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| DWB wahn (Bd. 27, Sp. 639) | Meyers Wahn (Bd. 6, Sp. 310) | |||||||
I. herkunft und verbreitung. ein urgerm. wort, ahd. mhd. wan (worauf auch die seit dem 11. jahrh. gebrauchte conj. wan ausgenommen, wenn nicht, zurückgeht), dazu as. wan mangelnd, mnd. mnl. wan, noch jetzt in nl. mundarten wan (s. unten II, 2. 4. 6 und 651 wan vanus, inanis, vacuus, malus, pravus als fland. holl. zeland.), fries. won (nur in zusammensetzungen erhalten), ags. won (prädicativ meist schwach wona) mangelnd, fehlend, frei von etwas, nicht voll (im jetzigen engl. als wan- nur in zusammensetzungen erhalten), anord. vanr fehlend, ermangelnd einer sache (dazu die ableitung vanta, mangeln, engl. want), aschwed. van 6, 499 (im jetzigen schwed., norw. und dän. ist van- nur in zusammensetzungen erhalten), got. wans mangelnd, fehlend (auch in ableitungen vorliegend). auszerhalb des germ. ist verwandt lat. vānus leer, eitel, gr. εὖνις beraubt, verwaist, arm. unain leer, avest. skr. ūna- mangelnd, zu einer wurzel vā ū mangel haben. das wort kommt im 8. 9. jahrh. als 'mangelnd', dann bei Notker als 'mangelhaft' vor und gewinnt in verbindung mit dem [Bd. 27, Sp. 640] gen. als 'frei von etwas' in der mhd. litteratursprache einen gewissen umfang, ohne sich dauernd in dieser verwendung halten zu können; an der grenze der mhd. und nhd. zeit kommt es in der geistlichen litteratur (wol nicht ohne einflusz des lat. vanus) in der übertragenen bedeutung von 'eitel, nichtig' öfter vor, auch einmal bei Luther als wahn; dauernd gehalten hat sich das wort nur in der bedeutung 'leer, nicht ganz voll' von gefäszen, dem menschlichen magen u. dgl., auf diese bedeutung wird auch in den glossaren (nicht in den gröszeren wörterbüchern des 16. jahrh.) mitunter hingewiesen und sie erscheint im 17. jahrh. bei Krämer, Schottel und (s. unten II, 6). eine ausführliche besprechung widmet dem wort, das aber im 'hochdeutschen längst veraltet' genannt wird, Adelung; er führt alle hauptbedeutungen des wortes, die er theils aus der alten sprache, theils 'aus einigen gemeinen mundarten Ober- und Niederdeutschlands' kennt, an. darunter befindet sich auch die aus dem nd. stammende bedeutung 'thöricht', die auch im 19. jahrh. bei schriftstellern nd. herkunft zuweilen vorkommt. im ganzen kann das wort schriftsprachlich jetzt als abgestorben gelten und erhält sich nur in einigen zusammensetzungen, deren zahl aber in raschem schwinden begriffen ist, da die meisten der hierher gehörigen, noch von Adelung und Campe angeführten bildungen, jetzt völlig verschollen sind. II. bedeutungen. 1) als 'mangelnd, fehlend' in absolutem gebrauch kommt wan nur im ahd. vor: deest, wan ist im keronischen glossar, gl. 1, 22, 4 (in gl. K. und Ra., während in Pa. wanna ist steht); wan wesan, deesse. benedictinerregel cap. 38; wan sint, desunt. cap. 53; wan si von dir, absit a te. Tatian 90, 4. hier auch mit persönlichem dativ: waʒ ist mir noh nu wan, quid adhuc mihi deest? 106, 3; fon thiu iru wan ist, ex eo quod deest illi. 118, 1. 2) die bedeutung 'mangelhaft, unvollkommen' läszt sich seit Notker nachweisen, der das wort öfter für 'imperfectus, diminutus' gebraucht, 1, 855. auch vom mond, der nicht vollständig gesehen wird (vgl. das verb. wahnen): be díu íst er danne fol, sô er áber bî íro (der sonne) gât, wánda sî ín dánne óbenân ánaskînet, pe diu íst er dánne wáner únseren óugon. Marcianus Capella 2, 10 (1, 790, 10 Piper). später kommt diese bedeutung bei dem selbstständigen wort merkwürdig selten vor, während in zusammensetzungen wahn- so häufig das unvollkommene, ungenügende, schlechte bezeichnet. doch ist das compositum von der verbindung des adj. mit einem subst. nicht streng abzugrenzen und die letztere mag öfters vorliegen, wo in unsren texten die zusammensetzung steht. sicher liegt die attributive verbindung wol an folgenden stellen vor: dy rotman habin dy gewalt, daʒ sy richtin obir allirhande wane mase und unrechte woge und unrechte scheffele. Magdeburg - Breslauer schöffenrecht 1, 6 Laband; alle wane moʒ an winschenken und an byrschenken, an scheffeln, an czu cleynen vaszen, wer daʒ brichet der ist bestanden driszig schillinge noch wyllekör der burger. willkür der st. Leobschütz, diplomat. beyträge 1, 17; vgl. DWB wahnmasz. 651 gibt für wan auch die bedeutung 'malus, pravus' an und im dialekt von Nordholland ist waan noch jetzt auch 'widerwärtig' (von einem anblick, dem wetter u. s. w.). 1177. in Südhannover kann wan 'schief' sein. 285 (vgl. auch ebenda wānig schlecht, fehlerhaft). sonst treten noch 2 specialisierungen bei dem worte hervor. a) in nd. und ndl. mundarten wird es von balken und brettern gebraucht, die einen fehler haben, indem sie keine gerade flache bilden oder das holz an einer stelle abgesplittert ist. 285. 1177. so schon mnd.: 1 m. pro 30 fulle und 6 wane delen to den bollwerken. quelle bei 5, 582. vgl. auch das subst. wahn unten II, 8. b) in rheinischen mundarten kennt man es von fehlerhaft gearbeiteten geräten, die nicht haltbar sind, so in Oberhessen wān, wōn 441, z. b. das schlosz ist ganz wōn gemacht. in Luxemburg wand 'von hölzernen zusammengesetzten gefäszen, wenn sie vor trockenheit die fugen auseinandergehen und folglich den flüssigen körper ausrinnen lassen'. 475. ähnlich in der Eifel wan 6, 20 (von fässern, butten, wagen, deren reife sich lockern), am Niederrhein wann (1873) 13. vielleicht ist hier auch die bedeutung 'thöricht, toll' (II, 7) anzuschlieszen. 3) seit dem ende des 12. jahrh. findet sich wahn mit einem genetiv prädicativ als 'eines dinges ermangelnd, entbehrend'. wahn sein, werden, bleiben, etwas wahn machen: wider dich bin ich valsches wan, [Bd. 27, Sp. 641] den (kopf) enpfienc sie von dem boten wan sô diu minne ir süeʒen louf minne mit vollen wart gewert, swelch mensch hat valschen mut, swelch mensch an ditz gestirne siht unt want ich tummer sinne bin, di brûdere sus gedâchtin: nû wolde got der gûte sich hb ein michel schal daʒ iu der munt noch werde wan, alsus schiet der fuhs hin von dan sie waren gutes willen wan des en wert min herte nummer wan 4) wahn bedeutet auch in absolutem gebrauch 'leer', hauptsächlich von behältnissen und geräten, und diese verwendung hat sich bis ins nhd. hinein erhalten. der gebrauch ist meist prädicativ; wahn sein, werden, machen: swaʒ wînes dâ wirt inne, swer kunst unde wîsheit swer arme leute twingen kan, unsern herren rufent die armen an, der wirt reicht mir den sinen kopf, also gieng es in dem saus, dat graf (Christi) was wan. ostersp. 121 bei [Bd. 27, Sp. 642] ob dann gesellen zu ime kämen, das sie ain lagl vast wan machten, so soll er (der händler) den wiert daʒ ander anfailen (verkaufen). österr. weisth. 2, 92, 10 (Tirol 14. jahrh.). wahn stehn: was hie vor stond wan und hol (die kästen, scheuern), wie hier steht wahn gern in verbindung mit bedeutungsverwandten adjectiven: bî den zîten was âne swær selten kommt es attributiv vor: aber lug das du nit habst ein rorin leren wanen stab, der usz ror gemacht sy, ein sölchen stab soltu nit haben, und dich dar an lenen. bilgersch. 22a. besonders häufig steht wahn von der leere des magens und nimmt zuweilen geradezu die bedeutung 'hungrig' an: si (der geiz) stecket vol und ist doch wan, einem reichen man gehœre ich (der hund) an, trunken, vol und niemer wan ... der küng (storch) ir keinen lieʒ genesen: diu sate krâ und ouch diu wan so eszent und drenkent sie zu frumen welch mensch ungleich gespeyset wirt, selten wird dagegen wahn von den kleidern gebraucht als 'entblöszt': der mantel ist ir hindan offan, lexicographisch wird die bedeutung selten verzeichnet: gl. 290c inanis, wane (aus einem glossar); 651 wan (als fland. holl. zeland.), vanus, inanis, vacuus. jetzt wird aus dem vlämischen wan als 'leer' angegeben. 1180, während deutsche mundarten es nur als 'nicht ganz voll' (II, 6) kennen. auch Rondeau, der wan, wanicht als altes wort für 'leer' anführt und Adelung, der sich auf ober- und niederdeutsche mundarten beruft, werden diese bedeutung meinen. 5) wahn in der übertragenen bedeutung von 'eitel, nichtig, unbeständig, erfolglos' kommt zuerst bei Nic. v. Jeroschin vor, dann (meist in verbindung mit bedeutungsverwandten worten) in der prosaischen litteratur des 15. 16. jahrh., besonders bei Keisersberg (wie es scheint, namentlich in den von Otther herausgegebenen schriften), auch einmal bei Luther; doch hat sich dieser gebrauch des wortes, der wol als ein halbgelehrter, durch das lat. vanus mit veranlaszter, anzusehen ist, nicht dauernd festgesetzt: [Bd. 27, Sp. 643] und dô der vîende her gesach, si (die feinde) vluhen unde quâmen dan. 6) die in der neueren sprache vorwiegende bedeutung, die auch jetzt noch in mundarten des südens und nordens lebt, ist die von 'nicht ganz voll, ungenügend gefüllt' (von gefäszen). sie wird aus der im vorausgehenden besprochenen von 'leer' abzuleiten sein (wendungen wie das unten angeführte eine spanne wahn stehen bilden dabei die vermittlung), läszt sich aber auch mit den älteren bedeutungen von 'ermangelnd, mangelhaft' in verbindung bringen (vgl. unten das masz wahn lassen). sie wird seit ende des 15. jahrh. öfters in glossaren und wörterbüchern angeführt: nicht vol, supplenus, vulgariter wan. voc. inc. teut. o 5b; wane und lere, nit gar vol, supplenus. ebenda C 2a; gl. 568a supplenus, wan, wane, wann, wain; nov. gl. 356a wan, wayn, wane; nov. gl. 334b semivacuus, wan, half ful (aus einem nd. glossar); Alberus dict. Hh 3a wan dicitur etiam quod non est repletum, carens, vacuus, da etwas mangelt; 1205 wahn, non riempito, mezzo vuoto; 1439 wahn, indigens, non plenus, wahnig, der wein ligt sich wahn; 2427 wan, wahn, deficiens, indigens, indigus, der wein ligt wan, vinum deficit, in deliquione est, oblanguet, die fässer sind wan, dolia deficiunt, non sunt plena; Adelung das fasz ist wahn, ein wahnes fasz. die meisten deutsch - lateinischen und modernsprachlichen wörterbücher führen das wort nicht an. in litterarischen quellen läszt sich die bedeutung auch seit dem 15. jahrh. nachweisen: item haben die stete hir gehandelt eynen merklichen gebrechen, der czu vil geczeiten gefunden wirt an dem heringe, der loze und bel gepacket ist, und zemliche tonnen zere wn sin. acten der ständetage Preuszens 2, 9 (v. j. 1436); es sol ouch (zu) Zúrich nieman enkein wanes vaʒ mit enkeinem wine uf tn. Zürcher stadtbücher 1, 95 Zeller-Werdmüller. ein fasz ist, steht, liegt wahn, etwas wahn lassen: si (die angieszer) suln auch daʒ pier rügen noch sant Walpurgen tage durch den sumer dem pfenter, swa man daʒ maʒ wane let. Nürnberger polizeiordnungen 206 Baader; swer pier schenkt und daʒ maʒe wan let und daʒ niht füllet. 211; ein vasz, das noch waen stehet, und die erd die noch auffginnet, hat ihe nit wassers und regens geng, vol aber thn sie sich z, und lassen nit mer hinein. paradoxa 130a; doch das man die fasz nicht gar voll fülle, damit der wein nicht ersticke, sonder eyn wenig lassen wahn stehn. feldbau (1580) 55; der ... ausz farlässigkeit die weinfasz wahn und halber lähr an warmen örtern hat ligen. kreuterb. (1595) 442b; wenn man mehl auff wagen fortführen wil, so müssen die fasz nicht wahn, sondern voll sein, das er sich im führen nicht zu sehr schüttelt oder rüttelt. hausbuch 1 (1611), 108; doch hab ich auch gesehen, dasz etliche, so balde die möste in keller kommen sein, die fasse etwa eine spanne wahn gelassen haben, damit sie in der gehre nicht überliefen. 2 (1612), 57; wann er (der meth) erkaltet, soll man ihn in ein fäszlein schütten, bey drey finger wahn lassen, dasz er vergiesse. kräuterb. (1664) 1526; und ob im keller auch die fasz [Bd. 27, Sp. 644] jetzt livländ. wān eines theils leer, nicht ganz voll. 255, ndsächs. wān brem. wb. 5, 175 (wein, fasz liegt wahn), in Nordholland wan von einer angebrochenen flasche. 1177, in Coblenz wann von einem fasz, das bald leer ist. 757, in Basel wan, won 309 (der wein ist wan 'auf der neige', wan liegen von einem angebrochenen fasse, worin der wein verriecht), in Baiern wan Schmeller2 2, 916 (wol nur in der älteren sprache, vgl. DWB wähne), oststeir. wan, nicht voll gefüllt, halb geleert. 617. von dem gefäsz, in dem sich ein getränk befindet, ist der ausdruck dann auch auf das getränk selbst übertragen worden und bezeichnet den zustand, wenn es nicht mehr frisch und gut ist. beim bier ist es 'trüb, hefig'. 570: wan (als alt) feculentus. grund-sätze der deutschen sprachen (1690) B 3b; das eine krügerin alda gewesen, so das bier gar übel und wahn (adv.? vgl. DWB wahnmasz) den leuten zugemessen. landtafel (1595) 429. beim wein ist es 'matt, abgestanden, säuerlich'. 309, vgl. auch die ableitungen wähnelig und wahnsig. 7) auf das nd. beschränkt sich das wort in der bedeutung 'thöricht', die vor dem 18. jahrh. nicht nachzuweisen ist; sie findet sich bei (aus 'einigen gegenden', ein wahner mensch, ein narr) und 2, 608, der bemerkt, wahn sei 'in der bedeutung von albern noch am bekanntesten'; auch noch bei Campe. die bedeutung wird als eine specialisierung von 'ermangetnd, mangelhaft' anzusehen sein und hat sich wol unter besonderem einflasz von bildungen wie wahnsinn, wahnwitz festgesetzt. die nd. idiotika des 18. jahrh. führen die bedeutung nicht an, doch kennt das brem. wb. 5, 176 waan als 'unklug, albern, ohne witz und verstand' aus dem clevischen; in den jetzigen mundarten ist eine steigerung zu 'ausgelassen, erregt, toll' eingetreten. 3, 373 (Mark). 6, 493 (wone, höchst wütend und aufgebracht, aus Lippe). 111 (wāne). 314. in Westfalen kann das wort durch übertragung auch 'auszerordentlich, ausgezeichnet, grosz' bedeuten, z. b. en wānen ossen, wāne köppe (kohlköpfe), dahin gehört auch das adv. wān, wāne auszerordentlich, sehr (vgl. den ähnlichen gebrauch von wahnsinnig in der schriftsprache). in der litteratur ist das wort in der 1. hälfte des 19. jahrh. mitunter von Niederdeutschen gebraucht worden: jagt das wahne gesindel hinaus und sorget für ärzte. der mensch 8) substantivierung. im got. steht neben dem adj. wans das neutr. wan, mangel, im anord. neben vanr das masc. vani, ebenso im ags. neben won das masc. wona, mengl. wane, fehler 667. aus dem hd. lassen sich substantivierungen, abgesehen von einer vereinzelten stelle bei Luther, nicht nachweisen, wol aber aus dem nd. und ndl. in der älteren sprache ist es 'fehler, mangel': N. N. vragede, efft to Gosler nagel gesmedet weren, dar wan ane were, efft men det vor dem vorstinge richten moge oder nicht? weisth. 3, 265; wan (als alt), defectus, indigentia, inopia. 651; wer sich nimpt an, a) im ostfries. und in ndl. mundarten bezeichnet das wort eine schlechte stelle im holz, ein loch, splitter u. dgl. (wie auch engl. want 'mangel' zu fehler, loch in einem brett specialisiert werden kann. 915). 3, 505. 476. 1177 (besonders die rauhe, mit rinde bedeckte kante von holz). 1180. vgl. DWB wahnkante. ostfries. sprichwörtlich man findt selden 'n swâr stük holt sünder wân. [Bd. 27, Sp. 645] b) in der ndl. schriftsprache ist waan ein leck in einem schiff. nicht hierher gehört ein österr. masc. wahn, s. DWB wahne 2. 9) in der zusammensetzung zeigen wahn- von ausdrücken, die der litteratursprache angehören, nur wahnsinn und wahnwitz, wo aber anlehnung an das subst. wahn stattgefunden hat. wahnsinnig tritt erst im 15. jahrh. auf (wahnsinn noch später), so dasz im eigentlichen mhd. nur wanwitze gebräuchlich ist, das ahd. besitzt auszer wanawizzi 'vecors' auch noch wanaheil 'debilis' und wanwâfan 'inermis'. in hd. volkssprache lebt noch wahnächs, wahnbauch, wahnsauer, einige andre worte sind aus dem nd. in neuerer zeit in die schriftsprache gekommen. dort findet sich nämlich wahn, mit substantiven, adjectiven oder verben zusammengesetzt, in zahlreichen bildungen (vgl. besonders Germania 23, 5 ff. 3, 506 ff., viele worte kommen schon im mnd. vor), wie auch im niederländischen, friesischen, englischen und den nordischen sprachen. einige dieser nd. worte begegnen schon in älterer zeit auch in benachbarten md. dialekten (vgl. DWB wahnhoffnung, DWB wahnmasz, wahnschaffen). in den wörterbüchern des 16. 17. jahrh. werden die zusammensetzungen, abgesehen von wahnsinn, wahnwitz u. s. w., gar nicht erwähnt; erst Stieler führt eine anzahl auf, die er wol seiner thüringischen mundart entnahm, andre Ludwig, aber erst Adelung ist den bildungen in gröszerem umfang gerecht geworden, obgleich er ihnen allen ein prädicat wie 'veraltet, gemein, mundartlich' mit auf den weg gibt, noch eine gröszere zahl hat Campe, verleiht aber auch fast allen das zeichen des landschaftlichen oder veralteten. jetzt sind die ausdrücke verschwunden oder leben nur noch in der technischen sprache. — wahnsinn, wahnwitz sind mit den seit mhd. zeit vorkommenden bildungen zusammengeworfen worden, in denen wahn- zu dem subst. gehört und das vermeintliche, falsch angenommene, eingebildete bezeichnet; dasz dies frühzeitig geschah, zeigt das bedeutungsverwandte, von vorn herein zu wahn gebildete wahnsucht. diese vermischung der beiden classen von zusammensetzungen ist dem nd. nicht eigen, da hier das adjectivische wan- (da das a meist vor doppelconsonant zu stehen kam) vielfach seine kürze bewahrt hat oder sonst ein unterschied in der aussprache geblieben ist, Ludwig hat darum wanhirn, wanhoffnung, dagegen wahngläubig, allerdings auch schon wahnsinnig, wahnwitz. Stieler, in dessen sprache auch ein unterschied gewesen sein musz, hat noch wanwitz, auch wanhoffnung, wanglaube 'falsa fides' (dagegen 665 wahnglaube 'spes vana'), führt aber die unterscheidung nicht durch (121 wahnkorn).
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