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| DWB walgern (Bd. 27, Sp. 1236) | PfWB aus-wärgeln (Bd. 1, Sp. 488) | |||||||||||||||||||||||||||
1) formen und verbreitung. a) anfangs kommt nur die umlautlose form walgern vor, seit dem 15. jahrh. aber wälgern — meist welgern geschrieben — daneben und fortan wechseln die beiden formen mit einander. im ganzen wird in den litterarischen belegen walgern bevorzugt, die mundarten aber haben meist welgern, doch vielfach walgern daneben. nur in der bedeutung 'ekel empfinden' kommt welgern kaum vor. das gleichbedeutende wargeln, wärgeln ist wol zunächst auf walgeln (oben sp. 1227) zurückzuführen, dann aber auch für walgern eingetreten. — wie das einfache walgen, so kommt auch walgern mit ablautsformen vor. wilgern ist thüringisch ( 258. 46, auch bei 2420 und Rondeau erwähnt), wulgern kommt in ostmd. mundarten vor. 280. 260. 107. 124. 103. (1844) 9, auch nd. 115. auch in der bedeutung 'ekel empfinden' kommt wulgern, wolgern vor: gl. 376c nauseare. — die verhärtung des g, die walken (das sich aber in der bedeutung meist abzweigt) neben walgen zeigt, kommt auch bei walgern, welgern vor: walkern hat Stieler und Hohberg, welkern wird aus Nordböhmen, der Lausitz und Posen (s. DWB walkern), wilkern aus Nordthüringen (Liesenberg 114) angegeben. b) walgern findet sich zuerst bei crone 15842, wo es aber nicht im reim steht (der dichter gebraucht sonst walgen). abgesehen von diesem beleg, kommt das wort mhd. ausschlieszlich in mitteldeutschen und elsässischen quellen vor, so beim Meiszner, im passional, in der Stuttgarter handschrift von Megenbergs buch, bei Mynsinger, in den Leipziger predigten, in den 'rheinländischen' glossen zu S. Hildegardis physica ( nov. gl. 385b volvere). [Bd. 27, Sp. 1237] auch im 16. jahrh. erscheint es bei Elsässern (Keisersberg, Wimpfeling, Micyllus, Wickram, Frey, Fischart) und Mitteldeutschen (Alberus, Wicel, Scheidt, Kirchhof, bei Luther nur in den tischreden). von wörterbüchern verzeichnet es nur dict. V 3b torqueo, volvo, ich weltz, welger, schrot, volutatus in coeno, im kot gewelgert, Vv 1b voluto, ich welger. im 17. jahrh. gebrauchen es noch einige, so Zincgref, Grimmelshausen, Scherffer, Hohberg. die wörterbücher haben es jetzt allgemein (doch hat Stieler nur walkeren, Frisch kennt es nicht), besonders vom teig: welgeren, walgeren (den teig), distender, distirar (la pasta). 1226a; welgern den teig, étendre la pâte. 1045a; den teig welgern, to spread your dough with a rolling pin. 2443; den teig welgeren, den deeg rollen, uytrollen. (1719) 264a; welgern, wilgern, rouler, étendre la pâte avec le rouleau. Rondeau. doch auch in allgemeinerer anwendung: ich walgere, manibus comprimo, in offas convolvo. 2, 920; gewalgert, manu volutus. ebenda; etwas walgern, convolvere aliquid, mit den händen, volvere aliquid manibus. (1753) 2575. (als provinziell); walgen, walgern, rouler q. ch. avec les mains. Rondeau (als idiotisch). Adelung kennt walgern, wälgern aus dem 'gemeinen leben' als 'hin und her rollen', doch nur von weichen körpern. jetzt erscheinen die worte vor allem in technischen werken, doch hat auch W. Grimm in den märchen walgern gebraucht. c) das wort hat sich im elsässischen und den md. mundarten durchweg erhalten. 2, 821 (walichere, wæljere). 149 wäljere (181 welgere). 891. 437 (wälgern). 320 (wälgern, walgern ist 'unbehilflich gehen'). 280 (welgern). 252 (walgern, wälgern). 235. 116. 94 (welchern). 103 (walgern, welgern). 342 (welgern). 2, 453 (walgern). auch siebenbürgisch 138 (walgern) und in Waldeck 181 (welgern). über die nebenformen s. oben a. auch im deutsch der russischen Juden (ferwalgert umhergetrieben). 119. 2) bedeutung und gebrauch. a) transitives walgern, wälgern. α) etwas rundliches hin und her rollen: er walgerts hin, er walgerts her (das zu zerlegende huhn). einen (etwas) in etwas walgern: je mer sie gewelgert und gewaltzet werden in disen stinckenden unsauberkeiten. predigt Chrysostemi 10a bei Schmidt els. wb.; und auch die ... motwilliger weyse darneder geressen und inn dreck gewelgert. urfehde v. pfaff Heinz Johann v. Kleinrechtenbach v. 1546 (im archiv zu Büdingen); tauch ein grobes tuch in zerlassen schweffel, wälger es in dieser materey umb und wickels zusammen. kriegsbuch 2, 205a; die ayer in operment welgern und eins nach dem andern dem rosz in den hals stossen. zwei bücher von gebrechen der rosz 1, 51. β) namentlich etwas weiches mit den fingern rollen, zusammendrücken (so jetzt mundartlich, vgl. 1, b die angaben der wörterbücher): inn dem so greift die flöh-unru [Bd. 27, Sp. 1238] mit fingern du die peps γ) im Westerwald auch 'im munde hin und her werfen', z. b. sachen, die zu heisz sind oder nicht schmecken wollen. a. a. o. δ) mit einer rolle platt machen, namentlich kuchen- oder nudelteig mit dem wälgerholz überfahren (jetzt die gewöhnlichste bedeutung, s. auch 1, b die angabe der wörterbücher): (eine salbe soll man) walgern uff dem tischbrett, bisz es würt zweier finger lang. pest. 24a bei Schmidt els. wb.; man knettet es (das zuvor beschriebene teigartige gemeng, holohippen) mit fingern gar fest ab, walgerts auf das allerdünneste aus. 1, 232b; walgern oder welgern, den thon zu dünnen platten walzen. 2, 34; ein, dem gewicht der ... kerze angemessener, bis auf den gehörigen grad erweichter wachsklumpen wird auf der glatten tafel mit einem glatten rollbrette zu der verlangten länge und dicke gewalgert. volksgewerbslehre (1834) 2, 445. hess. auch den leichten boden nach der aussaat mittelst der ackerwelger befestigen. 446. ferner die wäsche rollen, plätten. 320. 891. ε) rollend fortbewegen: huben das fäszlein mit dem bier fein säuberlich vom wagen und walgerten es ein guten weg hindan in das korn. wendunmut 3, 165 Österley; was ich von steinen ihrer grösse und schwere halben nicht ertragen mogte, das walgerte ich herbey. Simpl. 2, 54, 17 Kurz. b) intransitives walgern, wälgern. dieser gebrauch ist viel seltener als bei walgen (da sich walgern vorgezogen wird), hat sich aber jetzt noch in bestimmten wendungen erhalten. α) sich wälzen, von menschen und thieren, meist mit angeschlossenem in: prüef auch des tawes edel nâtûr dar an, daʒ eʒ menschleicher nâtûre sô eben kümt und güetleich zuolacht, wenn eʒ reudik ist worden in dem lenzen; sô eʒ sich dann wescht mit tawe und dar inne walgert (text welzet) des morgens .., sô wirt eʒ sleht an seiner haut. 84, 12 in der Stuttgarter handschrift; diu swein habent die art, daʒ si daʒ ertreich umbwüelent und daʒ si mit den mäulern in wusten unlustigem ertreich walgernt (text: rüedent, andere variante: wüelen). 121, 31 ebenda; (eine sau) lustet sich zu erwülen und zu walgern in irem mist. predigt Chrysostemi 10a. β) hin und her gehen, vom glücksrad: dâ saʒ in ir magenkraft γ) wie walgen (2, b, β) ist walgern in Nassau 'unbehilflich gehen' 319. 437. δ) rollen, von runden gegenständen: der apfel der ist sinewel al umb unde ümbe, rund ist das geld, ε) sich wälzen, vom wasser, wellen bilden. im Elsasz 2, 821 und in Siebenbürgen 138 (von der trüben flut eines angeschwollenen flusses). entsprechend in Waldeck wulgeren 115. ζ) im boot hin und her schaukeln. in Ostpreuszen 2, 453. η) die bedeutung 'ekel empfinden' ist aus 'sich im magen bewegen' hervorgegangen (s. DWB walgen 2, b, η) und ist im wesentlichen nd.: unser sele walgert nu vor de allerlichtesten spise. nd. bibel, 4 Mos. 21, 5 bei Schiller-Lübben [Bd. 27, Sp. 1239] 5, 579; gl. 376c nauseare, walghern, wolgern vel spigen, wulgern, swulgern, schwulgern; n. gl. 362a nauseare, walgeren, welgern, walgern. Stieler führt in diesem sinn walgern neben walgen an, doch scheint ihm der reflexive gebrauch am geläufigsten: sich walgern, stomachum evertere, fastidire, nauseae molestiam suscipere, nausea segni et sine exitu torquere se. 2420 (auch in zusammensetzungen). noch Rondeau führt neben walgen auch walgern in dieser bedeutung an. c) reflexives walgern, wälgern. α) sich wälzen, von menschen und thieren: und gienc zu eime pusche groʒ, do gienc Franciscus in den sne, β) sich in etwas walgern: do begunde sich walgern der münech Ilsân er (der pelican) walgert sich in dikkem pfuole oben und under, γ) mit richtungsbestimmungen: er musz auf der erden sich wieder hinaus weltzen oder welgern. Tacitus 449a; wisset ihr nicht, dasz ein stein in einem augenblick sich selber einen hohen berg hinab welgert, da man ihn in einem gantzen tag nicht wider hinauff waltzen kan. apophth. 216.
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