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 DWB unecht (Bd. 24, Sp. 445)   DWB echt (Bd. 3, Sp. 20) 
 unecht, adj. adv. , gegentheil von echt. md. unêcht neben mhd. unêhaft; mnd- unecht(e); mnl. onechte; nl. onecht; afr. unaft; dän. uægte; schwed. oäkta; nicht oberd.; s. DWB echt; unächet alb. d. lit. ver. in Nürnberg 1851, 183; unacht Lohenstein Arm. 2, 7; unechtig Vilmar 82; onècht lux. 314a; Strodtmann 263; Mi 96b; Stürenburg 298a; Doornkaat-Koolman 3, 470a; oneft Dijkstra 2, 287b. bis ins 17. jh. auch unechtig (unechtig erfunden .. und ehebrecherisch Bugenhagen chr. sachen 1531 i 4b; unechtige und unzüchtige leut Mathesius Luther 1567, 146b; Forbiger Guicc. 153a; Sandrub 34, 6 neudr.; Corvinus 274; Lohenstein Arm. 1, 1001b), selten unechtlich (Wedel hb. 281); mnl. onechtelike; nl. onechtelijk, onechtsch. der rechtsbegriff verwandelt sich in den allgemein normativen: ohne das, was das wesen des dinges in seiner reinheit und geltung ist, und doch so, als wenn dieses wesen da wäre Weigand syn. 1, 10; s. unehelich, unehrlich, νόθος, adulterinus, spurius Zedler 49, 1072 ff.; Krünitz 195, 207 ff.
1) in der rechtlichen grundbedeutung rechtlos, unfrei Budde rechtlosigkeit 152. 15: ane weregelt sin unechte lude Sachsensp. 3, 45, 11; Schiller-Lübben 5, 41b. subst.: to echte efte to unechte 5, 42a. vgl. DWB unehe und unechteschop. ebenso mnl., nicht hd.; doch klingt an: der major wollte die dichtart .. für subaltern und fast für unecht .. angesehen wissen Göthe 24, 296, 20 Weim.; aber vgl. 2 a. b; unechter irrthum bei rechtsgeschäften Savigny syst. 3, 441 s. 2 b. bes. von unehelicher geburt: unechte kinder J. Grimm rechtsalt. 1, 637; allg. haush.-lex. 3, 424. vgl. DWB bankart, DWB beischlag Logau th. 1, 1112. mnd. unechte, n., mnl. onechte, wilde ehe; amasia Diefenbach gl. 28b: unecht geboren städtechr. 7, 11, 22; unechte und unzüchtige leut Mathesius Luther 1583, 130b; aus unechten kebsweibern Micrälius P. 2, 168;

was ist Cupido vor geschlechtes?
ein ächt kind oder ein unächtes?
Henrici (1727) 1, 367;

mit seinem unächten betrieger (Gloster) Herder 5, 240; ehe Campe; s. DWB unehe; nur im gemeinen leben einiger gegenden Adelung; Marsils unächter sprosz Gries verl. Rol. 4, 19; Ranke 1, 170 u. o.; kein unächtgeborenes mädchen Riehl naturg. d. v. 3, 225. echt en onecht nl. wb. 10, 1552. erweiterter gebrauch: unecht adler Dach 557; die italiänische sprache eine unechte geburt der lateinischen Morhof 1, 182; übergehend zu 2: unächte kinder seines geistes Stolberg 13, xiv. die rechtliche bedeutung zweifelhaft: ein unächter maurer Zimmermann eins. 2, 60; unächte müntze vern. tadl. 2, 148; Frisch 1, 214c. vgl. adulterinus mnl. = overspelig, ontard; urkunde Dahlmann fr. rev. 307; Graf-Dietherr 210.
2) übertragen
a) auf herkunft, verfasserschaft, urkundlichkeit, beglaubigung im allgemeinen: welches (fragment)

[Bd. 24, Sp. 446]
sie für unächt und untergeschoben erklärete Gottsched neueste 3, 85; aus einer unächten quelle Heinse 10, 313; das unächte ausscheiden Ranke 15, 91; den unächten Joseph Grabbe 4, 68; die unächten fahnen Rückert 1, 206; das gedicht ist in dem ... neuen abdruck . unächter geworden J. Grimm kl. schr. 4, 25; unächterweise Welcker denkm. 1, 456; unechterklärung Weisz leben Jesu 1, 90; unächtsein allg. d. bibl. anh. 53—86, 479.
b) falsch, unrichtig, unwahr, unwirklich, übertrieben, verstellt, vorgetäuscht, nachgemacht, kitschig u. ä. obschon in ä. spr. vorgebildet (unecht holt unfruchtbares, nur zur feuerung taugliches Schiller-Lübben 6, 289a; unêcht (nicht schlachtbare) souwen addir wandelbâr fleisch willkür v. Heiligenstadt (1335) bei Lexer nachtr. 384. mnl. entartet. nicht rechtschaffen, nicht from, unechtig Faber 1587, 551b), doch erst im 18. jh. allgemeiner entwickelt. noch Schönaich bewitzelt unechte bäume, menschen, hunde, unechtes gefühl 20, 11. 139, 6 K. mit der veräuszerlichung der cultur wird der kampf gegen das unechte losung: das geschrey .. vermischt das lautere eines wercks mit eynem unechten beysatze Lohenstein Arm. 1, 95a; vorstellung der unächten (wankelmüthigen) liebe Breitinger cr. d. 1, 464: das unächte band des friedenszwangs König 20, 3; was darinn (im charakter) übertrieben und unächt war Wieland Ag. vorb.; unechte convenienz Lessing 10, 50; wesen Loen kl. schr. 1, 46; alles schlechte und unächte Zimmermann eins. 3, 444; hülfsmittel surrogate Adelung mag. 2, 2, 95; darstellung Schiller 4, 52; schönheit und grösze Schubart leb. 1, 142; universalität Fr. Schlegel Ath. 1, 145; sittsamkeit Schleiermacher Plat. 6, 136; so unechte bildung, vornehmheit, kunst, u. prunk, schein, flitter u. s. w.; der unächt mystischen ascetik I 5, 55;

das ist am allermeisten unerquickend,
dasz sich so breit darf machen das unächte
Rückert 3, 156,

echt oder unecht sind bei der bibel gar wunderliche fragen ... was ist unecht als das absurde, hohle und dumme, was keine frucht bringt Göthe gespr. 8, 147. seine abneigung gegen alles unechte.
c) terminologisch Zedler, Krünitz a. a. o.: steine, perlen, weine, metalle, schmuck- und gebrauchsgegenstände, genuszmittel, einrichtungen, arten und exemplare der beschreibenden naturwissenschaften u. s. w.; zusammensetzung Adelung lehrg. 2, 10; alterthümer Nicolai Noth. 2, 211; eine unächte porcellainfabrik reise 1, 183; die unächtesten farben Knigge rom. 1, 54, 3; ein unächtes alliage K. L. v. Haller rest. 1, xiii; insel Ritter erdk. 1, 138; arten 2, 182; reime, gewölbe; brüche, deren zähler gröszer als der nenner Euler bei Schirmer 19; unecht-konische projektion Lueger 2, 619; unecht bei krankheiten Höfler 109a. 775b. —

 

 echt , legitimus, genuinus, germanus, purus, ein der alten sprache in allen hohen dialecten unbekanntes wort, selbst heute weisz das volk in der Schweiz, in Baiern, Schwaben nichts davon und nur durch verkehr mit der schriftsprache wird es ihm zugebracht. Keisersberg, Luther brauchen es nie, bei Dasypodius, Maaler steht es nicht. es ist aus dem nd. vorgedrungen und schon dem Ssp. im dreizehnten jh. vollkommen geläufig: wo dieser echte nôt, echt ding, echte wîf, echt, unecht boren setzt, hat das schwäbische landrecht êhaft, êhaftiu nôt, êhaft dinc, êlich wîp, êlich geboren, rechtsdenkmäler und urkunden könnten manchen einflusz des nd. sprachgebrauchs gewahren lassen, Leysers pred. 47, 16 zu dem ehte, ad conjugium zeigen nur das subst., wie es bereits im Heliand 15, 5. 83, 4 vorliegen könnte. ein mnl. adj. ist mir zuerst bei Potter († 1428) minnenl. 2, 1783. 4, 593 im sinne von ehlich getraut aufgestoszen, dasz im teutonista und andern zu Cöln gedruckten vocabularen, so wie bei Kilian es nicht fehlt versteht sich. Wie hat man nun dies echt zu fassen? zu ahd. êht habe (von eigan habere) gehört es nicht, offenbar aber zu êwa, ehe, gesetz, es musz zusammengezogen sein aus êhaft, êhacht, wäre also êht; so nimmt auch Richthofen das fries. subst. âfte matrimonium für ehehafte, aus den compositen êchtelôs, êchtlik, êchtscipe, fries. âftlâs, âftlîk, âftscip hätte sich allmälich das scheinbar einfache adj. entfaltet. Hochdeutsch führt es Henisch 786, 10 an in der phrase echt und recht, ehrlich und redlich geboren sein, im laufe des 17 jh. mag es sich ausgebreitet haben; auf das nd. zurück leitet endlich auch das isl. ekta, schwed. äkta, dän. egte legitimus, die altn. sprache kannte es nicht. die nhd. schreibung ächt ist verwerflich.
Wir verstehen unter echt
1) das ehlich geborne: der echte sohn, gegenüber dem bastart;

bin ich im echten ehebett geboren.
Schiller 438a;

ein braver kerl von echtem fleisch und blut.
Göthe 12, 105;

ein echter deutscher mann mag keinen Franzen leiden. 12, 114;

mit einem adelsbrief musz nie der echte sohn
Minervens und Apolls begnadigt heiszen sollen.
Bürger 80a;


2) das wahre, aufrichtige: ein echter stoiker; ein echter freund;

wo soll man echte freundschaft finden?
Hagedorn 2, 33;

wenn ihr ein könig zwar, allein kein echter richter
von geist und witz und sprache seid.
Gökingk 2, 97;

sein ruhm der kan bestehn und sein gerücht ist echt,
wer dieses sagt was wahr, und dieses thut was recht.
Logau 3, 156, 3;

die echte thräne bleibt im auge stille stehn,
sie rinnet nicht herab, kein andrer kann sie sehn.


3) das unverfälschte, lautere: echte urkunde, waare, farbe, echter edelstein, echtes gold. nnl. echte waar, echte wijn, echt zilver. dasz eine echte gute seele von dergleichen fehlgriffen oft durch sich selbst gleich wieder zurück kommt. Göthe 22, 35; hört einmal, wollt ihr einen spasz haben, der echt ist? Lenz 1, 279.