancherorts ganze 'tröge' voll apfelschnitze, dürre birnen, zwetschgen schweiz. arch. f. volksk. 6, 141;

... vom chäller, s. hūs ūf bis uf d winde
Usteri dicht. (1831) 2, 128.

ähnlich schwed. vind 'boden, speicher', das Falk-Torp 1382 wohl mit unrecht mit dän. vindske, vindsked 'windscheide, windbrett am giebel' zusammenstellen.
E. zur bedeutung 'sich schlingen um etwas' (sp. 290). pflanzenname; ahd. winda f. Steinmeyer-Sievers häufig, mhd. winde f. Lexer; erst spätahd. bezeugt, aber jedenfalls älter; vgl. die ags. zusammensetzung wiþowinde, widubindae oben th. 14I, 67 f. (wehdwinde). — jetzt nur noch für die gattungen der convolvulaceen Holl dt. pflanzenn. 416a; ursprünglich viel umfassender und soviel als 'schlingpflanze' überhaupt; auszerdem aber noch durch verwechslung für andere pflanzennamen, bei denen ein solcher zusammenhang nicht ersichtlich ist; so in ahd. glossen für vites, ligustra, citorea, ligusticum, lavindula, vulvula, corriola, poligonia z. f. dt. wortf. 3, 307; in mittelalterlichen glossarien für convolvulus, volubilis

[Bd. 30, Sp. 277]
media, aber auch für alcea, campanella, libisticum, liliastrum, ligustrum, herba venti, caprifolium Diefenbach gloss.; später noch für clematis, smilax Calepinus xi ling.; vgl. oben wehdwinde = geiszblatt, epheu, rainweide (ligustrum), winde; ferner baumwinde = epheu; gleichbedeutend mit helxine, seilbaum, zaunglocke, glockenblume Alberus (1540) ddijb; teufelsdarm Holl a. a. o.; weisze glocken Corvinus 1003; windblume, windglocke, -glöcklein, -kraut, windelkraut, windig, winderich, winderling, windling (s. die betr. artikel). — als arten werden genannt grosze Pritzel-Jessen 77, kleine, weisze 109; glatte 110; aufrechte Adelung; schwarze Alberus ttijb; schwarze oder mittel Corvinus a. a. o.; scharfe oder stechende ebd.; stechende Fleming vollk. t. jäger 13: mehr in zäunen und hecken lassen sich auch sehen die scharpfe winden, vitis nigra Rauwolf raisz (1582) 56. — ohne nähere bezeichnung meist soviel als ackerwinde, vgl. moselfr. wenn, nösn. wänn f. Kisch 243a; Leopold hdwb. d. ökonomie 530b. — zusammensetzungen: acker-, bär-, baum-, besen-, buch-, erd-, feder-, glocken-, harz-, hecken-, ketten-, knollen-, korn-, lein-, meer-, pähden-, purgier-, purpur-, salz-, sand-, säu-, stech-, strand-, trichter-, wald-, weg-, wehd-, weide-, zaunwinde.
literarische belege: ein krut fliechtende (flechtend, kriechend, s. oben th. 3, 1740, 2) uff den zünen wie winden Brunschwig kunst zu distilieren (1500) 91a; geiszblatt und die schlanke winde umwanden das grabmal S. Geszner werke 2, 24; die rosen waren nun wieder wie ihr mund, die himmelblauen winden wie ihre augen Eichendorff (1864) 3, 20.
F. zur bedeutung 'in einander verschlingen, verflechten' (sp. 294); vgl. ags. winde 'korb', ferner oben wand f., gewand n.
1) 'wand'; in ahd. vahs-winta discriminalia (scheidewände) Graff 1, 760; ahd. gl. 3, 333, 44 und in späterem wachswinde, etwa 'wachswand' (th. 13, 188); vgl.: die dicke und zähe matery, mit welcher die immen den eingang des binstocks ... verbauen oder das vorgebeu selbst, wachswinden, vorstosz Calepinus xi ling. 1174b; auch bei Maaler 479d. — im plur. mhd. 'wände des gezelts' Schmeller 2, 948; 'zelttuch' Lexer; belege im mhd. wb. 3, 682. — 2) 'leichter, leinener überwurf'; ahd. vielleicht winda f. suppara Graff 1, 760; ahd. gl. 3, 151, 8; supara Diefenbach gloss. 566b; vgl. auch windel.